Kategorie: Eigentumsfragen

Catastroika

Der durch Spenden finanzierte freie Film Catastroika (Website) zeigt, wie Privatisierung geht — von Russland über Chile und die Treuhand wird der Bogen bis zu Griechenland geschlagen, denn um Griechenland geht es. Und Griechenland ist nicht mehr zu retten, auch wenn jetzt wirklich alles verscherbelt wird, was noch in Staatshand liegt. Zu Wort kommen Slavoj Žižek, Naomi Klein, Luis Sepulveda, Ken Loach, Greg Palast, Dani Rodrik, Alex Callinicos, Ben Fine, Costas Douzinas, Dean Baker.

Was der Film nicht zeigt, ist, warum Privatisierung läuft. So erscheint Neoliberalismus als Ideologie von hintergründigen Drahtziehern, denen fehlinformierte Politiker_innen folgen. Diese Erklärung wird solange ausgerollt, bis den Autor_innen des Films bei der Frage nach der Alternative selbst mulmig wird: Nein, nein, zurück zu alten Verhältnissen der Staatsbetriebe wollten sie nicht. Sondern? Die Arbeiter_innen (»Werktätige« in den deutschen Untertiteln), die sollen die Betriebe kontrollieren. — Okay, aber was ändert das?

Widersprüche und Spannungsfelder in der Praxis aktueller Commons-Netzwerke – am Beispiel Freier Software

Titelbild des Hefts 124 der Widersprüche[Diese per E-Mail geführte Diskussion zwischen Annette Schlemm und mir erschien in der Widersprüche, Heft 124 (Juni 2012), S. 25–31.]

Widersprüche-Redaktion (W.R.): Mit dieser E-Mail-Diskussion würden wir gerne einen Beitrag für das nächste Widersprüche-Heft herstellen, der den Leser_innen einen Eindruck von den widersprüchlichen Entwicklungen alternativer Produktionsweisen – am Beispiel der freien Software – ermöglicht. Könnt Ihr eingangs ein paar Hinweise formulieren, wo Eures Erachtens gegenwärtig die entscheidenden Entwicklungstendenzen in dem Bereich der Commons-Netzwerke liegen.

Annette Schlemm (A.S.): In den letzten 10 Jahren hat sich die Erfahrung des Teilens im Gebrauch von Gütern und der selbstorganisierten Arbeitsteilung in vielen Bereichen verbreitet. Das erste Beispiel dafür war die Freie Software. Das Wichtige daran war nicht der technische Code, sondern die sich entwickelnde Praxis vieler Menschen, sich selbstbestimmt zu koordinieren. Bis dahin war häufig angenommen worden, dass eine von Menschen selbst organisierte Arbeitsteilung, die nicht über die „sachliche Vermittlung“ des Geldes bzw. des Kapitals oder planwirtschaftlich organisiert ist, nur als landwirtschaftlich-handwerklich orientiertes Kommune- bzw. Ökodorfnetzwerk möglich sein könnte, aber nicht global und auch nicht auf der Grundlage hochproduktiver moderner Produktionsmittel. (mehr …)

Commonismus in Dresden, Bamberg, Hamburg

Hier die beiden nächsten drei Veranstaltungen mit meiner Beteiligung:

Kommunismus oder Commonismus, 7.11.2012, 19:00 Uhr, WIR-AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099 Dresden (Veranstalter: RLS Sachsen):

Sind Commons die zeitgemäße Form, die Eigentumsfrage zu stellen und im 21. Jahrhundert zu beantworten? Was ist unter Commons zu verstehen? Ist es nur eine neue Form alte Fragen zu stellen oder geht es mit den Commons tatsächlich auch um einen neuen Inhalt? Müssen sich die Linken auf etwas Neues einlassen oder wissen sie es wie eh und je schon besser? Ist das Commons-Konzept als emanzipatorische Perspektive denkbar, ist es gesellschaftlich verallgemeinerbar? Geht es um Commonismus oder um Kommunismus?

Peer-Produktion – Bastelvergnügen oder Revolution? 8.11.2012, 20:00 Uhr, Balthasar, Bathasargässchen 1, 96049 Bamberg (Veranstalter: Freie Uni Bamberg): (mehr …)

GEMA-Vermutung aufheben!

Über die GEMA ärgern sich viele, auch wir haben uns immer wieder mit ihr beschäftigt (1|2|3|4|5|6). Jetzt läuft eine wirkliche sinnvolle Petition mit diesem Text:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, die sogenannte GEMA-Vermutung (§13c UrhWahrnG) aufzuheben und somit die Umkehr der Beweislast als unzulässig zu erklären.

Genau! Darum geht es: Die Umkehr der Beweislast zu beenden. Beweislastumkehr bedeutet, dass man nachweisen muss, dass ein Musiktitel/Künstler nicht bei der GEMA unter Vertrag steht. Oder andersrum: Es wird per default angenommen, das Musiktitel X bei der GEMA läuft, weshalb folglich z.B. bei Ausführungen Lizenzgebühren zu entrichten sind. In Zeiten von Creative Commons eine Absurdität, schreibt Hanno.

Bitte zeichnen — bis morgen werden noch 9.400 Unterschriften benötigt!

[Update] Das Quorum von 50.000 Zeichnungen wurde geschafft!

Post-Kapitalistische Landwirtschaft – Die Zweite

Resist07.sized2Hier nun der Artikel zum zuletzt geposteten Vortrag. Zuerst erschienen in Graswurzelrevolution Nr. 370

Post-kapitalistischer Landwirtschaft – Potentiale, Probleme und Perspektiven

„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“
Karl Marx – Kritik des Gothaer Programms

Nicht-kommerzielle Landwirtschaft, Community Supported Agriculture oder kurz CSA, Solidarische Landwirtschaft, Wirtschaftsgemeinschaften. In den letzten Jahren hören wir vermehrt von Modellen landwirtschaftlicher Produktion, die scheinbar versuchen die Bedürfnisse der Menschen statt ihrer Verwertung in den Mittelpunkt zu stellen. Von kurzweiligen Experimenten bis zu großen Höfen die bereits seit Jahrzehnten gut funktionieren, reicht die Vielfalt. Auch was die weltanschaulichen Hintergründe der Menschen betrifft, spannt sich ein Bogen von der Antroposophie bis zur Wertkritik. Entsprechend wichtig ist ein Dialog der in verschiedensten Netzwerken mehr und mehr stattfindet. (mehr …)

Geistige Eigentumsrechte und Freihandelsabkommen

[Beitrag aus dem Commons-Buch (Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Hg. Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung); Lizenz: CC BY-SA]

Beatriz Busaniche

Eine unendliche Geschichte

Man stelle sich eine Gruppe transnationaler Unternehmen vor, die über Monopole in der Pharmaindustrie, der Informations- und Kommunikationsindustrie und der Unterhaltungsbranche verfügt. Diese Gruppe konzentriert nun ihre Lobbyaktivitäten darauf, die Regierungen der Industrieländer dieser Welt zu bewegen, den Entwicklungsländern die »Harmonisierung« des globalen Systems der intellektuellen Eigentumsrechte aufzuzwingen. Genau das geschah in den 1990er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. (mehr …)

Commonismus

Titelbild ABC der Alternativen 2.0[Dieser kleine Einführungsartikel ist im ABC der Alternativen 2.0 erschienen (Hg. Ulrich Brand, Bettina Lösch, Benjamin Opratko und Stefan Thimmel; VSA, Hamburg 2012, S. 50–51).]

Im Kapitalismus ist das Ziel der Produktion der Profit – Firmen wollen Gewinne machen, InvestorInnen ihr Geld vermehren. Grundlage ist das Privateigentum, das einer Person oder Firma umfassende Nutzungs- und Verwertungsrechte an einer Sache einräumt, inklusive des Rechts, alle anderen von der Nutzung der Sache auszuschließen. Chancen auf volle gesellschaftliche Teilhabe haben die meisten Menschen nur, wenn sie eine Firma überzeugen können, dass diese ihre Arbeitskraft profitabel einsetzen kann.

Dies jedoch ist schwierig, weil man dabei gegen die anderen konkurrieren muss, die dasselbe wollen. (mehr …)

Post-Kapitalistische Landwirtschaft – Potentiale, Probleme, Perspektiven

Mit einiger Verspätung aber besser als nie. Hier findet ihr den Slidecast und Audiomitschnitt eines Vortrags den ich am 15.6.2012 in Kassel auf Einladung der Gruppe „Spunk“ (http://spunk.noblogs.org/) gehalten habe:

Der Ankündigungstext lautete wie folgt:

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A post-capitalist farming experiment – Potentials, problems and perspectives

Land14„From each according to his ability, to each according to his need“ – Marx, Critique of the Gotha Program

Potentials

Since one and a half years around 70 people are involved in a post-capitalist farming experiment. Situated in the middle of Germany a collective of 5 growers is feeding around 65 supporters, year-round with a full supply of vegetables. The production is organised along the needs and abilities of the community.

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Besondere Umstände 3

Es gibt mal wieder eine Folge des Podcasts Besondere Umstände mit Antje Schrupp und mir. Diesmal geht es wieder viel um keimformrelevante Themen.