Autor: Jojo Klick

Kritische Psychologie und Psychoanalyse

Einige Autor*innen hier bei Keimform beziehen sich ja immer mal wieder auf die Kritische Psychologie nach Klaus Holzkamp, Ute Osterkamp u.a.
Die ist leider gar nicht so weit verbreitet und gerade im unorthodox/anti-autoritär marxistischen Spektrum, dem man uns auch zuordnen könnte, beziehen sich viele, wenn es um Psychologie geht, eher auf die Freudsche Psychoanalyse – im Anschluss an die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, die versucht hat, diese mit dem Marxismus zusammenzudenken. Warum beziehen sich einige von uns hier also auf die Kritische Psychologie, auch wenn diese doch eher im Traditionsmarxismus entstanden ist? Ich würde sagen, weil keine andere psychologische Denkschule so konsequent die gesellschaftliche Natur des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Damit liefert sie Analysewerkzeuge, die nicht nur den Zusammenhang von individuellem Leiden und gesellschaftlichen Bedingungen erfassen können, sondern die auch eine Befreiung von Kapitalismus und Herrschaft denkbar machen. Und das ist ja das, was wir hier versuchen.

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Diskussionsstand der Buchprojektgruppe zur commonistischen Transformation

Seit ungefähr einem halben Jahr denken Simon, Stefan, Jan, Indigo, Alice und ich an einem neuen Buchprojekt zu Transformation herum. Jetzt haben wir einen Text geschrieben, der unseren bisherigen Diskussionsstand zusammenfasst, um die inhaltliche Debatte weiter zu öffnen:

Im Buch Kapitalismus aufheben1 haben Simon und Stefan einige grundlegende Gedanken zu Utopie und Transformation dargestellt. Gerade bei der Transformation sind einige Fragen offen geblieben, weshalb wir mit einem neuen Buch daran anknüpfen und insbesondere auch die Verbindungen zu Eigentumsfragen und zu sozialen Kämpfen berücksichtigen wollen. Dieser Text bildet den Diskussionsstand unserer Buchprojektgruppe von September 2020 ab, der sich bei einem einwöchigen Treffen herausbildete, dem mehrere Online-Diskussionen vorangegangen waren.

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You can’t vote for communism

Originally published on Fightback.org.nz, a trans-Tasman socialist media project operating in Aotearoa/New Zealand and Australia.

Over the last couple of years, we have seen leftist activists throwing themselves into electoral movements – Syriza in Greece, Podemos in Spain, and more recently the movement for Jeremy Corbyn in the UK and for Bernie Sanders in the US1. To some extent, enthusiasm about these popular campaigns is certainly understandable after decades of only defensive or unsuccessful left wing struggles which were not able to achieve structural change. However, there is also a lot of confusion about what to actually expect from an electoral strategy, since these movements often talk the language of radical change (e.g. Sander’s “political revolution”) and socialism, but in fact only have a social democratic program for regulating capitalism. I would argue that for radical leftists, it makes sense to figure out where we actually want to get – let’s call it communism – in order to figure out how to get there and what our practice should look like. (Spoiler alert: electoralism is not such a practice.)

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Queer zu Markt und Staat – Commons als Befreiungsperspektive

Im August ist eine neue Ausgabe der Queerulant_in, einer Zeitschrift für queere Politiken und Praxen, mit dem Schwerpunkt „Queere Utopien / Das schöne Leben“ erschienen. Ich habe dazu einen Artikel zu queerer Kapitalismuskritik und Commons beigesteuert, den ich vor über einem Jahr dafür geschrieben habe. Heute würde ich einige Sachen vielleicht anders schreiben – z.B. mehr auf die gesamtgesellschaftliche Utopie (denn das kommt in der Zeitschrift trotz des Schwerpunkt-Titels leider etwas zu kurz) und auf soziale Kämpfe eingehen. Aber als niedrigschwellige Einleitung zum Thema Commons und Kapitalismuskritik aus queerer Perspektive taugt es vielleicht. Die Queerulant_in ist übrigens sebst auch ein Commons, denn sie wird nicht nur von einem Kollektiv herausgegeben, sondern auch kostenlos vertrieben, sowohl online als PDF, an den verschiedenen Auslageorten als auch im Abonnement – dank Spenden und Fördergeldern.

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„Let’s talk about system change!“ – Online-Seminare zu Kritik, Utopie und Transformation

Einige Leute, die auch hier bei Keimform schreiben, haben zusammen mit weiteren Menschen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung Online-Seminare zum Thema System Change konzipiert, denn angesichts der Klimakatastrophe finden wir die Suche nach emanzipatorischen gesellschaftlichen Alternativen zu Kapitalismus dringender denn je.

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Aufstand und Konstruktion

Plakat von Crimethinc

Seit der Schwarze US-Amerikaner George Floyd am 25. Mai in Minneapolis vom Polizisten Derek Chauvin und seinen Kollegen umgebracht wurde, tobt in den USA ein Aufstand von einem Ausmaß, das es seit Jahrzehnten, seit der Ermordung Martin Luther Kings nicht mehr gegeben hat. Es gibt sowohl Demonstrationen als auch militante Auseinandersetzungen mit der Polizei und Plünderungen. Der Rückhalt, den diese Aktionen in der US-Bevölkerung haben, ist erstaunlich. So gaben bei einer repräsentativen Umfrage 54% der Befragten an, dass sie das Anzünden der Polizeiwache in Minneapolis gerechtfertigt finden (Quelle). Während Trump wenig überraschend eine harte Linie fährt, hat der Stadtrat von Minneapolis beschlossen, seine Polizeibehörde aufzulösen – die Bewegung zeigt also schon deutliche Erfolge. Auch in Deutschland gab es am vergangenen Wochenende Massenproteste in Solidarität mit der „Black Lives Matter“-Bewegung, die auch rassistische Polizeigewalt hierzulande thematisierten.

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Connecting immediate demands and communist transformation in the climate struggle – through commoning

A sentiment that is shared by many within the growing climate movement is that there is a connection between the capitalist mode of production and the climate crisis. In this piece, I will analyse this connection and explore what that means for transformational strategies towards eco-communism as well as immediate demands for fewer greenhouse gas emissions.

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Die Keimformen in der Pandemie

Seit zwei Wochen leben wir in Deutschland nun in einem Ausnahmezustand, in Ländern, in denen die Pandemie schon früher ausgebrochen ist, noch länger. Das öffentliche Leben ist weitgehend heruntergefahren, um die Ausbreitung von Covid19 zu verhindern. Einiges ist dazu bereits auch aus linker Perspektive geschrieben worden, einen guten Überblick bietet der Blog Solidarisch gegen Corona. Aus „unserer“ Sichtweise, der der Commons und der Keimformtheorie ist es bisher allerdings noch relativ ruhig, lediglich auf dem CommonsBlog ist ein Text von Jacques Paysan erschienen, der vor allem die biologisch-virologischen Grundlagen erklärt und erläutert warum es sinnvoll ist, sich an die Hygienerichtlinien zu halten. Zudem sind die Auswirkungen zu spüren, es müssen Treffen ausfallen oder auf Videochat verlegt werden, aber offenbar haben einige Leute auch mehr Zeit und schreiben und kommentieren jetzt häufiger hier auf Keimform. Mit diesem Beitrag will ich versuchen, mit ein paar vorläufigen Gedanken auf die gesellschaftlichen Dimensionen der Pandemie einzugehen bzw. vor allem auf die Spielräume transformatorischer Bestrebungen, in der Hoffnung dass darüber noch mehr debattiert wird.

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Klima, Kapitalismus und der Generalstreik, der alles verändert

In folgendem Text versuche ich das Verhältnis von Klima und Kapitalismus zu bestimmen, welches in der Klimabewegung viel diskutiert wird. Prinzipiell ist es möglich, innerhalb des Kapitalismus das Schlimmste der Klimakatastrophe1 abzuwenden, wenn der Druck von sozialen Bewegungen (z.B. durch einen Generalstreik) groß genug ist. Ökologisch nachhaltig wird der Kapitalismus dadurch jedoch noch nicht. Aber das gute ist: Strategien, die für unmittelbare Verbesserungen kämpfen und solche, die auf eine Überwindung des Kapitalismus zielen, müssen sich nicht widersprechen, sondern können einander ergänzen.

Anfang August durfte ich beim Fridays for Future Sommerkongress in Dortmund einen Vortrag zur Einführung in die Kapitalismuskritik halten und mit den Teilnehmer*innen über das Verhältnis von Kapitalismus und Klimawandel diskutieren. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Leute Interesse an dem Thema hatten und wir auch viel über die commonistische Inklusionsgesellschaft2 als Alternative zum Kapitalismus gesprochen haben. Ebenfalls schön fand ich, dass sehr unterschiedliche Menschen da waren und miteinander diskutiert haben: Es gab sowohl Leute, die klar antikapitalistisch waren, als auch solche, die den Markt für einen guten Verteilungsmechanismus hielten. Viele waren auch unentschieden, aber motiviert sich mit der Fragestellung auseinanderzusetzen. Allgemein hatte ich in der Diskussion wie auch in Gesprächen danach den Eindruck, dass die Frage, wie sich Fridays for Future zum Kapitalismus stellt, innerhalb der Bewegung zur Zeit viel diskutiert wird. Eine positive Entwicklung!

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