Kategorie: Eigentumsfragen

The problem of mediation

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„A post-capitalist society must determine the measure by which it mediates needs, weighs them against each other, and translates them into societal production“ (Hermann Lueer, 2026b)

Hermann Lueer has presented a perceptive and methodologically rigorous engagement with our book “Kapitalismus aufheben” [EN: Make Capitalism History] (Lueer, 2026b, own translation). It is refreshing to read a critique that does not stop at superficial polemics but instead raises structural questions regarding societal form. He acknowledges the intent, analytical advances, and results of our theoretical analyses (non-moral approach, utopia of possibility, constitution prior to rupture, critique of the form of mediation, critique of the state). We accept the criticism that it remains unclear how “a stable, transparent, and societally viable mode of production and distribution” is supposed to emerge from commoning and stigmergy—this point is entirely valid and has been raised by other authors as well. From today’s perspective, the state of the argument in “Make Capitalism History” (Sutterlütti & Meretz, 2023) must be characterized as rudimentary in this regard. More recent texts attempt to address these shortcomings (see below). However, the focus here is on the critique of the position held at that time; we do not wish to use the excuse that the material is “outdated.” Lueer’s critique addresses central questions concerning post-capitalist societies in general, making it a particularly interesting topic for discussion. Consequently, this response will take a somewhat broader approach. It will not, however, attempt to fill the gaps from that time—some pointers in this direction can be found at the end of the text, with references to more recent publications. This response focuses primarily on the question of what is fundamentally required for a society-wide system of mediation to function and generate coherence. For that is the question Lueer raises.

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Das Problem der Vermittlung

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„Eine postkapitalistische Gesellschaft muss bestimmen, nach welchem Maßstab sie Bedürfnisse vermittelt, gegeneinander abwägt und in gesellschaftliche Produktion übersetzt.“ (Hermann Lueer, 2026b)

Hermann Lueer hat eine scharfsinnige und methodisch saubere Auseinandersetzung mit unserem Buch „Kapitalismus aufheben“ vorgelegt (Lueer, 2026b). Es ist erfrischend, eine Kritik zu lesen, die nicht bei oberflächlicher Polemik stehen bleibt, sondern die strukturelle Fragen nach der gesellschaftlichen Form stellt. Sie würdigt die Intention, analytischen Fortschritte und Ergebnisse unserer theoretischen Analysen (nichtmoralischer Ansatz, Möglichkeitsutopie, Konstitution vor Bruch, Vermittlungsformkritik, Staatskritik). Die Kritik, dass unklar bleibe, wie aus Commoning und Stigmergie „eine stabile, transparente und gesamtgesellschaftlich tragfähige Produktions- und Verteilungsweise hervorgehen soll“, nehmen wir an – sie ist völlig berechtigt und wurde auch schon von anderen Autor:innen vorgebracht. Aus heutiger Sicht ist der Stand  des Buches “Kapitalismus aufheben” (Sutterlütti & Meretz, 2018) in dieser Hinsicht als rudimentär zu kennzeichnen. Neuere Texte versuchen die Defizite einzufangen (s.u.). Aber hier soll es jetzt um die Kritik des damaligen Standes gehen – mit „ist veraltet“ wollen wir uns nicht herausreden. Lueers Kritik betrifft zentrale Fragen postkapitalistischer Gesellschaften im Allgemeinen und ist deshalb so interessant zu diskutieren. Diese Entgegnung wird daher etwas weiter ausgreifen. Sie wird jedoch nicht darin bestehen, die Leerstellen von damals zu füllen – einige Hinweise dazu finden sich am Ende des Textes mit Verweis auf neuere Publikationen. In dieser Entgegnung geht es vorrangig um die Frage, was eine gesamtgesellschaftliche Vermittlung prinzipiell braucht, um zu funktionieren und Kohärenz zu erzeugen. Denn das ist die Frage, die Lueer aufwirft.

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Wie funktionieren CSX-Regionen?

Gunter Kramp und Simon Scholl haben sich am 02.03.2025 während der Solawi-Netzwerktagung in Tübingen getroffen und für 1 Std. zum intensiven Austausch über “Wie funktioniert eine CSX-Region” zurückgezogen.  Dabei ging es darum Gedanken die in den Texten zu Commons Verbünden hier bereits von Gunter und anderen ausgeführt wurden auf die konkreten Praxisberatungsprojekte an denen Simon beteiligt ist zu beziehen.
Die früheren Texte sind hier nachzulesen:
https://keimform.de/2022/commons-verbuende-diskussion/
https://keimform.de/2021/commonsverbuende-zweiter-anlauf/
https://keimform.de/2016/commonsverbuende/
Das Gespräch wurde von der KI App https://memoro.ai/ aufgezeichnet und automatisch transkribiert. Wie sich zeigte war aber noch einige Nachbearbeitung erforderlich. Sicher aber auch nicht mehr als wenn jemand versucht hätte alles direkt mitzuschreiben. Das Gespräch hatte dabei deutlich mehr Tiefe und Schlüssigkeit, als die von der KI generierten zusammenfassenden Texte, die nur das Niveau eines “mäßigen, etwas “laberigen“ Schulaufsatzes ohne wirkliche Sachkenntnis hatten. Daher findet ihr hier von Menschen und nicht KI leicht verbessert das Originalgespräch.

Simon:
Gunter, in unserem Gespräch soll es um die konkrete Vision gehen, eine sogenannte “Solidarregion” bzw. “CSX-Region” zu entwickeln. Dabei geht es im Kern darum, die CSX-Grundprinzipien der sog. “Gemeinschaftsgetragenen Wirtschaftsweise” (wie wir sie in bereits 600 Betrieben der Solidarischen Landwirtschaft und einigen CSX-Initiativen in der Praxis erproben) erstens auf noch weitere Grundversorgungsbereiche zu übertragen und diese dann im lokalen, beziehungsweise regionalen Wertschöpfungsraum miteinander in Verbindung zu bringen, um so dann eine “Gemeinschaftsgetragene Grundversorgungsregion” zu entwickeln, die resilient und solidarisch ist, den Menschen und dem Gemeinwohl dient.

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Einladende Kooperation

Commonismus als gesamtgesellschaftliche Alternative. Eine Replik auf die Thesen von Meinhard Creydt

Erschienen in: junge Welt, 29.01.2025

Von Stefan Meretz und Simon Sutterlütti

Am 28. November 2024 veröffentlichte Meinhard Creydt in der jungen Welt den Essay »Keine Alternative« zu Commons und Commonismus. Der Text beginnt vielversprechend damit, dass Commons die Elementarform des Commonismus sein können, so wie die Ware die Elementarform des Kapitalismus ist. Doch die Betonung liegt hier auf »können«, im Gegensatz zum Kapitalismus gibt es kein ausgeformtes System des Commonismus. Folglich auch keine Elementarform Commons, denn nur in der vollen Ausfaltung stellen sich die entsprechenden Verhältnisse von Element und System ein. Vor einem Commonismus haben die Commons bestenfalls Keimformcharakter, tragen also zwar die Möglichkeit der Verallgemeinerung in sich, bewegen sich jedoch unter realkapitalistischen Bedingungen in einer ihnen feindlichen Umwelt. Das berücksichtigt der Autor nicht, er schließt umstandslos von widerspruchsvollen Real-Commons auf den potentiellen Commonismus.

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Nikolas Kichler, Sigrun Preissing: Von der Marktabhängigkeit zum Commoning: das Potential der Vergesellschaftung

Wenn Governance, Naturverbunden Sein und das Grundbedürfnis Wohnen zusammenkommen

Abstract: Im Beitrag wird mit einer Analyse des strukturellen Dilemmas zwischen Markt und Staat im Bereich der Wohnraumversorgung und den damit verknüpften ökologischen Folgen begonnen. Dabei werden die negativen Auswirkungen der Privatisierung öffentlicher Wohnungen in Deutschland seit den 1990er-Jahren auf bezahlbaren Wohnraum und soziale Gerechtigkeit dargelegt.

Anschließend wird die Bürgerinitiative »Deutsche Wohnen & Co enteignen« in Berlin als wegweisendes Beispiel für die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen vorgestellt. Diese Initiative kämpft auf Grundlage von Artikel 15 des Grundgesetzes gegen die Profitorientierung des »Marktstaats« im Bereich Wohnen und erlangte im Jahr 2021 vor allem durch einen erfolgreichen Volksentscheid große Aufmerksamkeit. Ihr Konzept sieht vor, die Verwaltung der vergesellschafteten Wohnungen künftig über Anstalten öffentlichen Rechts zu organisieren.

Die Autor*innen bringen für die Gestaltung dieser neuen Strukturen Erfahrungen aus unterschiedlichen Commons-Projekten im deutschsprachigen Raum ein. Werden diese miteinbezogen, könnte die Anstalt öffentlichen Rechts in eine Public-Commons-Partnership münden und einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Daseinsfürsorge einläuten.

Im Weiteren wird das große Potenzial, das sich hinter Commoning verbirgt, anhand der Projekte Neustart Schweiz (Zürich), Haus des Wandels (Ostbrandenburg), vivihouse (Wien) und Inseln mit Hafen (Tübingen) aufgezeigt. Alle vorgestellten Projekte setzen auf die aktive Teilhabe der Beteiligten an Entscheidungsprozessen und auf fürsorgendes Wirtschaften. Sie reduzieren ökologische Zerstörung und fördern ökologische Nachhaltigkeit.

Im Resümee wird schließlich das Potenzial der Vergesellschaftung von Wohnraum herausgearbeitet: Sie könnte als Instrument dienen, die Rolle des Staats grundsätzlich neu zu denken – weg vom Marktstaat hin zu einem »Partnerstaat«. Ein Staat, der bedürfnisorientierte, fürsorgende Strukturen in Kooperation mit Bürger*innen ermöglicht und sich für eine fairere, lebendigere, aber auch wehrhaftere Gesellschaft einsetzt.

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Tilman Wendelin Alder: Ein Gespräch über Organizing bei DWE auf dem Weg zur Vergesellschaftung

Abstract: Dies ist ein Gespräch unter Kampagnenteilnehmenden von »Deutsche Wohnen & Co enteignen« (DWE) mit der Ausgangsfrage, inwiefern die Organizing-Methoden von DWE bereits das umsetzen, was mit der Vergesellschaftungsidee angestrebt wird. Sind sie der Anfang und die Voraussetzung? Colleen, Leonie, Lukas, Tanja und Tilman sprechen über den Basisaufbau im Kiez sowie in einzelnen Siedlungen und die damit zusammenhängenden Herausforderungen wie die Einbindung von Migrant*innen, Sprachgerechtigkeit, demokratische Teilhabe, Klimagerechtigkeit und Mitbestimmung. Es wird betont, dass diese Themen nicht auf einen ungewissen Tag danach verschoben werden können, sondern dass es Synergien braucht und das Vernetzung und die Organisierung eine Grundlage schaffen, um langfristige politische Veränderungen zu bewirken.

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Annette Schlemm: »Das ändert alles…«

Klassenkampf im Klima-Umbruch

Abstract: Nach den für die Bäuer:innen verlorenen Aufständen bis 1525 galt die Losung »Die Enkel fechtens besser aus«. Diese Losung gilt nicht mehr in der früheren Weise, denn bis zur Lebenszeit unserer Enkel werden sich die Grundlagen des Lebens und damit auch aller Kämpfe massiv verändern. Die Ausbeutung der Lohnarbeit und die Unterdrückung menschlicher Würde waren seit jeher auch mit einer Plünderung anderer natürlicher Quellen des Lebens, wie der Wälder und des fruchtbaren Bodens, verbunden. Diese Quellen sind mittlerweile so erschöpft, dass das Überleben vieler Pflanzen- und Tierarten und damit auch das Überleben vieler Menschen auf dem Spiel steht. Nicht nur die Abschöpfung des Mehrprodukts muss den herrschenden Klassen, d.h. derzeit denen, die das Kapital besitzen und Arbeitskraft kaufen (und ausbeuten), verwehrt werden, sondern auch die Durchsetzung ihrer Entscheidungen über unsere Lebensgrundlagen nach ihren Zwecken und mit den von ihnen vorgegebenen Methoden. Die Vergesellschaftung ist ein wesentlicher Schritt in diese Richtung.

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Jonna Klick, Noa Klee, Indigo Drau: Die Welt vergesellschaften

Warum Vergesellschaftung noch mehr infrage stellen muss als nur die Eigentumsverhältnisse in einzelnen Sektoren

Abstract: Die Vergesellschaftung einzelner Bereiche reicht nicht aus, um die sozialen und ökologischen Probleme unserer Zeit zu lösen – wie an den Bei-spielen Wohnraum und Energie exemplarisch gezeigt wird. Vergesellschaftung kann ihr Potenzial nicht entfalten, solange die kapitalistische Totalität, die die gesellschaftlichen Beziehungen über Geld organisiert, fortbesteht. Stattdessen braucht es eine Vergesellschaftung der ganzen Welt, also aller Bereiche gesellschaftlicher Reproduktion, mit der die gesamtgesellschaftliche Vermittlung geändert wird – weg vom Geld hin zu bedürfnisorientierter gesellschaftlicher Selbstorganisation bzw. Commoning. Eine solche Vergesellschaftung ist mit dem Staat nicht zu machen, da er abhängig von einer funktionierenden Kapitalakkumulation ist und deshalb ein Interesse an ihrer Aufrechterhaltung hat. Dies stellt Bewegungen für Vergesellschaftung vor die Herausforderung, einerseits reale Handlungsspielräume (auch über den Staat) zu nutzen, andererseits aber die Perspektive eines Bruchs mit Staat und Kapitalismus zu entwickeln.

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Simon Sutterlütti: Drei Formen der Vergesellschaftung

Marktsozialistisches Vergemeinschaften, kommandosozialistisches Verstaatlichen oder kommunistisch / anarchistisches Vergesellschaften

Innerhalb der sozialökologischen Bewegung existieren drei Strömungen mit jeweils unterschiedlichen Praktiken von Vergesellschaftung. Marktsozialist*innen wollen vor allem Produktionsmittel innerhalb der Betriebe vergemeinschaften. Kommandosozialist*innen wollen sie verstaatlichen. Kommunist*innen und Anarchist*innen wollen Geld und Lohnarbeit abschaffen, Reichtum nach Bedürfnissen und nicht nach Leistung oder Macht verteilen und so Produktions- und Konsumtionsmittel vergesellschaften. Dieser Beitrag stellt die verschiedenen Strömungen dar und argumentiert, dass nur die kommunistisch/anarchistische Strömung eine realistische Antwort auf die sozialen und ökologischen Krisen der heutigen Zeit bietet.

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Marcus Meindel: The Tragedy of Commoning et al.

Zu den Grenzen einer auf Gemeinsamen basierten Lebensweise

Abstract: Ist Eigentum als Ursache gegenwärtiger Katastrophen wie ungleicher Machtverteilung und ökologischer Zerstörung identifiziert, lautet die konsequente Antwort darauf Vergesellschaftung. Wenn mit Vergesellschaftung nicht Verstaatlichung gemeint ist, dann wird das vergesellschaftete Eigentum zu Commons. Der Umgang mit solchen Commons birgt allerdings Herausforderungen. Auf drei davon soll in diesem Text eingegangen werden: die Herausforderung hoher kooperativer Distanzen, mangelnde Selbstorganisationskraft und marktstaatliche Gesetzlichkeit.

Um diese Herausforderungen richtig einordnen zu können, muss der Begriff der Commons, wie er im deutschsprachigen Raum gegenwärtig verwendet wird, zuerst verstanden werden. Das scheint nicht möglich, ohne den Bezug auf zwei Personen: Zum einen ist das Elinor Ostrom, die für ihre Forschung zur Komplexität von Commons-Situationen den sogenannten Wirtschaftsnobelpreis erhielt, und zum anderen ist das jemand, der sein Leben lang nichts mit Commons zu tun hatte – die Rede ist von Garrett Hardin, Gründervater der Commons-Bewegung wider Willen.

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