Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

Kategorie: Praxis-Reflexionen

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Klima, Kapitalismus und der Generalstreik, der alles verändert

In folgendem Text versuche ich das Verhältnis von Klima und Kapitalismus zu bestimmen, welches in der Klimabewegung viel diskutiert wird. Prinzipiell ist es möglich, innerhalb des Kapitalismus das Schlimmste der Klimakatastrophe1 abzuwenden, wenn der Druck von sozialen Bewegungen (z.B. durch einen Generalstreik) groß genug ist. Ökologisch nachhaltig wird der Kapitalismus dadurch jedoch noch nicht. Aber das gute ist: Strategien, die für unmittelbare Verbesserungen kämpfen und solche, die auf eine Überwindung des Kapitalismus zielen, müssen sich nicht widersprechen, sondern können einander ergänzen.

Anfang August durfte ich beim Fridays for Future Sommerkongress in Dortmund einen Vortrag zur Einführung in die Kapitalismuskritik halten und mit den Teilnehmer*innen über das Verhältnis von Kapitalismus und Klimawandel diskutieren. Ich habe mich sehr gefreut, dass so viele Leute Interesse an dem Thema hatten und wir auch viel über die commonistische Inklusionsgesellschaft2 als Alternative zum Kapitalismus gesprochen haben. Ebenfalls schön fand ich, dass sehr unterschiedliche Menschen da waren und miteinander diskutiert haben: Es gab sowohl Leute, die klar antikapitalistisch waren, als auch solche, die den Markt für einen guten Verteilungsmechanismus hielten. Viele waren auch unentschieden, aber motiviert sich mit der Fragestellung auseinanderzusetzen. Allgemein hatte ich in der Diskussion wie auch in Gesprächen danach den Eindruck, dass die Frage, wie sich Fridays for Future zum Kapitalismus stellt, innerhalb der Bewegung zur Zeit viel diskutiert wird. Eine positive Entwicklung!

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Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen, Termine, Theorie

7. September 2019, 15:05 Uhr   Kommentieren

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Droht das Aussterben der Menschheit durch die Klimakrise?

Die Klimakrise ist endlich in aller Munde. Das ist gut. Greta Thunbergs „I want you to Panic“ ist genau der Richtige Aufruf. Die Folgen der Klimakrise werden schon jetzt schwer beherrschbar sein. Selbst wenn die Klimaziele von Paris eingehalten werden sollten – wonach es gerade ganz und gar nicht aussieht – werden die Folgen verheerend sein. Schon jetzt sterben Menschen wegen der Klimakrise. Dazu kommen mindestens zwei weitere dramatische ökologische Krisen: Das Artensterben und der Verlust von landwirtschaftlich nutzbarem Boden. Alle drei Krisen können sich gegenseitig verstärken. Wenn das ungebremst so weiter geht, werden vermutlich Milliarden von Menschen sterben und in der Folge könnte auch unsere Zivilisation an ein Ende kommen. Dazu gibt es durchaus wissenschaftlich fundierte Hinweise. Zusätzlich liest und hört man aber immer mal wieder die Warnung vom „Aussterben der Menschheit“. Ich war neugierig: Stimmt das? Ist da was dran? Kann das wirklich sein?

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Kategorien: Medientipp, Praxis-Reflexionen, Soziale Netzwerke

13. August 2019, 15:06 Uhr   10 Kommentare

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Wider dem Über-Ich, für die Gefühle

Auf der Attac Sommerakadamie durfte ich vergangenes Wochenende ein „Theater der Unterdrückten“ kennenlernen. Ich fand die Methode sehr spannend, aber ich wurde unheimlich wütend. Wütend über den Selbstbezug den das Theater uns nahelegte. Ich glaube es ist für die Überwindung von Herrschaft entscheidend anders mit uns selbst umzugehen. Einige wenige Gedanken möchte ich hierzu anhand des Beispiels entwickeln.

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Kategorien: Praxis-Reflexionen

6. August 2019, 01:22 Uhr   1 Kommentar

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Commons sind nicht genug …

Auf dem MOVE wurde der Widerspruch von innerem Wandel und äußerem Wandel thematisiert. Also Meditation, Yoga, Bedürfnisse ernst nehmen vs. Revolution, Aktivismus, Gesamtgesellschaftliche Veränderung. Ich halte diesen Widerspruch für zentral. Aber ich glaube um dem Thema gerecht zu werden, müssen wir diesen Widerspruch noch um einen dritten Pol erweitern: kollektiver Wandel.

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Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen

17. Juli 2019, 10:16 Uhr   6 Kommentare

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Lust auf Theorie?

Eine solidarische Kritik des MOVE Utopia (Teil I)

Diese Texte wollen meine Probleme mit dem MOVE aufwerfen. Sie fragen danach warum die gesellschaftliche Perspektive so häufig fehlt und weshalb Theorie oft so abstrakt und ausschließend ist, oder gar nicht erst wichtig wird. Der zweite Text versucht ein zentrales inhaltliches Problem des MOVE zu formulieren, dass aus der Betonung des kollektiven Wandels resultiert.

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Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen

15. Juli 2019, 15:45 Uhr   8 Kommentare

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Wir sind gehackt worden

Wir haben festgestellt, dass jemand in unsere Datenbank eingedrungen ist und versucht hat, über unseren Blog Malware zu verteilen. Das passierte von wahrscheinlich Freitag letzter Woche (17.5.) bis heute. Wir haben jetzt eine alte, saubere Version der Datenbank eingespielt, deshalb sind der neueste Artikel und mehrere Kommentare temporär verschwunden. Update: Die verlorenen Artikel und Kommentare wurden wiederhergestellt.

Update: Die Hacker*innen hatten Zugriff auf die gesamte Datenbank und damit auch auf die Passwort-Hashes aller Nutzer*innen. Wir empfehlen deshalb allen hier registrierten Leser*innen, ihr Passwort zu ändern. Die Passwörter von allen Accounts, die im Blog mindestens Mitarbeiterrechte haben, haben wir bereits zurückgesetzt – ihr solltet eine Mail bekommen haben, dass ihr euch ein neues Passwort setzen müsst.

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Kategorien: Praxis-Reflexionen

25. Mai 2019, 17:27 Uhr   Kommentieren

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Der globale Streik als globales Commoning

Fridays For Future in Frankfurt. Bild: Sebastian Scholl CC-NC-SA

Sicher habt ihr es alle mitbekommen. Vorgestern gab es die vermutlich globalste Schüler_innendemo aller Zeiten mit mehr als einer Million Teilnehmer_innen. Meine Eindrücke von dieser Bewegung könnt ihr hier nachlesen. Aber darum soll es jetzt gar nicht gehen. Sondern um die Perspektive, die dieser Erfolg aufmacht.

Ich denke diese Bewegung ist deshalb so erfolgreich, weil sie mit einer ebenso klaren wie radikalen Botschaft gestartet wurde:

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Lernen, Praxis-Reflexionen

17. März 2019, 00:26 Uhr   24 Kommentare

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Anarchosyndikalistische Gewerkschaften als Keimform?

Holger Marcks beschäftigt sich in seinem Artikel mit der Frage wie eine befreite Gesellschaft aufgebaut werden kann. Er argumentiert für die Bedeutung anarchosyndikalistischer Gewerkschaften, welche auf einer Mesoebene die Menschen organisieren können. Kritisch setzt er sich mit unserem Buch „Kapitalismus aufheben“ auseinander und auch mit Bini Adamczaks Vorstellungen, welche er einen „magischen Kommunismus“ vorwirft, der Pfadabhängigkeiten nicht achtet. Sicher kritikabel, aber einige spannende Gedanken :).

Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen

3. Dezember 2018, 12:16 Uhr   2 Kommentare

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Rezension: Dario Azzellini (2018) »Vom Protest zum sozialen Prozess«

Rezension: Dario Azzellini (2018). Vom Protest zum sozialen Prozess. Betriebsbesetzungen und Arbeiten in Selbstverwaltung, VSA, Hamburg 2018.

In seiner Dissertation über Venezuela untersuchte Dario Azzellini die soziale Transformation und die kommunalen Räte im Spannungsfeld zwischen Selbstorganisation und Staat. Nun hat er sich dem internationalen Phänomen der “Rückeroberten Betriebe unter Arbeiter*innenkontrolle” (RBA) zugewandt. Die Leitfrage der Flugschrift lautet: “Ist es möglich, im Kapitalismus ‘anders’ zu arbeiten und damit die Perspektive einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft jenseits des Kapitalismus aufzuzeigen und zu eröffnen?” (7)

Um dem nachzugehen hat Azzellini Feldforschung in dutzenden RBA weltweit betrieben. Anschaulich werden verschiedene Erfahrungen in Europa, im Mittelmeerraum, den USA und in Lateinamerika beschrieben, um daraus anschließend Gemeinsamkeiten abzuleiten. Da es sich bei drei der vier Kapitel um Überarbeitungen bereits erschienener Artikel handelt, wiederholen sich manche Sätze. Dies stört jedoch nicht weiter.

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Kategorien: Medientipp, Praxis-Reflexionen

26. August 2018, 08:18 Uhr   Kommentieren

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Die Keimformtheorie ist tot! Es lebe die Keimformtheorie!

Elementarformen

Nachdem ich etwas holprig bestimmt habe, was Elementarformen sind und welche es bisher in der Menschheitsgeschichte gab und nachdem ich erste Eigenschaften bestimmt habe, die die Elementarform des Kommunismus haben muss, möchte ich jetzt das Thema noch weiter vertiefen und mich dabei auch etwas genauer mit dem Begriff der Keimform auseinandersetzen. Die Diskussion wurde in der Vergangenheit etwas erschwert dadurch, dass es hier in unseren Kreisen zwei Verwendungen des Begriffs gibt. Die erste, die im Untertitel unseres Blogs allgemein beschrieben wird als „Das Neue im Alten“ ist sehr unbestimmt und bezeichnet eigentlich mehr oder weniger alle Ansätze im Hier und Heute, in denen wir Potential sehen für eine Neue emanzipatorische Gesellschaft. Neben dieser Verwendung gibt es noch eine speziellere, wie sie vor allem von Stefan, Simon und anderen in der ungeliebten Nachfolge von Robert Kurz  verwendet wird. Sie meinen mit „Keimform“ die Vorläufer der Elementarform der Neuen Gesellschaft in der Alten. Ohne die erste allgemeinere Verwendung des Wortes ausschließen zu wollen, beziehe ich mich im Folgenden auf die zweite, engere Verwendung des Begriffes, weil nur in diesem Sinne von einer „Keimformtheorie“ gesprochen werden kann und weil ich denke, dass ich, nachdem ich etwas präziser verstanden habe als bisher, was die Elementarform einer Gesellschaft ausmacht, ich nun auch etwas präziser bestimmen kann, was die Keimform einer neuen Gesellschaft in diesem engeren Sinn auszeichnen müsste.

  1. Da die bestimmende Eigenschaft von Elementarformen ist, die Kohärenz einer Gesellschaft herzustellen, kann es nicht mehrere Elementarformen gleichzeitig geben, da eine Gesellschaft nicht auf mehrere Arten kohärent sein kann. Es kann nur eine Elementarform geben.
  2. Daraus folgt unmittelbar, dass es zu jeder Bewegung von einer Elementarform zu einer anderen auch nur eine Keimform (ge)geben (haben) kann. Es mag mehrere verschiedene Formen gegeben haben, die von der alten Elementarform abgewichen sind, aber nur eine davon konnte sich in einer Richtung zur neuen Elementarform entwickeln. Es kann aber durchaus unterschiedliche Keimformen geben, die sich in unterschiedliche Richtung in der Elementarform-Matrix entwickeln. Vom den agrargesellschaftlichen Imperien aus betrachtet sind also sowohl Warenproduktion als auch Care und Commons Keimformen.
  3. Wir haben gesehen, dass schon die Veränderung eines Parameters in der Matrix ein extrem seltenes und schwieriges Ereignis ist. Dass sich beide Parameter gleichzeitig ändern, können wir also als nahezu unmöglich ausschließen. Mit anderen Worten: Es gibt keine Keimformen, die zu einer diagonalen Bewegung in der Matrix führen. Das bedeutet also, der direkte Weg von einer imperial organisierten Gesellschaft zum Kommunismus ist ausgeschlossen. Ebenso ausgeschlossen ist aber auch der direkte Weg vom Kapitalismus zu einer auf Commons und Care und interpersonaler Vermittlung basierenden Gesellschaft. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Feindbeobachtung, Freie Software, Praxis-Reflexionen, Theorie

18. April 2018, 19:10 Uhr   15 Kommentare