Kategorie: Theorie

Interview mit Stefan Meretz

Auch Geschichte: Helsinki, Sommer 2015…

Im Februar 2017 trafen wir uns mit einer Gruppe von Menschen, die gemeinsam den Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Commons“ verfassten. Mit dabei war Léa Eynaud, die zur Geschichte der neuen Commons-Bewegung promoviert und sich vorgenommen hatte, einige Personen dieser Bewegung zu interviewen.

Das Interview mit mir ist eine Mischung aus Lebensgeschichte und (neuerer) Commons-Geschichte geworden – ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein sehr subjektiver Blick auf 25 Seiten – verfügbar als PDF.

Konkrete und abstrakte Utopien

Utopien im Allgemeinen und dem Commonismus im Besonderen wird immer wieder Abstraktheit, Unerreichbarkeit, Wunschträumerei vorgeworfen. Friedrich Engels als auch Ernst Bloch haben diese Kritik paradigmatisch schon formuliert und Annette hatte die Kritik an unserem Entwurf von Commonismus (es gibt ja sicherlich auch andere) erprobt. Dieser Beitrag versucht diese Kritik nachzuvollziehen und utopietheoretisch fruchtbar zu machen. 

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Stefan zu ‚Kapitalismus aufheben‘

Video von nem Vortrag den Stefan im Februar 2020 in Bonn gehalten hat (Vortragsreihe hier: https://bonn.commons-institut.org). Ihr kennt wahrscheinlich schon einiges, aber ist schön dargestellt und von Stefan gabs ja schon länger kein schickes Video mehr. Der erste Teil ist der Vortrag, der zweite die Diskussion. Have Fun 🙂

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Diskussionsstand der Buchprojektgruppe zur commonistischen Transformation

Seit ungefähr einem halben Jahr denken Simon, Stefan, Jan, Indigo, Alice und ich an einem neuen Buchprojekt zu Transformation herum. Jetzt haben wir einen Text geschrieben, der unseren bisherigen Diskussionsstand zusammenfasst, um die inhaltliche Debatte weiter zu öffnen:

Im Buch Kapitalismus aufheben1 haben Simon und Stefan einige grundlegende Gedanken zu Utopie und Transformation dargestellt. Gerade bei der Transformation sind einige Fragen offen geblieben, weshalb wir mit einem neuen Buch daran anknüpfen und insbesondere auch die Verbindungen zu Eigentumsfragen und zu sozialen Kämpfen berücksichtigen wollen. Dieser Text bildet den Diskussionsstand unserer Buchprojektgruppe von September 2020 ab, der sich bei einem einwöchigen Treffen herausbildete, dem mehrere Online-Diskussionen vorangegangen waren.

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You can’t vote for communism

Originally published on Fightback.org.nz, a trans-Tasman socialist media project operating in Aotearoa/New Zealand and Australia.

Over the last couple of years, we have seen leftist activists throwing themselves into electoral movements – Syriza in Greece, Podemos in Spain, and more recently the movement for Jeremy Corbyn in the UK and for Bernie Sanders in the US1. To some extent, enthusiasm about these popular campaigns is certainly understandable after decades of only defensive or unsuccessful left wing struggles which were not able to achieve structural change. However, there is also a lot of confusion about what to actually expect from an electoral strategy, since these movements often talk the language of radical change (e.g. Sander’s “political revolution”) and socialism, but in fact only have a social democratic program for regulating capitalism. I would argue that for radical leftists, it makes sense to figure out where we actually want to get – let’s call it communism – in order to figure out how to get there and what our practice should look like. (Spoiler alert: electoralism is not such a practice.)

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Kritik an Christian Siefkes „Produktivkraft als Versprechen“ – Teil III

Der Kapitalismus muß akkumulieren, da er anderweitig in der Krise steckt. Jeder Gleichgewichtszustand ist ein Krisenzustand, der in der dynamischen Wirtschaft nur zum Zusammenbruch oder zu neuem Aufstieg führen kann. Jede Gleichgewichtslage widerspricht damit der kapitalistischen Wirklichkeit und kann sich nie auf diese selbst beziehen, sondern höchstens auf eine methodische Annahme, um besondere Eigenarten des dynamischen Wirtschaftsablaufs herauszuschälen. (Paul Mattick)[1]

Wirtschaftswachstum und kapitalistischer Luxuskonsum

Siefkes untersucht, ob das von ihm festgestellte gegenseitige Aufschaukeln der beiden Abteilungen realistisch sei, wenn er den Kapitalist*innen-Konsum absolut konstant hält: „Im beschriebenen Szenario, in dem nur Pm und ALm[2] wachsen können, kommt es zu einem Patt“ (Siefkes (2016): 6). Der Prozess komme von selber ins Stocken. Mit antizipierter Überproduktion erklärt Siefkes, „was wir heute beobachten: Große Mengen ungebundenes Kapital sind global auf der verzweifelten Suche nach aussichtsreichen Investitionsmög­lichkeiten, die sich aber kaum finden“ (ebd.: 6). Anders formuliert: Unterkonsumtion/Überproduktion führen zu Überakkumulation. (mehr …)

Kritik an Christian Siefkes „Produktivkraft als Versprechen“ – Teil II

Man vergesse aber nicht, daß dieser beständige Wechsel der Produktions­weise „ebenso beständig unterbrochen wird ‚durch Ruhepunkte und bloß quantitative Aus­dehnung auf gegebner technischer Grundlage‘, durch ‚Zwi­schenpausen, worin die Akkumulation als bloße Erweiterung der Produk­tion… wirkt‘.[1]

Und eben für solche ‚Zwischenpausen‘ gelten die Reproduktionsschemata des II. Bandes, die die Möglichkeit der erweiterten Reproduktion durch die gegenseitige Anpassung der Produktions- und der Konsumtionsmittelindust­rien, und damit auch die Möglichkeit der Realisierung des Mehrwerts erwei­sen. All das konnte aber ge­zeigt werden, ohne daß es nötig gewesen wäre, auch den Faktor des technischen Fortschritts, der sich in der Erhöhung der Kapitalzusammensetzung und der Mehr­wertrate ausdrückt, in die Analyse des II. Bandes miteinzuschließen. (Roman Rosdolsky)[2]

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Kritik an Christian Siefkes‘ „Produktivkraft als Versprechen“ – Teil I

Alles spricht dafür, daß Marx selbst nie die Absicht hatte, über die Gestalt, die die Reproduktionsschemata im II. Band des Kapital erhielten, hinauszu­gehen, und daß es daher sinnlos ist, von ihnen mehr zu erwarten, als sie leis­ten können. (Roman Rosdolsky)[1]

Christian Siefkes (2018) kritisiert in Zur Kritik der Aufhebungs- und Keimformtheorie[2] bestimmte Kapitel in Kapitalismus aufheben von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz[3]. Dabei spielen Krisentheorien eine Rolle. Siefkes verweist auf seinen PROKLA-Artikel Produktivkraft als Versprechen[4].

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Flehen um den Staat

In dem Systemwandel-Video der Taz sagt die Klimagerechtigkeitsaktivistin Ruth Kron einen Satz den ich in letzter Zeit leider viel zu häufig gehört habe: „Wenn wir für den Systemwandel unendlich viel Zeit haben, dann würde ich sagen: Der Systemwandel muss von unten passieren, es muss ein emanzipatorischer Prozess sein. Die Zeit haben wir leider nicht“.[1] Ulrike Herrmann zieht konsequent den darin immer implizierten Gedanken: „Das erfordert […] dass der Staat diesen Umstieg plant.“ Und dann übertreibt sie etwas, wenn sie eins draufsetzt und sagt „Und zwar in jedem einzelnen Schritt“. Das ist doch krass. Absage an Emanzipation, hoffende Hingabe an den Staat. Und ich glaube die Hoffnung liegt beim Staat falsch. In den letzten Texten kritisierte ich staatssozialistischen Ideen (nur grundlegend nicht anhand einzelner Modelle, das kommt noch irgendwann ), nun möchte ich mich mit der häufigsten liberalen Staatsphantasie auseinandersetzen: Marktwirtschaft mit öko-sozialer Weltinstitution.

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Utopie – wie und warum

IMHO: Der so ziemlich beste Vortrag zu Utopietheorie (also so das wie über Utopie sprechen) den ich kenne: Bini Adamczaks Eröffnungsinput auf dem Kongress Zukunft für Alle (ab min 25:00). Einfach genial. <3