Kategorie: Commons

Commons Verbünde Diskussion

zwischen Jan Hendrik Cropp und Gunter Kramp

Jan Hendrik Cropp hat den Text Commons Verbünde zweiter Anlauf mit einem so gehaltvollen Kommentar versehen, dass es eine intensivere Auseinandersetzung damit brauchte. Deshalb gab es im Rahmen des Commons-Institut-Frühjahrstreffens vom 5-8.5.22 eine Diskussionsrunde dazu, an der Jan auch online beteiligt war. Basierend auf dem Protokoll dieser Diskussion und zusätzlichen Gedanken von mir ist nun dieser Text entstanden, indem ich aus dem Kommentar von Jan eine schriftliche Diskussion gemacht habe.

(mehr …)

Veranstaltung: Gesellschaft nach dem Geld Werkstattgespräch (online, 14.5. 10 Uhr)

Wie üblich bin ich wieder zu spät mit meinen Veranstaltungsankündigungen, aber hier vielleicht mal ganz nett ne Möglichkeit zu unserem Forschungsprojekt Gesellschaft nach dem Geld mehr zu hören und zu diskutieren, indem wir versuchen den Commonismus mathematisch ‚agentenbasiert‘ zu simulieren. Geht auch noch um Transformation. Kommt gerne rum.

Link zur Teilnahme in Zoom: https://us02web.zoom.us/j/85860293095

Link zum öffentlichen Stream: https://www.youtube.com/channel/UC5lPyjl6_46Tt1Fm7hbYbjA

Und noch die Ankündigung: Seit 3 Jahren bauen wir nun schon eine Simulation wie eine „Gesellschaft ohne Geld“ funktionieren könnte. Der Workshop stellt zuerst Forschungsprojekt, Schwierigkeiten und Ergebnisse vor, um dann in einem zweiten Teil noch einmal tiefer in Fragen der gesellschaftlichen Transformation einzutauchen: Welche Potentiale und Hindernisse gibt es hier? Welche Bedeutung haben Keimformen, soziale Bewegungen und Parlamente? Wie gehen wir mit dem Zeitdruck der Klimakrise um? Wie kann ich persönlich beitragen und mitwirken?

Simon Sutterlütti ist Soziologe und Utopieforscher, lebt in Göttingen und bloggt auf https://keimform.de/author/simon . Simon Sutterlüttis Vorträge in Kooperation mit Emanzipation & Frieden http://emafrie.de und Fridays for Future Stuttgart https://www.facebook.com/fridaysforfuturestuttgart .

Sortierungen zum Tausch

[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

Es ist gar nicht so einfach, eine scheinbar klare Sache wie den Tausch zu bestimmen. Franz Schandl hat vor 23 Jahren einen Entwurf einer Metakritik des Tauschs veröffentlicht, dem eigentlich ein weiterer, systematisch ausgearbeiteter Text folgen sollte. Dazu kam es nie, doch wie beim Handwerkeln, gilt auch hier: Provisorien halten am längsten. So wird beim Wikipedia-Artikel zum Lemma Tausch auf diesen Aufsatz verwiesen – neben Sohn-Rethels Warenform und Denkform, nicht die schlechteste Nachbarschaft. Mit der folgenden Sortierung möchte ich vorschlagen, die Kategorien doch etwas anders zu fassen, als dies in der Metakritik geschah (alle folgenden Zitate daraus).

(mehr …)

Lokalisierung des Gemeinsamen

In seinem Buch ‚Wasser als Gemeinsames‚ beschreibt Johannes Euler, dass etwas dann zu einem Commons wird, wenn es „eine soziale Form annimmt, die bestimmt ist durch die freiwillig und inklusiv selbstorganisierte Versorgung und Vermittlung von auf die Befriedigung von Bedürfnissen abzielenden Peers.“ Sprich: Ein Commons kann alles sein, wenn die Verwendung nur durch Commoning bestimmt wird. Das ist eine gute und wichtige Definition von Commons, genauso wie die im Zitat enthaltenen sieben Dimensionen Commoning wirklich schön beschreiben.

Wird sich aber näher damit beschäftigt, wie ein Commons praktisch organisiert werden kann, gerät die Definition an ihre Grenzen. Was ich folgend vorstellen möchte, ist ein Versuch von mir, dieses Commons zu lokalisieren, um darum stattfindende Auseinandersetzungen besser fassen zu können. Ich denke, dass dieser Schritt notwendig ist, um bestimmte Prozesse zur Organisation von Commons besser unterstützen zu können.

Das Thema wird für viele nicht relevant sein, aber wenn der eine oder die andere das Gefühl hat, das ginge sie etwas an und er oder sie hat Gedanken dazu, würde ich mich freuen diese Gedanken zu hören.

(mehr …)

Defense of post-wage Commonism

1. My Critic of wage-based Cyber-Socialism
2. Dapprich’s Response to an Ultra-leftist Critique of Cybersocialism
3. My Defense of post-wage Commonism

As I stated in my first article I enjoy discussing with wage-socialists and although my main argument against wage-socialism – that the domination of exchange value over use value persists and therefore efficient planning must fail – isn’t addressed, Dapprich presents other important arguments. In the first article I criticized Dapprich’s “class-centered understanding of Marx” and I think this lies at the heart of our different approaches to socialism/communism. I don’t criticize wage-socialism and real socialism primarily for its exploitation of workers, that “workers are […] robbed of both their time and the fruits of their labour“. Exploitation exists in wage-socialism and workers still lack(ed) the access to the means of production, but the distribution of goods is far more equal than in capitalism. My argument is that forcing people to work via wages (be it in tokens or money) makes wage-socialism very akin to capitalism. They share a similar socialization of humans as consumption-driven and work-averse, a similar organization of work places, ongoing privatization of care work and ongoing opposition between individual and enterprise interests and general interest. Finally, this opposition of individual and general interest doesn’t allow what is so dearly important to Dapprich and other plan economists: efficient, ecological planning. Exchange value dominates use value. This creates wrong and harmful material incentives that the state can only partially compensate. This argument Dapprich didn’t address. My response will discuss exploitation and class within wage-socialism, the wage and post-wage planning and discuss Dapprich’s different understanding of productive needs. 

(mehr …)

Silke Helfrich: Muster des Commonings

Im Frühjahr ’21 haben Silke und ich eine Einführung zum Commoning für die GWÖ-Jugend gehalten. Mein Teil ging um ‚Commons als soziale Form‘ nach Johannes Euler und Silke hat ihre Muster vorgestellt. Der Vortrag ist sehr visuell und nachdem ich die Struktur und das Design vorbereitet habe, haben wir das zusammen überarbeitet, bis es sich für Silke richtig angefühlt hat. Da wir sowieso dachten, das noch öfter zu halten, haben wir keinen Audio-Mitschnitt angefertigt. Was natürlich eine fatale Entscheidung war. Nach ihrem Unfall konnte mit Hilfe der Veranstaltenden allerdings ein privater Mitschnitt ausfindig gemacht werden und dem allein ist es zu verdanken, dass der Vortrag erhalten geblieben ist.

Links: peertube / youtube

Open-Source-Hardware – update

Wir haben hier im Blog schon lange nicht mehr (zuletzt: [1], [2], [3], [4], [5]) über offene Hardware geschrieben. Dabei hat sich einiges getan, so viel, dass sogar populäre Medien darauf aufmerksam werden. Als Beispiel sei der Spiegel der Computerzeitschriften genannt, die c’t. In der Ausgabe 1/22 hat sie dem Thema einen Schwerpunkt gewidmet (vgl. „Hintergrund“). Leider sind die meisten der Artikel nicht offen lesbar (Minuspunkt, liebe c’t, bei dem Thema), der Artikel um den es mir hier geht, ausnahmsweise schon: „Technik gut beschreiben“.

(mehr …)

Wachstum – dystopischer Wahn

[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

Der Kapitalismus ist ein Erfolgsmodell. Dumm ist nur, dass Bestandteil dieses Erfolgs ist, die natürlichen Lebensgrundlagen – uns darin eingeschlossen – zu zerstören. Dabei geht es nicht nur um die Klimakatastrophe, die der Kapitalismus erfolgreich produzierend in die Welt gesetzt hat. Viel weniger Aufmerksamkeit bekommen andere Verherungen, etwa die geozeitlich gesehen sechste Welle des Artensterbens, die Meeresversauerung und Überfischung, das Aufbrauchen der Süßwasservorräte, die Zerstörung der Böden und Wälder, die Vergiftung der Biosphäre usw. Alle Indikatoren deuten darauf hin, dass es der Kapitalismus schaffen wird, die globale Menschheit in den Kollaps zu produzieren. It’s not a bug, it’s a feature.

(mehr …)

Commonsverbünde – Zweiter Anlauf

Eine Idee für die Verbindung von commonsbasierten Projekten
zu einer gemeinsamen solidarisch-selbstorganisierten Ökonomie,
die das Mitmachen erleichtert und Demonetarisierung ermöglicht

Von Gunter Kramp (Basistext)
mit Luisa Kleine (Illustrationen)
und Nele Klemann (illustrierende Geschichten)

In Gedenken an Silke Helfrich, die zum Basistext mit intensiven Lektorat beigetragen hat.

Vorgeschichte

Im Nachgang eines von Gunter initiierten Workshops, der am 23. April 2016 in Hiddinghausen stattfand, haben Christian Siefkes und andere einen Text zu Commonsverbünden verfasst, der erfreulicherweise einige Resonanz gefunden und Menschen zu eigenen Gedanken inspiriert hat: http://keimform.de/2016/commonsverbuende/

Daraufhin kam es auch zu Kritik an der Idee der Commonsverbünde. Diese Kritik hat im wesentlichen zwei Stoßrichtungen:

  1. Das geht ja in Richtung autoritärer Planwirtschaft! Die Freiwilligkeit von Beiträgen der Beteiligten sowie die Autonomie der Projekte bleiben auf der Strecke.
  2. Bei Beibehaltung einer Autonomie der Teilprojekte sind diese zu wenig solidarisch miteinander verbunden. Damit führt die „Außenwirtschaftsproblematik“ (also die Tatsache, dass sich bezogen auf das Gesamtprojekt materieller und finanzieller Input und Output die Waage halten müssen) dazu, dass sich die Tauschlogik auch zwischen den Projekten durchsetzt.1

Beide Kritikansätze überzeugen nicht wirklich. Zusammen genommen zeigen sie sogar, dass der Begriff „Commonsverbünde“ in der Rezeption des Textes so sehr aufgeweitet wurde, dass er fast beliebige Formen der Vernetzung von Commons Projekten zu beschreiben scheint. Es ist zwar Kernpunkt der Kritik, wie diese Projekte im Rahmen eines Commonsverbundes interagieren sollten, die Interaktion wird aber von den KritikerInnen ganz unterschiedlich gedacht. Zum anderen befürchten ein und die selben KritikerInnen gleichzeitig, dass die Struktur zu eng integriert könnte und damit zentral und autoritär würde und dass sie zu lose integriert sein könnte und daher die Marktlogik in die inneren Beziehungen Eingang finden könne. Das Konzept wird damit quasi über seine extremsten denkbaren Varianten bzw. Entwicklungswege kritisiert, ohne zu begründen, ob diese wirklich zwingend auftreten müssen.

Daher möchten wir aus heutiger Sicht noch einmal präzisieren, wie wir uns Commonsverbünde vorstellen und auf welche Probleme sie eine Antwort bieten und auf welche nicht.

(mehr …)

Land-WG oder (kämpfende) Keimform?

Tjaja, leider kann man sich nicht aussuchen wie man porträtiert wird. Die Fuchsmühle gründeten einige Menschen, um Commons und Commonsnetzwerke auf dem Land und in der Praxis zu gründen. In der Doku scheinen sie vor allem als „einige junge Leute“ die halt „alles teilen: vom Schlafzimmer bis zur Unterhose“. Aber ihre Vision und ihre Kapitalismuskritik, ihre Verbindung zu sozialen Kämpfen und auch ihr gesamtgesellschaftlicher Anspruch verschwinden hinter der seltsamen, aber doch ganz okayen Gemeinschafts-Landoase.

(mehr …)