Kategorie: Arbeit & Freiheit

Linkslibertäre Perspektiven im Angesicht des Kollaps

Einsamer Eisbär nahe Spitzbergen
Viele Eisbären auf Spitzbergen finden durch die früh schmelzende Arktis kein Packeis mehr, wodurch sie zunehmend verhungern. Quelle: Andreas Weith / Wikimedia, 2015, CC BY-SA 4.0.

Hier dokumentiere ich den Anfang meines Artikels “Linkslibertäre Perspektiven im Angesicht des Kollaps”, erschienen in der Ausgabe Nr. 13 der undogmatisch-libertären Online-Zeitschrift espero (S. 25–63). Der Artikel ist Teil des von mir betreuten Themenschwerpunkts Die Klimakatastrophe aus libertärer Perspektive.

Das Wachstum und seine Grenzen

Wachstum ist das zentrale Element im Kapitalismus. Wo es kein oder nur wenig Wachstum gibt, gibt es Krise, da das vorhandene Kapital nicht komplett profitabel verwertet werden kann. Ein Problem, das aufgrund der wirtschaftlich stagnierenden Lage in Deutschland mit derzeit sehr wenig Wachstum gerade wieder in aller Munde ist.

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The problem of mediation

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„A post-capitalist society must determine the measure by which it mediates needs, weighs them against each other, and translates them into societal production“ (Hermann Lueer, 2026b)

Hermann Lueer has presented a perceptive and methodologically rigorous engagement with our book “Kapitalismus aufheben” [EN: Make Capitalism History] (Lueer, 2026b, own translation). It is refreshing to read a critique that does not stop at superficial polemics but instead raises structural questions regarding societal form. He acknowledges the intent, analytical advances, and results of our theoretical analyses (non-moral approach, utopia of possibility, constitution prior to rupture, critique of the form of mediation, critique of the state). We accept the criticism that it remains unclear how “a stable, transparent, and societally viable mode of production and distribution” is supposed to emerge from commoning and stigmergy—this point is entirely valid and has been raised by other authors as well. From today’s perspective, the state of the argument in “Make Capitalism History” (Sutterlütti & Meretz, 2023) must be characterized as rudimentary in this regard. More recent texts attempt to address these shortcomings (see below). However, the focus here is on the critique of the position held at that time; we do not wish to use the excuse that the material is “outdated.” Lueer’s critique addresses central questions concerning post-capitalist societies in general, making it a particularly interesting topic for discussion. Consequently, this response will take a somewhat broader approach. It will not, however, attempt to fill the gaps from that time—some pointers in this direction can be found at the end of the text, with references to more recent publications. This response focuses primarily on the question of what is fundamentally required for a society-wide system of mediation to function and generate coherence. For that is the question Lueer raises.

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Das Problem der Vermittlung

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„Eine postkapitalistische Gesellschaft muss bestimmen, nach welchem Maßstab sie Bedürfnisse vermittelt, gegeneinander abwägt und in gesellschaftliche Produktion übersetzt.“ (Hermann Lueer, 2026b)

Hermann Lueer hat eine scharfsinnige und methodisch saubere Auseinandersetzung mit unserem Buch „Kapitalismus aufheben“ vorgelegt (Lueer, 2026b). Es ist erfrischend, eine Kritik zu lesen, die nicht bei oberflächlicher Polemik stehen bleibt, sondern die strukturelle Fragen nach der gesellschaftlichen Form stellt. Sie würdigt die Intention, analytischen Fortschritte und Ergebnisse unserer theoretischen Analysen (nichtmoralischer Ansatz, Möglichkeitsutopie, Konstitution vor Bruch, Vermittlungsformkritik, Staatskritik). Die Kritik, dass unklar bleibe, wie aus Commoning und Stigmergie „eine stabile, transparente und gesamtgesellschaftlich tragfähige Produktions- und Verteilungsweise hervorgehen soll“, nehmen wir an – sie ist völlig berechtigt und wurde auch schon von anderen Autor:innen vorgebracht. Aus heutiger Sicht ist der Stand  des Buches “Kapitalismus aufheben” (Sutterlütti & Meretz, 2018) in dieser Hinsicht als rudimentär zu kennzeichnen. Neuere Texte versuchen die Defizite einzufangen (s.u.). Aber hier soll es jetzt um die Kritik des damaligen Standes gehen – mit „ist veraltet“ wollen wir uns nicht herausreden. Lueers Kritik betrifft zentrale Fragen postkapitalistischer Gesellschaften im Allgemeinen und ist deshalb so interessant zu diskutieren. Diese Entgegnung wird daher etwas weiter ausgreifen. Sie wird jedoch nicht darin bestehen, die Leerstellen von damals zu füllen – einige Hinweise dazu finden sich am Ende des Textes mit Verweis auf neuere Publikationen. In dieser Entgegnung geht es vorrangig um die Frage, was eine gesamtgesellschaftliche Vermittlung prinzipiell braucht, um zu funktionieren und Kohärenz zu erzeugen. Denn das ist die Frage, die Lueer aufwirft.

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espero-Schwerpunkt: Die Klimakatastrophe aus libertärer Perspektive

Die Moai-Statuen auf den Osterinseln, ein Symbol für ökologischen Kollaps und menschengemachte Umweltzerstörung. Quelle: Aurbina, Wikimedia, 2004, gemeinfrei.
Vor einigen Tagen ist die Ausgabe Nr. 13 der undogmatisch-libertären Online-Zeitschrift espero erschienen. Sie enthält den von mir betreuten Themenschwerpunkt Die Klimakatastrophe aus libertärer Perspektive. Im Folgenden dokumentiere ich meine Einleitung in den Schwerpunkt, die auf S. 21–24 der PDF-Ausgabe zu finden ist. Die Links verweisen jeweils auf die Seite, auf der der genannte Artikel beginnt.

Klima im Kollaps – libertäre Perspektiven auf die Katastrophe

Einleitung des Gastherausgebers

Die Klimakatastrophe – oft auch als Klimakrise, Klima-Umbruch oder Klimakollaps bezeichnet – ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Ihre Auswirkungen bedrohen die Lebensgrundlagen weltweit und stellen bestehende soziale, politische und ökonomische Systeme fundamental in Frage. Der vorliegende Schwerpunkt versammelt libertär-emanzipatorische Perspektiven auf die Katastrophe, die im öffentlichen Diskurs meist an den Rand gedrängt werden. Statt auf staatliche Steuerung oder die Versprechen eines „grünen“ Kapitalismus zu setzen, fragen die Beiträge nach den tieferen Ursachen der Krise in Herrschaftsverhältnissen, kapitalistischer Wachstumslogik und einem zerstörerischen Verhältnis zur Natur. Damit verschiebt sich auch die Frage nach der Zukunft: Nicht, wie das Bestehende „nachhaltig“ verwaltet werden kann, sondern welche anderen Formen des Lebens, Produzierens und Zusammenhandelns unter den Bedingungen des Klima-Umbruchs nötig und möglich werden.

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Die Utopie der Transformation: Der Metacommons-Zugang zur Inklusionslogik

Soeben habe ich in aus meinem Buch über Inklusionslogik das Kapitel über Commons und Kommunen veröffentlicht. Nach dem letzten Treffen des Commons-Instituts habe ich mir verstärkt dazu Gedanken gemacht, die Inklu-Theorie »anschlussfähiger« zu machen, also die Theorie auf der Grundlage praktisch umsetzbarer Ideen zu entwickeln statt umgekehrt. Im Ergebnis bin ich zu folgender praktisch realisierbarer Konzeption von »Metacommons« gelangt, zu der ich den aktuellen Stand der Überlegungen nun vorstellen möchte:

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Rezension von Annette Schlemm, Climate Engineering

Das Argument 343 (Titelbild)Aus Das Argument 343 (Dezember 2025), S. 605–608.

Schlemm, Annette, Climate Engineering, Wie wir uns technisch zu Tode siegen, statt die Gesellschaft zu revolutionieren, Mandelbaum, Wien, 2023 (Taschenbuch, 320 S., 20 €)

Die kapitalistische Wertverwertung ist dabei, die Erde in einen in Teilen unbewohnbaren Planeten zu verwandeln. Zu den Konsequenzen einer zu erwartenden Erderhitzung von drei Grad gehören extreme Hitzewellen und Dürren, das Absterben der Korallenriffe, die drohende Überflutung von Küstenregionen und -städten, sinkende landwirtschaftliche Erträge und häufiger werdende Extremwetterereignisse. Schon heute sind massive Schäden und zahlreiche vermeidbare Todesfälle die Folge. Da das eigentlich Notwendige – eine zügige und drastische Reduktion der Treibhausgasemissionen – kaum stattfindet, drehen sich immer mehr Debatten um den ›Plan B‹, die Hoffnung auf technische Lösungen zur Abwendung oder Abmilderung des Klimakollaps. Diese sind als Geoengineering oder Climate Engineering (kurz CE) bekannt.

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Call for Papers: Die Klimakatastrophe aus libertärer Perspektive

Symbolbild Trockene Erde

Für die Erde gilt Alarmstufe Rot … (Quelle: pxhere.com, CC0-Lizenz)

Die Klimakatastrophe – oft auch als Klimakrise, Klima-Umbruch oder Klimakollaps bezeichnet – ist unbestreitbar eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit. Ihre Auswirkungen bedrohen die Lebensgrundlagen weltweit und stellen bestehende soziale, politische und ökonomische Systeme fundamental in Frage.

Die libertäre Zeitschrift espero widmet dieser Thematik ein Themenspecial und lädt dazu ein, die Klimakatastrophe aus dezidiert libertären bzw. anarchistischen Blickwinkeln zu beleuchten – Perspektiven, die in der Mainstream-Debatte oft zu kurz kommen.
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Anreize und Commons: Chance für eine zügige Transformation?

Commoning als Baum, der die Marktwirtschaft verdrängt
Commons-Prinzipien könnten mit einer gewissen Wachstumsdynamik die Marktwirtschaft verdrängen

Ein Großteil der Menschheit würde vermutlich von einer Welt profitieren, in der Commoning die Marktwirtschaft weitgehend verdrängt. Dennoch scheint es schwierig zu sein, ein überzeugendes Konzept für einen zügigen Übergang zu einem solchen Gesellschaftsmodell zu beschreiben – rechtzeitig etwa für das Stoppen der globalen Erwärmung. Hilft vielleicht ein System aus behutsam ausgestalteten Anreizen?

Eine auf Commoning basierende Gesellschaft wäre höchstwahrscheinlich sozial gerechter und inklusiver als die Marktwirtschaft. Sie böte den Menschen Gelegenheit, selbstorganisiert und basisdemokratisch über die Produktion1 und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu entscheiden. Statt in die Taschen der Kapitaleigner – also in Dividenden und andere Profite – flößen Produktivitätsgewinne direkt in die Lebensqualität: in bessere Produkte und Technologien für einen geringeren Arbeitsbedarf.

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Buchprojekt zum Thema Inklusionslogik

Das Buch von Stefan und Simon, ›Kapitalismus aufheben‹, hat mich dazu inspiriert, das darin eingeführte Konzept der ›Inklusionslogik‹ näher zu untersuchen und selbst ein Buch darüber zu schreiben. Die Veröffentlichung erfolgt nach und nach über meinen Blog, inklusionslogik.de. Geplant ist folgende Gliederung:

  1. Inklu-Potenzial
  2. Das Exklu-System
  3. Menschenbild
  4. Inklusionslinien, Exklusionslinien und der Ursprung des Systems
  5. Kommunikation
  6. Globale Herausforderungen und Transformation
  7. Besitz statt Eigentum
  8. Verbindungen und Bedürfnisse
  9. Freiheit und Macht
  10. Transpersonalität
  11. Sphärentrennung, Care und Intercare
  12. Wipro (Produktion des Wissens)
  13. Verbindungen II
  14. Commons und Kommunen
  15. Lust und Notwendigkeit
  16. Eine neue Vision Künstlicher Intelligenz

Kurze Zusammenfassungen aller Kapitel gibt es hier. An dieser Stelle folgt nun ein Überblick zum Inhalt des gesamten Buchs:

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Wie funktionieren CSX-Regionen?

Gunter Kramp und Simon Scholl haben sich am 02.03.2025 während der Solawi-Netzwerktagung in Tübingen getroffen und für 1 Std. zum intensiven Austausch über “Wie funktioniert eine CSX-Region” zurückgezogen.  Dabei ging es darum Gedanken die in den Texten zu Commons Verbünden hier bereits von Gunter und anderen ausgeführt wurden auf die konkreten Praxisberatungsprojekte an denen Simon beteiligt ist zu beziehen.
Die früheren Texte sind hier nachzulesen:
https://keimform.de/2022/commons-verbuende-diskussion/
https://keimform.de/2021/commonsverbuende-zweiter-anlauf/
https://keimform.de/2016/commonsverbuende/
Das Gespräch wurde von der KI App https://memoro.ai/ aufgezeichnet und automatisch transkribiert. Wie sich zeigte war aber noch einige Nachbearbeitung erforderlich. Sicher aber auch nicht mehr als wenn jemand versucht hätte alles direkt mitzuschreiben. Das Gespräch hatte dabei deutlich mehr Tiefe und Schlüssigkeit, als die von der KI generierten zusammenfassenden Texte, die nur das Niveau eines “mäßigen, etwas “laberigen“ Schulaufsatzes ohne wirkliche Sachkenntnis hatten. Daher findet ihr hier von Menschen und nicht KI leicht verbessert das Originalgespräch.

Simon:
Gunter, in unserem Gespräch soll es um die konkrete Vision gehen, eine sogenannte “Solidarregion” bzw. “CSX-Region” zu entwickeln. Dabei geht es im Kern darum, die CSX-Grundprinzipien der sog. “Gemeinschaftsgetragenen Wirtschaftsweise” (wie wir sie in bereits 600 Betrieben der Solidarischen Landwirtschaft und einigen CSX-Initiativen in der Praxis erproben) erstens auf noch weitere Grundversorgungsbereiche zu übertragen und diese dann im lokalen, beziehungsweise regionalen Wertschöpfungsraum miteinander in Verbindung zu bringen, um so dann eine “Gemeinschaftsgetragene Grundversorgungsregion” zu entwickeln, die resilient und solidarisch ist, den Menschen und dem Gemeinwohl dient.

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