Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

Kategorie: Feindbeobachtung

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Geht dem Kapitalismus die Arbeit aus? (Teil 2)

Smog in der Hauptstadt Südkoreas, wo der Kapitalismus noch brummt (Foto von Craig Nagy, CC-BY-SA, URL: https://www.flickr.com/photos/nagy/4336948)[Teil 1]

Entwicklung nach geschätzter Arbeitsproduktivität gewichtet

Lohoff und Trenkle (2012: 98ff) weisen in diesem Kontext darauf hin, dass produktive Arbeiter in Niedriglohnländern pro Kopf tendenziell weniger Wert produzieren als in Hochlohnländern, weil sie zumeist nicht auf dem „Stand der Technik“ produzieren, also mehr als die gesellschaftlich nötige Arbeitszeit leisten. Vielleicht lagert ein Unternehmen seine Produktion nach Asien oder Osteuropa aus und beschäftigt anschließend dreimal so viele Angestellte pro Einzelstück wie vorher, zahlt aber unterm Strich aufgrund der geringeren Lohnkosten und des Einsatzes von weniger konstantem Kapital weniger als zuvor. Dann ist der Wert seiner Waren dadurch nicht gestiegen, auch wenn in jede Ware mehr Arbeitszeit einfließt als zuvor.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Feindbeobachtung, Theorie

26. März 2015, 08:19 Uhr   17 Kommentare

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Geht dem Kapitalismus die Arbeit aus? (Teil 1)

Verfallene Autofabrik in Detroit, wo die Verwertung ins Stocken geraten ist (Foto von Albert duce, CC-BY-SA, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Abandoned_Packard_Automobile_Factory_Detroit_200.jpg)Eine erste empirische Annäherung

In den an Karl Marx orientierten Theorien gibt es einige, die als wertkritisch bezeichnet werden können, weil sie das Kernproblem des Kapitalismus nicht lediglich in der Aufteilung des Mehrwerts sehen, sondern in der Tatsache, dass der Wert vermittelndes Moment des Produktionsprozesses ist. Daraus ergibt sich, dass eine Wert- und Warenproduktion „unter sozialistischen Vorzeichen“ (wie sie etwa in der DDR angestrebt wurde) als unmöglich erkannt wird. Ein konsequenter Bruch mit dem Kapitalismus würde vielmehr auch die Aufhebung der Wertform – und des Geldes als seiner allgemeinsten Form – erfordern.

Jenseits dieser Gemeinsamkeit gibt es unterschiedliche Einschätzungen dazu, was die „Zukunftsfähigkeit“ des Kapitalismus angeht. Lohoff und Trenkle (2012) sehen ihn in einem unauflösbaren Widerspruch gefangen, indem die Dynamik der Produktivkraftentwicklung ihm mehr und mehr seine essenzielle Grundlage entzieht, nämlich die Verwertung menschlicher Arbeit. Heinrich (2007) dagegen sieht trotz zyklischer Krisenhaftigkeit „Tendenzen zur Ausdehnung […] des Kapitalismus, die noch längst nicht an ihr Ende gekommen sind.“

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Feindbeobachtung, Theorie

23. März 2015, 07:50 Uhr   56 Kommentare

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Landgrabbing

pragerfruehling19[Repost aus dem Magazin prager frühling zum Schwerpunktthema der Commons]

Die neue Welle der Enteignung

von Thore Prien

Krisengeschüttelt und selbstzerstörerisch macht sich der Kapitalismus am Boden zu schaffen. Seit einigen Jahren kommt es zu einem dramatischen Anstieg von Investitionen in das Ackerland der Staaten des globalen Südens (Zahlen und Fallbeispiele bei GRAIN und Farmlandgrab.org). Korruption, Mauschelei, Betrug und legale langjährige Pachtverträge erobern ganze Landstriche. Im Landgrabbing – das ist der Name, der sich für die Neuauflage des Scramble um Land durchgesetzt hat – befeuern sich dabei zwei Dimensionen der gegenwärtigen Krise wechselseitig: Erstens gibt es einen Überschuss an Kapital auf der Suche nach Verwertung, das nun entlegenste Winkel einnimmt. Ackerland wird zum buchstäblichen spatial fix (David Harvey) einer räumlich und zeitlich umhergeschobenen Überakkumulationskrise. Zweitens drängt die Aussicht auf weitere dramatische Verschärfungen der kapitalistischen Naturverhältnisse die Nahrungsmittelproduktion auf die global geteilte Problem-Agenda – und damit auf die Agenda von Finanzdienstleistern. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Feindbeobachtung

18. Juli 2014, 06:23 Uhr   1 Kommentar

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Strategische Räume für soziale Transformation

pragerfruehling19[Repost aus dem Magazin prager frühling zum Schwerpunktthema der Commons]

von Brigitte Kratzwald

Der Begriff Commons hat in den letzten Jahren in Zusammenhang mit den zahlreichen gesellschaftlichen Krisen und der Suche nach Alternativen ein Revival erlebt. Dieser Begriff ist für soziale Bewegungen wie WissenschaftlerInnen gleichermaßen attraktiv, weil er es ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden. Er bietet ein Denkmodell für eine Organisationsform von Gesellschaft, die der Marktlogik entgegensteht, aber keine reine Utopie ist, sondern im Hier und Jetzt schon in vielfältigen Formen existiert. Dabei kann er auf viele verschiedene Bereiche angewendet werden, von freier Software und Wissen über den öffentlichen Raum bis hin zu Wasserversorgung oder Saatgut und kann so verschiedene soziale Kämpfe und soziale Bewegungen zusammenbringen. Und er verbindet die Kritik am bestehenden Zustand mit dem Aufbau von Alternativen, was unerlässlich ist für Bewegungen, die eine Transformation der Gesellschaft anstreben. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Feindbeobachtung, Praxis-Reflexionen, Theorie

12. Juli 2014, 07:09 Uhr   Kommentieren

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Aufruf gegen die Massenüberwachung: Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei

Logo der Autor_innen-Gruppe: Writers Against Mass SurveillanceEine Gruppe von Autor_innen, unter anderem Juli Zeh, hat sich in dem im folgenden dokumentieren Aufruf gegen die von der NSA und wohl praktisch allen anderen Geheimdiensten dieser Welt angestrebte Totalüberwachung aller digitalen Kommunikation ausgesprochen. Die, wie wir seid Edward Snowdens Enthüllungen wissen, heute schon in erschreckend großen Teilen Realität ist.

Über 500 Schriftsteller_innen haben den Aufruf unterschrieben, darunter Großmeister_innen wie Arundhati Roy, Umberto Eco und Margaret Atwood sowie Nobelpreisträger_innen wie Orhan Pamuk, Elfriede Jelinek und auch der unsägliche Günter Grass, zudem Künstler_innen wie Björk.

Inzwischen kann man den Aufruf auch auf change.org unterschrieben, und ich habe das (natürlich) gemacht. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Feindbeobachtung, Medientipp

11. Dezember 2013, 10:30 Uhr   6 Kommentare

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Auf Reisen? Facebook muss zuhause bleiben!

Facebook muss zuhause bleibenWenn auch eher widerwillig, habe ich in letzter Zeit die proprietären sozialen Netzwerke Facebook und Google+ doch zumindest sporadisch genutzt. Allerdings habe ich feststellen müssen, dass das gar nicht immer geht. Ich bin derzeit nämlich auf Reisen in Südostasien unterwegs, und reisende Benutzer_innen sind zumindest bei Facebook offensichtlich nicht vorgesehen.

Es verweigert mir das Login gern mit der Meldung, ich würde mich von einem neuen Ort und unbekannten Gerät aus einloggen – tatsächlich verwende ich immer denselben Computer, aber Facebook erkennt ihn nicht wieder, weil ich alle Cookies beim Beenden von Firefox lösche. Um zu beweisen, dass ich ich bin, muss ich dann in der Regel Freund_innen auf Fotos identifizieren. (Nur manchmal, wenn es gut gelaunt ist, gibt sich Facebook stattdessen mit der Eingabe meines Geburtsdatums zufrieden.) Das Identifizieren ist schon deshalb nicht so leicht, weil die Fotos (anders als Facebook denkt) keineswegs immer die Person zeigen, die sie veröffentlicht hat. Zudem kenne ich nicht alle meine Facebook-Freund_innen aus „real life“ (anders als Facebook unterstellt/erwartet/hofft) und weiß deshalb nicht immer, wie sie aussehen.

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Kategorien: Feindbeobachtung

29. November 2013, 04:24 Uhr   4 Kommentare

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Wachstum bis zum nächsten Crash

Durch einen Artikel in der Jungle World bin ich auf dieses unfreiwillig ehrliche Wahlplakat der FDP aufmerksam gemacht worden. FDP-WahlplakatWachstum macht Morgen möglich. Wir halten Deutschland auf Wachstumskurs“ erklärt die FDP darin. Was den Parteistrategen entgangen zu sein scheint: Der kleine Junge grinst voller Vorfreude, weil er weiß, dass die gewagte Konstruktion des Großvaters gleich von sich aus zusammenkrachen wird oder er sie andernfalls durch Herausziehen eines der unteren Steine zum Einsturz bringen kann.

So zeigt das Bild, was die Partei selbst nicht kapieren kann: das Wachstum von heute ist stets die Grundlage für den Crash von morgen.

Kategorien: Feindbeobachtung

14. September 2013, 18:00 Uhr   11 Kommentare

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Garantiertes Grundeinkommen in Zypern?

Wenn neoliberale Präsidenten ein Grundeinkommen einführen wollen — wie kann das nur aussehen? Richtig: bedingungsvoll und bedürftigkeitsabhängig. Zyperns Präsident Anastasiades hat ein »garantiertes Grundeinkommen« für alle Bürger*innen ab Juni 2014 angekündigt. Übrigens in Absprache mit der Troika (PDF). Das Grundeinkommen solle ein »würdiges Leben unabhängig von Alter, Klasse oder beruflicher Situation« sicher stellen.

Diese Probleme sind mir spontan aufgestoßen: Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Feindbeobachtung

16. August 2013, 06:19 Uhr   1 Kommentar

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Open Source against the Singularity

sfIch mag Podcasts. Letzte Woche habe ich die Chaosradio Folge 187 vom 28.02.2013 angehört. Unterhalten haben sich Joscha Bach, erdgeist und Holger Klein. Thema waren „Elektronengehirne“.

Natürlich ging es in der Sendung irgendwann auch um die Idee der technologischen Singularität (So ab Minute 53). Das ist z.B., wenn wir Computer bauen, „die so intelligent sind, dass sie selber intelligente Computer bauen können.“ Dann können wir diese Intelligenzen nicht mehr vorhersagen und sie übernehmen den Planeten. „Die Menschheit verhält sich zu denen wie Ameisen sich heute zum Menschen verhalten. Und irgendwann sind sie dann halt im Weg (die Menschen), wenn eine neue Straße gebaut werden muss.“ Joscha Bach sagt, dass wir zu dieser Frage heute überhaupt keine seriösen Aussagen treffen können, weil wir zu wenige Daten haben. Wir wissen aber auch nicht und können uns gar nicht sicher sein, ob es nicht vielleicht schon passiert ist! Und da wurde die Sendung sehr spannend.

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Kategorien: Commons, Feindbeobachtung, Freie Hardware, Freie Software, Theorie

27. Juni 2013, 06:32 Uhr   10 Kommentare

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Solidarität mit Blockupy

Ich hab gerade folgende Mail an meine Freunde geschickt. Erst dachte ich mir, das Thema sei hier Off-Topic. Aber andererseits: Auch das Demonstrationsrecht sieht man plötzlich ganz anders, wenn man es nicht als vom Staat gnädig gewährt, sondern als gemeinsam gestaltetes Commons wahr nimmt.

Deswegen auch hier:

Liebe Freundinnen und Freunde,letzten Samstag war ich auf der Blockupy-Demo. Wie viele von euch sicherlich aus den Medien mitgekriegt haben, gab es da einen “unverhältnismäßigen Polizeieinsatz”, wie es jetzt oft heißt. Ich hab ziemlich viel davon vor Ort mitgekriegt, ohne zum Glück selbst verletzt worden zu sein. Im Internet kann man das alles inzwischen auch in vielfältigen Augenzeugenberichten, Fotos und Videos nachvollziehen. Es gab einen Aktionskonsens, dass keinerlei Eskalation von der Demonstration ausgehen sollte und an den haben sich auch alle gehalten, auch der angeblich so gefährliche antikapitalistische Block. Das hat die Polizei nicht daran gehindert, hunderte einzukesseln und zu Verletzen und Tausende zu stoppen.
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Kategorien: Commons, Feindbeobachtung, Praxis-Reflexionen, Termine

5. Juni 2013, 13:14 Uhr   3 Kommentare