Schlagwort: transformation

10 Prinzipien des Übergangs

Brückenbau in Berlin-MoabitImmer mehr Menschen wollen eine commonsbasierte Wirtschaftsweise, die uns von den Zwängen des Markts befreit. Freie Software, Freie Kultur, Wikipedia, Freie Hardware und und und: Beispiele für erfolgreiche Commons-Projekte gibt es viele, und täglich werden es mehr. Die commonsbasierte Produktionsweise existiert also schon, bildet aber bisher eine kleine Minderheit der gesamten Ökonomie. Unter welchen Umständen kann sie weiter wachsen? (mehr …)

Diskurse über Transformation

TransformationsdiskurseVor ein paar Tagen war ich auf der 4. Transformationskonferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Der für mich bei Weitem interessanteste Beitrag kam von Dr. Jan Turowski. In seinem Vortrag „Diskurs über Transformation – Transformation als Diskurs“ beschäftigte er sich mit Diskursen über Transformation.

Jans Einsichten und Kategorisierungen halte ich für ein Projekt wie Keimform und ähnlich gelagerte Projekte für höchst relevant, denn letztendlich wird in solchen Projekten ja ein Diskurs über eine mehr oder weniger tiefgreifende gesellschaftliche Transformation organisiert. Ich werde im Beitrag auch immer mal das abgeschlossene Projekt Oekonux gegen die Begriffe halten, die Jan Turowski bildet.

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Commonismus statt Sozialismus

aufhebung-des-kapitalismus[Beitrag aus: Aufhebung des Kapitalismus, Argument-Verlag, S. 259-277]

Die widersprüchliche Herausbildung einer neuen Produktionsweise

»Die soziale Revolution … kann ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft« (Marx 1852: 117).

In der linken Debatte fällt schnell auf, dass es keinen einheitlichen Begriff des Sozialismus gibt. Zwei Argumentationsstränge lassen sich identifizieren. Ein Strang erklärt offen, dass es sich beim Sozialismus um eine warenproduzierende Gesellschaft handele, in der getrennt produziert werde und folglich die Produkte Warenform annähmen. Im durch einen zentralen Plan geregelten Austausch behielten folglich Wertgesetz, Preis und Gewinn ihre regulatorische Funktion. Ein anderer Strang spricht von bloßer Güterproduktion, bestreitet also die Warenförmigkeit der Produkte mit dem Verweis auf das Gemeineigentum an den (wesentlichen) Produktionsmitteln sowie dem Plan, der den Markt als Vermittlungsinstanz durch einen „politischen“ Mechanismus ersetze. Diese Stränge stehen nicht so getrennt nebeneinander, wie die hier gewählte vergröberte Darstellung es nahelegen mag. In beiden spielt etwa etwa der Plan eine zentrale Rolle. Signifikant ist dennoch die völlige Uneinigkeit über den besonderen Charakter der sozialistischen Produktionsweise – Warenproduktion oder nicht?

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Commonsbasierte Zukunft

[Quelle: Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de, 35-37/2015, Kapitalismus und Alternativen, Lizenz: Creative Commons by-nc-nd/3.0/de/]

Wie ein altes Konzept eine bessere Welt ermöglicht

Von Friederike Habermann

Heute ist es einfacher, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus – so bringen Theoretiker wie Slavoy Žižek oder Frederic Jameson die allgemein empfundene Alternativlosigkeit zum Kapitalismus auf den Punkt.[1] Doch: „Ein neues Wirtschaftssystem – die Kollaborativen Commons – betritt die ökonomische Weltbühne.“ Mit diesem Satz beginnt der Ökonom Jeremy Rifkin sein 2014 erschienenes Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“. [2] Und beschreibt dabei das, was sich seit Beginn dieses Jahrtausends in vielen Bereichen als neue Formen der Organisation des Lebens abzeichnet: in Ansätzen anderen Wirtschaftens, in Sozialen Bewegungen, in dem Boom des sharings. (mehr …)

Vortrag in Münster: Wirtschaft jenseits von Erwerbsarbeit und Verwertungslogik

Beitragen statt tauschenAuf Einladung des ver.di-Erwerbslosenausschusses werde ich in zehn Tagen in Münster vortragen. Hier der Ankündigungstext:

Ideen zu einer Wirtschaft jenseits von Erwerbsarbeit und Verwertungslogik

Am Donnerstag, dem 18. Juni, um 19:30 Uhr lädt der Erwerbslosenausschuss des ver.di-Bezirks Münsterland zu Vortrag und Diskussion mit Christian Siefkes in die Stadtbücherei Münster ein (Alter Steinweg 11). Kooperationspartner der Veranstaltung sind der ver.di-Ortsverein Münster, die DGB-Jugend Münsterland und der Fachhochschul-AStA Münster-Steinfurt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Für den Berliner Autor und Software-Entwickler Christian Siefkes liegen in der gegenwärtigen computergestützten Technikentwicklung Potenziale, die zu einer emanzipatorischen Umwidmung der Produktionsverhältnisse nützlich sein könnten. Im Spannungsfeld von Computertechnologie und Gesellschaftstheorie beschäftigt sich Siefkes in seinen Publikationen mit einer möglichen nachkapitalistischen Zukunft, in der Erwerbsarbeit und Verwertungslogik keine Rolle mehr spielen. Produziert wird hier nicht um des Geldes willen, sondern die Menschen tun dies in „commonsbasierter Peer-Produktion“ für sich selbst und zum gegenseitigen Nutzen ihrer Arbeit.

Wie kommt das Neue in die Welt?

Sturm auf die Tuilerien (königliche Residenz) 1792 während der Französischen Revolution (Gemälde von Jean Duplessi-Bertaux, gemeinfrei, URL: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jacques_Bertaux_-_Prise_du_palais_des_Tuileries_-_1793.jpg)(Voriger Artikel: Was muss sich ändern, damit alles anders werden kann?)

Eine umfassende Kritik der kapitalistischen Logik sieht sich zwangsläufig mit einer doppelten Frage konfrontiert:

  1. Was wäre die Alternative?
  2. Wie kann sich diese Alternative durchsetzen?

Die Frage nach der Alternative …

Von der an Marx orientierten Kritik wird gerne schon die erste Frage zurückgewiesen mit einem Argument, das die Gruppe [pæris] (2010) wie folgt zusammengefasst hat:

Wir wissen doch von Adorno, dass man sich von der befreiten Gesellschaft kein Bild machen soll: Über die Negation des Negativen hinauszugehen bedeutet, den Kommunismus in Vorstellungen zu kleiden, die durch das bestehende Negative (Kapitalismus usw.) bedingt sind.

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Eine Idee für den Übergang

Fertige und unfertige Brücke (in Berlin-Moabit)Während hier auf keimform seit Jahren Überlegungen zur postkapitalistischen Gesellschaft angestellt werden, ist ein Punkt eher selten diskutiert worden: wie genau der Übergang in eine solche Gesellschaft aussehen könnte. Zwar wurde mit Hilfe des Fünfschritt-Modells der Kritischen Psychologie der Systemwechsel in abstrakt-kategorialer Form beschrieben, es bleibt aber offen, welche konkreten Veränderungen dafür nötig sind (abgesehen von einem allgemeinen Anwachsen der Peer-Produktion).

Wie kommen wir also dorthin, wo wir hinwollen? (mehr …)

Was muss sich ändern, damit alles anders werden kann?

Gemälde von Wenzel Hablik: Große bunte utopische Bauten (gemeinfrei, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wenzel_Hablik_Gro%C3%9Fe_bunte_utopische_Bauten.jpg )Die Kritik am Kapitalismus kann an vielen Punkten ansetzen. Einige wesentliche Aspekte habe ich in Der alte Marx und die Probleme des Kapitalismus zusammengetragen. Zudem basiert der Kapitalismus auf der systematischen Herstellung und Ausnutzung von Zwangslagen, was zweifellos kein schöner Zug ist. Und es gibt noch viele weitere gute Gründe, den Kapitalismus überwinden zu wollen.

Alle diese Aspekte sind grundsätzlich berechtigt und relevant. Für die Frage nach der Möglichkeit einer gesellschaftlichen Transformation über den Kapitalismus hinaus sehe ich aber das Problem, dass bei so vielen Einzelpunkten leicht das Wesentliche aus dem Blick geraten kann: Was genau muss sich eigentlich ändern, damit „alles anders werden kann“, sprich damit die spezifische kapitalistische Logik durch eine andere ersetzt wird?

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Göttingen: Vortrag zu Transformation und Keimformen

Logo der Gruppe 180°Am kommenden Donnerstag, dem 19. März 2015 halte ich einen Diskussionsvortrag zum Thema Keimformen des Neuen – wie eine nichtkapitalistische Re/Produktionsweise in die Welt kommen und wie sie aussehen könnte. Der Vortrag findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe Transformatorische Praxis der Gruppe 180° statt. Hier der Ankündigungstext:

Der Kapitalismus reformiert und verändert sich ständig, bleibt sich dabei aber immer treu: Ziel allen kapitalistischen Wirtschaftens ist der Profit. Eine nichtkapitalistische Re/Produktionsweise muss ein anderes Ziel haben. Produziert wird hier, um Bedürfnisse zu befriedigen, wobei die Bedürfnisse aller gleichermaßen ernst genommen werden. (mehr …)

Kritische Psychologie – wozu?

Hier folgt nun der zweite Input beim Seminar »Alltägliche Lebensführung und Emanzipation« in Hiddinghausen (29.5.-1.6.2014). Flavio Stein und Denis Neumüller gaben eine Einführung in die Kritische Psychologie und das Konzept »Lebensführung«. Wieder liegen Folien (ODP|PDF) und Audio (OGG|MP3) nur getrennt vor. Hier die Folien zum Durchklicken: