Online Kurs zu Wikipedia an der Harvard Business School

Naechste Woche unterrichte ich hier an der NTNU einen Kurs zu dem Zusammenhang zwischen Aenderungen in der zeitgenoessischen Wissensproduktion und neueren IuK Technologien. Wikipedia ist hier zentral. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Hausarbeiten sich auf Wikipedia beziehen um ihre Behauptungen zu untermauern. Anders als andere Lehrende habe ich da nichts dagegen, die Studierenden sollen aber wissen, was sie tun. Zum anderen ist Wikipedia ein Kristallisationspunkt fuer wichtige Fragen der kollektiven Wissensproduktion ohne Zugangsbarrieren. Das zeigen Karim R. Lakhani (MIT) und Andrew McAfee (Harvard Business School) sehr schoen in diesem Online-Kurs, den sie unter der GFDL veroeffentlicht haben. Ausser dem Kurs selbst, der nochmal Wikipedias Geschichte erzaehlt und ausfuehrlich die Debatte ueber das Loeschen von Artikeln darstellt, ist fuer uns hier vielleicht zweierlei interessant: Zum einen, dass zu diesem Thema ueberhaupt auf diese Weise an der Harvard Business School, einer der Schmieden fuer die zukuenftige oekonomische Elite, unterrichtet wird. Zum anderen wie Lakhani auf seinem Blog die Wahl der GFDL anstatt einer CC-Lizenz begruendet:

The wikipedia is under GFDL – and the case has a lot of source material from it – so we decided to keep it under GFDL.

Der Lizenzvirus funktioniert.

Streifzug-Review 5: »The Next Free Project«

Unmöglich, diese Politik!In der fünften Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« in der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« ging es um die große Ankündigung des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales »Zehn Dinge, die frei sein müssen«: Enzyklopädie, Wörterbuch, Curricula, Musik, Kunst, Dateiformate, Landkarten, Produktcodes, TV-Informationen, Communities.

Was ist draus geworden? Klar, Wikipedia ist allen bekannt — zuletzt gab es Stress wegen Werbung im Rahmen einer Spendenkampagne –, aber die anderen Punkte? Nicht mehr viel davon gehört. Stattdessen will Wales seine eigene Firma Wikia fördern und eine neue Suchmaschine (Nutch oder YaCy?) in Konkurrenz zu Google etablieren. Nichts genaues weiss man nicht. Und dann geistern da noch die 100 Mios durch den Raum…

Zu der Kolumne gab es nicht viele Kommentare, wesentlich sind zwei Ergänzungen zu der Zehn-Punkte-Liste: Frei sein sollte auch Saatgut und Hardwarearchitekturen. Da fiele mir noch so einiges mehr ein…

»Maintainer wanted«

Was passiert eigentlich mit Freien Softwareprojekten, wenn es niemanden mehr gibt, der sich drum kümmert? Das ist genau die Frage von Unmaintained Free Software, einem Wiki zur Sammlung verwaister Projekte. Ziel ist es, neue Maintainer zu finden, unnötige Code-Forks und Doppelarbeit zu vermeiden und die Gründe zu dokumentieren, warum Projekte verwaisen.

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Powers and repositories – Ubuntu and Debian

Lars Risan, ein norwegischer Anthropologe hat sich auf die Suche danach gemacht, was FOSS Projekte zusammenhaelt – oder eben nicht. Ich habe seinen Text (14 Seiten, englisch) noch nicht ganz gelesen, er scheint mir aber relevant fuer alle, die FOSS als sozio-technisches Phaenomen besser verstehen wollen. Er weist darauf hin, dass charismatische Persoenlichkeiten (Maintainer) nur einen Teil des Zusammenhalts herstellen. Der andere ruehrt v.a. in grossen Projekten von der „buerokratischen“ Organisation (im Sinne Max Webers) durch Technologie: Repositories und verwandte Werkzeuge verhindern oder unterstuetzen Kooperation.

Umsonstnetzwerk Give-Get-Nation

Scheinbar zumindestens nicht ganz trafficfrei: Give-Get-Nation

Für meinen Geschmack etwas zu sehr esoterisch aufgemacht und wohl etwas US-lastig. Aber vielleicht kann man die Software verwenden oder sonst irgendwie kooperieren? Für die Nutzigemleute müsste das doch interessant sein? Aber wahrscheinlich kennen sie es eh schon.

The Joy of Science

Bezugnehmend auf Stefans letzten Beitrag hier eine Fundsache: Zuska lehrt sich selbst „feministische Theorie und die Freude an der Wissenschaft“. Sie hat einen Lehrplan entwickelt und berichtet uns jede Woche von ihren Fortschritten.

Was hat das auf Keimform.de zu suchen? Davon abgesehen, dass ich das fuer eine charmante Idee halte, koennte das Wundern ueber die mangelnde Freude von Frauen an der Selbstentfaltung via FOSS ja vielleicht tiefer greifen.

In diesem Zusammenhang bin ich heute auf einen Beitrag auf der Mailingliste nettime gestossen, der fuer mich die tiefst moegliche Skepsis gegenueber freier Software als Keimform formuliert. Aber eins nach dem anderen. Der Autor schreibt:

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Training, Motivation, Gender

Die Januarausgabe von Spektrum der Wissenschaft hat „Genies“ zu ihrem Titelthema. Nach Myriaden von Artikeln zur bedeutenden Rolle der Gene und von „Begabung“ räumt der Artikel „Wie Genies denken“ prägnant mit dem ganzen Begabungsunfug auf: Erwerb von Expertise durch intensives Training plus Motivation seien wesentlich. Aber was hat das mit »Gender« zu tun?
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RFC*: Universalgut

Ich schreibe gerade an einem Artikel für das nächste Krisis-Heft. In Diskussion mit der Redaktion bin ich auf ein terminologisches Problem gestoßen: Sind Universalgüter und Allgemeingüter das selbe? Im folgenden versuche ich den Begriff des Universalguts entsprechend eines Vorschlags von Ernst Lohoff zu fassen. Kritik und Hinweise willkommen!

*RFC: Request for comments

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Jubiläumsbeitrag

Dies ist der 100. Beitrag auf Keimform.de. Grund zum Feiern 🙂

Und vielleicht ein Anlaß euch mal zu fragen, wie ihr das so findet, was hier in den letzten Monaten entstanden ist, was man besser machen könnte, usw. also: Feedback ist gefragt.

Run for openess

Niall Kennedy liefert uns eine Vorschau auf die Google Reader API, die in den kommenden Wochen offiziell von Google veröffentlicht werden soll. Sie bietet Zugriff auf Googles RSS-Datenbestand und ermöglicht die schnelle und einfache Entwicklung unterschiedlichster Feed-Reader; Google Reader selbst (aka “Lens”) sei lediglich als Demo-Anwendung zu verstehen.

Zusätzlich bietet die API Zugriff auf eine von Google in das ATOM-Format normalisierte Version aller vorhandenen RSS-Feeds, was die Einbettung selbiger in Fremdanwendungen wesentlich vereinfachen sollte (da man sich nicht mehr um zig verschiedene Feed-Formate und/oder kaputte Feeds kümmern muss).

Das ganze illustriert die Notwendigkeit der „großen Player“ so viel Nutzen und damit Offenheit wie möglich zu generieren.

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