Mit Hegel zum Kommunismus?

Matthias Schulz hat bei OpenTheory ein Projekt aufgemacht, in dem er unsere Fragestellung sehr hegelianisch zu beantworten versucht. Das ist nicht meine Sichtweise, weil mir das zu teleologisch ist, aber vielleicht ja trotzdem interessant mal reinzugucken.

Wer sich kopieren lässt, gewinnt

Jetzt greift sogar schon Spiegel Online die These auf, dass sich im Streit um den hochauflösenden DVD-Nachfolger (HD-DVD vs. Blu-ray) dasjenige System durchsetzen wird, dessen Kopierschutz sich besser knacken lässt:

Ob eine größere Auswahl an raubkopierten Filmen vielleicht sogar den Formatkrieg entscheiden kann, wird die Zukunft zeigen. Muslix64 ist sich sicher: „Je unsicherer das Format, umso mehr Leute werden es kaufen. Auf lange Sicht scheint Blu-Ray sicherer und teurer zu sein. Aus diesem Grund gewinnt die HD-DVD!“

Auch der im Kapitalismus bestehende Zusammenhang zwischen freien (oder frei zugänglichen) Inhalten und Geldverdienen durch Hardware oder Zugang ist ihnen nicht entgangen:

Die Hersteller von Rohlingen dürfte die Entwicklung zumindest nicht stören. Und wenn es erstmals gelingt, eine Kopie auf einem Standalone-Player abzuspielen, könnten auch die Hardware-Hersteller von der Entwicklung profitieren.

Ob die Player-Hersteller mitlesen und sich diese Tipps zu Herzen nehmen? 😉

Handel mit virtuellen Gütern

Virtueller Handel (ala ebay) ist ja längst Alltag, der Handel mit virtuellen Gütern jedoch hat immer noch was exotisches. Über die in China in Kinderarbeit erzeugten virtuellen Güter berichtete ich ja schon. Inzwischen scheint es auch in Deutschland Firmen zu geben, die diesem Gewerbe nachgehen. Über die rechtlichen Probleme in diesem Zusammenhang schreibt jetzt die Financial Times Deutschland:

„Das Bürgerliche Gesetzbuch geht davon aus, dass ein Gegenstand körperlich ist“, sagt Krasemann, „dass man ihn also anfassen kann.“ Es reiche nicht, wenn das virtuelle Ich ihn berühren könne. Rechtlich gesehen kann es im Spiel keinen Diebstahl geben – denn genau genommen existiert nichts, was entwendet werden könnte.

Freie Software in Venezuela

Vielleicht mal als Gegenpol zu dem zuletzt von Thomas geposteten skeptischen Bericht aus Brasilien hier mal ein euphorischer Artikel von Telepolis über die Freie Software Szene in Venezuela:

Doch Samán ist kein Sozialdemokrat, er geht aufs Ganze: Freie Software ist für ihn keineswegs automatisch der Inbegriff für eine bessere Welt, SuSE und Novell (zwinkert er uns zu) sind doch ganz normale kapitalistische Firmen, die nur Microsofts Monopol brechen wollen. Was ihre Entwicklung angeht, müsse „Freie Software auch frei von Ausbeutung sein“. Er spricht von „sozialistischer Software“ und schlägt vor, diesen Gedanken als eine weitere einzufordernde Freiheit zu betrachten. Man darf wohl weiterhin gespannt auf Venezuela blicken – und beobachten, wie die Produktionsbedingungen für Open Source-Software dort demnächst aussehen.

Metastudie »Open-Source-Software«

Alles mal zusammenzufassen, was es an Aufsätzen zu Open-Source-Software gibt — das ist der Anspruch der »Metastudie Open-Source-Software und ihre Bedeutung für Innovatives Handeln«. Die vom Forschungsministerium finanzierte Studie wurde von FH Brandenburg und Uni Potsdam erstellt und hat das „Innovationsverhalten“ von Software-Unternehmen im Fokus. Da „Innovation“ nur ist, was Geld bringt, lautet die Sichtweise der Studie — in freier Rede: »Wo und wie kann man mit Freier Software möglichst viel Geld rausschlagen?«

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Online Kurs zu Wikipedia an der Harvard Business School

Naechste Woche unterrichte ich hier an der NTNU einen Kurs zu dem Zusammenhang zwischen Aenderungen in der zeitgenoessischen Wissensproduktion und neueren IuK Technologien. Wikipedia ist hier zentral. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Hausarbeiten sich auf Wikipedia beziehen um ihre Behauptungen zu untermauern. Anders als andere Lehrende habe ich da nichts dagegen, die Studierenden sollen aber wissen, was sie tun. Zum anderen ist Wikipedia ein Kristallisationspunkt fuer wichtige Fragen der kollektiven Wissensproduktion ohne Zugangsbarrieren. Das zeigen Karim R. Lakhani (MIT) und Andrew McAfee (Harvard Business School) sehr schoen in diesem Online-Kurs, den sie unter der GFDL veroeffentlicht haben. Ausser dem Kurs selbst, der nochmal Wikipedias Geschichte erzaehlt und ausfuehrlich die Debatte ueber das Loeschen von Artikeln darstellt, ist fuer uns hier vielleicht zweierlei interessant: Zum einen, dass zu diesem Thema ueberhaupt auf diese Weise an der Harvard Business School, einer der Schmieden fuer die zukuenftige oekonomische Elite, unterrichtet wird. Zum anderen wie Lakhani auf seinem Blog die Wahl der GFDL anstatt einer CC-Lizenz begruendet:

The wikipedia is under GFDL – and the case has a lot of source material from it – so we decided to keep it under GFDL.

Der Lizenzvirus funktioniert.

Streifzug-Review 5: »The Next Free Project«

Unmöglich, diese Politik!In der fünften Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« in der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« ging es um die große Ankündigung des Wikipedia-Gründers Jimmy Wales »Zehn Dinge, die frei sein müssen«: Enzyklopädie, Wörterbuch, Curricula, Musik, Kunst, Dateiformate, Landkarten, Produktcodes, TV-Informationen, Communities.

Was ist draus geworden? Klar, Wikipedia ist allen bekannt — zuletzt gab es Stress wegen Werbung im Rahmen einer Spendenkampagne –, aber die anderen Punkte? Nicht mehr viel davon gehört. Stattdessen will Wales seine eigene Firma Wikia fördern und eine neue Suchmaschine (Nutch oder YaCy?) in Konkurrenz zu Google etablieren. Nichts genaues weiss man nicht. Und dann geistern da noch die 100 Mios durch den Raum…

Zu der Kolumne gab es nicht viele Kommentare, wesentlich sind zwei Ergänzungen zu der Zehn-Punkte-Liste: Frei sein sollte auch Saatgut und Hardwarearchitekturen. Da fiele mir noch so einiges mehr ein…

»Maintainer wanted«

Was passiert eigentlich mit Freien Softwareprojekten, wenn es niemanden mehr gibt, der sich drum kümmert? Das ist genau die Frage von Unmaintained Free Software, einem Wiki zur Sammlung verwaister Projekte. Ziel ist es, neue Maintainer zu finden, unnötige Code-Forks und Doppelarbeit zu vermeiden und die Gründe zu dokumentieren, warum Projekte verwaisen.

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Powers and repositories – Ubuntu and Debian

Lars Risan, ein norwegischer Anthropologe hat sich auf die Suche danach gemacht, was FOSS Projekte zusammenhaelt – oder eben nicht. Ich habe seinen Text (14 Seiten, englisch) noch nicht ganz gelesen, er scheint mir aber relevant fuer alle, die FOSS als sozio-technisches Phaenomen besser verstehen wollen. Er weist darauf hin, dass charismatische Persoenlichkeiten (Maintainer) nur einen Teil des Zusammenhalts herstellen. Der andere ruehrt v.a. in grossen Projekten von der „buerokratischen“ Organisation (im Sinne Max Webers) durch Technologie: Repositories und verwandte Werkzeuge verhindern oder unterstuetzen Kooperation.

Umsonstnetzwerk Give-Get-Nation

Scheinbar zumindestens nicht ganz trafficfrei: Give-Get-Nation

Für meinen Geschmack etwas zu sehr esoterisch aufgemacht und wohl etwas US-lastig. Aber vielleicht kann man die Software verwenden oder sonst irgendwie kooperieren? Für die Nutzigemleute müsste das doch interessant sein? Aber wahrscheinlich kennen sie es eh schon.