Die Zukunftswerkstatt Jena hat eine Broschüre zur Kritik der Warengesellschaft online gebracht. Die Autorinnen und Autoren zeigen in einem methodisch und historisch sehr grundlegendem Aufriss, dass die Menschheit an eine Grenze der Reproduktion ihrer Gattung gelangt ist und sich bei einem „weiter so“ in ihrer Existenz selbst gefährdet. Als Ursache wird die Verselbstständigung der Warenproduktion gegenüber den Bedürfnissen der Menschen angesehen.
Kritisches zum »containern«
»Containern« nennt man die Praxis, entsorgte aber noch gute Lebensmittel einzusammeln, um sie für ein leckeres Mahl zu verwenden. Damit befasst sich der autonome container-blog. »Warum zum Henker ist Containern illegal?« — fragt ein eher theoretischer Beitrag und erklärt schlüssig, dass die allgemeine Knappheit der Waren aufrecht erhalten werden muss.
„Die Sehnsucht nach dem anderen Leben“
Manchmal entdeckt man Keimformfans an Orten, wo man sie nun wirklich nicht vermutet. So steht in der ja nun wirklich nicht gerade als kapitalismuskritisch bekannten Welt über Second Life:
In der Sturheit, mit der Second Life das Real Life untermauert, ist es vielleicht ein Zeichen von Anarchie und Zerfall. Irgendwann wird es einige Frage provozieren: wozu Geld? Warum Ungleichheit? Warum jeden Tag sich ins Büro schleppen? Irgendwann.
Hoffentlich bald 🙂
Vergesst die Kopierbarkeit!
Sabine Nuss betont in ihrem Blog nochmal, warum ihr die in und um die Freie-Software-Szene üblichen Analysen zu kurz greifen:
Üblicherweise heißt es auf Seiten der Verfechter von Freier Software (wenn sie nicht eh schon kapitalismus-kritisch sind), dass diese spezielle Eigentumsform nur möglich ist, weil es sich um ein immaterielles und damit nicht-knappes Gut handelt. Das heißt ja im Umkehrschluss: In der materiellen Welt ist Privateigentum notwendig, weil hier die Güter knapp sind. Deshalb war es mir ja so wichtig, das herrschende Eigentumsverständnis zu untersuchen. Das ergab, dass sowohl die Kritiker des Geistigen Eigentums als auch die Befürworter auf Basis der gleichen theoretischen Vorannahmen argumentieren.
Steve Jobs gegen DRM
Steve Jobs (Chef bei Apple) meint, die Europäer sollten mal ihre Musikkonzerne dazu bringen, DRM zu kicken:
Much of the concern over DRM systems has arisen in European countries. Perhaps those unhappy with the current situation should redirect their energies towards persuading the music companies to sell their music DRM-free. For Europeans, two and a half of the big four music companies are located right in their backyard. The largest, Universal, is 100% owned by Vivendi, a French company. EMI is a British company, and Sony BMG is 50% owned by Bertelsmann, a German company. Convincing them to license their music to Apple and others DRM-free will create a truly interoperable music marketplace. Apple will embrace this wholeheartedly.
via Apfelküche
Mit Hegel zum Kommunismus?
Matthias Schulz hat bei OpenTheory ein Projekt aufgemacht, in dem er unsere Fragestellung sehr hegelianisch zu beantworten versucht. Das ist nicht meine Sichtweise, weil mir das zu teleologisch ist, aber vielleicht ja trotzdem interessant mal reinzugucken.
Wer sich kopieren lässt, gewinnt
Jetzt greift sogar schon Spiegel Online die These auf, dass sich im Streit um den hochauflösenden DVD-Nachfolger (HD-DVD vs. Blu-ray) dasjenige System durchsetzen wird, dessen Kopierschutz sich besser knacken lässt:
Ob eine größere Auswahl an raubkopierten Filmen vielleicht sogar den Formatkrieg entscheiden kann, wird die Zukunft zeigen. Muslix64 ist sich sicher: „Je unsicherer das Format, umso mehr Leute werden es kaufen. Auf lange Sicht scheint Blu-Ray sicherer und teurer zu sein. Aus diesem Grund gewinnt die HD-DVD!“
Auch der im Kapitalismus bestehende Zusammenhang zwischen freien (oder frei zugänglichen) Inhalten und Geldverdienen durch Hardware oder Zugang ist ihnen nicht entgangen:
Die Hersteller von Rohlingen dürfte die Entwicklung zumindest nicht stören. Und wenn es erstmals gelingt, eine Kopie auf einem Standalone-Player abzuspielen, könnten auch die Hardware-Hersteller von der Entwicklung profitieren.
Ob die Player-Hersteller mitlesen und sich diese Tipps zu Herzen nehmen? 😉
Handel mit virtuellen Gütern
Virtueller Handel (ala ebay) ist ja längst Alltag, der Handel mit virtuellen Gütern jedoch hat immer noch was exotisches. Über die in China in Kinderarbeit erzeugten virtuellen Güter berichtete ich ja schon. Inzwischen scheint es auch in Deutschland Firmen zu geben, die diesem Gewerbe nachgehen. Über die rechtlichen Probleme in diesem Zusammenhang schreibt jetzt die Financial Times Deutschland:
„Das Bürgerliche Gesetzbuch geht davon aus, dass ein Gegenstand körperlich ist“, sagt Krasemann, „dass man ihn also anfassen kann.“ Es reiche nicht, wenn das virtuelle Ich ihn berühren könne. Rechtlich gesehen kann es im Spiel keinen Diebstahl geben – denn genau genommen existiert nichts, was entwendet werden könnte.
Freie Software in Venezuela
Vielleicht mal als Gegenpol zu dem zuletzt von Thomas geposteten skeptischen Bericht aus Brasilien hier mal ein euphorischer Artikel von Telepolis über die Freie Software Szene in Venezuela:
Doch Samán ist kein Sozialdemokrat, er geht aufs Ganze: Freie Software ist für ihn keineswegs automatisch der Inbegriff für eine bessere Welt, SuSE und Novell (zwinkert er uns zu) sind doch ganz normale kapitalistische Firmen, die nur Microsofts Monopol brechen wollen. Was ihre Entwicklung angeht, müsse „Freie Software auch frei von Ausbeutung sein“. Er spricht von „sozialistischer Software“ und schlägt vor, diesen Gedanken als eine weitere einzufordernde Freiheit zu betrachten. Man darf wohl weiterhin gespannt auf Venezuela blicken – und beobachten, wie die Produktionsbedingungen für Open Source-Software dort demnächst aussehen.
Metastudie »Open-Source-Software«
Alles mal zusammenzufassen, was es an Aufsätzen zu Open-Source-Software gibt — das ist der Anspruch der »Metastudie Open-Source-Software und ihre Bedeutung für Innovatives Handeln«. Die vom Forschungsministerium finanzierte Studie wurde von FH Brandenburg und Uni Potsdam erstellt und hat das „Innovationsverhalten“ von Software-Unternehmen im Fokus. Da „Innovation“ nur ist, was Geld bringt, lautet die Sichtweise der Studie — in freier Rede: »Wo und wie kann man mit Freier Software möglichst viel Geld rausschlagen?«