In der siebenten Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« geht es um die Debatte einer Freien Gesellschaft. In der Kolumne versuche ich Rahmenbestimmungen anzugeben, die eine Freie Gesellschaft kennzeichnen. Zentraler Punkt ist dabei die These, dass jede Gesellschaft einen »selbstreproduktiven Mechanismus« ausbildet, der die gesamtgesellschaftliche Vermittlung reguliert. Die konkreten Vorschläge bleiben in dem Text recht wage.
Kategorie: Arbeit & Freiheit
On Rules And Monsters
Hier das Intro zum sehr empfehlenswerten Film „On Rules And Monsters – An introduction to Free Cooperation“ von Christoph Spehr und Jörg Windszus. Der Film ist schon etwas älter, war aber bisher nicht im Netz. Die weiteren Teile findet man dann bei Google Video. Die Qualität ist leider nicht ganz so doll, aber man kriegt schon alles mit, denke ich.
Besetzte Fahrradfabrik produziert selbstverwaltet
Nein, nicht in Argentinien, sondern in Thüringen! 1800 Vorbestellungen für das Strike-Bike werden benötigt. Unterstützt wird die Aktion von der FAU.
Request for Comments: Die Peer-Ökonomie
Der große Text, an dem ich das letzte Dreivierteljahr gearbeitet habe, ist fertig. Es geht um die Frage nach dem Potenzial der peer production – der Art und Weise wie Freie Software und Freie Inhalte produziert werden. Wir wissen, dass diese neue Produktionsweise von großer Bedeutung ist, wenn es um Software und Inhalte geht – Erfolgsgeschichten wie die von GNU/Linux, Apache oder der Wikipedia sprechen hier eine deutliche Sprache. Aber ist diese Produktionsweise nur für Informationsgüter relevant? Oder hat sie das Potenzial für mehr, möglicherweise für eine Umwälzung der gesamten gesellschaftlichen Produktion?
Die Ergebnisse meiner Überlegungen liegen jetzt unter dem Titel „From Exchange to Contributions: Generalizing Peer Production into the Physical World“ vor. Gedacht war das Ganze als längerer Artikel, aber aufgrund der Komplexität des Themas ist schließlich ein kleines Buch draus geworden!
Tiziana Terranovas freie Arbeit
Rather than retracing the holy truths of Marxism on the changing body of late capital, free labor [das Konzept, das dieser Text behandelt, TB] embraces some crucial contradictions without lamenting, celebrating, denying, or synthesizing a complex condition. It is, then, not so much about truth-values as about relevance, the capacity to capture a moment and contribute to the ongoing constitution of a nonunified collective intelligence […].
So endet ein Text von Tiziana Terranova, den ich euch in anbetracht der (mit Verlaub: sehr deutschen) Theoriedebatten der letzten Wochen ans Herz legen möchte. Es gibt ihn eigenwillig formatiert aber umsonst hier. Zudem ist er in der Zeitschrift Social Text (18.2, 2000) erschienen.
Mach doch was Du willst!
So heißt eine Sammlung von elf Kurzfilmen zum Thema „Wandel der Arbeit“. Ich war gestern abend im Kino und kann das nur sehr weiterempfehlen. Sehr viele interessante Anregungen zu unserem Thema und unterhaltsam dazu. Auf der Webseite findet man kurze Beschreibungen zu den einzelnen Filmen und Termine, wann er wo läuft. Leider nicht die Filme selbst.
Keimformen im Dienstleistungsbereich?
Gerade habe ich auf Grund einer Verlinkung im (auch lesenswerten) Artikel „Sozialpolitik oder bedingungsloses Grundeinkommen“ auf Emanzipation-oder-Barbarei einen Text von 2004 der Gruppe schöner Leben Göttingen gefunden, wo es auch um die Keimformfrage ging:
„Für den Aufbau von Keimformen scheint für uns hier ein der kapitalistischen Entwicklung entgegengesetztes Vorgehen sinnvoll: Während der Kapitalismus sich von den Grundstoffindustrien immer weiter in die menschliche Reproduktion eingegraben hat, so hat seine Aufhebung genau am anderen Ende anzusetzen. Am Anfang einer Aufhebungsbewegung steht also der Versuch, Dienstleistungen nicht-marktvermittelt im Rahmen freier Kooperationen zu organisieren. Die Frage nach kostenlosem Wohnen könnte im Rahmen einer neuen Squatting -Praxis angegangen werden.
Kostenlose Friseur-Dienstleistungen ließen sich ebenso relativ leicht außerhalb kapitalistischer Logik aufbauen wie Umsonstläden, Umsonstkneipen oder NutzerInnen-Gemeinschaften. So können Schritt für Schritt Felder freier Kooperation entstehen.“
Ich finde das sehr interessant, weil ich schon immer etwas skeptisch gegenüber dem Produktionsfetisch der Marxisten war. Mir stellen sich da zunächst mal folgende Fragen:
Dem Bundestag aufs Dach: »Geld oder Leben«
Sehr nette Aktion! Ein Zitat aus der Erklärung zur Aktion:
»Wir brauchen die Entkopplung von Arbeit und materieller Grundausstattung. Eine kostenlose Grundversorgung, sprich Bildung, Gesundheit, Wohnraum, Lebensmittel und Kultur, ist notwendig, um den Menschen ein freies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.«
Und:
»Unsere Forderungen richten sich an keine herrschende Elite. Wir rufen zu einem öffentlichen Diskurs und zu einer neuen freien Bewegung auf. Mit dieser Aktion setzen wir ein Zeichen gegen das derzeitige System. Alle, die mit dem Bestehenden unzufrieden ist und die Hoffnung auf eine freie bessere Gesellschaft nicht aufgegeben hat, rufen wir auf, Widerstand zu leisten.«
Puh, wie erfrischend, kein altlinkes Polit-Rhababer. Na ja, ich hätt‘ natürlich auch einiges zu kritteln… Vor allem: Bleibt nicht beim Widerstand stehen!
Solidarität GmbH
Eine Übertragung des aus der Freien Software bekannten Copyleft-Prinzips in die stoffliche Welt versucht die Gruppe »Solidarität GmbH«. Was ist darunter zu verstehen?
re:publica — Scheitern am Geld
Ist die re:publica07 finanziell gescheitert? — Nee, ganz im Gegenteil, waren ja sehr viele Leute da. Und alle waren begeistert. Klar, da wird ein bisschen genörgelt über die Nicht-Debatte. Aber sonst?
Dabei gab es ein Thema, das mühevoll zur einer Scheinkontroverse hochschwadroniert werden sollte: Werbung in Blogs, ja oder nein. Aber irgendwie funkionierte es nicht. Trotz des Moderator-Flehens wollte niemand, weder Publikum noch Podium, gegen Werbung reden. Vielleicht sind die Fundis einfach nicht zur re:publica gekommen. Im Folgenden versuche ich den Gründen nachzuspüren, warum nach meinem Empfinden die re:publica am Geld gescheitert ist, und zwar am Thema Geld und Geldlogik.