Kategorie: Arbeit & Freiheit

Einladung zum Peer-Ökonomie-Wochenende in Hiddinghausen

Titelbild des deutschen Peerconomy-BuchsIn Uli Franks wunderschönem (und als Veranstaltungsort beliebtem) Haus in Hiddinghausen wird es Ende August ein langes Diskussionswochenende zur Peer-Ökonomie geben. Hier der Ankündigungstext, großteils geschrieben von Uli Frank:

„So geht das nicht weiter!“ oder: „Das ganze System wird zusammenbrechen!“ kann man inzwischen häufig hören. Unter Kritikern gibt es schon die Wette, ob das „System“ eher an ökologischen Problemen oder ökonomisch – also an seinen eigenen Widersprüchen – zugrunde gehen wird.

Aber ganz unpopulär scheint die Debatte darüber, WIE es ANDERS weitergehen könnte. Zukunftsentwürfe finden kaum Aufmerksamkeit. Und es ist ja durchaus vernünftig, gegenüber irgendwelchen „Visionen“ und Phantasien skeptisch zu sein: Wie wir aus der Geschichte der utopischen Literatur wissen, sind die großen Entwürfe oft fast lächerlich eng der Welt ihrer Autoren verhaftet.

Wenn wir wirklich etwas NEUES meinen, so kann das nicht das alte sein.

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Peer-Economy: Noch eine offene Frage.

Titelbild des deutschen Peerconomy-BuchsVor einiger Zeit führten wir hier eine interessante Diskussion über offene Fragen der Peer-Economy. Dabei ist ein Punkt noch nicht zur Sprache gekommen, der mir damals als nicht so wichtig erschien, den ich aber inzwischen als ein zentrales Problem betrachte.

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Der alte Marx und die Probleme des Kapitalismus

In einem seiner letzten Artikel hat Stefan den jungen Karl Marx lobend zitiert:

Marx geht hier von einem “menschlichen Wesen” aus, das unter den Bedingungen der Privatproduktion nicht zur Geltung kommen kann und dadurch sich selbst fremd werde. In der Entfremdung sieht Marx den Antrieb für die Aufhebung des (frühen) Kapitalismus.

Der alte MarxSpäter hat Marx diese frühe Auffassung als idealistisch und idealisierend kritisiert (und damit immer auch normalisierend – wie geht man mit Menschen um, die dem postulierten “menschlichen Wesen” nicht entsprechen oder entsprechen wollen?). In seinen späteren Texten hat Marx es deshalb konsequent vermieden, überhaupt mit irgendwelchen Annahmen über ein “menschlichen Wesen” zu argumentieren (abgesehen von tautologischen Annahmen wie dass Menschen so leben möchten, wie sie leben möchten, oder dass sie möglichst wenig von dem tun wollen, was sie nicht tun wollen).

Stefan kritisiert, dass dieser Verzicht auf ein postuliertes Menschenbild dazu führt, dass nicht mehr klar wird, warum man den Kapitalismus überhaupt überwinden solle. Eine positive “Quelle der Veränderung” könne “nur die entfaltete Individualität des Menschen sein”, die es (gemäß dem angenommenen Menschenbild) genießen, gemeinsam für andere zu produzieren und dabei deren Bedürfnisse zu befriedigen, wie das bei der freiwilligen Entwicklung Freier Software der Fall ist. Wenn es darum gehen soll, andere zu überzeugen, hat diese Argumentation allerdings einen doppelten Haken.

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Workshop zu Markt- vs. Planwirtschaft

Total verplantDie Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltet einen Workshop zu Markt- vs. Planwirtschaft: “Total verplant? Wochenend-Workshop zu Plan und Markt: In der Theorie, dem Realsozialismus und anderswo”. Der Workshop wird am 27./28. Juni 2008 in Berlin stattfinden; das gesamte Programm gibt es online.

Schade, dass die Peer-Ökonomie als dritte Produktionsweise neben Markt und Plan noch nicht thematisiert wird – das könnte sich bei einer Nachfolgeveranstaltung aber vielleicht ändern 😉

Freie Software ist immerhin schon ein Thema des jetzigen Workshops, wobei die Perspektive da eher kritisch zu sein scheint (was ja nicht verkehrt ist, aber die Beschreibung klingt doch etwas einseitig):

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Unvermittelt netzwerken

Die AG /unvermittelt der Neuen Geselllschaft für Bildende Kunst (NGBK) Berlin organisierte gestern am Freitag, 18.4.2008, eine Veranstaltung mit dem Titel »Von der Kunst Netzwerke für sich arbeiten zu lassen« (vgl. auch hier). Neben zwei weiteren Referentinnen, die über »Internationale Gärten« und »Ladyfest« berichteten, war auch ich eingeladen, um etwas zum Thema »Netzwerken« beizusteuern. Eine Vertreterin der Genossenschaft »Weiberwirtschaft« und drei Jungs des »Netzwerks Grundeinkommen« waren ebenfalls zu Gast. Apropos Jungs: Ohne die drei hätte die Männerquote wohl deutlich unter 20% gelegen — ist »Netzwerken« ein »Frauenthema«? Komisch…

Leben in zwei Welten

Leben in zwei Welten (Klicken zum Vergrößern)

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re:publica08 — Interview mit Frithjof Bergmann

Frithjof BergmannNach einem Workshop auf der re:publica08 konnte ich Frithjof Bergmann ein paar Fragen zu einem Projekt in Detroit stellen (Aufnahme leider übersteuert, aber verstehbar):

OGG (96 Kbps, 5,6 MB)

MP3 (64 Kbps, 4,6 MB)

Keimform.de wird professionalisiert

Wir haben seit einiger Zeit immer mehr Zugriffe auf diese Seite. Das freut uns natürlich einerseits aber andererseits bedeutet das auch mehr Arbeit. Die technische Betreuung wird aufwendiger und es tut sich einfach auch immer mehr in unserem Bereich, so daß wir selber oft garnicht mehr hinterher kommen.

Wir sind alle ziemlich eingebunden in familiären oder Arbeitskontexten, so dass wir das Blog schließen müssten, wenn es uns nicht gelingt zusätzliche Hilfe zu beschaffen. Appelle an weitere Mitschreiber sind in der Vergangenheit meistens ungehört verhallt. Deswegen haben wir beschlossen unsere Tätigkeit hier auf eine professionelle Basis zu stellen. Zu diesem Zweck werden wir in den nächsten Tagen eine Stelle für einen Online-Redakteur ausschreiben. Bewerbungen werden schon jetzt entgegen genommen. Natürlich können wir kein besonders hohes Gehalt bieten, aber wir hoffen durch Spenden soviel einnehmen zu können, dass man halbwegs davon vegitieren kann, wenn man vielleicht noch nebenher Taxi fährt oder so. Werbung oder gesponsorte Artikel bzw. Links sind bisher nicht geplant, aber für die Zukunft auch nicht ausgeschlossen. Also, wenn das was für euch wäre, meldet euch. Zum Anforderungsprofil gehört neben excellenten Schreiberqualitäten, Bescheidwissen über Keimformen aller Art und auch technisches Know-How, idealerweise mit Erfahrungen im Fundraising.

Natürlich werden wir auch weiterhin unabhängig darüber berichten was sich so tut im Markt der Möglichkeiten einer besseren Welt.

Wr hoffen, dass ihr uns auf diesem neuen Weg unterstützt. Natürlich ist uns diese Entscheidung nicht leicht gefallen, aber auch wir leben eben noch nicht im Neuen sondern meistens im ziemlich Alten.

Materielle Peer-Produktion – Teil 1: Aufwandsteilung

Book Cover[This is the German translation of the original English article.]

Voriger Teil: Merkmale der Peer-Produktion.

Das erste charakteristische Merkmal der Peer-Produktion besteht darin, dass der zum Erreichen der Ziele eines Projektes benötigte Aufwand unter den Menschen aufgeteilt wird, denen das Vorhaben wichtig genug sind, um dazu beizutragen. Wie dieses Teilen organisiert wird, hängt von der Art des Projekts ab.

Projekte, die Freie Software oder Freies Wissen produzieren, setzen auf eine Methode, die Francis Heylighen [2007] als „stigmergisch“ (Hinweis-basiert) beschreibt. Die Arbeit, die in solchen Projekten geleistet wird, hinterlässt Zeichen (griechisch stigma) oder Hinweise, die andere motivieren, damit fortzufahren. Beispiele für solche Hinweise sind To-Do-Listen, Bug Reports und Feature Requests in Freien Software-Projekten; und „rote Links“ auf fehlende Artikeln sowie Listen von „Fehlenden Artikeln“ und „Artikelwünschen“ in der Wikipedia. Sie weisen Beteiligte und potentielle Beteiligte auf lohnende Aufgaben hin.

Dieses Hinweissysteme dient auch als informeller Mechanismus für die Priorisierung von Aufgaben: je mehr Menschen eine Aufgabe wichtig ist, desto wahrscheinlicher wird sie jemand in Angriff nehmen (da die entsprechenden Hinweise sichtbarer und deutlicher werden dürften, und da Menschen sich eher um Dinge kümmern, die ihnen selbst am Herzen liegt). Und da sich jede/r selbst aussucht, wo sie sich einbringt, sind die Beteiligten im Allgemeinen motivierter als in Markt-basierten Systemen, wo man den Anweisungen eines Vorgesetzten oder Kunden Folge leisten muss. Zudem suchen sich die Beteiligten meist Aufgaben auf, die sich sich am ehesten zutrauen, was dazu führt, dass die unterschiedlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Beitragenden nahezu optimal eingesetzt werden.

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