Demonetize: Anregungen und Ausblick

demonetize[Bisher erschienen: Einleitung, Teil 1, Teil 2, Teil 3]

4. Welche gegenseitigen Anregungen gibt es?

Postwachstum durch Demonetarisierung schärfen

Wir schlagen vor, den Diskurs zu Postwachstum durch die Demonetarisierungs-Brille zu schärfen und seine Hauptbotschaft und die Art der Fragestellungen zu vertiefen. Im Unterschied zu Debatten um Lebensstile, ethischen Konsum und Investment und zu Forderungen, die auf politische Regulierungen oder die Macht individueller oder kleinteiliger Verhaltensänderungen (im Sinn von Verzicht oder Suffizienz) vertrauen, würde Demonetarisierung woanders ansetzen: nämlich bei den Bedingungen und Triebkräften schädlichen ökonomischen Wachstums, insoweit sie mit Geld, Tausch und Wert einhergehen. Darüber hinaus könnte sie Postwachstumsdebatten durch ihren Reichtum an utopischen Modellen inspirieren.

Umgekehrt kann Postwachstum die Debatten und Initiativen um Demonetarisierung dazu anregen, sich verstärkt der ökologischen Frage zu widmen.

5. Ausblick: Raum für Anregungen, Visionen und Wünsche

Eine vereinte antikapitalistische Bewegung?

Eine praktisch orientierte Bewegung für soziale Transformation könnte die Schaffung von neuen demonetarisierten Räumen innerhalb der kapitalistischen Ökonomie unterstützen. Als Beispiel wird häufig die Freie beziehungsweise Open-Source-Software genannt, zusammen mit verschiedenen anderen Peer-to-Peer-Technologien, die Wissen und kreatives Arbeiten ins Außen der Marktwirtschaft verlagern. Freie Content-Lizenzen schützen diese (jedenfalls in der Theorie) vor Kommodifizierung, also davor, schließlich doch als Waren auf den Markt zu gelangen. Verschiedene Projekte der solidarischen Ökonomie lassen sich ebenso anführen: zum Beispiel gemeinschaftsbasierte Landwirtschaft, die Verteilung von Nahrungsmittelüberschüssen, Wohngenossenschaften. Allerdings existieren all diese Initiativen bislang isoliert voneinander. So bezieht sich etwa die Open-Source-Bewegung nicht auf antikapitalistische Positionen – ganz zu schweigen von der Demonetarisierung –, obgleich sie als ein Beispiel dafür gilt, wie geldfreies Wirtschaften funktionieren kann.

Für einen grundlegenden sozialen Wandel wäre es vonnöten, diese Projekte miteinander zu verbinden. Um eine ernsthafte antikapitalistische Strömung zu entwickeln, würde die Kooperation eine schrittweise Demonetarisierung der Aktivitäten erfordern, um sie dem Markt vollständig zu entziehen. Beispielsweise können freie Software und Content-Lizenzen dazu verwendet werden, die Kommerzialisierung von Software und digitalen Medien zu verhindern, wodurch digitale Commons erzeugt würden. Es bleibt bislang noch eher unklar, wie ein ähnlicher Prozess in der physischen Welt vorangetrieben werden kann, um etwa Commons hinsichtlich Land und Wohnraum zu schaffen.

Mit ihrer Kritik an Geld und Tausch ist Demonetarisierung notwendigerweise antikapitalistisch – und in der Tat sind deren theoretischer Hintergrund und deren Befürworter_innen zu großen Teilen im Marxismus und im Anarchismus verwurzelt. Im 21. Jahrhundert, der globalen ökonomischen Krise zum Trotz, ist die traditionelle Arbeiter_innenbewegung erstaunlich schwach, zumindest in den westlichen Gesellschaften. Damit sind wir denkbar weit entfernt von den Visionen einer internationalen und inklusiven Arbeitendenbewegung, die dazu fähig wäre, sich global und koordiniert gegen die kapitalistische Ordnung in ihrer globalisierten Form der Marktwirtschaft zu erheben. Angesichts der Vielfalt an Ansätzen und Perspektiven bleibt offen, ob eine vereinte antikapitalistische Bewegung wiederkehren wird.

Ein Kommentar

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