Autor: Stefan Meretz

Ohne Kampf kein Mampf?

Jüngst kommt eine neue Ausgabe der Zeitschrift »Exit« auf den Markt, in deren Editorial es heisst:

»Einen parallelen Versuch ähnlicher Art [wie John Holloway] haben Stefan Meretz und Ernst Lohoff in Krisis 31 vorgeführt. Die Szene, die damit bedient werden soll, ist die als „Ökonux“ firmierende Ideologisierung der „Freien Softwarebewegung“. Dort wird (etwas allgemeiner gefasst unter www.keimform.de) schon länger die Wunschidee vertreten, der Kapitalismus würde hinter dem Rücken seiner Subjekte „das Neue im Alten“ hervorbringen, das dann unverändert in die befreite Gesellschaft übernommen werden oder diese gar auf dem Wege einer kampflosen Ausbreitung herbeiführen könne.«

Damit ist in der Tat ein wichtiger Punkt angesprochen, nämlich der nach den Vorstellungen gesellschaftlicher Transformation. Dabei scheinen sich zwei Pole herauszukristallisieren: Einerseits die Vorstellung, eine Befreiung könne nur durch den bewussten Umsturz der alten Verhältnisse und rückstandlose Entfernung derselben geschehen; andererseits die Vorstellung, die alten Verhältnisse wachsen in neue Verhältnisse hinüber, befördert durch das mehr oder weniger bewusste Handeln der Menschen.

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Brockhaus aus-kooperiert

Brockhaus-Lexikon (cc-by-sa-2.0 Jan van der Crabben)Das Literaturcafé sagt es sehr deutlich: »Wikipedia zerstört den gedruckten Brockhaus – 50 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze«. Gegen Wikipedia war kein Kraut gewachsen, auch nicht in der Qualität und schon gar nicht in der Quantität und Aktualität. Ein klassischer Fall von aus-kooperieren. Die verärgerten Reaktionen zeigen: Das darf nicht wahr sein, das Management ist schuld, normaler Medienwandel und so weiter.

Das ist Quatsch.

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Copy me! Die Krise der Musikindustrie

Jungle World: Copy me!Die Wochenzeitschrift »Jungle World« hat den aktuellen Schwerpunkt auf die Musik und ihre Reproduktionsformen gelegt. Es sind interessante Beiträge entstanden [via].

Hier eine kleine Komplilation mit Zitaten.

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Historische Bilder durch Tags anreichern

Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (LOC)Die Bibliothek des US-Kongresses (Library of Congress LOC) hat rund eine Million Fotos und Drucke gesammelt, die bereits seit zehn Jahren online öffentlich zugänglich sind. Nun hat die LOC ein Pilotprojekt gestartet, um ausgewählte Fotos via Flickr öffentlich taggen zu lassen. Die Sammlung wird dadurch reicher und besser zugänglich. Crowdsourcing im besten Sinne, denn das Resultat bleibt freies Allgemeingut (Commons) — für alle Bilder gilt: »Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt«. [via]

Foto: Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (src) — vgl. dazu auch den Artikel über die Fotos aus Pie Town

500 Tage keimform.de — kleine Bilanz

keimform.de - kein ProjektAm 21.09.2006 um 20:08 Uhr erblickte der erste Beitrag im neuen Blog »keimform.de« das Licht der Welt. Eine bislang unbenutzte Nische wurde damit besetzt, denn auch unter den eher inhaltlich-reflexiven oder politischen Blogs herrscht eine »Anti-Haltung« vor. Wir wollten hingegen das »Neue im Alten« sichtbar machen, wozu natürlich gehört, sich darüber zu verständigen, was denn ein »Neues« überhaupt konstituieren kann.

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Social Graph — auf dem Weg zum Internet-Betriebssystem?

Das FOAF-LogoDer »Run for openess« geht in eine neue Runde: Google hat die Social Graph API veröffentlicht. Eine API ist eine Programmierschnittstelle, um auf die Funktionen einer Anwendung zuzugreifen — in diesem Fall »Social Graph« von Google. Über die Schnittstelle kann man Google veranlassen, XFN und FOAF-Informationen verlinkter Websites und Web-2.0-Anwendungen auszuwerten und auszuliefern. Über XFN werden persönliche Verbindungen über Links darestellt und FOAF ist ein Standard zur Speicherung persönlicher Daten.

Und wozu das Ganze?

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Microsoft: Mit Koopkurrenz siegen?

Tux auf der Jagd (CC by-sa-nd IT appuntiubuntu.wordpress.com)Manche reiben ich verwundert die Augen: Microsoft und Open Source — kann das sein? Na klar, denn wenn eins Microsoft nicht ist, dann blöd (trotz manch gegenteiliger Beispiele). »Coopetition« heisst die Strategie dahinter, also eine Mischung aus Hände schütteln und Messer in den Rücken (Kooperation und Konkurrenz). Eigentlich nichts Neues in der Wirtschaft, aber schon interessant, dass sich ein Monopolist zu Anpassung an die Macht des Faktischen der Freien Software gezwungen sieht.

Wenn man das ökonomisch durchdenkt, ist es noch interessanter: Da muss ein fetter Rentier, der gut von der »Informationsrente« lebt, eine freiwillige Rentenkürzung hinnehmen, um den Rest der Rente zu sichern. Microsoft, ein Opfer des Neoliberalismus! Nun werden die Koopkurrenten genau das gleiche tun und die Abwärtsspirale antreiben — ein »Race to the bottom«. Und was bildet die Bottomline? Na ja, nach meiner These ist Software ja eh wertlos, also bleibt da nur ein wenig Infrastruktur. Aber auch wenn man proprietäre Software noch ernsthaft für werthaltig hält, kann der Sturz sehr tief sein. Wir werden das noch erleben — die Entwertungsspirale hat erst begonnen!

Mehr lesen:

Streifzug-Review 8: »Make Copyright History!«

Aufkleber »Politik ist die notwendige Illusion der Änderbarkeit«

Die achte Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« fordert mit dem Titel plakativ, mit dem Copyright-System endlich Schluss zu machen — denn es zerfällt ohnehin vor unseren Augen. Die Kolumne befasst sich inhaltlich mit der gewachsenen Freien Kulturbewegung, die in Anlehnung an die Freie Softwarebewegung die Imperative der Verwertung praktisch unterläuft. Während die Freie Kulturbewegung sich noch brav an das Copyright hält und sich per Creative Commons absichert, schert sich die illegalisierte Raubkopierbewegung — nicht weniger effektvoll — kein bißchen darum.

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Open Source und Web 2.0

Graffiti in Wellington/Neuseeland (cc-by-nc-sa Taniwhaiti)Das Angekommensein Freier Software in der Gesellschaft spiegelt sich in dem Maße wider, wie es zum Reflektionsgegenstand wird, wie sich also etablierte Wissenschaft eines für sie »neuen« Themas annimmt. Das Thema kann nur deswegen »neu« sein, weil die etablierte Wissenschaft damit selbst meist nichts zu tun hat. Sie nähert sich dem »fremden« Gegenstand von außen und bringt allerlei etabierte Meßlatten mit. Das ist Teil des Problems. Nein, das ist natürlich nicht immer so, und ja, es gibt auch eigenständige Zugänge, etwa in der Informatik oder über das Thema Open Access.

Immerhin bietet das »Neue« und »Fremde« auch Studentinnen und Studenten eine gute Möglichkeit des wissenschaftlichen Einstiegs durch Verfassen entsprechender Abschlussarbeiten. Von einer soziologischen Diplomarbeit soll hier die Rede sein, von »Open Source und Web 2.0 — Soziale Bewegungen für eine „freie“ Wissensgesellschaft« von Jonathan Harth, erhältlich zwar unter CC-Lizenz, aber nur als PDF [Update: inzwischen auch als offenes ODT]. Das Problem häufig fehlender bearbeitbarer Quellen haben wir hier schon diskutiert. Nun aber zu den Inhalten.

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