Die achte Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« fordert mit dem Titel plakativ, mit dem Copyright-System endlich Schluss zu machen — denn es zerfällt ohnehin vor unseren Augen. Die Kolumne befasst sich inhaltlich mit der gewachsenen Freien Kulturbewegung, die in Anlehnung an die Freie Softwarebewegung die Imperative der Verwertung praktisch unterläuft. Während die Freie Kulturbewegung sich noch brav an das Copyright hält und sich per Creative Commons absichert, schert sich die illegalisierte Raubkopierbewegung — nicht weniger effektvoll — kein bißchen darum.
Das Angekommensein Freier Software in der Gesellschaft spiegelt sich in dem Maße wider, wie es zum Reflektionsgegenstand wird, wie sich also etablierte Wissenschaft eines für sie »neuen« Themas annimmt. Das Thema kann nur deswegen »neu« sein, weil die etablierte Wissenschaft damit selbst meist nichts zu tun hat. Sie nähert sich dem »fremden« Gegenstand von außen und bringt allerlei etabierte Meßlatten mit. Das ist Teil des Problems. Nein, das ist natürlich nicht immer so, und ja, es gibt auch eigenständige Zugänge, etwa in der Informatik oder über das Thema Open Access.
Immerhin bietet das »Neue« und »Fremde« auch Studentinnen und Studenten eine gute Möglichkeit des wissenschaftlichen Einstiegs durch Verfassen entsprechender Abschlussarbeiten. Von einer soziologischen Diplomarbeit soll hier die Rede sein, von »Open Source und Web 2.0 — Soziale Bewegungen für eine „freie“ Wissensgesellschaft« von Jonathan Harth, erhältlich zwar unter CC-Lizenz, aber nur als PDF [Update: inzwischen auch als offenes ODT]. Das Problem häufig fehlender bearbeitbarer Quellen haben wir hier schon diskutiert. Nun aber zu den Inhalten.
Wie mit Openness und Klimakatastrophe richtig viel Geld machen? Und gleichzeitig zu den Guten gehören? Das Project Better Place zeigt wie es geht. Kapitalismus ist pervers.
How to make really much money with openess and climatic catastrophe? And belonging to the good at the same time? Project Better Place shows how it works. Capitalism is perverse.
Open (O-): Die Grundline basierend auf freier Nutzung und freier Weitergabe (Regeln 1-3)
Open Source (O): Der freie Einblick und die freie Veränderung der Quell-Dateien (Regeln 1-5)
Open Plus (O+): Die Möglichkeit, sich am transparenten und dokumentierten Herstellprozess zu beteiligen (Regeln 1-7)
Diese Dreiteilung erinnert an die »Triple-Free«-Definition von Tere Vadén für Freie Software. Hier nun die sieben Regeln, die den drei Stufen offener Medien zu Grunde liegen:
Das Verknüpfen des bisher unge- und erkannt nebeneinander Stehenden ist eine große Stärke des Web. Sozialen Netzwerke entstehen genau dadurch. Hier entstehen Keimformen einer neuen Weise gesellschaftlicher Vermittlung. Wie dumpf und eindimensional ist dagegen die entfremdete Herstellung des gesellschaftlichen Zusammenhangs über das Geld. Allerdings muss man diesen Gegensatz auch kapieren, um ein gutes Projekt im Sinne eines sozialen Netzwerkes aufzuziehen, mindestens intuitiv. Oder übertreibe ich mal wieder?
Ein schönes Beispiel der Verknüpfung ist handlungsreisen.de, eigentlich. Also mindestens der Möglichkeit nach. Es geht um die virtuelle Reise an die Orte von Handlungen in der Literatur. Die soziale Verknüpfung ist in dem potenziellen Weltatlas der Literatur allerdings unterbelichtet. Zwar liest jede/r ein Buch für sich, aber doch deswegen nicht allein, oder? Doch jede Leserin schreibt nur für sich über das gelesene Buch. Noch nicht mal Kommentare von anderen Lesern gibt’s dazu. Und auch der Blog ist kommentarlos. Dicke Minuspunkte. Durchgefallen?
Dabei hört sich das sehr interessant an, was der Initiator Jens Nommel im Gespräch mit dem Elektrischen Reporter über die Grundidee berichtet:
Christian Fuchs hat ein englischsprachiges Buch veröffentlicht. Der Titel »Internet und Gesellschaft« wird begleitet von einem ebenso unspektakulären Untertitel: »Social Theory in the Information Age« — das Inhaltsverzeichnis verspricht dennoch Interessantes. Auf der Webseite zum Buch bietet Christian eine Einführung in Thema und Buch in zwei Videos an — in englisch mit netter Österreichfärbung [via].
The following critique of Dmytri Kleiners paper »Copyfarleft und Copyjustright« (published in Mute-Magazine) has got three parts. First I discuss the general theoretical principles, then the transformation of these principles to the field of information goods, and finally the concept of copyfarleft. A concluding critique closes this article.
Manche Zusammenhänge liegen auf der Hand. Es muss doch immer mal wieder eine vorbei kommen, und sie formulieren, bevor ich sie sehe. Silke Helfrich vom CommonsBlog hat das für den Zusammenhang von Commons und OpenAccess für mich in einem Kommentar getan: Bei rivalen Gütern führt OpenAccess (also freie Nutzung) von Commons (also Gemeingütern, auch Allmende genannt) unweigerlich zur Übernutzung mit der Folge der Zerstörung der Commons.
Nun kam Garrett Hardin daher und hat das flugs verallgemeinert: Gemeingüter führen immer zur Übernutzung — bekannt geworden unter dem Titel »Tragedy of the Commons«. Der Witz bei lokalen Gemeingütern ist jedoch, dass sie meist kein OpenAccess kennen, sondern bestimmte Nutzungsregeln haben, um genau jene Übernutzung zu verhindern, die Hardin stets automatisch kommen sieht. Hardin ist noch in anderer Hinsicht schräg, aber das sei hier mal ausgeblendet. Mir geht es um was anderes…