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Kapitalismus aufheben

Streifzuege 70[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz

Ohne Ziel kein Weg. Ohne Utopie ist die Überwindung des Kapitalismus nicht erforschbar. Der Großteil der emanzipatorischen Bewegungen versucht die Utopie einer befreiten Gesellschaft durch negative Bestimmungen – kein Staat, kein Markt, keine Vergesellschaftung über Arbeit etc. – anzudeuten. Innerhalb der Utopietheorie gibt es zwei Positionen.

Die beschreibende Utopie sieht kein Problem in der Bestimmung der Utopie und skizziert, plausibilisiert, pinselt die utopische Gesellschaft munter aus. Sie wird kritisiert von der zweiten Position des Bilderverbots, welche betont, dass jedes Nachdenken über die Zukunft eine Verlängerung heutiger Vorstellungen ist, und somit Herrschaft, Arbeitswut und Sphärentrennung nur verlängert. Sie verlangt eine Abkehr von der „Utopisterei“ und eine Hinwendung zur reinen Kritik des Bestehenden.

In unserem Buch suchen wir den Ausweg mittels einer dritten Position, der kategorialen Utopie. Hier wird die Utopie nicht ausgepinselt, nicht in ihren Details beschrieben, sondern ihre grundlegenden Dynamiken entwickelt und diskutiert. Eine kategoriale Utopie beschreibt nicht, wie wir konkret re/produzieren oder wohnen werden, sondern versucht zu denken, wie eine Gesellschaft ohne den Zwang zur Arbeit, ohne Eigentum und ohne Staat funktionieren kann.

Eine solche freie Gesellschaft kann nur die Realisierung menschlicher Möglichkeiten sein. Diese Möglichkeiten gilt es zu ergründen. Hierfür benötigen wir eine Theorie von Mensch und Gesellschaft, die diskutiert, geprüft und hinterfragt werden kann. Durch diese explizite Begründung wird die Utopie selbst diskutierbar, und wir können sie wie jede andere Theorie verbessern und weiterentwickeln. Utopie kann mit der kategorialen Utopietheorie zur Wissenschaft, zu einer begründeten Auseinandersetzung werden.

In der gesamten Geschichte entfalteten wir unsere menschlich-gesellschaftliche Potenz bisher nur eingeschränkt. In Exklusionsgesellschaften ist es naheliegend, meine Bedürfnisse auf Kosten der Bedürfnisse anderer zu befriedigen. Für mich ist es subjektiv funktional, den billigeren Käse zu kaufen, aber damit fördere ich Arbeitsverhältnisse, die anderen Menschen und der nicht-menschlichen Natur Schaden zufügen. Für mich ist es naheliegend, andere Menschen direkt oder strukturell-mittelbar auszunutzen, um meine Bedürfnisse besser zu befriedigen.

Diese Exklusionslogik kann nicht einfach ethisch durch individuell anderes Handeln überwunden werden. Wir können sie nur überwinden durch gesellschaftliche Strukturen, in welchen die beste Befriedigung der eigenen Bedürfnisse daran gebunden ist, die Bedürfnisse anderer Personen einzubeziehen. Es ist eine Gesellschaft „in welcher das Glück weder zufällig, noch vom Unglück der anderen gemacht“ (Jochen Schimmang) ist, eine Gesellschaft in welcher es mir besser geht, wenn ich die Bedürfnisse anderer einbeziehe.

Diese commonistische Inklusionsgesellschaft ist die kategoriale Utopietheorie, welche wir in dem Buch „Kapitalismus aufheben“ entwickeln. Und wir fragen, welche gesellschaftlichen Strukturen, welche Vermittlungsformen, welche „Beziehungsweisen“ (Bini Adamczak) diese Inklusionsstrukturen herstellen. Dabei stoßen wir – basierend auf der Commonsforschung – auf zwei Grundlagen: Freiwilligkeit und kollektive Verfügung.

In einer Gesellschaft, welche auf Freiwilligkeit aufbaut, kann ich niemanden dazu zwingen, für mich Erdbeeren anzubauen oder den Müll zu beseitigen. Tätigkeiten müssen so organisiert sein, dass es Menschen wichtig ist und auch Freude bereitet, diese auszuüben. Dies gilt für das Putzen und Kochen in einer WG, wie für die Straßenausbesserung in einem Stadtviertel, wie für die Tätigkeiten am Hochofen in einem Stahlwerk. Freiwilligkeit verlangt von all diesen Strukturen, die Bedürfnisse der Beitragenden zu inkludieren. Leisten sie dies nicht, müssen sie sich verändern oder untergehen.

Kollektive Verfügung verlangt, dass wir unsere gegenseitigen Bedürfnisse bei der Nutzung von Ressourcen und Mitteln einbeziehen. Ich kann nicht einfach das Haus mit dem schönsten Meerblick mittels struktureller Herrschaft – Geld – kaufen, oder mir den Stahl, den sowohl der Schulbau als auch die Käsefabrik braucht, für die Käsefabrik aneignen. Nein, wir müssen unsere Bedürfnisse miteinander in Beziehung setzen und mit begrenzten Mitteln umgehen. Wir müssen auftretende Konflikte austragen – und zwar auf eine Weise, in der es nicht möglich ist, sich auf Kosten anderer durchzusetzen.

Wir können Konflikte nur dann lösen, wenn wir für uns alle eine gute Lösung finden. Auch hier ist es nahegelegt, die Bedürfnisse anderer einzubeziehen, auch hier wirkt die Inklusionslogik. Die gesamte Gesellschaft wird somit durch ein Netz von Inklusionslinien durchzogen, die es für mich subjektiv funktional machen, die Bedürfnisse anderer einzubeziehen, und für andere, die meinigen zu inkludieren. In dieser commonistischen Inklusionsgesellschaft ist tatsächlich „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller“ (Marx/Engels).

Es gibt ein Wechselverhältnis zwischen Utopie und Transformation: Umso klarer wir die Utopie begreifen, desto besser können wir die Transformation bestimmen. Denn die Transformation muss jene Beziehungen und Vermittlungsformen entwickeln, welche die Zielgesellschaft ausmachen. Die freie Gesellschaft fällt nicht vom Himmel, sondern kann nur vor dem gesellschaftlichen Bruch in einer noch unentfalteten, begrenzten Form entwickelt und aufgebaut werden.

Dieser Entwicklungsprozess einer neuen Form der Vergesellschaftung verbindet die zwei zentralen Elemente von Reform und Revolution. Während die Revolution den Bruch ins Zentrum rückt, ist es für die Reform der Prozess. In unserer Aufhebungstheorie beinhaltet der Prozess einen Formbruch. Die Aufhebung muss die befreienden Strukturen der Inklusionsgesellschaft aufbauen und entwickeln. Diese Strukturen können wir in unseren heutigen Organisationsformen auf einer interpersonalen Ebene schon vielfach erkennen. Die entscheidende Frage nun aber ist: Wie werden die Beziehungen der Freiwilligkeit und kollektiven Verfügung zur gesellschaftlich bestimmenden Beziehungsweise?

Das Buch ist „eine Einladung, über Utopie und Transformation neu nachzudenken“. Es ist als Druckwerk käuflich und auf der Website commonism.us frei erhältlich.

Kategorien: Commons, Theorie

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12. Juli 2018, 16:22 Uhr   6 Kommentare

1 franziska (13.07.2018, 10:47 Uhr)

Anhiebsdiagnose: Es fehlt die Abteilung der kategorialen Utopie (die ist ein absolut wichtiger Begriff, den ihr da einbringt, so wie auch so gut wie alles andre; ich stimme grosso modo allem zu), abgesehen vom WIE man es KANN: WARUM man auch MUSS.
Und dies Müssen, dieser Zwang, könnte nochmal zwei Abteilungen haben: nämlich einmal: Man muss, wenn man bestimmtes erreichen, erzielen möchte.
Es könnte aber auch drauf hinauslaufen, dass viel zentraler, kategorisch gilt: MAN MUSS; weil sonst Stagnation, Regression, Zerrüttung und Zerfall auf elementaren materiellen Feldern eintreten.

((Interessant wäre uU ein dritter Aspekt, nämlich: Warum die Utopie von einigen tatsächlich begrüsst und herbeigewünscht wird, und von vielen, den meisten, wenn sie damit konfrontiert werden, abgelehnt. Das Gekonnte-Erzwungene ist also ein höchst prekär auch Erwünschtes, Erstrebenswertes… (ok, nicht grade, wenn man die Situation von Pionieren ansieht. Leuten wie uns also…) ))

Aber selbst in dem „Müssen“, mit diesen finsteren Drohungen im Rücken, steckt ein wichtiger Unterschied:
Euch (und vielen andern, ihr seid da ja nicht allein) zufolge ist eine Vergesellschaftungsaufgabe zu lösen (und das mag an die Schaffung materieller Voraussetzungen gebunden sein).Während ich sage:Das ganze Weltverhältnis, die materielle Produktion muss neu aufgebaut werden. Wir stehen nicht nur an einer Epochen-, sondern einer regelrechten FORMATIONSGRENZE**): Die gesamte Produktion muss kollektiven Zwecken unterworfen werden, sie muss (sage ich; meine ewig wiederholte  Zwecke-Trias***); die in Wirklichkeit dreimal dasselbe meint)
bedürfnis-, natur- und vergesellschaftungs-gerecht*) werden.

*)In DIESEM Begriff von Vergesellschaftbarkeit ist erheblich mehr enthalten als Inklusion; nämlich, wie man den Standpunkt, den man einnimmt, vermittelt; es wollen nämlich die allermeisten derzeit garnicht inkludiert werden. Sie denken nicht wie ich/wir, sie wollen nicht leben wie ich/wir. Wie sollen wir also je zusammenkommen? (Die andern können dies Trennende zwischen ihnen ja genauso wenig überwinden. Es ist auch bislang wenig theoretisch analysiert…

**)Formationsgrenze: So nenne ich diejenigen Übergänge in der Geschichte, wo kulturell ein neues Weltverhältnis ausgebildet und gesellschaftlich prägend („hegemonial“) wird – und nicht etwa ein höheres (oh, gibts das?) Vergesellschaftungs-Niveau, wie in den Epochen innerhalb einer Formation (einem kulturell dominierenden Weltverhältnis):Zum Beispiel das religiöse Weltverhältnis (wie war das vor-religiöse?). Oder eben das moderne. Oder eben jetzt… das nachmoderne. Die Dauer der Formationen verkürzt sich, wenn das stimmt, die Geschichte beschleunigt sich, die gleichzeitig zu lösenden Aufgaben werden demzufolge komplexer…)

***) wenn man unbedingt will, könnte man die drei Punkte:
wie man könnte?
warum man muss?
wann warum manche wollen, und manche (noch) nicht?
auf die drei Zwecke-Gruppen abbilden:
wie es bedürfnisgerecht eingerichtet werden kann?
warum es ökologisch erzwungen wird?
wie und in welcher Reihenfolge man die Differenzen zu denen, die nicht so denken und wollen, ohne Zwang aufhebt (und ihnen, also letztlich allen, den eignen Standpunkt allmählich vermittelt), und so erstmals stabile Vergesellschaftung, die den Namen verdient, zustandebringt?

—————–

Dieser Beitrag ist keine „Kritik“, sondern benennt nur eine eine, meine Stellungnahme, und den Standpunkt, von dem aus sie stattfindet.Das ist also nicht als Ausgangspunkt einer Diskussion gemeint.

2 Stefan Meretz (15.07.2018, 12:20 Uhr)

@Franziska:

Es fehlt die Abteilung der kategorialen Utopie

Im Buch gibt es ein ganzes Kapitel dazu.

3 Lusru (15.07.2018, 14:56 Uhr)

„Ohne Ziel kein Weg. Ohne Utopie ist die Überwindung des Kapitalismus nicht erforschbar. „

Nun, was könnte das sein „Überwindung des Kapitalismus“? Der „Kampf gegen …“?

Jeder kennt Technik.
Lange Zeit und noch immer gibt es Überlegungen und Kräfte, die den Einfluss der Technik auf das Leben in der Gesellschaft zurück drehen möchte, da diese Leute (oft zurecht) zuviel Ungemach auf diesem Weg verbreitet sehen.

Was ist Technik, und warum hier erwähnt?
Technik ist eine kultürliche, also nur von / durch Lebewesen, hier Menschen, erwerbbare und verbreitete Erscheinung, eine Symbiose von Fähigkeit und Fertigkeit (man denke an die Technik des Klavierspielens, des Skifahrens, des Sprechen und Singens, des Schreiben und Malens usw.) und keineswegs ein materieller Gegenstand.

Wird nun DIESE (Primär)Technik durch ausreichende Wiederholung ruotiniert, kann Sie über Veränderung von Stoffen materiell gerinnen, gespeichert werden (Holz zu Stuhl, Metalle zu Computern, Computer zu systemisch verbundenen Hochleistungseinheiten, die etliche Leute fälschlich mit Intelligenz, einer ausschliesslichen Lebeweseneigenschaft, verwechseln und als „KI“ bezeichnen, usw.):
Techik gerinnt zu materiell gespeicherter (sekundärer) TECHNIK , der anderen Seite dieser Entität, und nichts anderes ist auch künftig für alle Zeiten auf gleichem Wege entstandene fälschlich „künstliche Intelligenz“ benannte hochkomplexe Form davon:
Technik.

Und diese zwei Arten von Technik verändern bereits mit ihrem Entstehen, Verweilen und Gebrauch die Realitäten unseres menschlichen Lebens, des Einzelnen, der Gruppe und der gesamten Gesellschaft, man möge gerrn mal versuchen, diese Technik „abzuschaffen“ oder zu „überwinden“, ohne Gesellschaft damit zu zerstören …

Womit wir beim hiesigen Thema und dem Kapitalismus wären:

Was nun, wenn Geld, Kapital und Kapitalismus eine solche Technik des Austausches, eine Fähigkeit und Fertigkeit von Mensch, z.T. bereits materiell geronnen, ist?

Abschaffen? Überwinden?

Es stellte sich wohl eher die Frage nicht nach „Überwindung“, sondern nach menschlich nutzbringend und schadensfreien Gestaltung dieser Fähigkeit durch ihre Zurechtweisung in das Joch ihrer einstigen Entstehung: Der Ermöglichung und Sicherung dauerhaften Austausches menschlicher Leistung und Bedarfe für alle.

Zwängt sich die Frage: Abschaffung, Überwindung, oder besser Umgestaltung dieser Art von menschlicher Technik auf?

Eine derartige Betrachtungsweise ermöglicht auch Exponenten der gegenwärtigen Kapital-Gilde, sich nutzbringend samt ihrem Potential einzubringen in gesellschaftliche Veränderung, anstatt ihr unzweifelhaft gegebenes Potenzial brachial zur Verhinderung eigener Benachteiligung gegen jede Gestaltung dieser Kapital-Technik zu verwenden, was wohl nicht nur Vergangenheit und Gegenwart ist, sondern ohne diese Art von
UTOPIE
kein Geländer entsteht, an dem alle (!) Teile der Gesellschaft sich ohne gegenseitig Hektoliter Blut zu vergiessen in erforderliche Veränderungen einbringen können, es sie auch dahin zieht.

„Ohne Utopie ist die Überwindung des Kapitalismus nicht erforschbar“ – Ja, aber auch nicht erkennbar, dass es weniger um „Überwindung“ sondern letztlich immer nur um mehr mutuale Gestaltung für alle geht.

4 franziska (16.07.2018, 11:57 Uhr)

@Stefan Der lange Klammer-Inhalt versperrte leider die Auffassung meines Eingangssatzes, ich schreibe ihn nochmal so hin, wie er gemeint war: Die Abteilung der kategorialen Utopie „wie man kann“ ist – zumindest als kategoriale Anforderung – da, es fehlt aber aus meiner Sicht eine zweite Abteilung, nämlich: warum die Realisierung der Utopie sogar sein MUSS.Ihr habt euch „bewusst“ (Fussnote 32 auf S.158) für eine beinah ausschliessliche Betrachtung von Beziehungs- und „immateriellen“ (naja, ob diese Benennung wirklich zutrifft?) Aspekten von kritischer**)  Theorie usw entschlossen, weil sie traditionell „unterbelichtet“ geblieben seien. Das ist aber nicht ganz korrekt. Vielmehr haben auf Marx bezogene Theorien versucht, das diffizile VERHÄLTNIS von Prod.kräften und Prod.verhältnissen zu verstehen, was in den bereits vor den Marxschen entstandenden sog. „utopisch-sozialistischen“ Theorien nicht der Fall war.Ich hatte mit meiner sog „Anhiebsdiagnose“ erstmal nur auf den Inhalt des Artikels oben zu reagieren versucht. Das war vielleicht vorschnell, denn wenn ich es recht verstehe, habt ihr vor, das gesamte Buch kapitelweise auf keimform zur Diskussion zu stellen.Eine Frage an das Buch habe ich aber, und in ihr kondensiert sich der Einwand gegen EURE Version von alternativer „Unterbelichtetheit“ (Ausserachtlassen der Prod.kräfte):Was ist denn exkludierender als die derzeitige moderne Arbeits- und vor allem Wissensteilung, und wie sollen denn vorhandene Ressourcen je „planmässig“, priorisierend, koordinierend, zuverlässig auf Zwecke („produktive Bedürfnisse“) bezogen werden können, wenn buchstäblich niemand imstand ist, auch nur kleine Bruchteile des Riesenapparats an technisch umgesetztem und/oder überhaupt vorhandenem Wissen zu überschauen und dazu irgendwie Stellung zu nehmen – wie sollen bei der Fragmentiertheit all ihrer Lebens-Perspektiven (Bildung, Lebenssituation) die unzähligen „transpersonal“ vergesellschafteten Einzelnen auch nur je für sich Zwecke und Prioritäten hinsichtlich dieses Apparats („produktive Bedürfnisse“) ausbilden, geschweige sich mit andern darüber verständigen können?Es geht nicht.Und Stigmergie löst die Aufgabe eben nur vermeintlich, indem versichert wird, dass alle Grosszusammenhänge sich in kleinteilig-fragmentierte („dezentral, de-zentrierend“) Einzelschritte zerlegen, die von den jeweiligen, an der jeweiligen Stelle, im Sinne des Grosszuammenhangs als nächst-prioritäre Aufgabe bestimmt, und den nächst-freiwilligen, die darüber stolpern,. zur Ausführung überlassen werden kann.Solche Auflösbarkeit der transpersonalen Grosszusammenhänge in „vermittelnde“ und eben noch überschau- und entscheidbare Kleinzusammenhänge verspricht auch der Markt (auch der sozialistisch entschärfte).Die kognitiven Funktionen, die (von wenigen oder eben lieber vielen oder allen Entscheidern) zur sinnvollen Zwecksetzung und Prioritätensetzung betätigt werden müssten, werden einem blinden, gegen alle Zusammenhänge gleichgültigen Mechanismus zugetraut. Schon die Vielfalt an Meinungen und Präferenzen exkludiert uns voneinander.Aber von der Kontrolle über „unser aller“ Produktionsmittel sind wir alle zusammen exkludiert. Bloss:  Um sie bedürfnis-, natur- und eben auch vergesellschaftungs- (=im Konsens gestaltbar) gerecht zu machen, brauchen wir diese Kontrolle. Das Versprechen einer Koordinations-Mechanik (Markt, betriebliche Arbeitsorganisation, Wählen, Rechtsstaat, Öffentlichkeit, akademische Forschung usw) hat viel zu lang bereits darüber hinweggetäuscht, dass uns, der Menschheit, diese Kontrolle in der Moderne längst vollkommen entglitten ist.Und das ist eine existenzbedrohende Katastrophe, kein Inventar an wunderbaren „Möglichkeiten“. (Nichtmal DIE existieren, auf der Prod.kräfte-Ebene: Wie man ReProduktion*) bedürfnis-, natur-, vergesellschaftungsgerecht TECHNISCH einrichten könnte, weiss derzeit niemand, und es geschieht wenig bis nichts, um dem Wissen wenigstens um die Möglichkeit einer solchen Technologie näherzukommen.
*) der Prod.mittelapparat muss nicht weniger als die „Arbeitskraft“ und die arbeiterklasse „reproduziert“ werden. Die von euch behauptete Trenung von Produktion und „privater“ Re-Produktion hingegen ist gerade dabei, in Industriegesellschaften per Ausweitung einschlägiger Dienstleistungen aufgelöst zu werden: von Kita und Schule+Nachhilfe über Kinderfernsehen, Computerspiele, convenience food, Wellness-, Coaching-, Psycho-, Freizeitindustrie, Pornographie bis hin zu professioneller (demnächst roboterisierter) Kranken-, Behinderten- und Altenpflege und per KI individualisierte Konsum-Angebote.
**) das Elend allen „Kritisierens“ zeigt sich in meinen eigenen Texten: Der wichtigste Anlass zur „Kritik“ ist, dass bei andern etwas aus meiner Warte zentrales FEHLT. Das muss ich dann mühsam vorzeigen, darstellen, um darauf zeigen zu können: DAS ist es, was fehlt.Nun hatten sie meist keinen Anlass, in dieser Richtung wichtiges zu vermuten. Warum sollten sie es sich auch nur zeigen lassen? Da müssten sie schon einen solchen „Anlass“ geboten kriegen, und der… besteht eben so gut wie nie im blossen Vorzeigen dessen, was fehlt. Besinnung auf Anlässe zur Begriffsbildung ist etwas, das aus meiner Sicht so gut wie allen linken Theorien fehlt. Tja. Noch was, das fehlt.  

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