Nach luxuriösem Frühstück ging es fast pünktlich los mit dem zweiten Teil der Einführung in das Konzept der Peer-Ökonomie von Christian (den ersten Teil gab’s gestern — hier die dazu passenden Folien). Kernfrage war, wie die gestern vorgestellten allgemeinen Prinzipien der Peer-Produktion auf die materielle Welt übertragen werden können und welche Probleme dabei auftreten — und wie eine Lösung aussehen kann.
Kategorie: Eigentumsfragen
Rezension zu »Beitragen statt Tauschen«
Dieter Koschek hat bei Amazon eine schöne Rezension (»Produktbeschreibung«) zu Christians Buch »Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software« geschrieben. Mit Erlaubnis von Dieter re-poste den Text hier (Absatz-Einfügungen, Korrekturen und Links von mir):
»Es ist einfach erstaunlich, das Buch von Christian Siefkes („Beitragen statt tauschen“, erschienen in AG SPAK Bücher, 2008, aber auch unter Creative Commons Lizenz CC-BY-SA im Internet). Er entwirft, aufgrund seiner Erfahrung als Programmierer in Open Source- und Free Software-Projekten, seine Peer-Ökonomie als eine Alternative Ökonomie zum marktförmigen Kapitalismus und zur Planwirtschaft.
Commons und ursprüngliche Akkumulation
Im Anschluss an einen Beitrag über Slavoj Žižek stellte Benni die These auf, dass »im Commonsdiskurs … sehr viel von dem was man unter Marxisten sonst “ursprüngliche Akkumulation” nennt vorhanden« sei. Meine Reaktion war, dass ich es nur für eine »illustrative Analogie« halte, die aktuelle »Einhegung der Commons« so zu nennen. Benni fragt jedoch, was »denn die Milliarden in den Slums anderes (sind) als von der ursprünglichen Akkumulation Vertriebene«. Silke ergänzt, dass es auch heute noch so sei, das »Gemeinressourcen, die für jeglichen Produktionsprozess unentbehrlich sind, von den “commoners”« getrennt werden. Eben jenes hätte Marx mit »ursprünglicher Akkumulation« gemeint: »Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln«.
Joachim Hirsch „Über Reform und Revolution“
Joachim Hirsch schreibt in einem ebenso knappen wie richtigen Artikel auf linksnetz.de:
„Statt auf staatliche Macht zu setzen, kommt es also vorrangig darauf an, die Gesellschaft „praktisch zu revolutionieren“, wie Marx das ausgedrückt hat. Man kann dies als „radikalen Reformismus“ bezeichnen, „radikal“ deshalb, weil auf die Wurzel der gesellschaftlichen Verhältnisse gezielt wird, „reformistisch“, weil dies ein langwieriger und konflikthafter Prozess ist. Es ginge um eine Selbstrevolutionierung der Gesellschaft.“
Michel Bauwens on Peer to Peer Politics
Oekonux and P2P-Foundation are preparing a common conference in March 2009 in Manchester, UK. The founder of P2P-Foundation, Michel Bauwens, was born in Belgium and is now living in Thailand. He is a busy traveller and promoter of the concept of a »P2P political economy«. The italian researcher Cosma Orsi made an extensive interview with Michel, where he adopted some parts from Peerconomy and germ form theory.
Here are some interesting snippets.
Commonismus kommt — als Slidecast
Hier nun wie versprochen der re:publica-Vortrag »Commonismus kommt. Zur politischen Ökonomie der Blogs« als Slidecast. Die Diskussion lief schon während des Vortrags. Die Beiträge aus dem Publikum habe ich ziemlich heftig verstärkt, so dass der Rauschlevel natürlich mit nach oben ging und die Akustik etwas »pendelt«. Nach dem Vortragsende gabs auch noch eine Diskussion, die allerdings nicht aufgezeichnet wurde. Und der Anfang (Begrüßung) fehlt auch. Sonst ist aber alles da (Dauer 01:08:03 Std.). Here we go:
re:publica08 — Vortrag über Commonismus
Eigentlich hatte ich geplant, meinen Vortrag auf der re:publica08 als Slidecast (Präsentation mit Ton) zu veröffentlichen. Aber leider habe ich die Aufnahme vor Ort versaut, weil ich vergaß, das Aufnahmegerät auf Kompression umzustellen. So lief der Speicher schnell voll, und die Hälfte fehlte 🙁
Ich hoffe nun, dass die re:publica-Organisatoren aus den Live-Streams der Veranstaltung auch noch Downloads erstellen werden. Hier zunächst mal die Präsentation als PDF und ODP.
Information goods as genuine societal goods
[This is a translation of a German article by Stefan Meretz, also discussed on keimform.de (in german: 1|2|3|4). The article has been published in the magazines »Streifzüge« (issue 40/2007) and »Contraste« (issue 2/2007). Translation was done by Stefan Merten — many thanks!]
In issue 31 of the magazine krisis, Ernst Lohoff published a very interesting article. Title: »Der Wert des Wissens. Grundlagen einer politischen Ökonomie des Informationskapitalismus« (»The value of knowledge. Fundamentals of a political economy of the information capitalism«). It discusses the question whether digital information goods are commodities and whether they represent value substance (»Wertsubstanz«). Lohoff’s answer: They are neither commodities nor in an economical sense do they contain value. Here are the arguments in a short form.
Public Private Property
Public Private Property (PPP) verfolgt das Ziel, mit Hilfe von Lizenzen einen entknappenden Umgang mit materiellen Gütern zu ermöglichen.
Das Konzept ist angelehnt an die Erfindung der GPL, die dies im Bereich „Computerprogramme“ bereits erreicht hat. Dabei soll ein ähnlich modulares Lizenzsystem zum Einsatz kommen, wie es Creative Commons erfolgreich vorgemacht hat. Weitere Inspirationsquellen finden sich in den schon existierenden oder angedachten Projekten Mietshäuser-Syndikat, Nutzigems, Reisenetzwerken. Allen diesen Projekten ist gemeinsam, dass sie versuchen, das private Eigentumsverhältnis an materiellen Gütern zu verändern (manchmal sicherlich nicht in vollem Bewußtsein, was sie da tun).
Dabei wird das juristische Eigentum selbst erst einmal nicht angetastet. So wie ja auch bei GPL- oder CC-lizensierten Werken das Copyright beim ursprünglichen Autor verbleibt. Dennoch soll es die Möglichkeit geben, durch ein eigenes Lizenzmodul den dauerhaften Verbleib der ehemaligen Ware in PPP zu sichern. In diesem Fall wird dann das Eigentum übertragen an eine Organisation, die die Garantie übernimmt, dass PPP gültig bleibt. Auch das gibt es im Fall der GPL: Viele GNU-Projekte verlangen ein Abtreten der Rechte an die FSF, um so unproblematisch zukünftige Lizenzänderungen vornehmen zu können.
Die Nutzung eines PPP-Gutes wird möglich, wenn man die Lizenz anerkennt. Das Eigentum bleibt also privat, der Besitz wird aber gesellschaftlich. Dabei formuliert PPP den kleinsten gemeinsamen Nenner von „zur Verfügung stellen“: Zeigen, dass es da ist. Zusätzlich angegebene PPP-Module ermöglichen mehr Freiheit.
Transformation und Eigentum
[This is the German translation of the original english article]
Auf der Oekonux-Mailingliste gibt es eine interessante Debatte über das Verhältnis von Privateigentum und gesellschaftlicher Veränderung, insbesondere wenn es um die commons-basierte Produktion stofflicher Güter geht. Raoul Victor aus Frankreich schrieb:
Die ursprüngliche Frage war, wie mit der Eigentumstransformation umzugehen ist, wenn sie die materiellen Produktionsmittel betrifft. Ich bestand auf der Tatsache, dass dies zu dem einem oder anderen Zeitpunkt (wahrscheinlich noch viele Jahre hin) zu einer allgemeinen sozialen Konfrontation mit dem Kapitalismus führt, wobei die „Arbeiter der Welt“ die Hauptrolle spielen werden und die Keime der Peer-Produktionspraxen — hauptsächlich im Bereich frei reproduzierbarer Güter — dann eine wichtige Rolle bei der Evolution ihres Bewusstseins gespielt haben werden. Aufgrund der Natur des Kapitalismus ist diese Konfrontation unvermeidlich.
Das ist meine Antwort:

