Kategorie: Commons

Commons als strategische Perspektive für soziale Bewegungen

Die Stärke von sozialen Bewegungen ist ihre Heterogenität. Das macht sie für langfristige und grundsätzliche Veränderungen effektiver als andere gesellschaftliche Akteure. Das macht sie aber auch unübersichtlich. Sie kämpfen nicht nur für eine Veränderung der Welt und neue Sichten auf die Wirklichkeit, sie sind selbst ein Kampffeld in dem sich die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Akteure tummeln. Von Parteien über NGOs bis zu Gewerkschaften und Kirchen mischen alle mit.soziale_bewegungen_heute

Ein bisschen Ordnung in dieses Chaos kann man bringen, wenn man sich das V erhältnis von  Weltanschauungen, Strategien und Taktiken der beteiligten Akteure anschaut. Meistens werden Strategien passend zu einer Weltanschauung verfolgt (zB. die Strategie der demokratischen Eroberung der Staatsmacht und Abschwächung der Zumutungen des Kapitalismus als sozialdemokratische Strategie einer sozialistischen Weltanschauung oder die Strategie der Einforderung von wertekompatiblem Handeln als Ausdruck einer konservativen Weltanschauung). Darin zeigt sich die Auffassung über den Charakter von gesellschaftlicher Veränderung. Erfahrungsgemäß ist die Kommunikation über weltanschauliche Grenzen hinweg fast unmöglich und über strategische Grenzen hinweg schwierig, das macht auch oft die Kommunikation in sozialen Bewegungen strukturell anstrengend.

Gesellschaftliche Veränderung funktioniert (meiner Weltanschauung nach) über ein dialektisches Verhältnis von Theorie und Praxis. Das bedeutet, dass beide sich gegenseitig bedingen. Man kann also nicht eine Theorie entwickeln wie die Welt ist und wie sie sein soll und daraus dann einseitig eine Praxis ableiten. Der umgekehrte Weg ist genauso wichtig: Theorie muss die Erfahrungen der Praxis immer wieder neu aufnehmen. Es braucht also eine ständige Kommunikation zwischen theoretischen und praktischen Akteuren (Personalunion ist zwar wünschenswert aber oft nur zum kleinsten Teil gegeben) um Gesellschaft zu verändern. Außerdem sollte dies ein zumindest der Tendenz nach gesamtgesellschaftlicher Prozess sein, der nicht in Nischen verhaftet bleibt, weil die heutigen multiplen Krisen zeigen, dass es einer gesamtgesellschaftlichen Veränderung bedarf.

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Michel Bauwens über commons-basierte Peer-Produktion

Michel BauwensSilke Helfrich vom CommonsBlog hat verdienstvoller Weise einen ersten thematischen Teil des internationalen Commons-Treffens transkribiert und übersetzt (Audiomitschnitt). Michel Bauwens von der P2P-Foundation skizziert darin die Grundlzüge der commons-basierten Peer-Produktion — im CommonsBlog lesen!

AntenneTux: OpenPC, Public Domain, Lieblingsfilme

AntenneTux -- Linux im RadioDie zwanzigste Sendung von »AntenneTux — Linux im Radio«, ausgestrahlt bei Radio Z, beschäftigt sich mit Themen, die auch bei keimform.de schon eine Rolle spielten. In einem Interview erläutert KDE-Entwickler Frank Karlitschek die Idee des von ihm gegründeten Open-PC-Projekts und gibt Auskunft über das KDE-Projekt. Der zweite Beitrag befasst sich mit dem neuen Buch von James Boyle »The Public Domain: Enclosing of the Commons of the Mind«, das Boyle mit einem Vortrag in London vorstellte. Zentrale Passagen des Vortrags werden in der Sendung in deutsch eingesprochen — reinhören! Im letzten Beitrag empfiehlt uns Stuart Cappendell »Fünf Lieblingsfilme für Datenreisende«: Ghost in the Shell, Startup, Paycheck, 23, Take Down. Da ich »Take Down« (nur in englisch) nicht kenne, ist »23 – Nichts ist so wie es scheint« mein klarer Favorit!

Ist Commonismus Kommunismus? (HTML)

Nachfolgend die HTML-Version meines PROKLA-Artikel. Der Artikel ist in der PROKLA 155 „Sozialismus?“ erschienen; er darf gemäß den Bedingungen der »Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland« Lizenz (abgekürzt „CC-BY-SA“) in der Version 3.0 genutzt werden. Mein besonderer Dank geht an Stefan, der sich um die Konvertierung nach HTML gekümmert hat!

Ist Commonismus Kommunismus?

Commonsbasierte Peer-Produktion und der kommunistische Anspruch

In den letzten Jahrzehnten ist eine neue Produktionsweise in Erscheinung getreten, die unter Namen wie „commonsbasierte Peer-Produktion“ (Benkler 2006), „Commonismus“ (Dyer-Witheford 2007) und „Peer-Ökonomie“ (Siefkes 2007, 2009a, b) diskutiert wird. Beispiele dieser Produktionsweise finden sich bisher vor allem im Bereich der Informationsproduktion und Informationstechnik. Hier umfasst sie etwa Freie Software wie das Betriebssystem GNU/Linux, den Webserver Apache und den Webbrowser Firefox; Freie Kulturgüter wie die freie Enzyklopädie Wikipedia oder Freie Musik; die Open-Access-Community, die durch Schaffung von freiem Zugang zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Experimentaldaten das wissenschaftliche Wissen wieder in ein allen zur Verfügung stehendes Gemeingut verwandeln will; und Freie Funknetze, die als selbstorganisierte Computernetzwerke freien Datenverkehr zwischen Computern ermöglichen und freie Zugangspunkte ins Internet zur Verfügung stellen.

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Manifest »Gemeingüter stärken. Jetzt!«

Gemeingüter stärken

[English version]

Das folgende Manifest ist Ergebnis eines anderthalbjährigen Prozesses, in dem sich Dutzende von Beteiligten aus Politik, Gewerkschaften, Wissenschaft, der Freien-Kultur- und -Software-Bewegung, der Umweltbewegung, der Wirtschaft sowie Kunst und Kultur mit den Gemeingütern und ihrer Bedeutung für die Menschheit auseinandergesetzt haben. Es ist im Rahmen des Interdisziplinären Politischen Salon »Zeit für Allmende« entstanden, der an der Heinrich-Böll-Stiftung angesiedelt war.

Auch das im Frühjahr verabschiedete »Manifest zur Wiedergewinnung der Gemeingüter« des Weltsozialforum macht sich für die Gemeingüter stark. Das Potsdamer Gemeingütermanifest geht darüber hinaus, indem es detaillierter und meiner Meinung nach sehr prägnant herausarbeitet

  • warum Gemeingüter gerade in Krisenzeiten einerseits besonders wichtig und andererseits besonders bedroht sind,
  • wie vielfältig die gemeingüterorientierten Communities und Bewegungen sind – und wie viel sie doch gemeinsam haben,
  • was Gemeingüter ausmacht und wie eine gemeingütergerechte Gesellschaft aussehen könnte.

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Über rechtsfreie Räume und andere Scheidewege

CC-BY-SA von ksuehring

Die Debatten um die Gestaltung der digitalen Zukunft werden schärfer. Man kriegt den Eindruck die alten Eliten merken erst jetzt so langsam, was da auf sie zu rollt. Deswegen ist ihr zwar nicht mehr ganz so neuer Schlachtruf, der der Netzgemeinde nun aus allen Ecken entgegenschallt:

„Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“

Die nachvollziehbare Reaktion aus dem Netz lautet meist in tausendfacher Variation:

„So ein Unsinn! Hier gibt es jede Menge Gesetze die zu beachten sind!“

und vielleicht dann auch noch mit einem defensiven

„Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

So weit so richtig. Jedem der sich mal mit Publizieren im Netz beschäftigt hat wird mulmig bei dem zu beachtenden Dschungel an Lizenzen und AGBs, Impressumpflichten und Störerhaftung, Datenschutz und Urheberrechten. Jedoch meinen die alten Eliten im Grunde etwas anderes und zu anderen Gelegenheiten ist das der Netzgemeinde auch völlig bewußt: Im Kern ist das Netz unkontrollierbar, oder wie es John Gilmore schon 1993 so treffend und tausendfach zitiert sagte:

„The Net interprets censorship as damage and routes around it.“

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Wann klappt Selbstorganisation?

Das ist die zentrale Frage, die Elinor Ostrom mit ihrem Forschen schon seit vielen Jahren zu beantworten versucht. Eine Frage, die auch uns hier natürlich sehr interessiert. Ich war dank der Empfehlung des Commonsblogs bei einem Vortrag von ihr. Das Ambiente war zwar etwas bizarr, weil an einer privaten Finanz-Edeluni (gepolsterte Stühle im Hörsaal! Zentral gesteuerte Displays als Belegplan vor jeder Tür! Riesenbildschirme mit Finanznachrichten im Foyer!), aber der Vortrag war sehr interessant.

Ich kenne ihre Bücher nicht, deswegen wird das sicherlich etwas verkürzt sein, was ich hier darstellen kann, aber ich versuche mein Bestes, um an Hand der Notizen, die ich mir gemacht habe, die Grundstruktur ihrer Theorie darzulegen.

Ihre grundsätzliche Fragestellung ist, unter welchen Bedingungen das nachhaltige Bewirtschaften von „Common Pool Ressources (CPR)“ (also zum Beispiel Fischgründe, Wald, Atmosphäre, …) funktioniert. Dabei musste sie sich wohl sehr lange erstmal an der klassischen Theorie in diesem Bereich abarbeiten, die auf einen Aufsatz von Hardin mit dem Titel „Tragedy of the commons“ (Tragik der Allmende) zurückgeht. Hardin sagt, dass der Eigennutz der Nutzer der Allmende immer dazu führen muss, dass diese übernutzt wird, wenn es nicht eine äußere Instanz gibt, die die Nutzungsrechte vergibt. Das Problem an dieser Theorie ist, dass sie zwar schön prägnant klingt und deshalb auch viel weitergetragen wurde, aber dass sie leider falsch ist. Das zeigen viele empirisch vorfindbare selbstorganisierte Allmenden. Sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart.

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Keine Commons in Vietnam

vietnamWas macht ein armes Land, das nicht länger arm bleiben will, dessen Bewohner ein Stück Reichtum erlangen wollen? Nach wie vor scheint es nur eine Option zu geben: die nachholende Entwicklung. Nachholende Entwicklung heißt nachholender Kapitalismus. Diesen Weg geht Vietnam. Es reproduziert das »westliche« Entwicklungsmodell — mit allen Konsequenzen. Dabei sind die Ausgangsbedingungen in Vietnam relativ günstig: politische Stabilität (CIA-certified), relative homogene Eigentumsverteilung und eine junge Bevölkerung.

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James Boyle about the fear of openness

Great talk of James Boyle about the cultural desaster automated copyright (since the 1970s) brings and the missing second layer (the links) of scientific publications, because they are not available on that web, which was created for scientific purposes.

[via CommonsBlog, where you can find a german transcription]

Dossier on the commons

The Heinrich Böll Foundation (related to the German Green Party) has compiled an English-language web dossier on the commons. The dossier contains a number of articles that were published in German language in the commons book compiled by Silke Helfrich (founder of the well-known German CommonsBlog). I’ve contributed an article on The Commons of the Future: Building Blocks for a Commons-based Society (PDF), discussing how future commons-based societies might organize themselves. The article, which has also been published by the Commoner magazine, highlights and clarifies many of the points I make in my book, focusing especially on the role of the commons in past, present, and future societies.

The dossier contains lots of other interesting articles as well, by Silke Helfrich, David Bollier, Yochai Benkler, Elinor Ostrom and Pat Mooney, among others. It also contains an interview with Richard Stallman.

Recommended reading!