Kategorie: Commons

»Reichtum ist nicht Geld, sondern ein gutes Leben zu haben«

Die Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt (Österreich) martinus hat mich zum bevorstehenden Kongress Solidarische Ökonomie interviewt:

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Krisensituation wird die Frage nach Alternativen immer drängender gestellt. Zugleich gibt es immer mehr lebendige globalisierungskritische Bewegungen und eine wachsende Anzahl an Projekten gemeinschaftlicher Produktion.

Der Berliner Informatiker Stefan Meretz ist einer der Referenten am bevorstehenden Kongress „Solidarische Ökonomie“ in Wien. Im „martinus“-Interview erklärt er, wie die Idee der Solidarischen Ökonomie mit der christlichen Lehre in Zusammenhang steht.

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Preis für Sozialistische Selbsthilfe Mülheim

ssmlogoDie Sozialistische Selbsthilfe Mülheim in Köln (SSM Köln) ist eines von zehn Preisträger-Projekten des Wettbewerbes »Soziale Stadt 2012« des Deutschen Städtetages. Geld gibt’s zwar keins aber Anerkennung und öffentliche Aufmerksamkeit. Zum Beispiel durch diesen Artikel, der schon lange mal fällig war.

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»Geistiges Eigentum« – nur Ideologie?

Vortrag vom 22.1.2013 in Fulda bei einer Veranstaltung des Rosa Luxemburg Clubs Vogelsberg: Die Eigentumsfrage als Frage nach der Produktionsweise stellen. Zum Herunterladen: Audio (OGG, MP3), Folien (PDF, ODP).

Linkliste (letzte Folie):

Ubuntu-Philosophie (Text)
Commons-basierte Peer-Produktion (Text)
Einschluss statt Ausschluss – Commons jenseits des Kapitalismus (Text)
Kommunismus oder Commonismus (Vortrag)
Commons als Grundlage einer neuen Produktionsweise (Vortrag)
Bedürfnisse ERmitteln oder VERmitteln? (Vortrag)
Kapitalismus aufheben – aber wie? (Vortrag)
Understanding Commons and Peer Production (Vortrag, englisch)

Kongress Solidarische Ökonomie

Solidarische Ökonomie Kongress 2013

Vom 22. bis 24. Februar 2013 findet der Solidarische Ökonomie Kongress in Wien in der Universität für Bodenkultur statt. In 100 Veranstaltungen wird eine breite Palette von Themen angeboten. Eine Gruppe von Workshop-Anbieter*innen hat sich zur Themen-Schiene »Demonetarisierung« zusammengeschlossen, an dem sich auch einige Leute von keimform.de beteiligen. Die Demonetize-Veranstalter*innen haben folgenden Text zum Kongress formuliert:

Das Verhältnis von Solidarischer Ökonomie zum Geld ist unklar. Viele Ansätze zur Veränderung der herrschenden Wirtschaftsstrukturen sehen Geld und Warentausch nach wie vor als elementare Formen wirtschaftlicher Beziehungen. Doch mehren sich die Perspektiven, die das Geld grundsätzlich kritisieren und überwinden wollen, weil es Solidarität verhindert und Herrschaftsbeziehungen fördert. Die Schiene bietet Einblick in eine Reihe von verschiedenen Zugängen zu Kritik des Geldes, seiner Voraussetzungen und Folgen. Dies schließt Ansätze ein, die eine Welt ohne Geld vorstellbar machen wollen.

Gewidmet Walther Schütz, dem unermüdlichen Aktivisten für eine Welt selbstorganisierter Kooperation / hosted by krisu und demonetize.it

Nachfolgend die Liste der Veranstaltungen aus dieser Schiene. [Aktualisiert am 19.2.2013] (mehr …)

Demonetarisierung – Der Diskurs über die Abschaffung des Geldes

Solidarische Ökonomie Kongress 2013

[Erweiterte Ausgabe eines Artikels aus der Zeitschrift CONTRASTE. Auf dem Kongress Solidarische Ökonomie in Wien werden an die zwanzig Veranstaltungen stattfinden, die sich bewusst zur Kernthematik „eine Welt ohne Geld“ bekennen. Der folgende Artikel wurde aus diesem Anlass geschrieben.]

Es scheint, dass die Zeit der monolithischen politischen Organisationen in der antikapitalistischen Bewegung vorbei ist, dass aber dafür ein neues “organisiertes” Phänomen die Runde macht, das immer größere Bedeutung gewinnt.  Es handelt sich dabei um diskurspolitische Interventionen, den Versuch, über bestimmte Begriffe Schwerpunkte in unserem Denken und Handeln zu setzen. Mindestens drei solcher diskurspolitischer Interventionen sind in den letzten Jahren entstanden: den Diskurs um die Solidarische Ökonomie, den Diskurs zu den Commons und zuletzt um das bewusste Negieren des Geldes als Vergesellschaftungsmedium, die Demonetarisierung. Daneben gibt es freilich noch die Peer-to-Peer Ökonomie, den Diskurs um Susbsistenz und Kreislaufwirtschaften (Circonomy), das Wiederentdecken der Schenkwirtschaft und vieles andere.

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Commons in grün

Es ist gut, wenn sich die verschiedenen politischen Strömungen zu den Commons ins Verhältnis setzen. Das gilt auch für die großen Parteien. Am ausführlichsten haben dies nun die Grünen, genauer: die Bundestagsfraktion, getan. Ein langer Text liegt im Entwurf vor und kann bis zum 31.1.2013 kommentiert werden. Und Kommentare hat dieser Entwurf dringend nötig. I did it.

Hier nur die wichtigsten Punkte, die mir aufgefallen sind.

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»Reicht das Klima, bis ich groß bin?«

reicht-das-klima

Oder: »Was tun?«

Eine Veranstaltungsreihe der Zukunftswerkstatt Jena

Veranstaltungsort: Umsonst(T)raum Jena

Donnerstag, 31. Januar 2013; 19:30 Uhr: „Reicht das Klima, bis ich groß bin?“

  • Darstellung der energetischen Randbedingungen einer ökologisch und sozial resilienten Gesellschaft
  • Ist in einer 1000-Watt-Gesellschaft ein „gutes Leben“ überhaupt möglich? Was kann sich ein Mensch in einer solchen Gesellschaft „leisten“?
  • Welche Initiativen in diese Richtung gibt es bereits heute in Jena, die unterstützt werden können?

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Ein Universelles Stigmergisches Allokationsystem

Peers support each otherIn vielen Diskussionen ob hier im Blog oder sonst wo, komme ich immer wieder dazu festzustellen, dass viele Skepsis, die dem Keimform-Ansatz entgegengebracht wird, vor allem darin begründet liegt, dass sich die meisten Leute einfach nicht vorstellen können, dass Bedürfnisse und Fähigkeiten zusammen kommen ohne das jemand oder etwas Zwang ausübt.

Wir verweisen dann immer auf die Stigmergie als wichtige Organisationsform. Damit ist eine Form der Organisation gemeint, die im wesentlichen darauf basiert, festzuhalten, wo noch etwas getan werden müsste. Diese Hinweise ermöglichen es dann anderen, die gerne etwas tun wollen, auch etwas zu tun, was gebraucht wird.

Die Erfahrung der meisten Menschen ist aber weit weg von funktionierenden stigmergischen Organisationsstrukturen. Ich glaube, viele denken dabei eher an dreckige WG-Küchen oder zugemüllte Wälder als an Freie Software oder Wikipedia. Eine Möglichkeit diese Situation zu ändern, wäre möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu geben, Stigmergie selbst zu erfahren. Bisher ist das nur in eng umgenzten Bereichen möglich und die medialen Systeme, die zu diesem Zweck eingesetzt werden (seien sie jetzt virtuell oder nicht-virtuell) sind zum einen oft eher primitiv (z.B. TODO-Listen) und zum anderen meist speziell auf ein einzelnes Projekt zugeschnitten, was dazu führt, dass man deren Wirksamkeit erst erfahren kann, wenn man sich an diesem konkreten Projekt beteiligt. Die Wirksamkeitserfahrung ist bei stigmergischen Systemen also an aktive und nicht an passive Partizipation gebunden und es gibt zwar Millionen von Wikipedia-Benutzern aber eben nur ein paar tausend Autoren.

Um diese Situation zu ändern möchte ich ein Universelles Stigmergisches Allokationssystem (USA) bauen, um folgendes zu erreichen:

  • Vielen Menschen die Gelegenheit geben, Erfahrungen mit Stigmergie zu machen.
  • Vielen Menschen die Gelegenheit geben, Erfahrungen mit der eigenen Bedürftigkeit zu machen.
  • Konsumptive mit produktiven Bedürfnissen zusammen zu bringen. Menschen sollen reale Bedürfnisse zumindest gelegentlich durch das Mitmachen im USA befriedigen können.
  • Ein Experimentierfeld zu eröffnen in dem man lernen kann, wie ein USA aussehen könnte, dass einmal wirklich dazu beitragen kann eine commons-basierte Gesellschaft zu ermöglichen.

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Die doppelten Commons

commons-dreieckDie Struktur der Commons illustriere ich gerne mit der nebenstehenden Grafik. In anderen Darstellungen geht es nicht um Commoning und Produkte, sondern das Commoning wird aufgetrennt in seine Aspekte Gemeinschaft und Regeln, während die Produkte sowie der (hier rote) rückbezügliche Pfeil zu den Ressourcen fehlen.

Ich fand die Wiederentdeckung der Fähigkeit von Gemeinschaften, sich jenseits von Markt und Staat eigenständig Regeln zu geben, immer verständlich, meinte aber auch früher schon, dass die notwendige Betonung des sozialen Aspekts nicht zu Lasten der Tatsache gehen dürfe, dass aus all dem Commoning auch immer »was heraus kommt«.

Inzwischen denke ich, dass hinter der unterschiedlichen Weise der Illustration tatsächlich eine inhaltliche Differenz steckt. Diese Differenz bezieht sich jedoch nicht auf divergente Commons-Theorien, sondern auf unterschiedliche Commons und zwar auf den realen Unterschied von alten und neuen Commons. Ausgedrückt in  Formeln sieht das so aus:

  • Alte Commons = Ressourcen + Gemeinschaft + Regeln
  • Neue Commons = Ressourcen + Commoning + Produkte

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»Was will die Keimform-Theorie?«

Das fragt sich Wolfram Pfreundschuh, Autor von kulturkritik.net. Er hat im Kulturkritischen Lexikon einen Eintrag zum Stichwort Keimformtheorie verfasst. Damit setze ich mich im folgenden auseinander.

Die Theorie von der Keimform will diese als eine gesellschaftliche Alternative innerhalb der bestehenden Gesellschaft setzen, die sie von innen her dadurch überwindet, dass neue Gemeinschaften, Güter, Werkzeuge und Ressourcen entwickelt werden und „heranwachsen“, die durch freiwillige Beiträge quasi urwüchsig aus dem Betreiben einer „authentischen“ Tätigkeit, die für sich schon sinnvoll sein will, entstehen und deren Produkte dann als frei verfügbare Gemeingüter gehalten werden.

Wie dieser erste Satz schon Missverständnisse hinsichtlich der sogenannten Keimform-Theorie formuliert, so geht es in Wolframs Text weiter. Es erscheint mir unmöglich, durch Antwort auf einzelne Argumente die Vorstellung zu befördern, worum es in unserer Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus und eben der Diskussion über Keimformen einer neuen Vergesellschaftung überhaupt geht.

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