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Ein Softwarekonzept für transpersonales Commoning – Grundlagen

Wie kann Commoning gesellschaftlich bestimmend werden? Über eine Auseinandersetzung mit „Kapitalismus aufheben“ (Sutterlütti/Meretz) wurde im „Ausdehnungsdrang moderner Commons“ als Grundvoraussetzung dafür auf die Entwicklung einer Plattform für transpersonales Commoning geschlossen, welche bestimmte Qualitäten beinhalten muss. Damit diese Möglichkeit realisiert werden kann, soll sich dieser Plattform jetzt schrittweise angenähert werden. Die Reihe richtet sich dabei vorrangig an Entwickler*innen und soll nicht nur das Programm umreißen, sondern auch den theoretischen Hintergrund verständlich machen, auf welchen sich die einzelnen Softwareelemente beziehen. Das Konzept wird dabei in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Robert ausgearbeitet, welcher bereits das Freie-Software-Projekt „grouprise“ mitgegründet hat.

In diesem ersten Teil wird zuerst Vorwissen als FAQ zusammengefasst, welches den grundsätzlichen Sinn und Zweck des Projektes aufzeigen soll, wobei auch die verwendeten Begriffe von „Mittel“ über „Bedürfnisse“ bis „Commoning“ knapp definiert werden. Die verwendeten Begriffe werden dabei parallel auf dem Wiki der Projektseite zusammengefasst. Im zweiten Kapitel wird ein Modell zur direkten Bedürfnisbefriedigung aus vier Phasen vorgestellt, um strukturell zu verdeutlichen, wie durch Commoning Bedürfnisse befriedigt und wie Mittel hierfür angewendet werden. Von diesem Modell aus haben wir auf die Grundstruktur der Software geschlossen, welche im dritten Kapitel dargestellt wird.

Zuletzt wird noch knapp auf unsere Arbeitsweise eingegangen und erste Möglichkeiten angedacht, wie sich nach der Konzeption in das dann offene Projekt eingebracht werden kann. Bis das soweit ist, sind wir beide über konstruktive Kritik zum Inhalt der jeweiligen Teile dankbar.

Die Artikelserie wird hier zusammengetragen.

Vorwissen

Worum geht es? Um nichts anderes, als eine alternative Vermittlungsform zum heute Bestimmenden „Geld“ anzubieten, welche einerseits dessen Vorzüge beibehält und erweitert, anderseits dessen zerstörerische Auswirkungen aufhebt. Der Vorteil von Geld ist, dass darüber einzelne Tätigkeiten miteinander in Beziehung gesetzt werden, die sowohl räumlich als auch zeitlich voneinander getrennt sind – die Arbeit einer Kinderpflegerin aus Deutschland kann etwa mit der Arbeit einer Architektin aus Japan gleichgesetzt werden. Geld ist ein Mittel zur Herstellung und Erhaltung einer Gesellschaft, welche auf die Notwendigkeit direkter Befehlsgewalt von einzelnen Menschen über andere verzichten kann. Da in der Vermittlung über Geld allerdings auf gesamtgesellschaftlicher Ebene jedes Ding auf eine einzige Zahl (den jeweiligen Geldbetrag) reduziert wird und durch diese Reduzierung auf eine Zahl eine Eigendynamik entsteht, welche sich der menschlichen Kontrolle entzieht, ist diese Vermittlungsform in gewisser Weise primitiv. Wie aus dieser „primitiven“ Vermittlungsform dann allerdings die zerstörerischen Auswirkungen von niemals endender Arbeit bis zur die Klimakrise befeuernden, notwendigen Umweltzerstörung durch den Konkurrenzkampf entstehen, soll hier nicht näher ausgeführt werden und ist in in diversen Einführungen zur kapitalistischen Produktionsweise besser aufgehoben (siehe etwa Meindel/Heinrich)

Warum wurde nicht früher an einer solchen alternativen Vermittlungsform zum Geld gearbeitet? Die dem Softwarekonzept zugrunde liegende These ist, dass erst mit der Entwicklung und Verbreitung des Internets überhaupt eine Möglichkeit denkbar geworden ist, wie Menschen weltweit in einem ununterbrochenem Prozess ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen nach miteinander kooperieren können. Durch die Software soll diese Vermittlungsform ermöglicht und damit der Aufbau einer solchen Gesellschaft unterstützt werden.

Wie werden die Begriffe „Commoning“ und „Commoning-Prozess“ hier verwendet? Silke Helfrich und David Bollier beschreiben Commoning als ein Zusammenspiel von „sorgendem und selbstbestimmten Wirtschaften“, „sozialem Miteinander“ und „Selbstorganisation von Gleichrangigen“ (Frei, Fair, Lebendig, S. 94). Auf Softwareebene wird Commoning auf die Struktur der Herstellung und Erhaltung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen nach Commoning-Prinzipien reduziert und von den sozialen Prozessen selbst weitgehend abgesehen. Commoning wird somit als freiwillige und selbstorganisierte Tätigkeit in Kooperation zur direkten Befriedigung von Bedürfnissen verstanden. Mit einem Commoning-Prozess sind weiter alle in Zusammenhang stehenden konkreten Tätigkeiten gemeint, welche zu einer bestimmten Bedürfnisbefriedigung notwendig sind.

Welche Art der Vermittlung soll durch das Programm unterstützt werden? Speziell geht es um die Vermittlung zwischen Einzelpersonen und der Allgemeinheit (transpersonale Ebene) statt um die Vermittlung von konkreten Einzelpersonen zueinander (interpersonale Ebene; näher zu den Begriffen inter- und transpersonal: Kapitalimus aufheben, S. 24) . Die eigenen Bedürfnisse sollen somit auf der einen Seite an die Allgemeinheit vermittelt werden und auf der anderen Seite soll sich mit den eigenen Fähigkeiten in Prozesse eingebracht werden können, die dem Zweck der Bedürfnisbefriedigung allgemein anderer zum Ziel haben. Um Letzteres zu ermöglichen, muss sowohl die gesellschaftliche Kooperationsstruktur durchsichtig gemacht werden, sowie die Software Zugriff auf die Meta-Daten der zur Verfügung stehenden Mittel benötigt – also deren Nutzen, Lokalität, Menge, Zustand, etc.

Von welcher Art von Mitteln ist hier die Rede? Wenn hier von „Mitteln“ die Rede ist, sind sowohl gegenständliche, soziale und symbolische Mittel gemeint. Gegenständliches Mittel ist dabei alles, das sich anfassen lässt, wie Produktionsmittel (Rohstoffe, Maschinen, etc.), Grund und Boden, Wohnraum, Spielzeug, usw. Symbolische Mittel sind alle Formen von Wissens- und Kulturinhalten, die prinzipiell beliebig vervielfältigt werden können, wie der Inhalt von Büchern und Internetseiten oder Anleitungen für die Herstellung bestimmter Produktionsmittel und Medikamente. Soziale Mittel schließlich sind sämtliche soziale Formen, die Menschen zur vorsorgenden Herstellung ihrer Lebensbedingungen schaffen – Arbeitsorganisationen, Entscheidungsstrukturen, Konfliktlösungsformen, etc.

Wenn im Commoning, der „Selbstorganisation von Gleichrangigen“, keine einzelnen Personen bzw. Gruppen über die Verwendung von Mitteln bestimmen, wie werden sie dann organisiert? Für den Prozess des Commonings selbst ist es irrelevant, ob ein Mittel unter einer Form der kollektiven Verfügung steht, also von potentiell jede*r Gesellschaftsteilnehmer*in verwendet werden kann, oder ob das Mittel Privateigentum ist und damit den Nutzungsbedingungen des Eigentümers bzw. der Eigentümerin unterliegt. Auf Softwareebene ist aber wesentlich, dass eingeschränkt bzw. uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Mitteln samt ihren Meta-Daten (Nutzen, Nutzungsbedingungen, Lokalität, Menge, Zustand, etc.) einsichtig sind und sie damit einzelnen Tätigkeiten innerhalb von Commoning-Prozessen zugeordnet werden können. Über die Transparenz der transpersonalen Commoning-Struktur soll auch eine Diskussion über die Verwendung der Mittel ermöglicht werden.

Was sind die Bedingungen bei gegenständlichen Mitteln in dieser Form der Organisation? Dasselbe gegenständliche Mittel, welches für Commoning eingeschränkt oder uneingeschränkt zur Verfügung steht, darf nicht zur selben Zeit verschiedenen Prozessen zugeordnet sein. Bei einer geteilten Mittel-Datenbank muss also auch die Zuordnung allgemeingültig sein, das heißt auch, die Zuordnung allgemein einsichtig sein, um einerseits Nutzungskonflikte zu vermeiden und anderseits eine Diskussion über die Verwendung zu ermöglichen. Generell gilt dabei, dass Commoning umso effizienter sein kann, je weniger voneinander getrennte Datenbanken und Commoning-Instanzen bestehen.

Dient der Kapitalismus nicht auch der Bedürfnisbefriedigung? Im Kapitalismus ist die Befriedigung von Bedürfnissen ein sich aus der Geldvermehrung ergebender Nebeneffekt. Will etwa jemand, der von Lohnzahlungen abhängig ist um sein Leben zu bestreiten, seine Bedürfnisse befriedigen, muss er seine Arbeitskraft in eine kapitalistische Produktion hinein verkaufen und dort strukturell mehr für die Gesellschaft produzieren als er von der Gesellschaft (in Form anderer Produkte/Dienstleistung/etc.) zurückbekommt – sprich, er leistet Mehrarbeit, welche sich in einem Mehrprodukt vergegenständlicht und im Verkaufsfall zum Mehrwert wird. Wenn auch nicht bewusst, sondern hinter dem Rücken der Gesellschaftsteilnehmer, strukturiert sich die kapitalistische Gesellschaft nach der Gewinnung dieses Mehrwertes. Da zum Zweck dieser Form der Geldvermehrung immer neue Arbeit geschaffen werden muss, kann die Arbeit für diejenigen, welche jede Woche 30-, 40-, 50-Stunden arbeiten müssen und deren Lohnzahlung tendenziell immer nur für den jeweiligen Monat reicht, niemals wesentlich weniger werden. Die Ursache, dass sich in vielen Industrieländern ein 8-Stunden-Tag eingepegelt hat und dieser oft seit über hundert Jahren nicht weniger wird, liegt daher nicht in einem scheinbar ewigen Naturgesetz, sondern in der Abhängigkeit, die eigenen Bedürfnisse über Geld vermittelt zu befriedigen und der daraus entstehenden Gesellschaftsstruktur. Nur abseits dieser auf Privateigentum beruhenden Gesellschaftsform ist es möglich, dass die notwendige Arbeitsmenge durch den technischen Fortschritt insgesamt abnimmt und auch die Tätigkeiten selbst auf gesamtgesellschaftlicher Ebene den individuellen Bedürfnissen nach gestaltet werden können.

Ist es für Personen, die heute 30-, 40-, 50- Stunden jede Woche arbeiten müssen, überhaupt sinnvoll sich in einer Commoning-Struktur einzubringen? Damit im Commoning Bedürfnisse effizient befriedigt werden können, braucht es ausgebaute Strukturen und eine an dieser Stelle nicht bestimmbare Menge an Mitteln – einschließlich etwa Wohnhäusern etc. – welche zur direkten Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung stehen. Da das gegenwärtig nicht gegeben ist, ist das Einbringen in das Commoning für Lohnabhängige tendenziell nur begrenzt sinnvoll – in Zeiten der Arbeitslosigkeit etwa. Je effizienter dagegen Commoning wird, desto sinnvoller wird Commoning gegenüber der Lohnarbeit. Wieder soll hier nicht die kapitalistische Dynamik ausgeführt werden und warum etwa die Arbeit selbst immer monotoner und trotz technischen Fortschritts nie wesentlich weniger wird. Nur soviel soll gesagt werden, dass eine Produzentin in einem kapitalistisch organisierten Unternehmen niemals den Wert erhält, den sie erarbeitet – das kann etwa bedeuten, dass eine angestellte Tischlerin fünf Tische anfertigen muss, um sich einen davon leisten zu können. Die einfachen Gründe hierfür sind natürlich einerseits die Kosten für Produktionsmittel, anderseits aber, dass der „Profit“ eines Unternehmens nur aus dieser nicht bezahlte Arbeit gewonnen wird. Mit Lohnarbeit geht somit immer eine Form der Enteignung einher, welche über das Privateigentum legitimiert ist.

Das heißt, im Commoning bekommt jede Person genau das zurück, was sie geleistet hat? Im Commoning bekommt im gesellschaftlichen Durchschnitt jede Person genau das zurück, was sie einbringt. Allerdings sind Geben und Nehmen voneinander entkoppelt, das heißt, für die eigene Leistung lässt sich keine Gegenleistung einfordern. Über die Software sind allerdings Möglichkeiten konstruierbar (→ Geben und Nehmen), durch welche es für Einzelne sinnvoller wird, sich besonders auch im Aufbauprozess aktiv in das Commoning einzubringen.

Ist es für Personen, die heute 30-, 40-, 50- Stunden jede Woche arbeiten müssen, überhaupt sinnvoll sich in einer Commoning-Struktur einzubringen? Damit im Commoning Bedürfnisse effizient befriedigt werden können, braucht es ausgebaute Strukturen und eine an dieser Stelle nicht bestimmbare Menge an Mitteln – einschließlich etwa Wohnhäusern etc. – welche zur direkten Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung stehen. Da das gegenwärtig nicht gegeben ist, ist das Einbringen in das Commoning für Lohnabhängige tendenziell nur begrenzt sinnvoll – in Zeiten der Arbeitslosigkeit etwa. Je effizienter dagegen Commoning wird, desto sinnvoller wird Commoning gegenüber der Lohnarbeit. Wieder soll hier nicht die kapitalistische Dynamik ausgeführt werden und warum etwa die Arbeit selbst immer monotoner und trotz technischen Fortschritts nie wesentlich weniger wird. Nur soviel soll gesagt werden, dass eine Produzentin in einem kapitalistisch organisierten Unternehmen niemals den Wert erhält, den sie erarbeitet – das kann etwa bedeuten, dass eine angestellte Tischlerin fünf Tische anfertigen muss, um sich einen davon leisten zu können. Die einfachen Gründe hierfür sind natürlich einerseits die Kosten für Produktionsmittel, anderseits aber, dass der „Profit“ eines Unternehmens nur aus dieser nicht bezahlte Arbeit gewonnen wird. Mit Lohnarbeit geht somit immer eine Form der Enteignung einher, welche über das Privateigentum legitimiert ist.

Das heißt, im Commoning bekommt jede Person genau das zurück, was sie geleistet hat? Im Commoning bekommt im gesellschaftlichen Durchschnitt jede Person genau das zurück, was sie einbringt. Allerdings sind Geben und Nehmen voneinander entkoppelt, das heißt, für die eigene Leistung lässt sich keine Gegenleistung einfordern. Über die Software sind allerdings Möglichkeiten konstruierbar (→ Geben und Nehmen), durch welche es für Einzelne sinnvoller wird, sich besonders auch im Aufbauprozess aktiv in das Commoning einzubringen.

Und Commoning soll entsprechend vollständig über das Programm geregelt werden? Kern des Commonings ist und bleibt der direkte, zwischenmenschliche (interpersonale) Prozess. Das Programm soll lediglich die Organisation solcher Prozesse auf gesamtgesellschaftlicher Ebene unterstützen. Über diese transpersonale Vermittlung können dabei dauerhafte interpersonale Strukturen entstehen, durch welche die Verwendung des Programms für einzelne Personen bzw. zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse nicht weiter sinnvoll ist. Inwieweit sich aber interpersonales und transpersonales Commoning in der Verwendung von Mitteln überschneiden bzw. inwieweit dieser Schnittpunkt über Kommunikation entschärft werden kann, ist noch offen.

Die Phasen der direkten Bedürfnisbefriedigung

Folgend wird die Einordnung von Commoning in den Prozess zwischen der Einsicht in ein eigenes Bedürfnis bis zur Befriedigung desselben durch andere Personen dargestellt. Ein Bedarf entsteht dabei immer nur, wenn ein Mittel zur Bedürfnisbefriedigung notwendig wird. Zur erleichterten Lesbarkeit wird folgend „Bedürfnis bzw. Bedarf“ mit „Bedürfnis*“ und „Befriedigung bzw. Deckung“ mit „Befriedigung*“ abgekürzt.

A. [Einsicht und Analyse] Eine Person macht sich ein Bedürfnis bewusst (B-) oder erkennt einen Bedarf an Mitteln (M-), welcher für die erfolgreiche Beendigung eines Commoning-Prozesses notwendig ist. Ein Bedarf, der für eine bestimmte Bedürfnisbefriedigung notwendig ist, kann dabei auch über die Software erkannt und vermittelt werden ( → Prozessanalyse).

B. [Vermittlung] Vermittlung des Bedürfnisses* auf interpersonaler oder transpersonaler Ebene zum Zweck ihrer Befriedigung* durch andere. Interpersonale Vermittlung ist dabei abhängig von Personen, Mitteln und Strukturen, welche der Person, welche das Bedürfnis* vermittelt, bekannt sind. Transpersonale Vermittlung ist abhängig von den ihr bekannten Medien, über welche potentiell verfügbare Mittel, anstehende Bedürfnisse* und die Strukturen zu ihrer Befriedigung* kommuniziert und aktualisiert werden.

C. [Commoning] Für die Software sind nicht alle Aspekte des Commonings relevant und werden hier nicht ausgeführt. Für die Software relevant ist die Selbstzuordnung in Prozesse zur Befriedigung vermittelter Bedürfnisse und die Selbstorganisation dieser Prozesse. Weiter relevant ist die Zuordnung von sowohl privaten Mitteln (im Rahmen ihrer Nutzungsbedingungen) und Mitteln unter Formen der kollektiven Verfügung zu bestimmten Tätigkeiten innerhalb von Commoning-Prozessen. Zuletzt relevant ist die Herstellung, Erhaltung und (Orts-) Veränderung von Mitteln, welche zu einer Bedürfnisbefriedigung notwendig sind.

D. [Beendigung] Der Commoning-Prozess zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses ist abgeschlossen, sobald die Person, welche das Bedürfnis vermittelt hat, dieses Bedürfnis als befriedigt ansieht (B+). Ein zur Beendigung eines Commoning-Prozesses notwendiger Bedarf ist gedeckt, sobald die Person, welche das hergestellte/ erhaltene/ (orts-)veränderte Mittel verwendet, diesen Bedarf als gedeckt ansieht (M+).

Grundstruktur der Software

Auf Grundlage des Phasenmodells soll das nachfolgende Diagramm zeigen, wie die verwendeten Begriffe (bzw. Klassen) auf Softwareebene miteinander in Verbindung stehen. Ausgangspunkt ist dabei die Person, welche Bedürfnisse vermittelt. Anhand des Bedürfnisses werden über die Software Tätigkeiten vorgeschlagen, welche allesamt verschiedene Möglichkeiten zur Befriedigung dieses Bedürfnisses sind – wie das funktioniert, wird in den folgenden Teilen der Textreihe dargestellt (→ Tätigkeitsmuster). Jede Tätigkeit ist eine menschliche Tätigkeit, ist also abhängig davon, dass sich Personen ihnen zuordnen, welche die dafür notwendigen Fähigkeiten besitzen. Generell sind die Bedürfnisse, welche eine Person vermittelt und die Tätigkeiten, welchen eine Person sich zuordnen kann, unabhängig voneinander.

Generell hat jede Tätigkeit einen Bedarf an Mitteln. In dem Fall, dass diese Mittel lokal verfügbar sind, können diese der Tätigkeit zugeordnet werden. In dem Fall, dass ein Bedürfnis nicht direkt über eine Tätigkeit befriedigt wird („Dienstleistung“), kann ein verfügbares Mittel zur Bedürfnisbefriedigung verwendet werden. In dem Fall, dass das für eine Bedürfnisbefriedigung bzw. das für eine Tätigkeit notwendige Mittel nicht verfügbar ist, werden über die Software wieder Tätigkeiten vorgeschlagen, welche allesamt Möglichkeiten zur Deckung dieses Bedarfes sind.

Eine Tätigkeit, welche ein Bedürfnis nicht direkt befriedigt, dient immer der Herstellung, Erhaltung oder (Orts-)Veränderung eines Mittels. Jede dieser möglichen Tätigkeiten hat dabei wieder einen Anspruch an bestimmten Fähigkeiten und einen Bedarf an Mitteln. Falls die Mittel nicht verfügbar sind, werden über die Software wieder Möglichkeiten zur Deckung vorschlagen usw. Über diese Herstellung, Erhaltung und (Orts-)Veränderung von für die Bedürfnisbefriedigung notwendigen Mitteln, können eine Reihe von in Zusammenhang stehende Tätigkeiten entstehen, welchen sich verschiedene, potentiell einander unbekannte Personen zugeordnet haben. Nicht im Diagramm einsehbar ist die in der Software notwendige Funktion, die Selbstorganisation der an einer Bedürfnisbefriedigung Beteiligten zu unterstützen.

Arbeitsweise und Aufgaben

Robert und ich gehen dem Projekt beide auf freiwilliger Basis nach, da wir darin ein wirkliches Potential zur gesellschaftlichen Veränderung sehen. Wir hoffen sehr darauf, noch andere motivieren zu können, ebenfalls an diesem Prozess teilzuhaben. Über das Konzept wird derzeit auf gitlab diskutiert. Wir halten dort unsere Arbeitsergebnisse als Wiki fest, was ebenso wie diese Textreihe dabei helfen soll, den Einstieg zu erleichtern.

Die meisten Aufgaben werden nach der Konzeption, in der Entwicklung, anfallen. Hierfür braucht es selbstverständlich Entwickler*innen welche das Konzept entsprechend umsetzen und den dabei auftretenden Problemen nach anpassen können. Weiter braucht das Projekt für die Realisierung einen passenden Namen, eine Internet-Domain, ein Logo und gute Design-Entwürfe für die Benutzeroberflächen. Auch wenn das Ziel des Projektes ist, Bedürfnisbefriedigung außerhalb der Wertsphäre auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zu ermöglichen, werden die an der Entwicklung beteiligten Personen Geld für ihren Lebensunterhalt benötigen. Ein großes Potential, das Projekt zu unterstützen, liegt daher in der Suche nach Förderprogrammen, im Schreiben von Anträgen, der Durchführung von Crowdfunding-Kampagnen oder ganz einfach in der direkten Spende. Besonders durch Letzteres kann heute schon den Entwicklern von grouprise geholfen werden.

Die Mailadresse des Projektes ist transcomm@solidaris.me.

Letzte Anmerkung (10.Juni ’19): Der Artikel wurde zum Erscheinen des zweiten Teiles grundlegend überarbeitet. Möglicherweise beziehen sich Kommentare dadurch auf Textstellen, welche so nicht mehr vorkommen.

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Freie Software, Soziale Netzwerke

12. Februar 2019, 21:41 Uhr   33 Kommentare

1 Michaela Lusru (13.02.2019, 00:13 Uhr)

Vor-VORWISSEN:
Auf den ersten Blick wohl weniger konstruktive  Kritik, bei ausreichendem Lichte betrachtet jedoch sehr wohl:“Die dem Softwarekonzept zugrunde liegende These ist schließlich, dass mit der Entwicklung und Verbreitung des Internets überhaupt erst eine Möglichkeit denkbar geworden ist, wie Menschen weltweit miteinander kooperieren können und das ihren eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten nach. Durch das Programm soll der Aufbau einer solchen möglichen Gesellschaft unterstützt werden.“
„Möglichkeit“ – ja, Wahrscheinlichkeit weniger, weil weltweit und überall auch national und regional, sogar politregional,versucht wird, aus diesem Internet, das noch relativ freie Multiverbindung erlaubt, eine einzige (oder viele) Zensurbehörden und Meinungsindustrie  (Meinungsmache wie Kontrolle und Manipulation) zu machen, was die erwünschte „überhaupt erst Möglichkeit“ freier Kooperation wohl bereits jetzt dem Orkus zugeführt hat, also in diesem Geiste keine Produktivitätsbasis gegen die Eigentümer des Internets möglich wird, ja: Eigentümer des Internets !
Daran schon mal gedacht?

Solange dieses nicht erkannt und behoben ist, sollte auf das Internet als Breitenbasis zum Gesellschaftsumbau nicht gezählt werden, da nicht klärbar ist, was dabei tatsächlich herauskommt, was nicht vom geplanten Unterfangen abhalten sollte …

2 Benni Bärmann (13.02.2019, 18:07 Uhr)
@michaela: niemandem gehört das internet. das ist immer noch so. das internet ist eine ansammlung von kommunikationsprotokollen, standards und praktiken.
womit ich jetzt nicht sagen will, dass es nicht so etwas wie eine enclosure of the commons auch hier gibt, aber so simpel, dass irgendwem jetzt „das internet“ gehört ist es nicht.
3 Michaela Lusru (13.02.2019, 19:27 Uhr)

Ach Benni, das ist doch die vor Jahren gepredigte Hoffnung der Unentwegten, längst vorbei:Jeder Server, jede Netzverbindung und ca 90% der von dir so erwähnten Protokolle gehört ganz konkret längst einer oder mehreren Personen, die damit machen, was sie wollen.Unsere Begegnung hier gehört längst dazu, ist das lustige Fähnchen obenauf, wenn es nicht stört.Wie kommt es eigentlich, dass ein Benni Bärmann noch immer erzählt, das Internet gehört niemand?Doch, direkt und indirekt, unmittelbar und mittelbar. Der korrekte Zustand ist der, dass nur mit einer anderen Gesellschaft die Enteignung des Internets zur freiheitlichen Kommunikation im vollen Sinne erreicht werden kann, und nicht umgekehrt, wie hier im Text etwas verträumt noch angenommen wird.Man kann doch mit den NSA, GOOGLE, FACEBOOK &Co nicht deren Abschaffung bewirken, wie sperrig ist denn das
Oder traust du dir zu, diese krakenhaften Boliden zum Mitmachen zu überreden?Eventuell mit einer Software?

4 Wolfgang Tah (14.02.2019, 15:41 Uhr)

Hallo Michaela,
passt Deine defätistische Äußerung wirklich zum Thema?
Damit negierst Du doch den grundlegenden Ansatz.

Heiter weiter …
Wolfgang

5 Michaela Lusru (14.02.2019, 17:05 Uhr)

@Wolfgang Tah (14.02.2019, 15:41 Uhr)
„Damit negierst Du doch den grundlegenden Ansatz.“
Das hast du wohl mehrfach richtig erkannt:1. Ansatz: und zwar nicht „den“ sondern diesen!2. wieso muss dieser (!) Ansatz grundlegend sein?3. wenn etwas korrekt ist, darf es auch defätistisch sein4. aber wieso ist das defitistisch, was ich schreibe? Ich mache auf einen grundlegenden Mangel bei DIESEM Ansatz (Internet) hin, das nennt man allgemein konstruktiv kritisch und sollte trotz gesunder Skepsis grundlegende Methode sein, wenn es um das Konzipieren neuen gesellschaftlichen Lebens geh.
Man sollte sich dabei weder erkennbare Fehleinschätzungen noch „Passend-Euphorien“ leisten, denn es ist völlig unwichtig, ob ein entdeckter Mangel passt oder nicht, er ist zu berücksichtigen.
Es sei denn, die Ausführungen sind von vornherein nicht für eine eventuelle Praxis gedacht – dann sollte auch das gesagt werden.
Darüber hinaus habe ich zum Anliegen selbst in keiner Weise Defätismus geübt, das sollte auch dir aufgefallen sein, denn dazu sagte ich bisher nichts (weiter), warte ich, bis mehr bekannt ist.
Jedenfalls habe ich nun gelernt, dass man saubere kritische Betrachtungen hier gern auch mal als Defätismus wegdiskutieren möchte, nur warum erschliesst sich mir mit Blick auf „KEIMFORM“ nicht.

6 Michaela Lusru (14.02.2019, 17:14 Uhr)

zum Thema selbst;Ist die „Thermodynamik des Fliesgleichgewichtes“ als universales Gesetz in dynamischen Ganzheiten (wie z.B. Gesellschaften) ein Begriff?Weltweit seit langem anerkannt sollte das auch bei solchen Themen die erforderliche Beachtung finden, nichts ist erfolgreich gegen diese Erkenntnis gestaltbar, wie inzwischen auch die Geschichte uns immer wieder belehrt.

7 Peter Riegel (16.02.2019, 00:49 Uhr)

Was soll das Programm denn machen?Wird das eine Handels- bzw. Schenkplattform?

8 Annette (16.02.2019, 14:33 Uhr)

Ich habe zuerst mal Fragen:1. Bezieht sich das Ganze auf ein Programm, wie es in einer Situation nach einer Transformation, d.h. im „vollendeten  Commonismus“, funktionieren soll, oder soll es auch vor und während der Transformation funktionieren? Ich lese etwas von einer „schrittweisen“ Befreiung von Geld, also soll das Progamm wohl eher schon bei der Ablösung der herrschenden Gesellschaft durch die Neue eingesetzt werden. Daraus ergibt sich
2.Woher kommen die „gesellschaftlichen Mittel“, die im Moment so gut wie alle, nicht nur in Form des Internets, kapitalistisches Eigentum darstellen? Freie Software können wir neu an diesen Gegebenheiten vorbei produzieren. Sobald es um Lebensmittel oder andere materiell-energetische Sachen geht, kommen wir um die leidige Eigentumsfrage nicht herum. Um diese Frage schmuggelt sich der Text ziemlich herum, weil primär der Tausch als grundlegendes gesellschaftliches Problem gesehen wird und nicht die Klassenstruktur (in der noch herrschenden Gesellschaft). Das zeigt sich auch  an solchen die Klassenbeziehungen geradezu verleugnenden Beschreibungen, dass die Arbeitkraft „mehr für die Gesellschaft produzieren“ müsste als sie „von der  Gesellschaft zurückbekommt“. Auch dass sich der 8-Stundentag „eingepegelt“ hätte und nicht wirklich erkämpft wurde…

3. Das  Kästchen „Commoning-Prozess“ im Klassendiagramm bleibt eine Black Box. Dabei ginge es gerade darum!

9 Mattis (16.02.2019, 16:34 Uhr)

Die Formel „niemandem gehört das internet“ möchte auch ich bezweifeln. Das ist doch 90er Jahre-Ideologie!
Sobald der Staat es will, steht die Netzwelt still, jedenfalls überall da, wo der Staat es will. Man kann das in vielen Ländern der Erde studieren, wie schnell und einschneidend das geht. Und wie rasch Demokratien zu Diktaturen werden, ist auch immer wieder zu besichtigen.

Das ist zwar kein grundlegendes Argument gegen alternative Software-Konzepte, aber zeigt, dass man um die Frage der politischen Macht letztenendes bei alldem nicht herumkommt. Real und eben auch digital! DARIN besteht hier die Naivität vieler Debatten, dass man glaubt, dieses Thema ausklammern zu können und sich nur noch über das Zusammenwachsen von Commons Gedanken machen muss.

10 Marcus Meindel (16.02.2019, 17:17 Uhr)

Hi Annette, vielen Dank für deine Anmerkungen!

1. Bezieht sich das Ganze auf ein Programm, wie es in einer Situation
nach einer Transformation, d.h. im „vollendeten  Commonismus“,
funktionieren soll, oder soll es auch vor und während der Transformation
funktionieren?

Ganz allgemein geht es darum, wie Mittel zur Befriedigung von Bedürfnissen auf gesellschaftlicher Ebene organisiert werden können. Das ist unabhängig von der bestimmenden Gesellschaftsform. Da für Commoning nicht nur gesellschaftliche, sondern auch private Mittel eingesetzt werden können (relevant zu der Definition ist der Artikel „Commons-Movement“ von Johannes Euler/Leslie Gauditz), soll die Software auch Werkzeug für eine mögliche Transformation sein. Der leitende Gedanke dafür ist: Wenn es keine Möglichkeit gibt, Commoing transpersonal zu betreiben, dann kann es auch keine Transformation geben.

Ich hoffe das beantwortet auch die Frage von Peter Riegel.

2.Woher kommen die „gesellschaftlichen Mittel“, die im Moment so gut wie
alle, nicht nur in Form des Internets, kapitalistisches Eigentum
darstellen?

Ich hatte diesbezüglich noch ein paar Tage vor der Veröffentlichung einen Abschnitt im Text, den ich dann spontan entfernt habe – hat für mich nicht richtig in den Fluss gepasst. Das ist, wenn ich das so sagen darf, die Lächerlichkeit davon, ein FAQ zu schreiben, bevor die Fragen dazu überhaupt gestellt wurden. Der Auschnitt:

Was ist die juristische Grundlage und wie kommen die Mittel in die kollektive Verfügung? Beides wichtige Punkte, die hier allerdings nicht diskutiert werden.

Das ist eigentlich schon die ganze Antwort. Die Software ist unabhängig von dieser Frage, d.h. für mögliche Entwickler*innen ist das im Kontext ihrer Aufgaben irrelevant und es braucht andere Prozesse, welche das ermöglichen. Vor der Veröffentlichung des zweiten Teils werde ich das FAQ aktualisieren. Auch Christian Schorsch hat per Mail noch etwas wichtiges bezüglich der Konzeption angemerkt, was dann hinzugefügt wird.

Das zeigt sich auch  an solchen die Klassenbeziehungen geradezu
verleugnenden Beschreibungen, dass die Arbeitkraft „mehr für die
Gesellschaft produzieren“ müsste als sie „von der  Gesellschaft
zurückbekommt“.

Spannend. Wieso siehst du das als verleugnend an? Als Lohnarbeiter erschaffst du einen bestimmten Wert, aber erhältst als Gegenleistung nur den Wert deiner Arbeitskraft. Der Wert der Arbeitskraft ist dabei strukturell immer niedriger als der erschaffene Wert, welcher noch den Wert der Produktionsmittel und des Mehrwertes mit einschließt.

Auch dass sich der 8-Stundentag „eingepegelt“ hätte und
nicht wirklich erkämpft wurde…

„Einpegeln“ ist tatsächlich ein schwieriger Begriff, der einen passiven Prozess vermuten lässt. Der relativ festsitzende 8-Stunden-Tag ist ja m.M.n. das Resultat aus verschiedenen Kämpfen – sowohl der Arbeiter zu Verkürzung (Streiks, etc.), sowie der Unternehmer zur Verlängerung bzw. wenigstens Beibehaltung (durch Union-busting, etc.).

Die Frage ist, inwiefern Klassen hier relevant sind. Die kapitalistischen Klassen sind Bestandteil der Wertsphäre, existieren durch den Tausch und nicht anders herum. Ohne Tausch, keine kapitalistischen Klassen und da mit der Software die Wertsphäre umgangen werden soll, sind die Klassen innerhalb dieser Logik irrelevant. Für die Transformation dagegen sind sie natürlich äußerst relevant, aber dazu natürlich wieder vorhergehende Antwort, dass die Beantwortung der Fragen dazu, nicht Bestandteil des Textes sind.

3. Das  Kästchen „Commoning-Prozess“ im Klassendiagramm bleibt eine Black Box. Dabei ginge es gerade darum!

Das Kästchen definitiv. In diesem Grundlagenteil wurde in erster Linie das Umfeld des Commoning-Prozesses beschrieben und der Commoning-Prozess dadurch äußerlich definiert. Was der Inhalt dieses Kastens ist, ist sozusagen der Cliffhanger für Teil 2

11 Marcus Meindel (16.02.2019, 17:42 Uhr)

@Mattis und die vorherige Diskussion:

DARIN besteht hier die Naivität vieler Debatten, dass man glaubt, dieses
Thema ausklammern zu können und sich nur noch über das Zusammenwachsen
von Commons Gedanken machen muss.

Es wurde sich schon sehr lange Zeit sehr viele Gedanken über Machtfragen etc. gemacht und sehr wenige, wie denn Organisation abseits von kapitalistischer oder personeller Herrschaft funktionieren kann. Dieses ständige Gerede von Klassenkampf und Revolution und die Hoffnung, dass danach sich irgendwie schon alles regeln wird, das empfinde ich als naiv und war der Grund, warum ich angefangen habe mich mit Commoning zu beschäftigen.

Zu glauben, dass ein Softwarekonzept jetzt sämtliche Fragen beantworten würde, das wäre in der Tat verrückt. Ich weiß nicht, ob sich das gerade so liest oder was diesen Vorwurf auslöst, aber behauptet habe ich das nie und ich meine auch, dass das kein anderer aus dem Keimform-Blog so oder so ähnlich behauptet. So wie ich das sehe ist die Arbeit an einer gesellschaftlichen Transformation, eine arbeitsteilige.

12 Mattis (16.02.2019, 18:00 Uhr)

„Dieses ständige Gerede von Klassenkampf und Revolution und die Hoffnung,
dass danach sich irgendwie schon alles regeln wird, das empfinde ich
als naiv“ (Marcus Meindel)

Das sehe ich als falsche Entgegensetzung. Die Antwort kann doch nicht sein, das Thema zu verdrängen, nur weil man platte Parolen dazu für untauglich hält. Aber wie man eine neue Ökonomie zur politischen Geltung führen kann, ist schon entscheidend, und ich sehe dazu kaum Ansätze. Allein schon der Gedanke, dass die Staatsgewalt eine alternative Vernetzung auf einen Schlag schon rein digital außer Kraft setzen kann, macht doch nachdenklich. Aber ok, in diesem Thread ist das eher offtopic.

13 Marcus Meindel (16.02.2019, 18:16 Uhr)

Aber wie man eine neue Ökonomie zur politischen Geltung führen kann, ist schon entscheidend, und ich sehe dazu kaum Ansätze.

Und genau das meine ich mit Arbeitsteilung. Ich sehe die im Keimform-Blog und im Commons-Institute betriebene Forschung in erster Linie als sehr notwendig, um eine neue Ökonomie überhaupt denken zu können. Die Antwort darauf, wie diese zur politischen Geltung gebracht werden kann, wird sich hier aber schwer finden lassen. Ich sehe darin kein Problem.

Aber ja, das wird weitergehend Offtopic und würde ich hier auch bleiben lassen, vielen Dank. War aber gut, das kurz angesprochen zu habe.

14 Annette (16.02.2019, 20:05 Uhr)

„Die Frage ist, inwiefern Klassen hier relevant sind. Die
kapitalistischen Klassen sind Bestandteil der Wertsphäre, existieren
durch den Tausch und nicht anders herum.“
Ich werde es immer wieder sagen müssen: Ich sehe das nicht so. Der Tausch zwischen scheinbar Gleichen ist der (objektive) Schein, den sich Marx bemühte  zu durchdringen, indem er auf das ZUGRUNDE LIEGENDE Klassenverhältnis verwies, bei dem die Gleichheit zur Gegensätzlichkeit wird.
Logisch gesehen: Die Erzeugung und Aneignung von Wert und Mehrwert im Klassenverhältnis (die einen erzeugen, die anderen eignen an) ist die GRUNDLAGE dafür, dass überhaupt (logisch nachgeordnet) getauscht werden kann.

Natürlich gilt tatsächlich: Wenn der Tausch weg ist und das Geld ist auch, dann ist auch dem Kapital die Wurzel abgeschnitten. Aber DAVOR muss gesehen werden, dass dies AUCH bedeutet, das Klassenverhältnis zu beseitigen (statt es nur auszublenden und zu verleugnen, indem nur die Gleichartigeit der Tauschpartner gesehen wird und die Klassengegensätzlichkeit ausgeblendet wird).

Das Problem zeigt sich genau dort, wo das weiter bestehende (unterbelichtete)  Klassenverhältnis VERHINDERT, Geld, Tausch und Kapital abzuschaffen. Das zeigt sich genau an der Frage (oben als 2.) des Eigentums an den wichtigen Produktionsgrundlagen und -mitteln.

Wir können zig Programme, Konzepte und Pläne für eine tauschfreie Gesellschaft erfinden, die alle nix  nützen, wenn wir nicht über diese Produktionsmittel verfügen und DAFÜR kann die Klassenfrage nicht ausgeblendet werden.
In Simons und Stefans Konzept wird das umgangen, indem erst mal NUR über die kategoriale Utopie gesprochen wird, in der es tatsächlich keine Klassen mehr gibt. (Deshalb hatte ich in der 1. Frage gefragt, ob das bei  Dir auch so ist, oder eben nicht). Bei der Transformation fehlt dann dieser Aspekt dann aber auch.

15 Annette (16.02.2019, 20:10 Uhr)

„Dieses ständige Gerede von Klassenkampf und Revolution und die Hoffnung,
dass danach sich irgendwie schon alles regeln wird, das empfinde ich
als naiv und war der Grund, warum ich angefangen habe mich mit Commoning
zu beschäftigen“
Ich lese das schon wieder als Antwort auf meinen Kommentar von oben.
Ich hoffe, Du wertest meine Gedanken nicht als „Gerede“.

Ich verstehe nicht, warum man, wenn man einerseits von „Gerede“ genervt ist, dann aufs direkte  Gegenteil verfällt und das damit angesprochene  Verhältnis negiert, statt besser drüber nachzudenken und die verschiedenen Dimensionen des Kapitalismus zusammen zu denken lernt.

16 Benni Bärmann (16.02.2019, 21:31 Uhr)
Dabei ist es doch so einfach:
Commons Based Peer Production ist eine Form von Klassenkampf.
Klassenkampf muss die Form von Commoning annehmen (und nicht etwa alleine die von Parteien oder anderen Kaderorganisationen), wenn er erfolgreich sein will im Sinne eines Klassenkampfes zur Abschaffung der Klasse.
Fertig ist die Dialektik 😉
17 Annette (16.02.2019, 21:55 Uhr)

Es gibt verschiedene Vorstellungen:

1. Klassenkampf ist passé, weil Klassen (falls sie überhaupt noch als existierend angenommen werden) als unwichtig angesehen werden.

2. Klassenkampf ist nicht passé, aber die  Formen von „Parteien oder anderen Kaderorganisationen“ sind passé: dann sollte genauer bestimmt werden, welche anderen Formen es noch gibt und welche heutzutage angemessen und passend sind.

3. Ohne Klassenkampf (in angemessener moderner Form) können wir nicht in die Verfügung der Lebens- und Produktionsgrundlagen kommen, die wir für CBPP brauchen (ausgenommen jene, die wir selber „an den Klassenverhältnissen vorbei“ neu produzieren können, wie Software).

Die Dialektik ist mit einer einfachen Gleichsetzung von CBPP und KK längst noch  nicht „fertig“, sondern müsste ausgehend von 2. und 3. überhaupt erst als Aufgabe anerkannt und als Problem gestellt werden.

Dieses Thema ist tatsächlich offtopic, wenn das Konzept von Marcus wie die kategoriale Utopie von Simon und Stefan tatsächlich einfach nur als Vorstellung, wie es nach der Transformation mal sein soll, diskutiert wird.

Meine Frage 1. bezog sich genau darauf und vermerkte, dass hier bei Marcus aber durchaus auch der Übergang selbst mitgedacht wird, deshalb ist die Frage der Faktoren, die bei der Transformation wesentlich sind, m.E. nicht offtopic.

18 Benni Bärmann (17.02.2019, 08:01 Uhr)

@Annette: Ich meinte keine Gleichsetzung, sondern eine gegenseitige Bedingtheit. Klar muss man das dann ausbuchstabieren. Fände es aber gut, wenn wir dazu erst mal einen rough consensus finden könnten, damit wir eine Basis zum ausbuchstabieren haben.

19 Annette (17.02.2019, 08:16 Uhr)

@ Benni, bisher kann ich hier nur kaum einen „rough consensus“ erahnen, weil, soweit ich mich erinnere, alle außer mir die Klassenfrage i.a. negieren. Da ist kein Buchstabe da zum Ausbuchstabieren.

Das hängt aber vielleicht wirklich mit dem Haupt-Topic des Keimform-Konzepts zusammen, wo es anscheinend nur um das Wachstum des Keimes/der Keimform geht, aber nicht um den Kampf um die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit oder den Kampf um das Eigentum/die Verfügungsgewalt am Boden 😉

20 Benni Bärmann (17.02.2019, 11:08 Uhr)

@annette: na ganz alleine bist du nich. ich war hier doch schon immer der quotenoperaist 😉

21 Marcus Meindel (17.02.2019, 12:02 Uhr)

Ich lese das schon wieder als Antwort auf meinen Kommentar von oben. Ich hoffe, Du wertest meine Gedanken nicht als „Gerede“.

Das allen vorangestellt: Auf gar keinen Fall war das „Gerede“ auf dich bezogen. Ich schätze deine Meinung viel (!) zu sehr, um in dem Ton darüber zu sprechen.

Und Mattis war natürlich auch nicht gemeint. Um was es mir ging sind meine persönlichen Erfahrungen bei linken Gruppen/Kongressen/Vorträgen, bei denen sehr schnell davon geredet wird, dass es jetzt eine Revolution braucht, aber bei einer Nachfrage über den Begriff hinaus dieselben Leute anfangen zu stottern („Dann gehen die Arbeiter in die Fabriken… und sind solidarisch zueinander… weil Kommunismus.“, etc.).

Ich verstehe nicht, warum man, wenn man einerseits von „Gerede“
genervt ist, dann aufs direkte  Gegenteil verfällt und das damit
angesprochene  Verhältnis negiert, statt besser drüber nachzudenken und
die verschiedenen Dimensionen des Kapitalismus zusammen zu denken lernt.

Nur weil die Themen getrennt behandelt werden, heißt das ja noch nicht, dass sie vergessen werden. Meinen einzelnen Texten übergeordnet ist ja etwa die zweiteilige Broschüre „das Kapital und die Commons„, wovon der erste Teil sich ausschließlich mit Tausch, Wert und Klassendynamik auseinandersetzt. Zur Vorbereitung für den zweiten Teil arbeite ich mich gerade in das Commoning und die Theorie zur Commons-Gesellschaft ein und muss/will das von dem anderen (kapitalistische Gesellschaft) getrennt halten, damit ich für den tatsächlichen zweiten Teil von „das Kapital und die Commons“ beides in angemessener Weise wieder zusammenbringen kann.

Ich finde es daher auch immer wieder schwierig, wenn in Kommentaren angesprochen wird, das dies-und-jenes in bestimmten Texten ignoriert wird. Ein einzelner Text muss meiner Meinung nicht immer alles behandeln. Der Text hier zum Beispiel behandelt genau eine Sache: Das Konzept einer Plattform für transpersonales Commoning, damit Entwickler*innen so etwas umsetzen können. Und die Theorie soll nur dazu dienen, diese Entwicklung besser zu verstehen und besonders immer aufzuzeigen, was die Wert-Sphäre ist und warum etwa zu keinem Zeitpunkt der Vermittlung „Geld“ auftreten darf. Für die Arbeit der Entwickler*innen spielen soziale Kämpfe keine Rolle und wenn sich Entwickler*innen außerhalb ihrer Projekt-Arbeit dafür interessieren, dann gibt es andere Texte dafür. Das soll nur einfach nicht zu sehr vermischt werden.

22 Marcus Meindel (17.02.2019, 12:19 Uhr)

Der
Tausch zwischen scheinbar Gleichen ist der (objektive) Schein, den sich
Marx bemühte  zu durchdringen, indem er auf das ZUGRUNDE LIEGENDE
Klassenverhältnis verwies, bei dem die Gleichheit zur Gegensätzlichkeit
wird. Logisch gesehen: Die Erzeugung und Aneignung von Wert und
Mehrwert im Klassenverhältnis (die einen erzeugen, die anderen eignen
an) ist die GRUNDLAGE dafür, dass überhaupt (logisch nachgeordnet)
getauscht werden kann.

Da gehen wir tatsächlich auseinander. Tauschen kann ich ja immer. Also wirklich immer und jederzeit und egal in welcher Gesellschaftsform, so lange es nur irgendwie eine Sphäre von Privateigentum gibt. Dass das Klassenverhältnis den Tausch zur bestimmenden gesellschaftlichen Beziehungsform erhoben hat, dagegen sage ich nichts. Aber dafür musste es den Tausch erst einmal geben.

Und weitere sehe ich auch nicht, dass durch das Klassenverhältnis die Personen in einer kapitalistischen Gesellschaft ungleich im bürgerlichen Sinn sind. Die absolute Fairness im Bezug auf Geld ist doch, meiner unbedingten Auffassung nach, der ganze Witz am kapitalistischen System. Jede Person hat das Recht sich alles zu kaufen, wenn sie nur das notwendige Geld dafür auftreiben kann. Und kaufen lässt sich auch die Arbeitskraft und bezahlt wird ihr Wert – was ihre Lebenserhaltungskosten sind. Das ist absolut fair. Und absolut furchtbar für die Person, die halt nichts nichts zu verkaufen hat, als ihre Arbeitskraft und trotzdem immer Geld braucht, um nicht von den Dingen ausgeschlossen zu werden. Aber gleichgestellt vor dem Geld sind sie auf jeden Fall.

Nachtrag: Der für mich relevanteste Text dafür ist der „Klassenkampf-Fetisch“ von der Gruppe Krisis. Was ich meine wird darin schöner formuliert, als ich es je ausdrücken könnte.

Dabei ist es doch so einfach:Commons Based Peer Production ist eine Form von Klassenkampf. Klassenkampf muss die Form von Commoning annehmen (und nicht etwa alleine die von Parteien oder anderen Kaderorganisationen), wenn er erfolgreich sein will im Sinne eines Klassenkampfes zur Abschaffung der Klasse. (Benni)

Da kann ich mich nur dahinterstellen. Und damit Commoning überhaupt auf gesamtgesellschaftlicher Größenordnung funktioniert und für einzelne Personen sinnvoll wird, braucht es meiner Auffassung nach Werkzeuge. Und die Software für transpersonales Commoning soll ein solches werden.

23 Christian Siefkes (17.02.2019, 17:50 Uhr)

@Marcus: Ich finde es schon etwas erstaunlich, wie du hier ständig mit „Das ist nicht unser Thema“ argumentierst, wenn es um Dinge geht, die für euer Thema aber hochgradig relevant sind. Also schon die Frage nach den benötigten (Produktions-)Mitteln (PM) für Commoning-Prozesse: Da reden mir über Dinge, wo man mit ein paar 10.000 € nicht weit kommt, wenn man sie einkaufen muss — wenn man mit den kapitalistischen Produktionsprozessen mithalten will, geht es da eher um Millionen. Wo kommen diese teuren Mittel her? Klarerweise nicht in allen Fällen aus anderen Commoning-Prozessen, sonst landen wir in einem unendlichen Regress (wo kommen denn deren PM her?) Also bleiben nach eurem Diagramm noch „private Mittel“, die großzügige Spender*innen zur Verfügung stellen. Aber wie wollt ihr diese großzügigen Spender finden, die so viel „Kleingeld“ übrig haben (sprich: die es im Kapitalismus schon geschafft haben)? Und was, wenn sie wegbleiben? Dann kann der Commoning-Prozess gar nicht erst beginnen, oder bestenfalls verbleibt er auf einem ultraniedrigen Produktivitätsniveau, das die Kapitalist*innen nur belächeln können.

Natürlich könnt ihr auf solche Fragen mit „das sollen mal andere klären, wir machen uns darüber keine Gedanken, sondern programmieren lieber mal drauf los“ antworten (Stichwort „Arbeitsteilung“ aus deinem Kommentar #11) — aber ist so eine Vorgehensweise wirklich sinnvoll?

24 Marcus Meindel (17.02.2019, 19:31 Uhr)

@Christian: Aber was ist denn deine Konsequenz? Dass erst über Möglichkeiten nicht-kapitalistischer Organisation nachgedacht werden soll, wenn alle Kapitalist*innen enteignet wurden?

25 Marcus Meindel (17.02.2019, 19:51 Uhr)

Und einen Nachtrag muss ich auch noch machen: Welche Prozesse ich für möglich halte, wie Commoning gesellschaftlich bestimmend werden kann, wenn es so ein Programm gibt, habe ich bereits im fünften Teil des „Ausdehnungsdrangs moderner Commons“ beschrieben. Es ist also nicht so, dass wir ins Blaue hinein programmieren. Nur eben dieser Text „Ein Softwarekonzept für transpersonales Commoning“ beschäftigt sich nicht mit dem Thema der Transformation. Hier geht es wirklich um die Programmkonzeption, die ich als Grundvoraussetzung für die Transformation sehe.

26 Christian Siefkes (20.02.2019, 19:39 Uhr)

@Marcus:

@Christian: Aber was ist denn deine Konsequenz? Dass erst über Möglichkeiten nicht-kapitalistischer Organisation nachgedacht werden soll, wenn alle Kapitalist*innen enteignet wurden?

Bitte Fragen nicht mit Gegenfragen beantworten, das hilft niemand weiter. Und: nein, natürlich nicht, das weißt du doch genau, wenn du mal einen meiner Texte gelesen hast (wieso diese billige Polemik?). Nur sollte das Nachdenken IMHO halt nicht unbedingt zu Aktivitäten führen, deren Zwecklosigkeit man durch es eigentlich schon erkannt hat. Nun werdet ihr das naturgemäß anders sehen, aber bei mir (und anscheinend ja auch bei anderen Kommentierenden hier) bleiben da eben gewisse Zweifel.

Zu deinem fünften Teil: Da geht es um Krise und dass da die „Produktionsmitteln insolvent gegangener Unternehmen“ günstiger angeeignet werden können. Wenn’s um eine zyklische Krise geht, heißt das allerdings vielleicht, dass PM dann eben 300.000 € statt 1 Mio. € kosten, und dafür sind sie dann veraltet, wenn der Produktionszyklus wieder in Gang kommt.

Oder wollt ihr auf eine Aneignung ganz ohne Bezahlung heraus? An einer Stelle ist ja auch von „Enteignung auf Wertebene“ die Rede. Das wäre dann wiederum eine Strategie, die deutlich „klassenkämpferischer“ ist als dieser Text hier klingt. Da hätte ich auch gar nicht unbedingt was einzuwenden, nur dass man sich eben bewusst sein muss, welche Problematiken solche Kämpfe mit sich bringen können, was sich ja etwa anhand von Betriebsbesetzungen in Argentinien und allgemein „Rückeroberten Betrieben unter Arbeiter*innenkontrolle“ gezeigt hat.

Und generell klingt zumindest dieser Text so, als ob ihr nicht auf die große (End?)Krise warten wollte, sondern hofft, die transpersonalen Commoning-Prozesse werden schon hier und heute in Gang kommen, wenn erst eure Software da ist. Da zäumt ihr IMHO das Pferd von hinten auf — wenn sich solche Prozesse heute schon spontan entwickeln würden, würden einige der Beteiligten auch die dafür nötigen Tools — Software etc. — entwickeln (vielleicht wären das dann ja auch ihr, oder wir). Wenn sie sich aber nicht entwickeln, wird eure Software auch keine Initialzündung auslösen können. Das ist eine (vermutlich trügerische) Hoffnung auf eine technische Lösung für einen (ausbleibenden) sozialen Prozess.

27 Marcus Meindel (21.02.2019, 15:44 Uhr)

@Christian

Da zäumt ihr IMHO das Pferd von hinten auf — wenn sich solche Prozesse
heute schon spontan entwickeln würden, würden einige der Beteiligten
auch die dafür nötigen Tools — Software etc. — entwickeln (vielleicht
wären das dann ja auch ihr, oder wir). Wenn sie sich aber nicht
entwickeln, wird eure Software auch keine Initialzündung auslösen
können. Das ist eine (vermutlich trügerische) Hoffnung auf eine
technische Lösung für einen (ausbleibenden) sozialen Prozess.

Ich glaube, das ist so ein wesentlicher Gedanke, den ich nicht verstehe. Eine solche Software wird ja m.M.n. nie spontan, sondern immer bewusst entwickelt. Und bis so eine Software stabil funktioniert, braucht es Zeit und Ressourcen. Und ob das jetzt wir oder andere sind, die eine solche Software konzipieren/entwickeln, ist ja irrelevant – hauptsache, sie wird entwickelt und ist funktional für den Zweck zur Herstellung und Erhaltung einer anderen Gesellschaftsform.

Warum stört es dich, dass wir uns dem jetzt annehmen und nicht auf eine mögliche Endkrise warten?

28 Christian Siefkes (24.02.2019, 20:09 Uhr)

@Marcus:

hauptsache, [die Software] wird entwickelt und ist funktional für den Zweck zur Herstellung und Erhaltung einer anderen Gesellschaftsform.

Warum stört es dich, dass wir uns dem jetzt annehmen und nicht auf eine mögliche Endkrise warten?

Aber ob (und wie) sie jetzt schon funktional sein kann und nicht erst in einer eventuellen „Endkrise“ (die ich nicht für wahrscheinlich halte, schon gar nicht in diesem Jahrhundert), das ist ja gerade die beackerte Frage. Und wenn sie erst mit der eventuellen „Endkrise“ funktional wird (wie dein Verweis auf den „fünften Teil“ nahezulegen scheint), dann dürfte ihr bis dahin der Bitrot doch ganz schön zugesetzt haben…

29 Marcus Meindel (24.02.2019, 23:09 Uhr)

@Christian:

Und wenn sie erst mit der eventuellen „Endkrise“ funktional wird (wie dein Verweis auf den „fünften Teil“ nahezulegen scheint […])

Der Text behandelt nur eine mögliche Dynamik von transpersonalen Commoning mit allgemeinen kapitalistischen Krisen und die Funktion selbst ist davon unabhängig. Aber ich glaube, wir finden uns da gerade nicht so richtig. Danke aber für deine Zeit und Meinung.

30 Michaela Lusru (27.02.2019, 16:48 Uhr)

[Ultralangen Off-topic-Kommentar gelöscht, CS. Bitte beachte künftig die Kommentarregeln, Michaela.]

31 Annette (28.02.2019, 11:06 Uhr)

So weit ich Marcus und Robert beim CI-Treffen verstanden habe, soll die Plattform tatsächlich, wenn sie fertig ist, hier und heute dabei helfen, benötigte Dienstleistungen und Dinge herzustellen, so dass die  Notwendigkeit, Geld über Lohnarbeit zu verdienen, sinkt.

Was ich dazu vorschlagen möchte: Einen „Bedürfniskorb“ für ca. einen Monat dokumentieren und dann ernsthaft überlegen, wie und ob wir einen Teil davon mit vorerst privaten Produktionsmitteln und den vorgestellten 4 Phasen tatsächlich irgendwie hinbekommen könnten.

Wenn ich mir überlege, welche Bedürfnisse ich da einspeisen könnte, die tatsächlich über diese Plattform befriedigt werden könnten… da lässt sich aus diesem „Bedürfniskorb“ kaum was zuordnen. Im Tauschring haben wir die Erfahrung gemacht, dass da allerlei wie Massagen usw. abgerechnet werden können, was aber nicht wirklich die Notwendigkeit zur Lohnarbeit reduzieren würde… Auch in Umsonstläden und dazu gehörigen Aufbereitungswerkstätten (Möbel, Fahrrad-, Kleidung) ging die Hoffnung, dass Leute dadurch existentiell entlastet würden, nicht so recht auf.

Und wenn ich mir überlege, welche arbeitsteiligen Verkettungen von Produktionsprozessen allein die Herstellung eines Kulis erfordert… dann weiß ich nicht, wann ich mal wieder einen bekommen würde.

Aber tatsächlich, natürlich kann das Ganze erst mal programmiert werden  ich weiß nicht, wie sinnvoll es ist, sich Probleme vorher schon mal zu überlegen und unsere Zweifel dafür einzubeziehen… aber aus diesem Grund teile ich sie mit.

32 Marcus Meindel (01.03.2019, 11:55 Uhr)

@Annette:

Was ich dazu vorschlagen möchte: Einen „Bedürfniskorb“ für ca. einen
Monat dokumentieren und dann ernsthaft überlegen, wie und ob wir einen
Teil davon mit vorerst privaten Produktionsmitteln und den vorgestellten
4 Phasen tatsächlich irgendwie hinbekommen könnten.

Die Sache ist, dass wir nicht wissen, welche Bedürfnisse, welche Fähigkeiten und sogar welche Mittel andere Menschen haben. Mit dem Programm soll die Möglichkeit entstehen, diese zu erfassen, zu bündeln und sich in Prozessen zu ihrer Befriedigung einbringen zu können. Aber das ist besonders Thema des zweiten und dritten Teils der Reihe. Ich würde vorschlagen, wenn du Lust hast, dann nochmal weiter zu diskutieren. Der Versuch, so eine Reihe über einen längeren Zeitraum zu erstellen, ist auf jeden Fall nicht unproblematisch. Aber viele Kommentare haben schon aufgezeigt, wie das Thema besser eingegrenzt werden muss, um es besser vermitteln zu können. Das ist sehr hilfreich.

33 Ein Softwarekonzept für transpersonales Commoning – Commoning-Prozesse, Prozessanalyse, Tätigkeitsmuster — keimform.de (10.06.2019, 00:34 Uhr)

[…] Keimform.de: Die Arbeit zum zweiten Teil des Softwarekonzeptes hat teils erhebliche Veränderungen im ersten Teil nach sich gezogen. Die Veränderungen wurden auch im Blog aktualisiert. Weiter sind die Artikel als […]

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