Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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The Timeless Way of Re-Production

Commoning als ununterbrochener Prozess auf gesamtgesellschaftlicher Ebene

Eine Gesellschaft, welche sich ausschließlich den menschlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen nach gestaltet, ist bisher bloße Sehnsucht, könnte aber durch das im Internet liegende Potential realisiert werden. Aber wie kann sich dieses Potential – diese Möglichkeit eines jeden Menschen mit potentiell allen Menschen auf Augenhöhe Informationen auszutauschen – dahingehend verwirklichen, dass diese von uns zwar noch nicht vollständig begriffene, aber doch bereits angestrebte Gesellschaftsform erreicht wird? Und wie kann die Kooperation von Tätigkeiten innerhalb komplexer Re-Produktionsprozesse auf Augenhöhe koordiniert werden, wenn deren gemeinsamer Zweck als möglichst weitreichende Befriedigung von Bedürfnissen definiert ist? Wie es der Zufall will, könnten es die Arbeiten eines Architekten – Christopher Alexander – sein, über welche sich diese Fragen beantworten lassen.

Silke Helfrich und David Bollier waren es, die, inspiriert von der Arbeit Helmut Leitners und Franz Nahrada, in „Die Welt der Commons – Muster des gemeinsamen Handelns“ zum ersten Mal Alexanders Theorie mit Commoning in Verbindung brachten und diesen Weg in „Frei, Fair und Lebendig – die Macht der Commons“ konsequent weitergingen. Helfrich und Bollier erforschten hierfür die Praxis des Commonings und schlossen dabei durch Alexanders Methode auf wiederkehrende Muster, welche in langlebigen Prozessen der freiwilligen Selbstorganisation unter Gleichrangigen immer wieder in Erscheinung treten. Diese Muster sind praxisnahe Hilfsmittel, um Commoning zu verstehen, anzuwenden und zu verbreiten. Wenn dieser vorliegende Text auch in anderer Weise mit Alexanders Theorie umgeht, wäre er ohne die gemeinsamen Forschungsergebnisse von Helfrich und Bollier kaum möglich gewesen.

Was also ist das Besondere an Christopher Alexanders Arbeit? Alexander hat sich intensiv damit auseinandergesetzt, was Lebendigkeit bedeutet, wie diese entstehen kann und wie er – in seiner Rolle als Architekt – unterstützend wirken kann, damit diese Lebendigkeit von jedem einzelnen Menschen aus selbstständig verbreitet werden kann. Was er zu diesem Zweck herausgestellt hat, nennt er eine „Mustersprache“ und wie eine solche Mustersprache entstehen kann, beschreibt er in seinem Werk „The Timeless Way of Building“. Anhand direkt zitierter Abschnitte wird nachfolgend der Struktur dieses Werkes gefolgt werden. Hierdurch wird nicht nur auf die Grundstruktur einer Software für ununterbrochenes Commoning geschlossen, sondern auch dargestellt, wie Formen softwareunabhängiger Selbstorganisation aus dieser Vermittlungsform entstehen bzw. sich in diese Struktur integrieren können. Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, wie diese Software tatsächlich zeitlos werden und ihre Funktion als Werkzeug zur Herstellung und Erhaltung einer von Commoning bestimmten Gesellschaft immer effizienter erfüllen kann.

Die Textreihe „Ein Softwarekonzept für ununterbrochenes Commoning“ ist die Konkretisierung dieser Interpretation.

Zum pdf: The Timeless Way of Re-Production

THE TIMELESS WAY

„There is one timeless way of building. […] It is so powerful and fundamental that with its help you can make any building in the world as beautiful as any place that you have ever seen. It is so powerful, that with its help hundreds of people together can create a town, which is alive and vibrant, peaceful and relaxed, a town as beautiful as any town in history. And there is no other way in which a building or a town which lives can possibly be made.“ (7-8)

Die Eröffnungssätze aus „The Timeless Way of Building“ verdeutlichen sehr klar, dass Christopher Alexander absolut überzeugt von dem historischen Wert seiner Entdeckung ist. Dass jemand von seinen eigenen Ideen überzeugt ist und sie für weltgeschichtlich bedeutend hält, ist dabei nichts Besonderes. Aber als These angenommen, dass Alexander mit seiner Einschätzung Recht hat – vielleicht sogar damit, dass es der einzige Weg ist –, und weiter angenommen, dass diese vorliegende Interpretation auf die Re-Produktionsweise nach Commons-Prinzipien sinnvoll ist; dann stünde uns die Gesellschaft nach Bedürfnissen und Fähigkeiten als konkrete Möglichkeit gegenüber, dann müssten wir sie „nur noch“ realisieren. Und auch wenn dieses „nur noch“ in Anführungszeichen steht, hätten wir statt einer vagen Hoffnung ein konkretes Ziel und eine konkrete Handlungsmöglichkeit, mit welcher diese neue Gesellschaftsform aus der Alten heraus entstehen kann. Und die Software selbst, zu deren Konzeption diese Interpretation dient, ist ein Werkzeug zu diesem Zweck.

Noch zwei Anmerkungen zu diesem ersten Zitat:

  1. Wenn Alexander über Architektur redet, wird hier Commoning verstanden. Das erscheint erst einmal ungewohnt. Der Gedanke dazu ist, dass Alexander zwar Architekt ist, aber die Architektur nur der ihm naheliegende Gegenstand zur Anwendung einer allgemeingültigen Methode war. Die Methode selbst wird allerdings erst nach dieser Interpretation, im Anhang, erläutert.
  2. Wenn auch die Analyse des Bestehenden im Bezug auf das Commoning für die Sache der Transformation unbedingt notwendig ist, wird in diesem Text ausschließlich die Struktur des ununterbrochenen Commonings betrachtet. Die Abstraktion geht so weit, dass auch von bestehenden Eigentumsverhältnissen abgesehen wird und sämtliche Mittel als allgemein verfügbar und als dem Zweck der Bedürfnisbefriedigung untergeordnet verstanden werden.

„This one way of building has always existed. But it has become possible to identify it, only now, by going to a level of analysis which is deep enough to show what is invariant in all the different versions of this way.” (10-11)

Commoning ist das miteinander-Teilen, das Beitragen, das Konflikte-auf-Augenhöhe-klären, das füreinander-Dasein. Es ist nichts Neues, ganz im Gegenteil: Die Kooperation zur Herstellung und Erhaltung der gemeinsamen Lebensbedingungen ist das, was uns als Spezies seit jeher ausmacht, aber in einer unbegrenzten Form noch nie gesellschaftlich bestimmend sein konnte. In gewissen Sinne ist diese Form des Commonings, welche mit der Entstehung des Internets überhaupt erst denkbar wurde, damit die Rückbesinnung auf eine vor-gesellschaftliche Beziehungsform, die romantisch verklärt sein könnte, aber jetzt in einem grenzenlosen Maßstab realisiert werden kann.

„At this level of analysis, we can compare many different building processes. And it turns out that, invariant, behind all processes which allow us to make buildings live, there is a single common process. But though this method is precise, it cannot be used mechanically. Indeed it turns out, in the end, that what this method does is simply free us from all method.“ (12-13)

Zweck des Commonings ist die Befriedigung vermittelter Bedürfnisse. Welche Bedürfnisse eine Person hat, genauso welchen Bedürfnissen sich eine Person annehmen möchte, kann diese dabei nur selbst wissen. Es gibt keine Autorität – sei es ein Planungskomitee, sei es ein Computer-Algorithmus –, welche eine Gesellschaft nach Bedürfnissen einrichten kann. Die zu entwickelnde Software ist daher auch keine Entscheidungsinstanz. Es ist ein Werkzeug, das ununterbrochene gesellschaftliche Kooperation zur generellen Bedürfnisbefriedigung ermöglichen soll. Aber die Software selbst ist nur die vermittelnde Instanz. Davon abstrahiert bleiben nur Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, weil das gute Leben des einen abhängig ist von dem guten Leben des anderen.

„To purge ourselves of these illusions, to become free of all the artificial images of order which distort the nature that is in us, we must first learn a discipline which teaches us the true relationship between ourselves and our surroundings.” (15-16)

Über die Software sollen die gesellschaftlichen Kooperationsprozesse von der Verwendung des Naturvermögens und deren Erhaltung bis zur komplexen Produktion und dem Bereich der Fürsorge transparent werden. Und was bei Alexander das Erlernen einer Disziplin ist, wird hier zur Funktion einer Software. Wenn es an etwas fehlt, dann muss einsichtig sein, wo sich eingebracht werden kann, um diesen Mangel zu beheben. Wenn etwas gelernt werden will, dann muss einsichtig sein, wo es gelernt und ausgelebt werden kann. Die eigenen Bedürfnisse mögen auf den eigenen Körper begrentzt sein, aber sind bezogen auf sämtliche Orte, an denen wir sind, die Natur, die uns umgibt und auch auf das Wohlbefinden der Menschen, mit denen wir zu tun haben. All das umfasst die Struktur des ununterbrochenen Commonings in der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse. Ob das die „wahre Beziehung“ („true relationship“) zwischen uns und unserer Umwelt ist oder nicht – es ist diejenige, welche wir anstreben.

“Then, once this discipline has done its work, and we pricked the bubbles of illusion which we cling to now, we will be ready to give up the discipline, and act as nature does. This is the timeless way of building: learning the discipline – and shedding it.“ (16)

Zuletzt zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zwischen des über die Software vermittelten Commonings und Alexanders Vorstellung einer Utopie: Diese auf dem technischen Fortschritt basierende Form des Commonings ermöglicht komplexe Strukturen zur generellen Bedürfnisbefriedigung und ermöglicht darin auch Räume der Selbstorganisation, welche Teil des Gesamtprozesses bleiben, in denen die Vermittlung über die Software allerdings nicht bestimmend ist. Die gesamtgesellschaftliche Koordination beruht allerdings auf dem Medium selbst, kann also nicht „erlernt“ und das Werkzeug kann nicht abgeworfen werden („shedding it“). Sobald keine Werkzeuge wie die hier beschriebene Software mehr verwendet werden, verliert sich auch die gesellschaftliche Transparenz. Und mit ihr nehmen die Möglichkeiten ab, wie sich in die gesellschaftliche Struktur eingebracht werden kann. Und mit ihr nimmt die Anzahl an Menschen ab, die sich prinzipiell den eigenen Bedürfnissen annehmen können und immer mehr Bedürfnisse bleiben dadurch wieder unbefriedigt. Ein wesentlicher Unterschied in der Vision – aber irrelevant für die Vorgehensweise an sich.

THE QUALITY

“We have been taught that there is no objective difference between good buildings and bad, good towns and bad. – The fact is that the difference between a good building and a bad building, between a good town and a bad town, is an objective matter. It is the difference between health and sickness, wholeness and dividedness, self-maintenance and self-destruction. In a world which is healthy, whole, alive, and self-maintaining, people themselves can be alive and self-creating. In a world which is unwhole and self-destroying, people cannot be alive: they will inevitably themselves be self-destroying, and miserable. – But it is easy to understand why people believe so firmly that there is no single, solid basis for the difference between good building and bad. – It happens because the single central quality which makes the difference cannot be named” (25)

Christopher Alexander macht sich folgend auf die Suche nach dieser Qualität ohne Namen, wie Marx sich auf die Suche nach dem Wert macht. Und wie Marx den Wert in den Dingen sucht, die nicht für einen selbst, sondern für den Markt und damit für andere produziert werden, sucht Alexander die Qualität als Essenz von Orten, an denen sich Menschen lebendig fühlen. Für beide ist schließlich das Resultat ihrer Suche der Ausgangspunkt, von welchem aus sie ein vollständiges System beschreiben können. Doch während der Wert bei Marx die Ware als einen äußeren Träger hat, ist die Qualität ohne Namen bei Alexander ein innerer Zustand.

„And [the quality] happens when our inner forces are resolved – And when a person’s forces are resolved, it makes us feel at home, because we know, by some sixth sense, that there are no other unexpected forces lurking underground. He acts according to the nature of the situations he is in, without distorting them. There are no guiding images in his behavior, no hidden forces; he is simply free. And so, we feel relaxed and peaceful in his company“ (51)

Im parallel zu „The Timeless Way of Building“ entstanden Werk „The Pattern Language“ hat Christopher Alexander architektonische Muster herausgestellt, welche diese Qualität ohne Namen hervorbringen sollen. Diese Qualität entsteht, indem diese Muster schrittweise angewendet werden um innere Spannungen („inner forces“) aufzulösen.

Für das Commoning wird die Qualität ohne Namen als Zustand interpretiert, in welchem alle eigenen Bedürfnisse befriedigt sind. Die Spannungen werden dabei als Aufwand betrachtet, welcher für die Bedürfnisbefriedigung notwendig ist. Ein Bedürfnis „hat“ daher nicht eine bestimmte Spannung, sondern diese ergibt sich erst durch die Möglichkeiten der Befriedigung und ist umso höher, je aufwendiger die Bedürfnisbefriedigung ist. Und jede Tätigkeit im Commoning hat den Zweck der Bedürfnisbefriedigung, sprich, der Auflösung von solchen Spannungen. Auf Softwareebene sind diese Tätigkeiten dabei als Tätigkeitsmuster beschrieben. Als solche Tätigkeitsmuster lassen sie sich über die Software abrufen und können potentiell jeder Person beschreiben, wie eine bestimmte Spannung abgebaut werden kann. Die Qualität eines Tätigkeitsmusters sagt dabei aus, inwiefern eine darin beschriebene Tätigkeit dazu geeignet ist, im jeweiligen Umfeld das Bedürfnis zu befriedigen und außerdem, welcher Aufwand dazu notwendig ist.

[…]

Anmerkung Keimform.de: Auf Grund seiner Länge wird der Essay hier nicht vollständig veröffentlicht, kann aber sehr gerne an dieser Stelle diskutiert werden.

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Kategorien: Freie Software, Theorie

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15. Dezember 2019, 15:00 Uhr   6 Kommentare

1 Annette (07.01.2020, 15:54 Uhr)

Das ist ja eine (für mich) völlig neue Konzeption, in die Du viel Arbeit gesteckt hast. Respekt! Sie scheint die Konkretheit wie bei Silkes Konzept mit der Abstraktheit von Stefan und Simon (Abstraktion von bestehenden ETV) zu vereinen. Konkret werden bei Dir andere Muster des Commonings gedacht, als bei Silke und David (bei Dir Tätigkeitsmuster, bei Silke doch eher Vorgehensprinzipien).

Was ich gut finde, ist, das durch die Muster die Qualität hineinkommt in die Überlegungen und bei den Prozessen diese Qualität auch an den Aufwand gebunden wird, so dass Fragen der „Tätigkeitsproduktivität“ nicht mehr außen vor bleiben.

Auch der konkrete Sinn der Software wird bestimmt (und damit auch auf das Nötige eingegrenzt): Transparenz und Vorschlag sinnvoller Konfigurationen, d.h. Erfahrungs-Aufbewahrung.

Was mir nicht ganz klar ist, ist die Einordnung der einzelnen Vorstellungen in konkrete Kontexte: Es wird eine Utopie außerhalb der jetzigen Eigentumsverhältnisse in zwei Phasen vorgestellt: 1. vor dem Dominanzwechsel (mit viel Software), 2. nach dem Dominanzwechsel, wo viel Software nicht mehr nötig ist. Wir haben damit wieder die Sozialismus/Kommunismus-Unterscheidung:
1. noch Kapitalismus (alte Eigentumsverhältnisse) – 2. 1. Phase mit viel Software, 2. mit kaum noch Software. Aber wie wir von 1.zu 2. kommen, bleibt nach wie vor offen. Und genau so, wie die sozialistische Phase (vielleicht) gar nicht nötig war/wäre, ist/konnte sein die 1. Phase mit viel Software auch nicht nötig sein? Früher hatte ich Dein Konzept so verstanden, Marcus, dass es jetzt schon beginnen soll – dann kann man aber von den Eigentumsverhältnisse nicht abstrahieren…

Einige Meckerpunkte habe ich noch:

1. „Rückbesinnung auf vorgesellschaftliche Beziehungsform“ – da legst Du einen ungünstigen Begriff von „Gesellschaft“ zugrunde. In unserem Kontext gehört die Gesellschaftlichkeit zu den Menschen, es gibt keine ungesellschaftlichen Menschen.

2. Die Frage der Transparenz: Es ist schwer zu entscheiden, was der Softwaretransparenz unterliegt – du schreibst eine Seite weiter: „soweit es über die Software vermittelt werden kann“. Derzeit nimmt die Dokumentation z.B. von Pflege innerhalb der kapitalistisch-kommerzialisierten Weise wohl fast so viel Aufwand ein wie die Pflege selbst… Ich möchte das nicht weiter erhalten oder gar ausbauen! (das scheint nach dem Dominanzwechsel dann auch nicht mehr nötig zu sein 😉 )

3. Von Alexander ist übernommen, dass die Tätigkeiten „ohne Vorkenntnis“ übertragbar sein sollen. Das sehe ich in vielen Fällen als nicht umsetzbar an. Viele Tätigkeiten brauchen Kenntnisse, auch wenn für die wissenden Menschen dann natürlich viel Anwendungswissen auch jetzt schon in Expertensystemen usw. transparent gemacht werden kann. Ich möchte wirklich, dass Ärzte lange Zeit genau studiert haben, was im Körper passiert, bevor sie Empfehlungen von Expertensystemen folgen. Und die Konstruktion eines neuen Mikroskops für spezielle Anwendungen braucht hochspezialisiertes optisches und elektronisches und fertigungstechnisches KnowHow, das man sich in einigen Jahren systematisch angeeignet haben muss, statt nur Vorgaben zu folgen wie „Drehe die Schraube an der gezeigten Stelle X ein“.

4. Ich weiß nicht, wie Du das mit der Vollständigkeit der Mustersprache meinst. Einerseits sollen immer neue Erfahrungen einfließen, andererseits sprichst Du davon, dass „eine vollständige Mustersprache“ zu „jedem Problem Lösungen“ anbieten soll. Eine solche Vollständigkeit ist dann wohl eher ein nie erreichbares und auch nicht wirklich wünschbares Ideal…

5. Die Software soll es ermöglichen, auch im Fall von Krisen und Engpässen daran gemeinsam zu arbeiten… bisher war es wohl nie ein Informationsproblem, das dazu führte, dass Konflikte macht- und herrschaftsförmig bearbeitet wurden. Deshalb ist die Transparenz alleine auch nicht das Allheilmittel…

6. Angesichts meiner Erfahrungen mit der allgemeinen Mangelwirtschaft in der DDR vermute ich leider, dass vor allem der Satz „Sind alle Mittel für eine bestimmte Tätigkeit verfügbar gemacht worden, kann diese einen Bedarf der übergeordneten Tätigkeit decken usw., bis schließlich als letzter Schritt das Bedürfnis selbst befriedigt wird.“ zu utopisch ist. Es gibt viel zu viele Störungs- und Mangelsituationen auf diesem Weg. Es ginge nur auf, wenn eben von vornherein alle Ressourcen in ausreichender Menge zur Verfügung stünden. Das nun ist nicht nur eine Frage der Eigentumsverhältnisse, sondern auch der sachlichen objektiven Möglichkeiten (was Marx ja auch als Voraussetzung gesehen hatte, damit der „ganze alte Scheiße“ (MEW 3: 35) sich nicht wieder herstellen muss… Marx meinte damals Mangel, der aus ungenügender Produktivkraftentwicklung herrührt; wir bekommen mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahrzehnten einen, der aus zu stark entwickelten Destruktivkräften herrührt).

Noch eine allgemeine (Kassandra-)Bemerkung: Vor allem seit ich die vielen Utopien gelesen habe, bei denen sich Leute schon jahrhundertelang Gedanken über eine endgültig vernünftige Organisierung des Lebens gemacht haben, werde ich immer skeptischer. Ausdenken kann man sich vieles. Das, was in der Geschichte dann jeweils neu entstanden ist, ist eigentlich nie solchem Vorgedachten gefolgt (Eine Ausnahme ist vielleicht die bürgerliche Demokratie aus Konzepten von vor der frz. und der amerikanischen Revolution), sondern ergab sich aus ganz anderen Faktoren.

Ich kenne die Überlegung, dass wir wissen müssten, wo wir hinwollen, bevor wir (und auch andere) das Gegebene aufgeben und uns freudig dem Neuen zuwenden können. Aber es war geschichtlich nie so. Oder nur als Illusion. Dass sich das ändern sollte… da hilft auch das Internet nicht weiter. Jede Zeit dachte, genau ihre Mittel wären die nun endlich Richtigen…

Es gibt bei Kim Stanley Robinson übrigens folgende Stelle über die Mustersprache auf dem utopischen Mars:

„Das waren häufig Leute, die eine Idealvorstellung davon hatten, was sie wollten; manche liefen mit zerfledderten Exemplaren von „Eine-Muster-Sprache“oder irgendeiner anderen Design-Fibel unter dem Arm herum oder surften im Web nach Dingen, die ihnen gefielen. Aber schon nach kurzer Zeit zogen Leute in jeden Krater, über die die ursprüngliche Gruppe keine Kontrolle mehr hatte, und dann kam es auf die spontane Selbstorganisation der Gruppe an, einen Prozess, der außerordentlich gut funktioniert, wenn die Gruppe in sozialer Hinsicht intakt ist.“ (Die Marsianer, 1999/2002: 439-440)Das soll niemanden davon abhalten, solche Desing-Fibeln zu erarbeiten… aber den Chrash-Test der Konkretheit müssen sie dann schon noch bestehen.

2 Marcus Meindel (08.01.2020, 02:17 Uhr)

Hallo Annette,

vielen Dank erst einmal für deine Anmerkungen und deine Kritik. Ich weiß das sehr zu schätzen!

Und es freut mich auch sehr, dass du mit der Herangehensweise etwas anfangen kannst!

Zu den Punkten:

Was mir nicht ganz klar ist, ist die Einordnung der einzelnen
Vorstellungen in konkrete Kontexte: Es wird eine Utopie außerhalb der
jetzigen Eigentumsverhältnisse in zwei Phasen vorgestellt: 1. vor dem
Dominanzwechsel (mit viel Software), 2. nach dem Dominanzwechsel, wo
viel Software nicht mehr nötig ist.

Das ist vielleicht missverständlich. Es wird immer nur die Funktionsweise der Software vorgestellt. Der Fünfschritt in der zweiten Hälfte des vierten Kapitels bezieht sich lediglich auf Teilbereiche der Struktur des ununterbrochenen Commonings, in denen Softwarevermittlung hinderlich wird und softwareunabhängige Regelsetzungen/Tätigkeitskoordinationen sinnvoller werden. Die Sofware soll solche Prozesse unterstützen und schließlich als Schnittstelle dienen, damit auch diese Tätigkeiten Teil der komplexen/tiefen Re-Produktionsprozesse werden können. Im Gegensatz zur Anwendung des Fünfschritts im „Ausdehnungsdrang moderner Commons“ ist damit aber nie die gesamt-gesellschaftliche Ebene gemeint und es soll auch nicht impliziert werden, dass die Software (bzw. eine Software mit ähnlichen Funktionen) nicht mehr notwendig wird.

Am Ende des ersten Kapitels schreibe ich dazu: “ Zuletzt zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zwischen des über die Software vermittelten Commonings und Alexanders Vorstellung einer Utopie: Diese auf dem technischen Fortschritt basierende Form des Commonings ermöglicht komplexe Strukturen zur generellen Bedürfnisbefriedigung und ermöglicht darin auch Räume der Selbstorganisation, welche Teil des Gesamtprozesses bleiben, in denen die Vermittlung über die Software allerdings nicht bestimmend ist. Die gesamtgesellschaftliche Koordination beruht allerdings auf dem Medium selbst, kann also nicht „erlernt“ und das Werkzeug kann nicht abgeworfen werden („shedding it“). Sobald keine Werkzeuge wie die hier beschriebene Software mehr verwendet werden, verliert sich auch die gesellschaftliche Transparenz [usw.usf.]“ (Seite 4).

„Früher hatte ich Dein Konzept so verstanden, Marcus, dass es jetzt schon
beginnen soll – dann kann man aber von den Eigentumsverhältnisse nicht
abstrahieren… „

Im Text abstrahiere ich von den Eigentumsverhältnissen, da die Frage danach nichts mit der Struktur der Software zu tun hat. Commoning – so wie ich es verstehe – kann schließlich auch mit privaten Mitteln betrieben werden und diese können auch für andere Zwecke zur Verfügung gestellt werden. Es kann also auf jeden Fall heute damit angefangen werden. Für das Projekt der konkreten Umsetzung habe ich die Tage ein paar Design-Skizzen gemacht und in einer wird das vielleicht noch einmal deutlich: Mittel-Konfiguration. (hier sind übrigens noch die paar anderen, bei Interesse)

„1. „Rückbesinnung auf vorgesellschaftliche Beziehungsform“ – da legst Du
einen ungünstigen Begriff von „Gesellschaft“ zugrunde. In unserem
Kontext gehört die Gesellschaftlichkeit zu den Menschen, es gibt keine
ungesellschaftlichen Menschen.“

Das ist spannend und das ist wohl wirklich einfach ein Fehler meinerseits. Aber einer der für den Text keine Konsequenzen nach sich zieht. Auf meiner To-Do-Liste steht auch die Einarbeitung in die Kritische Psychologie als wichtiger Punkt, aber in meinem inneren Terminplaner ist er gerade etwa auf Frühling 2022 gerutscht und so lange wird mir so etwas wohl noch öfter passieren. Danke für die Anmerkung, wird gerne ausgebessert!

„2. Die Frage der Transparenz: Es ist schwer zu entscheiden, was der
Softwaretransparenz unterliegt – du schreibst eine Seite weiter: „soweit
es über die Software vermittelt werden kann“. Derzeit nimmt die
Dokumentation z.B. von Pflege innerhalb der
kapitalistisch-kommerzialisierten Weise wohl fast so viel Aufwand ein
wie die Pflege selbst… Ich möchte das nicht weiter erhalten oder gar
ausbauen! (das scheint nach dem Dominanzwechsel dann auch nicht mehr
nötig zu sein)“

Das hängt für mich mit dieser Fünfschritt-Geschichte mit der Integration von nicht-Software-vermittelten Zusammenschlüssen zusammen. Das klingt nach einer Situation, in welcher die Software ein Hemmnis in der Vermittlung wird und nur abgefragt werden soll, was die in der Pflege Tätigen benötigen und wessen Bedürfnisse sie befriedigen. Das große Probleme ist für mich dabei wieder die Aufwandsbestimmung – ein Thema, bei dem ich mir sowieso gerade die Zähne ausbeiße und das ich wohl auch im Verlauf der Textreihe hier zur Diskussion stelle – einfach, weil ich da an manchen Stellen wirklich ratlos bin und Unterstützung brauche.

„3. Von Alexander ist übernommen, dass die Tätigkeiten „ohne Vorkenntnis“
übertragbar sein sollen. Das sehe ich in vielen Fällen als nicht
umsetzbar an. Viele Tätigkeiten brauchen Kenntnisse, auch wenn für die
wissenden Menschen dann natürlich viel Anwendungswissen auch jetzt schon
in Expertensystemen usw. transparent gemacht werden kann. […]“

Auf jeden Fall, da gebe ich dir in allem Recht. Im Text steht dabei auch nur eine Endnote, die auf einen (noch nicht erschienenen) Text der Software-Konzept-Reihe verweist und in dem zwischen Fähigkeit und Qualifikation unterschieden wird. Fähigkeit als etwas, das selbst bestimmt wird und Qualifikation als etwas, das erteilt wird und Bedingung dafür ist, sich einer bestimmten Tätigkeit anzunehmen. Der entsprechende Text ist übrigens auch der nächste, der erscheinen wird („Fähigkeiten, Qualifikation, Tätigkeitsgewichtung“).

Hier angemerkt: Es ist auch wirklich problematisch, dass manche Informationen nur in der Textreihe und manche nur im Essay stehen. Ich hoffe einen Verlag zur Veröffentlichung beider Texte zu finden, in welchem solche Verbindungen durch ein gutes Layout unterstützt werden können.

„4. Ich weiß nicht, wie Du das mit der Vollständigkeit der
Mustersprache meinst. Einerseits sollen immer neue Erfahrungen
einfließen, andererseits sprichst Du davon, dass „eine vollständige
Mustersprache“ zu „jedem Problem Lösungen“ anbieten soll. Eine solche
Vollständigkeit ist dann wohl eher ein nie erreichbares und auch nicht
wirklich wünschbares Ideal…“

Da hast du Recht – da bin ich gedanklich gar nicht länger eingestiegen. Selbstverständlich kann es nur ein Ideal sein. Ich verbessere das noch im Text, vielen Dank.

5. Die Software soll es ermöglichen, auch im Fall von Krisen und
Engpässen daran gemeinsam zu arbeiten… bisher war es wohl nie ein
Informationsproblem, das dazu führte, dass Konflikte macht- und
herrschaftsförmig bearbeitet wurden. Deshalb ist die Transparenz alleine
auch nicht das Allheilmittel…

Das stimmt schon, aber es geht ja weiter darum, den Möglichkeitsraum zu erweitern. Konflikte werden heute (und sicher auch morgen) herrschaftsförmig bearbeitet, aber über die Software entsteht eine neue Möglichkeit solche Krisen und Konflikte auch nicht-herrschaftsförmig zu bearbeiten. Und das natürlich auch nur im entsprechenden (politischen) Kontext usw. usf.

„6. Angesichts meiner Erfahrungen mit der allgemeinen Mangelwirtschaft in
der DDR vermute ich leider, dass vor allem der Satz „Sind alle Mittel
für eine bestimmte Tätigkeit verfügbar gemacht worden, kann diese einen
Bedarf der übergeordneten Tätigkeit decken usw., bis schließlich als
letzter Schritt das Bedürfnis selbst befriedigt wird.“ zu utopisch ist.
Es gibt viel zu viele Störungs- und Mangelsituationen auf diesem Weg.[…]“

Im Text (hauptsächlich während des Fünfschritts) werden Funktionen beschrieben, wie solche Störungen abgemildert werden können. Und die Konfigurationen der Software passen sich über die Qualität der Tätigkeiten den jeweiligen verfügbaren Mitteln an bzw. lassen sich im Problemfall anpassen. Außerdem meine ich, dass die Produktivkraftentwicklung ja in den letzten 150 Jahren enorm zugenommen hat und tatsächlich wesentlich weniger Aufwand benötigt wird, um verfügbar zu machen, was wir zum Leben brauchen/wollen. Entweder ich verstehe den Punkt nicht oder ich teile die Kritik daran nicht. Außer natürlich den Moment, dass es einen gewichtigen Unterschied zwischen der Struktur in der Theorie und ihrer praktischen Umsetzung gibt.

„Noch eine allgemeine (Kassandra-)Bemerkung: Vor allem seit ich die
vielen Utopien gelesen habe, bei denen sich Leute schon jahrhundertelang
Gedanken über eine endgültig vernünftige Organisierung des Lebens
gemacht haben, werde ich immer skeptischer. Ausdenken kann man sich
vieles. Das, was in der Geschichte dann jeweils neu entstanden ist, ist
eigentlich nie solchem Vorgedachten gefolgt (Eine Ausnahme ist
vielleicht die bürgerliche Demokratie aus Konzepten von vor der frz. und
der amerikanischen Revolution), sondern ergab sich aus ganz anderen
Faktoren.“

Dem will ich aber vehement widersprechen. Es geht hier nicht darum eine Utopie zu entwerfen, sondern eine bestimmte Vermittlungsform, die Commoning auf eine bestimmte Weise unterstützen soll. Die Vermittlungsform soll dabei nicht die einzige sein und durch die Möglichkeit der heutigen Realisierung ist das kein bloßes Ausmalen. Irgendwo im Text (okay: Seite 31) schreibe ich dazu: „Denn, und das nur eine allgemeine Erinnerung, das softwarevermittelte Commoning ist lediglich eine Vermittlungsform und kann nur das abbilden und nur das unterstützen, was von den Beteiligten gewollt ist. Es ist ein Werkzeug um Commoning auf gesamtgesellschaftlicher Ebene überhaupt betreiben zu können, aber nur ein Aspekt des Commonings an sich. […]“

„Ich kenne die Überlegung, dass wir wissen müssten, wo wir hinwollen,
bevor wir (und auch andere) das Gegebene aufgeben und uns freudig dem
Neuen zuwenden können. Aber es war geschichtlich nie so. Oder nur als
Illusion. Dass sich das ändern sollte… da hilft auch das Internet nicht
weiter. Jede Zeit dachte, genau ihre Mittel wären die nun endlich
Richtigen…“

Nungut, da unterscheiden wir uns wohl tatsächlich 🙂 . Ich verstehe deine Einstellung meinem Optimismus gegenüber, aber ich sehe das Internet und das darin liegende Potential wirklich als so etwas qualitativ Neues und Andersartiges, dass wirklich eine solche Gesellschaftsform m.M.n. erstmals überhaupt gedacht werden kann. Aber vielleicht täusche ich mich. Aber ich glaube es nicht 😉

Zuletzt und ohne Zitat: Super witzig, dass Robinson in dem Buch von der Mustersprache redet! Also wirklich witzig! Ich dachte nicht, dass das Buch so verbreitet ist. Um auf den Inhalt einzugehen, fehlt mir jetzt ein wenig Kontext und die zweite Hälfte finde ich fast ein wenig merkwürdig – aber super witzig!

In dem Sinne noch einmal: Vielen lieben Dank für Anmerkungen und Kritik!

3 Annette (08.01.2020, 16:10 Uhr)

Hallo Marcus,
danke für Deine ausführliche Reaktion auf meinen Kommentar. Ja, vieles ist gedanklich und konzeptionell in Bewegung, manches nicht überall vollständig ausgeführt.

Bei einem wichtigen Punkt möchte ich aber noch  mal einhaken: Du schreibst: „Außerdem meine ich, dass die Produktivkraftentwicklung ja in den letzten
150 Jahren enorm zugenommen hat und tatsächlich wesentlich weniger
Aufwand benötigt wird, um verfügbar zu machen, was wir zum Leben
brauchen/wollen.“
Die PKE hat wirklich enorm zugenommen – das nützt uns aber immer weniger, weil die Destruktivkraftentwicklung sie längst überkompensiert. Ich sehe da zwei Probleme:
1. Die PKE hatte wenigstens im 20. Jhd. noch  nicht ausgereicht (denn bei allen zurechenbaren Fehlern ist dies m.E. eine wichtige objektive  Grundlage dafür, dass es mit dem Realsozialismus nicht geklappt hat). (Anscheinend hat ja wenigstens das Internet noch gefehlt, das es nun wirklich nicht seit 150 Jahren gab). Diese DDR-Erfahrung, dass „die Decke an allen Ecken und Enden immer zu kurz“ war“ prägt mich ziemlich und an viele schnell hingeworfene „Lösungen“ wie: Die materiellen Bedürfnisse sind dann nicht mehr so hoch, oder: Da findet sich dann schon jemand, der das macht und die Ressourcen irgendwo  her bekommt… glaube ich deshalb nicht.

2. das eben Angesprochene: Wahrscheinlich müssen wir erst mal viel lebendige Arbeit aufwenden, um in den mindestens witterungsbedingten Nicht-Normal-Zuständen überhaupt genügend Nahrungsmittel bereit zu stellen…

und 3.: Insofern die Steigerung der Produktivkraft auf der Steigerung der Nutzung fossiler Energie beruhte, müssen wir auch hier darüber nachdenken, dass diese Entwicklung mit Erneuerbaren nicht weiter geführt werden kann.

Ich glaube, die sehr starke  Hoffnung darauf, dass die PK genügend weit entwickelt sind und uns das hilft, ist ein Audruck unserer privilegierten Lage – daran sollten wir auch immer mal denken.

4 Benni Bärmann (10.01.2020, 18:45 Uhr)

Ich denke nicht, dass die PKE irgendwas mit der Möglichkeit des Kommunismus zu tun hat. Weder so noch so. Warum sollte sie? Also jetzt mal jenseits von veralteten Histomat-Vorstellungen.

Bedürfnisse und Fähigkeiten kann man auf jeder PK-Stufe miteinander vermitteln mit den Mitteln die gerade halt zur Verfügung stehen. Irgendwie erinnert mich das an https://keimform.de/2014/fragen-an-meinen-freund-den-replikatorkommunisten/

5 Christian Siefkes (11.01.2020, 18:35 Uhr)

@Benni:

Ich denke nicht, dass die PKE irgendwas mit der Möglichkeit des Kommunismus zu tun hat.

Ich bin ja selbst skeptisch in Hinblick auf Tendenzen, die Bedeutung der Produktivkraftentwicklung zu überschätzen oder aus ihr gar einen Automatismus abzuleiten. Aber schüttest du da das Kind nicht mit dem Badewasser aus? Wenn der Stand der Produktivkräfte gar keine Rolle spielen sollte, stellt sich doch die Frage, warum es in den letzten 10.000 Jahren nicht geklappt hat mit dem Kommunismus? Und warum sollte sich das dann ausgerechnet in den nächsten 50 oder 100 oder 200 Jahren ändern?

Wenn die Produktiv- oder auch Destruktivkräfte irrelevant sind, landet man dann nicht bei einem reinen Idealismus? Es müssen nur hinreichend viele Menschen hinreichend stark wollen – und/oder hinreichend erfolgreich kämpfen – dann klappt’s auch mit dem Kommunismus?

6 Benni Bärmann (11.01.2020, 23:22 Uhr)

@Christian: Nein, die Art, wie sich der Kommunismus durchsetzen kann, ist natürlich abhängig von der PKE.

Der Kommunismus setzt sich überall da durch, wo die Prämissen unseres
Denkens und Handelns keine anderen sind, als die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Beteiligten
Menschen.
Außerdem denke ich, dass der Kommunismus sich in den letzten 10.000 Jahren immer wieder durchgesetzt hat, halt nur nicht global und nicht dauerhaft.  Das kommt jeden Tag seit Ewigkeiten überall auf der Welt vor.

Für einen _globalen_ Kommunismus braucht man aber natürlich schon eine globale Entwicklung der PK.

Und was den Volontarismusvorwurf angeht: Das wäre ja nur so, wenn die Art in der sich der Kommunismus durchsetzt auch unabhängig von den PKE wäre. Ich sage nur dass die _Möglichkeit_ des Kommunismus unabhängig davon ist. Aber selbstverständlich gibt es keinen Kommunismus wenn ihn niemand will und niemand dafür kämpft, alles andere wäre ja Determinismus.

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