Schlagwort: peer-production

Gemeingüterreport: Wohlstand durch Teilen

Titelseite des GemeingüterreportsSilke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und ich haben ein kleines Buch – einen Report – geschrieben. Es geht darin – wieder einmal – um die Gemeingüter. Während Silkes letztes Buchprojekt zum Thema (in dem ich mit einem Beitrag [PDF] vertreten bin) recht dick und wissenschaftlich ausgefallen ist, ging es uns diesmal um eine leicht verständliche und gut lesbare Einführung ins Thema.

Wir erzählen die Geschichte und Philosophie der Commons in vielen kleinen Geschichten, die insgesamt hoffentlich ein gutes Bild davon vermitteln, was Gemeingüter ausmacht, wie sie funktionieren und warum sie wesentlich sind. Auf 50 mit vielen Zitaten, Grafiken und bunten Bildern geschmückten Seiten führen wir so in ein Thema ein, das in der Öffentlichkeit zuletzt mit dem Nobelpreis für die Commons-Forscherin Elinor Ostrom Schlagzeilen gemacht hat. Keimform-Leser/innen sind die Commons natürlich bestens vertraut, trotzdem glaube ich dass bei Lektüre des Reports jede/r noch die eine oder andere Erkenntnis oder Anregung finden wird!
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Commons und Eigentum — Vortrag

Frisch vom BUKO-Commons-Seminar in der Villa Locomuna in Kassel hier mein Vortrag zum Thema Commons und Eigentum — entweder als Download (PDF) oder direkt zum Ansehen (diesmal leider ohne Ton):

The Earth’s the Limit (1)

The vision of post-scarcity is a popular but controversial meme in the debates of peer production. Post-scarcity envisions a world where everything is free as in free beer, where no payment or accounting is requirement for anything you use. Post-scarcity ideas usually rely very strongly on advanced technology, postulating that almost everything can be automated—or at least, everything that’s not fun and pleasant to do. Post-scarcity theorists also believe that advanced technology can provide enough natural resources and enough energy in order to satisfy everyone’s needs and wishes, possibly through extracting resources from space or through speculative future technologies such as nuclear fusion power.

A weak form of post-scarcity thinking is present in one of the founding documents of the free software movement, Richard Stallman’s GNU Manifesto (“weak” because there are still necessary tasks that are neither fun nor automated away):

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Eine neue Phase

Die Existenz des Internets hat ganz neue Möglichkeiten für Commons Based Peer Production geschaffen. Schon von Beginn an, hat sich diese Produktionsweise parallel mit dem Internet verbreitet. Von Anfang der 90er Jahre an gab es ebenso parallel mit dem Internetboom einen Peer-Production-Boom. In einer Vielzahl von Bereichen auch außerhalb des Netzes haben sich Menschen von diesem Boom inspirieren lassen. Dieses Blog ist voll von diesen Beispielen.

Ich denke aber, dass seit ca. 2-5 Jahren eine ganz neue Phase in dieser Entwicklung eingetreten ist. Ich will zunächst zwei Bedrohungen aufzählen, die ich charakteristisch für diese neue Phase halte: (mehr …)

Mit Hilfe von Computern den Kapitalismus ablösen

Stefan Merten, Maintainer des Oekonux-Netzwerkes, wurde im Rahmen der Tour de Lorraine 2010 von Marina Bolzli interviewt [Repost aus der Oekonux-Liste].

Abstract: So wie die mechanischen Erfindungen der Aufklärung Voraussetzung für die Entwicklung des Kapitalismus waren, so ist die Entwicklung von Computern Voraussetzung für das neue System“, sagt Stefan Merten, Betreiber der virtuellen Plattform Oekonux, die sich der wissenschaftlichen Bearbeitung des Themas verschrieben hat. Das neue System heisst Peer Production und soll dereinst den Kapitalismus ablösen.

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Die Commons in den Zeiten der Cholera

arranca-TitelblattDie Zeitschrift arranca! hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen Schwerpunkt zum Thema „Transformationsstrategien“. Ich habe dazu auch einen Artikel beigetragen, nämlich den hier:

Wie herauskommen aus dem kapitalistischen Elend? Wir müssen uns wohl vor allem erst einmal fragen, was nicht geht. Sei es aus analytischen Gründen, aus solchen der historischen Situation oder der historischen Erfahrung. Erst dann können wir anfangen zu überlegen, was gehen könnte. Ein recht anspruchsvolles Programm, für einen Zeitschriftenartikel.

Was nicht geht

Es gibt im Wesentlichen zwei Hauptströmungen linksradikaler Transformationsvorstellungen. Zum einen ist da der Politizismus, also die Vorstellung, der Kapitalismus ließe sich auf politischem Weg aufheben, durch eine Eroberung der Macht. Wenn man die Macht einmal hat, führt man dann schrittweise per Reform oder plötzlich per Revolution den Sozialismus ein. Die andere Strömung – man könnte sie Kooperatismus nennen – versucht in unmittelbaren, alltäglichen, konkreten Lebenszusammenhängen zu wirken. Von dort soll durch ein Zusammenwachsen oder Vernetzen dieser unterschiedlichen Basisinitiativen am Ende die Gesellschaft als Ganzes verändert werden. Heute findet man oft den Anspruch (und selten die Realität), irgendwie beides zu machen.

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Licht und Schatten — neun Blickwinkel der Kollaboration

1. Wenn wir an Arbeit und Produktion denken, sehen wir Peers, die Dateien verteilen, Beiträge zu Projekten leisten, auf Anstöße reagieren. Wir ärgern uns über die Ausbeutung der Arbeitenden und die Kapitalisierung der Arbeit.

2. Wenn wir an Eigentum und Besitz denken, sehen wir die genutzten, gepflegten und geschützten Gemeingüter. Wir ärgern uns über jeden Übergriff auf und die Einfriedung oder Privatisierung der Gemeingüter.

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Copyleft für Hardware – ein kniffliges Problem

[This article is also available in English.]

Das Copyleft hat beim Erfolg Freier Software eine wichtige Rolle gespielt. Copyleft stellt sicher, dass alle Versionen einer Software bzw. eines Dokuments frei bleiben. Es hindert Firmen daran, »verbesserte« Versionen eines Freien Programms zu privatisieren und als proprietäre Software zu verkaufen. Die erste und bekannteste Copyleft-Lizenz ist die GNU General Public License (GPL). Die GPL ist beliebter als alle anderen Lizenzen für Freie Software zusammen – sie wird für etwa 50–70% aller Freien Programme genutzt.

Auf den ersten Blick mag die Situation in den neu entstehenden Bereich Freie Hardware ähnlich aussehen. Auch hier sind Copyleft-Lizenzen wie die GPL und die Creative Commons BY-SA-Lizenz (Namensnennung + Weitergabe unter gleichen Bedingungen) sehr beliebt (siehe unten für eine detailliertere Analyse). Aber tatsächlich ist es um Freie Hardware ganz anders bestellt, denn das Copyleft stützt sich auf das Copyright bzw. Urheberrecht, und Hardware ist (in den meisten Fällen) nicht urheberrechtlich geschützt.
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The Tricky Business of “Copylefting” Hardware

[Diesen Artikel gibt es auch auf Deutsch.]

It’s probably safe to say that the copyleft principle has been essential for the success of free software. Copyleft means that all versions of a software or document will remain free, preventing companies from creating “value-added” versions of free programs and selling them as proprietary, non-free software. The GNU General Public License (GPL)—the first and most well-known incorporation of the copyleft principle—is used for about 50–70% of all free programs, making it more popular than all other free software licenses together.

At first sight, the situation in the newly emerging field of free and open hardware might seem similar—here, copyleft licenses such as the GPL and the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (BY-SA) are very popular too (see below for a more detailed analysis). But actually, the situation is very different for hardware design, since copyleft relies on copyright, and hardware is (in most cases) not protected by copyright law.
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Von kopierbaren Dingen, offenen Produktionsstätten und berührbaren Bits

Das Projekt »Tangible Bit« (»berührbares Bit«) will für materielle Produkte möglich machen, was für Freie Software schon geht: jede/r soll sie sich problemlos besorgen können, jede/r soll sich an ihrer Weiterentwicklung und Verbesserung beteiligen können, und jede/r soll sie an andere weitergeben und mit anderen teilen können

Wenn ich (z.B. bei einem Freund) eine Software sehe, die mich interessiert, kann ich sie ganz einfach selber installieren – entweder er kopiert sie mir oder ich besorge mir eine Kopie auf der Homepage der Software. Unter freien Betriebssystemen wie Linux und BSD geht es noch einfacher: dort gibt es sogenannte Repositories (Verzeichnisse) der verfügbaren Software. Dort muss ich nur den Namen des Softwareprogramms eingeben und auf Knopfdruck beginnt mein Computer mit der Installation desselben. Oft bestehen noch »Abhängigkeiten« zwischen Programmen: um eine Software B nutzen zu können, muss ich zunächst ein anderes Programm A installieren. Unter Windows habe ich mich darum selber zu kümmern – unter Linux nicht, da erledigt das Repository das automatisch.

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