Allmende, Gemeingut oder Gemeingüter?

Welches der Worte wurde in welcher Zeit benutzt? Die Antwort auf diese Frage gibt der NGram-Viewer. Und hier das Ergebnis (Klicken zum Vergrößern):

»Gemeingut« (rote Linie) ist wesentlich häufiger verwendet worden als »Allmende« oder »Allgemeingut«. Die heute durchaus gängige Verwendung in der Mehrzahl als »Gemeingüter« hat in der Vergangenheit kaum eine Rolle gespielt (die Ergebnisse gehen nur bis 2000). Überrascht hat mich die relativ hohe Bedeutung des Begriffs »Allgemeingut«, der teilweise »Gemeingut« abgelöst hat. Die Datenbasis stammt aus dem Google-Scanprojekt von Büchern. Der größte Corpus liegt in Englisch vor. Ergebnisse für »commons« und »public good« hat David Bollier zusammengestellt.

Brasilien: Das war’s mit der »Free Culture Nation«

Der erste Artikel in diesem Blog aus dem Jahr 2006 handelte u.a. von Brasilien als »Free Culture Nation«. Der berühmte Musiker Gilberto Gil beförderte damals als Kulturminister maßgeblich Freie Software und Freie Kultur und war für eine Lockerung des Copyrights (Legalisierung von nicht-kommerziellem Filesharing). Mit der Wahl von Dilma Rousseff ist das nun vorbei. Die designierte Kulturministerin Ana de Hollanda vollzieht eine Kehrtwende zum früheren Hardcore-Copyright. Die Creative-Commons-Lizenz wurde bereits von der Website des Kulturministeriums erfernt.

Community Anti-Patterns

Dave Neary, langjähriges Mitglied der GNOME-Foundation und Maintainer von maemo.org, hat auf der MeeGo-Konferenz im November 2010 einen interessanten Vortrag zur Frage gehalten, wie eine Community scheitern kann. Er wählte dafür den Begiff »Anti-Patterns« (nach Christopher Alexander), also etwa »Muster destruktiven Verhaltens«. Viele (nicht alle) der aus der Software-Entwicklung gewonnenen Beobachtungen lassen sich auf andere commons-basierte Projekte übertragen.

Zu Beginn des Vortrags erklärt Dave den Begriff »Pattern« (»Muster«) mit einem Picasso-Zitat: »Good artists copy, great artists steal« (»Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen«). Wenn man ein Muster von etwas wirklich versteht, dann nimmt man es in sich auf (»stiehlt es«) und verwendet im eigenen, neuen Sinn weiter, anstatt das unverstandene Muster nur nachzuahmen (»zu kopieren«).

Der Witz ist nun: Nachahmung funktioniert in Communities nicht! Aus bloßer Nachahmung können stattdessen Anti-Patterns entstehen, die Dave Neary dann in 8 Punkten beschreibt — inklusive Vorschlägen (die sich v.a. an Maintainer richten), damit umzugehen.

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»Kommunismus« in der TAZ

Kommunismus-Plakat in der TAZDas diskursive Kommunismus-Plakat von Benni und Wolfgang ist heute in der Printausgabe (und nur dort) der TAZ — nett!

Die Möglichkeiten, das Plakat in Farbe zu bekommen, werden im Artikel zum Plakat beschrieben. Oder ihr klingelt bei der TAZ an und fragt, ob sie’s nicht drucken und vertreiben wollen. Oder sonst jemand? Alles möglich, denn das Plakat steht unter einer freien Lizenz.

Peer Produktion: Wie im Internet eine neue Produktionsweise entsteht

Beitragen statt tauschenDer folgende Artikel ist im WIDERSPRUCH – Münchner Zeitschrift für Philosophie, Heft 52 (2010) erschienen.

„Kreativ zu sein, ist eine inhärente Eigenschaft des menschlichen Geistes … Warum singt Figaro, warum schreibt Mozart Musik, die Figaro singt, warum erfinden wir alle neue Worte? Weil wir es können. Homo ludens trifft Homo faber. Die soziale Bedingung globaler Verbundenheit, die wir das Internet nennen, ermöglicht uns allen, kreativ zu sein auf eine neue und nie erträumte Weise. Wenn wir nur nicht das ‚Eigentum‘ dazwischen­funken lassen.“

So beschreibt der US-amerikanische Rechtsprofessor Eben Moglen (1999) das bemerkenswerte Phänomen, das Peer-Produktion genannt wird. Es hat die Art und Weise der Produktion von Software und Kulturgütern in den letzten Jahrzehnten kräftig durcheinander gewirbelt. Was ist das Geheimnis der Peer-Produktion, und wie weit reicht ihr Potential? Warum und unter welchen Umständen kommt es zur spontanen und ungezwungenen Kooperation gleichberechtigter „Peers“? Welche Bereiche der gesellschaftlichen Produktion wurden dadurch schon verändert, und wo stehen Veränderungen ähnlicher Reichweite bevor? Darum soll es im Folgenden gehen.
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Fabber und Stricknadeln

[Quelle: Oya 06/2011, Lizenz: CC-by-sa]

Von Lara Mallien

Keine Frage, ein MacBook ist ein geniales Arbeitsgerät. Aber irgendwie bleibt es doch fremd, mit seinem für die meisten Normal­sterblichen komplett unverständlichen Innenleben und einer fragwürdigen Ökobilanz. Auch wenn Apple nach Protesten von Greenpeace einiges für einen grüneren Computer unternommen hat, schaffte es die Firma erst ins Mittelfeld des Greenpeace-Ökorankings. Ich persönlich hätte lieber einen Computer von einem lokalen Hersteller. Aber wäre Hightech-Produktion in meiner Region überhaupt denkbar – und sinnvoll?

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James Quilligan über »open access«

Die nachfolgende Übersetzung eines Beitrages von James Quilligan aus der Commoning-Mailingliste schließt nahtlos an meinen ersten Bericht an und problematisiert den Begriff der »Offenheit« generell (vgl. dazu auch den Beitrag von Silke auf englisch).

James Quilligan:

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Commons-Debatte: open access commons?

Nach der Internationalen Commons-Konferenz in Berlin hat auch die Commons-Debatte einen Schub bekommen. Viele der Teilnehmer_innen diskutieren auf der Commoning-Mailingliste. So eine Debatte auf einer Mailingliste hat trotz des öffentlichen Archivs stets etwas von einem Inner-Circle, der für Leute außerhalb nur schwer zugänglich ist. Deswegen werde ich ab und zu mal was aus dieser Diskussion berichten.

Erstes Thema: Gibt es »open access commons«?

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Industrial Leaking ist gefordert

Im vergangenen Jahr ist das Leaking, das Herausschleusen mehr oder weniger geheimgehaltener Informationen, in den Fokus der medialen Öffentlichkeit vorgedrungen. Das politische Leaking ist in Mode gekommen, Plattformen schießen wie Pilze aus dem Boden. Ob es sich dabei um vertrauenswürdige Angebote handelt oder diese Sammelstellen für Geheimnisse als Fallen von Geheimdiensten, Regierungen oder privaten Akteuren installiert wurden, ist nicht überprüfbar. Nicht nur deshalb plädiere ich dafür, den Geheimnisverrat in die eigenen Hände zu nehmen. Wie gezeigt wird kann jeder einen kleinen Beitrag für mehr Transparenz leisten.

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Which Commons Sense?

Nachfolgend der»Partner-Artikel« zu dem bereits veröffentlichten Text »Einschluss statt Ausschluss«. Die Zeitschrift iz3w hat beide Artikel als Kontroverse initiiert. Nach der Auslotung der emanzipatorischen Möglichkeiten folgt also nun eine Kritik des Commons-Ansatzes. Weitere Artikel zum Thema gibt’s in der aktuellen Ausgabe iz3w 322. Danke an den Autor und iz3w für die Genehmigung zur Veröffentlichung.

Which Commons Sense?

Die Debatte um Gemeingüter ist oft rückwärtsgewandt

von Winfried Rust

Ein Programmierer formuliert auf einem Commons-Kongress die Freiheiten offener Software: »Benutzen, studieren, anwenden, teilen und die verbesserte Variante neu verteilen.«1 Darauf ruft eine Kleinbäuerin: »Genau. Das fordern wir für unsere Saaten!« Diese Begegnung hat einen rebellischen Charme. Allerdings führt die Freie-Software-Szene eine Parallelexistenz gegenüber der kommerziellen Softwarewelt. Und kleinbäuerliche Gemeingüter stellen keinen Großgrundbesitz infrage.

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