Kategorie: Medientipp

Umsonst – ein radikaler Preis

Wie ist eigentlich die Sicht der Vorkämpfer des Marktes auf das alles, was wir hier immer wieder durchkauen? Eine Antwort gibt Chris Anderson, Chefredakteur von Wired in seinem neuen Buch „Free – The past and future of a radikal price“. Auf einer Nokia-Konferenz hielt er einen Vortrag darüber, der auch im Netz steht(45min). Das Buch selbst ist wohl noch garnicht erhältlich, ich konnte es zumindestens nicht finden. Das ist ein sehr erhellendes Werk, weil es zum einen deutlich macht wie radikal die Umwälzungen sind, in denen wir uns mitten drin befinden und weil es zum anderen eines der seltenen Dokumente ist, dass jemand sich Gedanken darüber macht, wie unter den Bedingungen des Überfluss eigentlich Kapitalismus noch funktioniert. Seine Antwort: Jeder (!) Überfluss generiert neue Knappheiten. Jetzt wo Rechenzeit, Speicherplatz und Bandbreite in ihren Kosten gegen Null tendieren, werden diejenigen die Konkurrenz gewinnen, die die neuen Knappheiten zu monetarisieren wissen. Die neuen Knappheiten sind Aufmerksamkeit und Reputation. Da Aufmerksamkeit sich auch auf Reputation zurückführen lässt, ist also Reputation das neue knappe Gut auf das man sich stürzen soll.

Damals war noch Morgen…

Zweimal gab es in den letzten Jahren große Kongresse der radikalen Linken. Beide Male waren das eher ernüchternde Veranstaltungen, beide Male gab es aber auch im Umfeld dieser Kongresse zwei kleine Büchlein zu bewundern, die man nicht nur als genialen Kommentare zu diesen Veranstaltungen lesen kann, sondern die beide Male auch um ein vielfaches gehaltvoller als die ganzen gelehrten Podien waren. Beide Bücher sind von Bini Adamczak, von der ich hoffentlich in den nächsten Jahren noch viel mehr lesen werde.

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Klaus Holzkamp

Klaus Holzkamp…wäre heute 80 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gibt es heute in der »jungen Welt« eine Würdigung von Morus Markard, einer der letzten institutionell abgesicherten Kritischen Psychologen.

Ich persönlich hatte das intellektuelle Vergnügen, Klaus Holzkamp als Zweitgutachter für eine Diplomarbeit (über Neuronale Netze zusammen mit einer Kollegin) im Fach Informatik zu haben. Er war stets ungeheuer interessiert daran, wie die Debatten in der Informatik laufen, gab es doch seinerzeit erhebliche Überschneidungen von informatischem Kognitivismus und der dominanten kognitiven Psychologie.

Eine zentrale Inspirationsquelle war und ist für mich Holzkamps Hauptwerk »Grundlegung der Psychologie«, ein Buch, in dem ich immer wieder etwas Neues entdecken kann — je nach dem, was gerade meine Fragen an die Welt sind. In der frühen Oekonux-Zeit war es die methodische Verallgemeinerung aus der Untersuchung der Psycho-Phylogenese, also der Herausbildung des Psychischen in der Evolution, die ich — unter Protest von manchem Insider — auf die Geschichte übertrug. Dieses dann von mir so genannte »Fünfschrittmodell« enthält den Begriff der »Keimform« und ist damit eine Quelle des »Keimform-Denkens«, aber keinesfalls die einzige.

Arbeit: Geißel der Menschheit

Wer Kloß & Spinne noch nicht kennt, sollte sich mal bei YouTube die Videos von VolkerStruebing angucken (die auch noch viele andere nette Kleinigkeiten enthalten). Und hier eines der Highlights:

André Gorz aus dem Nachlass

André Gorz, zu dessen kürzlichen Tod Stefan ja schon einen Beitrag schrieb, hatte einen langjährigen Briefwechsel mit Franz Schandel und Andreas Exner von den Streifzügen. Diese haben jetzt Auszüge daraus veröffentlicht. Die sind sehr interessant und einige Passagen sind inbesondere für unsere Keimformproblematik interessant. Diese gebe ich hier mal als Auszüge der Auszüge wieder:

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Das Filesharing-Epos

xkcd bringt ein großes Epos des digitalen Zeitalters. Donald Knuth, Richard Stallman und Cory Doctorow kommen vor — aber die eigentlichen Heldinnen sind natürlich zwei Frauen!

(Die erste und die letzte Folge sind verkleinert – auf ein Bild klicken, um es in Originalgröße zu sehen.)

1337: Part 1

1337: Part 2

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Tier werden, Schwarz werden, Frau werden.

Schwarz werden, Tier werden, Frau werden.So lautet der Titel eines Buches von Gabriel Kuhn. Der Untertitel lautet „Eine Einführung in die politische Philosophie des Poststrukturalismus“. „Post was?“ Wer so reagiert sollte vielleicht dieses Buch lesen. Ebenso kann man es allen empfehlen, die ihre Vorurteile – oder meinetwegen auch lange gepflegte Urteile – mal hinterfragen wollen. Meiner Meinung nach kann es nämlich keine halbwegs zeitgemäße Theorie geben, die die wesentlichen Erkenntnisse des Poststrukturalismus ignoriert. Man muß sie vielleicht nicht teilen, aber sollte dann zumindestens gut begründen können, warum man diesen Weg der Philosophie nicht teilt. Viele von den landläufig kursierenden Einschätzungen („Beliebigkeit“, „wirr“, …) halten dieser kompakten Einführung jedenfalls nicht stand.

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Piratenmagazin — die erste Ausgabe

Piratenmagazin, erste AusgabeDas erste »Piratenmagazin«, herausgegeben von Leuten rund um die »Piratenpartei«, ist erschienen. Die Artikel stehen unter verschiedenen CC-Lizenzen, das Magazin gibt’s im A4-Printformat als PDF oder als bearbeitbare Quelltexte (Scribus) im ZIP-Archiv — also jemand, der CC ernst nimmt.

Inhaltlich geht’s um typisches Bürgerrechtliches, also aktuell ziemlich ärgerliches: Bundestrojaner, RFID, GEZ, Urheberrecht in Deutschland und Frankreich. ein Artikel über die Entstehung der Piratenpartei gibt’s natürlich auch. Sehr nett ist die Aktion »Killerschach« gegen das Verbot von »Killerspielen«. Interessant ist der Artikel zu Filesharing, der feststellt: »Der Begriff Filesharing beschreibt das ganze Internet«. Ein seehr langer Artikel über »Musik im digitalen Zeitalter« wurde aus der Perspektive eines Künstlers geschrieben.

Noch ein Tipp von mir als Leser an das »Piratenmagazin«: Verwendet doch bitte das Format A4-quer. Dann muss man beim Lesen am Bildschirm bei zwei Spalten nicht immer hoch und runter rollern. Das haben andere auch schon beherzigt und fahren gut damit. [via gulli]

Dezentralisierung wird Mainstream

Sieben Jahre, nachdem mein einstiger Chef Lucas Gonze die [Decentralization]-Mailingliste gegründet hat, in der Phänomene wie der damalige überwältigende Erfolg des ersten P2P-Filesharingsystems Napster erstmals unter dem Label „Dezentralisierung“ beschrieben und analysiert wurden, scheint dieser Begriff langsam Mainstream zu werden.

Sieht so die Wikipedia aus?Das US-amerikanische Autorenduo Ori Brafman und Rod Beckstrom hat dazu ein Buch „The Starfish and the Spider“ („Der Seestern und die Spinne“) vorgelegt, wo sie den „dezentralisierten“ Seestern der zentralisierten, hierarchischen Spinne entgegenhalten – und im „Seestern“-Modell die Zukunft sehen:

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