Kategorie: Freie Inhalte

Klau den Film, Teil zwo

Der zweite Teil des Klaufilms — »Steal this Film« — ist erschienen, in englisch und (vorerst?) ohne Untertitel. Er erinnert mich stark an »Good Copy Bad Copy«. Aber wieso eigentlich »klauen«? Der Film erklärt, warum es kein Klauen ist, sondern eine neue Form des Kommunizierens. Dazu gehört Kopieren, Nutzen, Remixen, Produzieren. Neue mediale Formen erzeugen neue soziale Formen. Felix Stadler: »The war on piracy fail on social reasons«.

Der Film besteht aus einer Reihe von Interviews und arbeitet sich von der Frühgeschichte des Kopierens als »Privileg« im Mittelalter über die Frühgeschichte der Raubkopie, über das Internet als »massive copying machine without a master« und dem Teilen und Kopieren als kommunikativem Lebensprinzip hin zum Übergang zur Umwandlung von bloßen Konsumenten zu Produzenten vor. Und das habe dann gewaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Art wie wir leben — aber welche, wird dann nicht weiter gedacht. Oder dem bereits angekündigten nächsten Teil des Films vorbehalten, mal sehn.

Aber nochmal: Warum »klauen«? Weil wir eben Piraten sind, wenn sie uns Piraten nennen. Na und. Subversion durch Überaffirmation, die ganz selbstverständlich, ganz »normal« wird. Aber das Neue liegt ohnehin nicht im Bewusstsein, sondern in der Praxis. Darüber bewusst zu reflektieren, ist dann aber ganz nett. Da könnte so’n Film allerdings ein Tick subversiver sein. [via]

Open Source Learning

Ein interessanter Vortrag zum Thema Open-Source-Learning und zum Projekt connexions.org, dass eine konfigurierbare Sammlung von Creative-Commons-Lizensierten Lehrbüchern ist.

Embedden hat leider nicht geklappt.

Die Ums-Ganze! Kongress-Dokumentation

Ums-Ganze!-KongressSo, hier ist sie nun, die Audio-Dokumentation vom Ums-Ganze!-Kongress. Ich habe alle Podiumsdiskussionen aufgenommen, jedoch keine Workshops. Die Qualität der einzelnen ReferentInnen-Beiträge ist meistens gut, die Qualität der bloß per Raum-Mikro aufgenommenen Diskussionen meistens mies. Die Audio-Dateien werden bei archive.org gehostet, der Titel linkt jeweils zu der entsprechenden archive.org-Seite der Veranstaltung. Dort gibt’s dann verschiedene Download-Formate (OGG, MP3 oder MP3 im ZIP-Archiv) sowie Audio-Streaming. — Have a lot of fun!

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Wikipedia wird kompatibel zu Creative Commons

Wie Lawrence Lessig in seinem Blog berichtet, gibt es eine Absprache zwischen der Free Software Foundation (FSF) und der Wikimedia Foundation, die Re-Lizensierung von Wikipedia-Artikel unter der Copyleft-Variante von Creative Commons zu ermöglichen. Bislang stehen Wikipedia-Artikel unter der Free Documentation License (GNU FDL), die inkompatibel zu Creative Commons ist. In einer Resolution bittet das Wikimedia-Board die FSF eine neue Version der GNU FDL zu entwickeln, die kompatibel zur Creative Commons Share-Alike Lizenz ist. Beiden Lizenzen ist das Copyleft-Prinzip gemeinsam.

Im folgenden Video gibt der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die Entscheidung bekannt, Lessig tritt auch kurz auf und gratuliert.

Geld her!

Ich geb Dir 100 Millionen Dollar! Wer kann dazu schon Nein sagen? Wikipedia kann. Sie sind inzwischen eine Webseite, die Millionen und Abermillionen mit Werbung machen könnte. Sie tun es nicht, obwohl sie längst in einer Liga mit den großen dot-coms angekommen sind. Die Gründe beschreibt Erik Möller sehr gut in einem Blogbeitrag zum aktuellen Fundraiser:

„Above all, our reliance on support by the public also means equity: Your donation is an explicit decision to support us. But if you feel we are going down the wrong path, you can also choose not to donate.“

und vor allem:

„…it is almost certain that a large number of people would stop authoring content if Wikipedia started to run ads.“

Mit anderen Worten: Es ist rational, die Werbeeinnahmen nicht zu nehmen. Es ist rational der Verwertungslogik zu entsagen. So sehen Keimformen aus!

Auslaufmodell GEMA

Die GEMA ist die deutsche Verwertungsgesellschaft für Musik und damit einer der wichtigsten Exekutoren des Urheberrechts. Eigentlich verwertet sie selbst nix, sondern leitet nur Geld um: von Musiknutzern zu Musikmachern (auch Inkasso genannt). Minus der Summe, die sie selbst verbraucht (14% der Einnahmen). Von der Verteilungssumme bekommen weniger als ein Zehntel der Mitglieder 70%, der Rest (mehr als 90%) teilt sich den Rest (30%) — eine Art Taschengeld sozusagen.

Im folgenden will ich mir die GEMA ein wenig ansehen, ein paar Probleme benennen sowie bekannte Lösungsvorschläge dazu und einen Ausblick in die Zukunft wagen.

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Piratenmagazin — die erste Ausgabe

Piratenmagazin, erste AusgabeDas erste »Piratenmagazin«, herausgegeben von Leuten rund um die »Piratenpartei«, ist erschienen. Die Artikel stehen unter verschiedenen CC-Lizenzen, das Magazin gibt’s im A4-Printformat als PDF oder als bearbeitbare Quelltexte (Scribus) im ZIP-Archiv — also jemand, der CC ernst nimmt.

Inhaltlich geht’s um typisches Bürgerrechtliches, also aktuell ziemlich ärgerliches: Bundestrojaner, RFID, GEZ, Urheberrecht in Deutschland und Frankreich. ein Artikel über die Entstehung der Piratenpartei gibt’s natürlich auch. Sehr nett ist die Aktion »Killerschach« gegen das Verbot von »Killerspielen«. Interessant ist der Artikel zu Filesharing, der feststellt: »Der Begriff Filesharing beschreibt das ganze Internet«. Ein seehr langer Artikel über »Musik im digitalen Zeitalter« wurde aus der Perspektive eines Künstlers geschrieben.

Noch ein Tipp von mir als Leser an das »Piratenmagazin«: Verwendet doch bitte das Format A4-quer. Dann muss man beim Lesen am Bildschirm bei zwei Spalten nicht immer hoch und runter rollern. Das haben andere auch schon beherzigt und fahren gut damit. [via gulli]

Creative Commons und das Quellcode-Problem

Dieser Beitrag hat mich auf ein praktisches Problem mit den Creative CommonsShareAlike-Lizenzen aufmerksam gemacht, nämlich dass sie kaum etwas dafür tun, um den Zugang zum Quellcode modifizierter Werke sicherzustellen. In der aktuellen deutschen Attribution-ShareAlike-Lizenz heißt es lediglich:

Sie dürfen eine Bearbeitung nicht mit technischen Schutzmaßnahmen versehen, die den Zugang oder den Gebrauch der Bearbeitung in einer Weise kontrollieren, die mit den Bedingungen dieser Lizenz im Widerspruch stehen. (§4b.)

DRM ist also verboten, aber ansonsten gibt es keinerlei Verpflichtung, Modifikationen in einer Weise zugänglich zu machen, die eine Weiterverbreitung oder weitere Veränderungen ermöglicht – ein „Recht auf Quellcode“ gibt es nicht. Text, der nur als PDF verbreitet wird, müsste also ggf. neu gesetzt werden (v.a. komplexe Elemente wie Formeln lassen sich aus PDFs kaum vernünftig extrahieren); gedruckte Bücher müssten eingescannt werden; Filme, die nur im Kino gezeigt werden, gar von der Leinwand abgefilmt werden – und das, obwohl sie Inhalte enthalten, die von anderen unter eine ShareAlike-Lizenz gestellt wurden und somit selbst dieser Lizenz unterliegen.

Ohne ein „Recht auf Quellcode“ bleibt der „ShareAlike“-Grundsatz leider sehr zahnlos – was nutzt ein Recht auf Modifikation, wenn man nicht auch die Möglichkeit dazu hat? IMHO ein ernstzunehmender Einwand gegen die Creative Commons-ShareAlike-Lizenzen.

Schade drum, insbesondere da die andere weit verbreitete Copyleft-Lizenz für Inhalte – die GFDL – ja auch ihre Problemen hat (v.a. macht ihre Anforderung, den kompletten Lizenztext immer mitzuliefern, sie für viele Zwecke einfach unbrauchbar). Die Design Science License, die recht knapp und elegant ist und auch von der Free Software Foundation als “free and copyleft” anerkannt wird, könnte eine Alternative sein – aber andererseits ist „Copyleft-Proliferation“ ja auch ein Übel…

Übersetzer/innen gesucht

Da schon einige Leute den Wunsch geäußert haben, mein Buch zur Peer-Ökonomie auch auf Deutsch lesen zu können, habe ich im Wiki zum Thema ein Übersetzungsprojekt ins Leben gerufen. Einige Freiwillige haben sich schon gemeldet, und ich werde selbst einen größeren Batzen übersetzen, aber damit das was wird, brauchen wir noch mehr Unterstützung.

Wer sich also beteiligen möchte, ist herzlich willkommen! Ein Kapitel oder ein halbes zu übersetzen sollte nicht so lange gehen, würde aber schon helfen. Außerdem ist Übersetzen eine gute Gelegenheit, Englischkenntnisse und Sprachgefühl aufzubessern (ich spreche da aus Erfahrung 🙂 ).

Wer sich beteiligen möchte, bitte in die Liste im Wiki eintragen, um Doppelarbeit zu vermeiden. Eine Wortliste mit Übersetzungsvorschlägen für das neue bzw. spezialisierte Vokabular gibt es dort auch.