Heute wurde der Philosoph André Gorz zusammen mit seiner Frau Dorine tot aufgefunden. Sie lagen Seite an Seite, sie haben sich gemeinsam das Leben genommen. Dorine war schwer krank, André ist mit ihr gegangen. Mit »Brief an D.« hatte André eine späte Liebeserklärung an seine Frau verfasst, die kürzlich auch auf deutsch erschienen ist. Darin heißt es: »Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen.«
Autor: Stefan Meretz
15000 gegen Überwachungsstaat
Wow, das waren schon wirklich sehr viele Menschen, die es gegen den Überwachungswahn auf die Straße zog. Und sehr viele hatten etwas mitgebracht, was den Spaß bei so einem inhaltlichen Spaziergang ausmacht. Auch wir — Schreiberlinge dieses Blogs — waren dabei mit einem viel fotografierten Transparent und einem Flugblatt. Witzigerweise fand ich unser Transparent zuerst auf Winfuture (das siebente Bild) 😀
Weniger Freude bereitete die Berliner Polizei, die wohl meinte, ihren schlechten Ruf verteidigen zu müssen. Nervige Kontrolle aggressiver Beamter, unsinnige Verbote entgegen anders lautender Absprachen (Schäuble-Masken) und Rausgreifen von einzelnen Personen aus dem Antikapitalistischen Block heizten die Stimmung an und brachte die Demo öfter zum Stillstand. Schließlich deeskalierte der schon umzingelte A-Block aktiv und verließ die Demo — sprich: diffundierte in die Abschlusskundgebung (vgl. auch heise online).
Berichte und Bilder gibt es inzwischen so einige.
[Update]
Hier ein schönes Bild von unserem Transparent (Danke an Matti):
Vergrößern: Auf das Bild klicken.
Ein Jahr keimform.de!
Heute vor genau einem Jahr wurde der erste Beitrag im Keimform-Blog gepostet. Seitdem schrieben 8 Autoren 248 Beiträge. Prominenteste Kategorie ist — wie kann es anders sein — „Freie Software“, gefolgt von „Freie Inhalte“ und „Theorie“. Das bringt mich zu der Frage an euch, liebe Leserinnen und Leser: Sind wir zu theorielastig?
Berichte der Jubiläumsfeierlichkeiten folgen!
Präventiver Überwachungsstaat
Hier ein nettes, aus freien Quellen kompiliertes Video zur Vorratsdatenspeicherung:
Demo gegen Überwachungsstaat am Samstag, 22.9., 14:30 Uhr, Pariser Platz, Berlin — wir sind da.
Softwarefreiheit — weltweit
Heute ist Software-Freedom-Day! Hier die Gruppen im deutschsprachigen Raum, die sich mit Aktivitäten beteiligen:
- linuxinjedlesee (lerncafe jedleseerstrasse 75, Austria) – Franz Nahrada
- FreieSoftwareOG (Offenburg, Germany) – Edgar Hoffmann
- OSFanG (Germany Berlin Marzahn, Germany) – Guido Kieninger
- SFD RD (Rendsburg, Germany) – Matthias-Christian Ott
- Skolelinux Germany (Gütersloh, Germany) – Kurt Gramlich
- Linux User Group Backnang (Backnang, Baden-Württemberg, Germany) – Marco Ziesing
- FSFE Vienna (Vienna, Austria) – Peter Bubestinger
- Unix-AG TU-Kaiserslautern (Kaiserslautern Campus TU-KL Bistro 36, Germany) – Stefan Huehner
- LLUG – Lörracher Linux-Usergroup (Lörrach Innenstadt Adlergäßchen, Germany) – Manuel Schneider
Alle Teams weltweit: hier.
Von den Inkas lernen heisst siegen lernen
Im »Bootstrap-Magazin«, unserem »Nachbar-Blog«, geht es häufig um das Konzept der »Globalen Dörfer«. Stefan Matteikat hat nun dort einen interessanten Artikel unter dem etwas sperrigen Titel »Das Dilemma der Achtundsechziger und die globalen Dörfer der Inkas — ein Versuch über transdisziplinäre Forschung« veröffentlicht.
Universalgüterthese in der Diskussion
Am 7. und 8. September fand die Veranstaltung zur politischen Ökonomie des Informationskapitalismus statt — leider ohne Sabine Nuss, die erkrankt war. So ging es an beiden Tagen um die Universalgüterthese. Am Freitag (7.9.) begründete Ernst Lohoff, warum aus seiner Sicht digitale Universalgüter keine Waren sind. Am Sonnabend (8.9.) stellte ich meine Überlegungen dazu vor, vgl. dazu auch die Plakate hier. Grundlage für beide Beiträge sind die jeweiligen Artikel in Krisis 31.
Hier die Audio-Dokumentation:
- Vortrag Ernst Lohoff (OGG, 18,3 MB, ca. 36 Min.)
- Diskussion des Lohoff-Vortrages (OGG, 27,0 MB, ca. 55 Min.)
- Workshop mit einem Beitrag von Stefan Meretz in drei Teilen:
Atavare der Welt, vereinigt euch!
Der Betriebsrat von IBM-Vimercate in Italien ruft dazu auf, die IBM-Repräsentanz in Second Life (SL) zu bestreiken. Der Termin soll im September sein, wird aber erst kurzfristig bekanntgegeben. Ziel ist, tarifliche Standards zu verteidigen und das Projekt einer IBM-Weltgewerkschaft voranzutreiben. Der Dachverband UNI, auch in SL vertreten, organisiert eine virtuelle Unterstützung und hat ein Strike-Kit und Trainingsprogramme vorbereitet — alle SL-User können mitmachen.
[mehr hier und hier (engl.)]
Web 2.0 — Marx verführt weiter
Die Rechten in den USA sind wohl so deppert. Nein, ich meine jetzt nicht Bush (gähn), sondern Andrew Keen. Der schreibt für Weekly Standard (Kopie mit neuer Überschrift bei CBS-News):
»So wie Marx eine Generation europäischer Idealisten mit seiner Fantasie der Selbstverwirklichung in einem kommunistischen Utopia verführte, so hat der Web-2.0-Kult kreativer Selbstverwirklichung alle in Silicon Valley verführt.« (eigene Übersetzungen)
In so einer Perspektive wird dann wiki(Lawrence Lessig) glatt zum »intellectual property communist« (etwa »Kommunist geistigen Eigentums«), was zwar ein Widerspruch in sich ist, aber wen stört’s. Die User-Beteiligung im Web 2.0 hält Keen für bloßen Narzismus, mit dem ein gefährlicher Amateurismus Einzug hält:
»Anstatt Mozart, Van Gogh oder Hitchcock ist alles, was wir mit der Web-2.0-Revolution bekommen, mehr von uns selbst.«
Alles versinke im »flachen Geräusch der Meinungen« und ende mit dem »Verschwinden des individuellen Recht auf Selbstausdruck« — wie in Orwells 1984. Der Griff zum Schreibstift (diese analogen Teile ohne Tastatur dran) wird zum Widerstandsakt. Fazit:
»Ohne eine Mainstream-Medienelite werden wir unser Gedächtnis für jene Dinge verlieren, die wir lernten, lasen, erfuhren oder hörten.«
Bizarr! Aber lustig;-)
NoseRub — Killerapp für dezentrale soziale Netzwerke?
Web-2.0-Anwendungen sind ja ganz nett, aber permanent muss ich meine Daten eingeben, und oft bekomme ich sie nicht mehr einfach zurück. Wenn ich dann ein Portal verlasse, verliere ich zudem alle meine Kontakte. Geht das nicht auch anders?
Ja, und der Gedanke zur Lösung ist naheliegend: Statt stets erneut meine Daten und die Kontrolle über ihre Verwendung abzugeben, behalte und verwalte ich meine Daten selbst. Die Web-2.0-Anwendungen sind dann für mich nur noch Funktionen, aber nicht mehr Datenverwalter.
Das ist die Grundidee von NoseRub. NoseRub hat die Potenz zu einer Killer-Applikation, sie erfüllt die Anforderungen, die wir auch schon hier und hier diskutierten.

