Was sind Commons, in welchem Verhältnis stehen sie zu anderen Gütern, Ressourcen und sozialen Beziehungen? Zur Einordnung hatte ich einen Entwurf einer Gütersysthematik vorgelegt. Dieser wurde diskutiert. Silke hat ihre Vorstellung in eine Mindmap gebracht (siehe oben, zum Vergrößern auf das Bild klicken). Diese Skizze will ich zunächst mit diesem Beitrag diskutieren, bevor ich in einem neuen Artikel dann einen neuen Vorschlag mache.
Autor: Stefan Meretz
Die LINKE und Freie Software
Zwei Welten treffen aufeinander? Das sicher nicht, aber eine vertraute Beziehung zwischen der Linkspartei und der Freien Software besteht nicht. Das ist etwas verwunderlich, sollte man doch annehmen, dass die LINKE in der Freien Software einen Verbündeten sieht. Um das Potenzial Freier Software zu diskutieren, lädt die Bundesarbeitsgemeinschaft »Digitale Demokratie« in der LINKEN, die erst im April 2009 gegründet wurde, zu einer Veranstaltung ein:
- 10. Oktober 2009, 10 bis 18 Uhr
- Helle Panke, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin (S/U Schönhauser Allee)
Nach einem Vortrag von Torten Grote von der Free Software Foundation Europe zur Frage, was Freie Software überhaupt ist, darf ich einen beratenden Vorschlag einbringen, welches emanzipatorische Potenzial es für die LINKE noch zu erschließen gilt. Hier schon mal die Struktur meines Vortrags:
- Freie Software und Eigentum
- Immaterialgüterrecht und freie Lizenzen
- Macht und Gegenmacht
- Verallgemeinerung und Perspektive
Im zweiten Teil der Veranstaltung wird über die Satzung der AG geredet, was vielleicht weniger spannend ist.
Offen für alle!
Two minutes on peer production
By Michel Bauwens:
AntenneTux: Piraten-Abgeordneter im Interview
In der neuen Sendung von »AntenneTux – Linux im Radio«, die heute abend bei »Radio Z« ausgestrahlt wird, hat Peter Bußfeld den Münsteraner Piraten-Stadtrat Marco Langenfeld interviewt. Oh, oh. Gut, stellen wir in Rechnung, dass Marco Langenfeld noch frisch dabei ist und auch das Interview war recht energisch, doch über Strecken wirken die Antworten peinlich: neue Bäder privat betreiben, Geld direkt an Musiker geben statt an die Verwertungsgesellschaften, inhaltliche Positionen in der Sozialpolitik — gibt’s nicht, Hartz-4 erhöhen oder senken — mal sehn, Frauenanteil bei den Piraten — keine Ahnung. Einfach mal selbst anhören.
Außerdem in der Sendung (Download hier): Entstehung der schwedischen Piraten-Partiet, Freie Software als Fernstudium und neuer Hackerspace im westfälischen Münster.
Halbinseln gegen den Strom
Friederike Habermann hat ein vorzügliches Buch geschrieben: »Halbinseln gegen den Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag«. In zehn Hauptkategorien unterteilt werden rund hundert Projekte vorgestellt, die als »gelebte Alternativen zu Kapitalismus, Geld und Tauschlogik« es irgendwie anders machen. Dieses »irgendwie anders« sieht sehr unterschiedlich aus: Von Umsonst-Projekten mit dem expliziten Anspruch, die Verwertungslogik des Kapitalismus auszuhebeln bis zu Projekten, die den Alltag billiger, einfacher und angenehmer gestalten.
Die Auswahl war sicher subjektiv und bewusst begrenzt auf den deutschsprachigen Raum. Ich war mehrfach überrascht, was es da noch so an Projekten gibt, die ich noch nicht kannte. Dafür fielen mir weitere Projekte vor allem im Online-Bereich ein, die noch gut in das Buch gepasst hätten. Aber keine Angst, die meisten vorgestellten Projekte spielen in der handfesten Offline-Welt.
Piraten-Wirtschaft: Ideologiefreie Ideologie
Nachdem ich so nett eingeladen worden bin, das Wirtschaftsprogramm der sächsischen Piraten zu kommentieren, will ich dem auch gerne nachkommen. Die Kritik, die folgt, sei als konstruktive Kritik verstanden — auch wenn sie recht deutlich ausfällt. Wir können alle nur von einander lernen 🙂
Zunächst mal meine dicke Anerkennung dafür, dass sich die sächsischen Piraten sich trauen — können sie doch ahnen, dass sie ein vermintes Feld betreten. Das Bemühen, auf keine Mine zu treten, ist dem Entwurf anzumerken. Dadurch entsteht bei mir aber auch der Eindruck, dass sie lieber am Feldrand stehen bleiben und über die vielen Minen schauen, als den Schritt aufs Feld zu wagen. Verständlich.
(mehr …)
Today’s Software Freedom Day
Commons in einer Systematik von Gütern
Wenn die »Commons« (Gemeingüter) ein neues Paradigma politischer Theorie werden sollen, dann muss der Begriff klarer bestimmt werden. Ein Ansatz ist, ihn in Relation zu anderen Gütern zu verorten. Vor längerer Zeit hatte ich schon mal einen Versuch einer Systematik von Gütern unternommen (siehe diese Abbildung). Die Darstellung blieb jedoch vor allem beim Punkt des »Eigentums« unklar, da Commons nicht mit »Gemeineigentum« gleich gesetzt werden können. Ferner ist das Besondere bei den Commons gerade, dass sie stets als soziale Beziehung zu verstehen sind. Genau genommen gilt das jedoch für alle Güter, denn die fallen ja nicht vom Himmel, sondern werden — sozial — hergestellt. Erst im Vergleich zur »Sozialität« der Nicht-Commons, wird die Besonderheit der Gemeingüter deutlich.
Kurz und gut: Ich habe einen neuen Anlauf unternommen. Hier ist das Ergebnis.
Wie ist die Abbildung zu lesen?
Kommunismen in der Zeit
Die Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« lädt zu einer Veranstaltung über den historischen Wandel der Vorstellungen vom Kommunismus: »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« Auch Karl Marx, mit dessen Name der Begriff des Kommunismus vor allem verbunden ist, hat zu seinen Lebzeiten unterschiedliche Konzepte vertreten. Der Begriff der Kommunismus sagt also mehr über die Zeit aus, in der er formuliert wird, als dass er ein einheitliches Konzept trägt. Dies betrifft auch die aktuellen Keimform-Konzepte, wie sie hier im Blog vertreten werden.
Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin
Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin
[Update: Audio-Dokumentation der Veranstaltung]
Gegen Markt, radikal!?
Aber hallo, das verblüfft mich ja nun doch! Ver.di tritt mit dem Slogan GEGEN MARKT RADIKAL zur Bundestagswahl auf. Eine bewusste Wortspielerei, die im Vorübergehen den Markt komplett in Frage stellt: RADIKAL GEGEN MARKT. Gemeint ist wohl eher gegen einen radikalisierten Markt, also GEGEN RADIKAL-MARKT.
Denn ver.di ist so treu wie alle anderen Gewerkschaften für den Markt. Alles andere ist denkunmöglich. In den Siebzigern hätten die ver.di-Vorläufer etwa texten können MARKT GEGEN RADIKALE. Aber heute? Liegt die naheliegende Lösung der Losung GEGEN MARKT, RADIKAL! so ganz außerhalb des Denkrahmens? Ist der Slogan also nur so raus- und durchgerutscht? Eine Freudsche Fehllosung? Ein unterbewusstes »endlich raus aus dem Scheiss«?
Jedenfalls konnte ich noch nie so fröhlich dazu stehen, dass ich ver.di-Mitglied bin (nicht nur das: ich lohnarbeite sogar dort — das als Disclaimer).
![Ding/Ressource [Klicken zum Vergrößern] Ding/Ressource [Klicken zum Vergrößern]](http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2009/10/ding-ressource.png)

