Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

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29. Oktober 2015, 06:27 Uhr   2 Kommentare

1 Holger Roloff (29.10.2015, 15:44 Uhr)

Was er dort als Ursache anführt ist völlig richtig und wird auch als „innere schränke des Kapitals“ (Robert Kurz) bezeichnet.
Diese Entwicklung ist irreversibel, weil sich die Produktivität innerhalb der kapitalistischen Verwertungsdynamik nicht ungestraft zurück entwicklen kann. Dann droht dem jeweiligen Unternehmen die Insolvenz. Es geht nur vorwärts, und das in immer schnellerem Tempo, passend zum exponentiellen Anstieg der fiktiven Wertentwicklung.
Wir sind endgültig in die finale Krise des kapitalistischen Weltsystems eingetreten. Erfreulich, dass so eine Einsicht es endlich bis ins deutsche Bildungsfernsehend schafft.
Doch was nun? 
Wir brauchen nicht weniger, als ein anderes Wertesystem, als eine andere Wirtschaftsweise, ja eine komplett andere Zivilisation mit ihren Regeln, Gesetzen, Wertmaßstäben, Institutionen usw.

2 Wolfram Pfreundschuh (29.10.2015, 17:20 Uhr)

Einen ähnlichen Vortrag hat Norbert Trenkle unlängst in München gehalten und ich kann seiner Argumentation, was die Struktur der Krise betrifft, auch weitgehend zustimmen. Tatsächlich hat sich das fiktive Kapital zu einer
Geldsumme entwickelt, die sich nicht nur von der Realökonomie
gelöst, sondern sich als Spielgeld in den Casinos des Wertpapierhandels zu einem großen Teil nicht mehr produktiv anlegen, sondern nurmehr verwetten lässt.

Doch Norbert bleibt bei seiner Analyse leider an der bloßen Form des Fiktiven Kapitals hängen und kann deshalb nur darauf hinweisen, was der „Glaube an ein zukünftiges Verwertungspotenzial“ monetär auf den Weltmärkten bewirkt. Dass es sich weiterhin über die Positionierung der Eigentumstitel in die
Notwendigkeiten bürgerlicher Existenzen einbringt, um hieraus Einnahmen für
Wohnung, Sicherheit, Verkehr, Unterhaltung, Steuern usw. aus der Geldzirkulation zu generieren, nötigt ihm keinen Bezug auf das wirkliche Leben der Menschen ab. Das aber wäre gerade der Ansatzpunkt für die Diskussion eines politischen Widerstands.

Richtig und wichtig ist, dass es sich bei der Anwendung von Fiktivem Kapital an den Börsen inzwischen um eine Verdopplung der ausgepressten Wertmasse handelt. Wesentlich hierbei ist, dass die zweite Ebene der Ausbeutung im Nachhinein der Produktion im Inland über Lohnabzug per Mieten, Steuern,
Dienstleistungen, Rentenkürzungen usw. verläuft, wodurch die Ausbeutung der ausländischen Arbeit, die durch Verbilligung des Lebensstandards in das variable Kapital eingepreist ist (also nicht durch Kapital transferiert wird, wie Norbert behauptet), tatsächlich zu einem Werteintrag in das Finanzkapital wird.

Ich nenne die per Schuldgeldsystem aus dem Geldumlauf gewonnene Geldverwertung deshalb Feudalkapitalismus, um damit zu verdeutlichen, dass wir es nicht einfach mit einer Krise, sondern mit einem Systemwechsel zu tun haben, der völlig neue politische Formen über nationale und internationale Staatsgewalt erwirken wird.

Die bloße Krisenbeschreibung kann man inzwischen in fast jeder kritischen Fernsehsendung mitkriegen. Wir erleben das derzeit über die Zerstörung ganzer Staatssysteme und Schutzerpressungen durch Verschuldungspolitik, die sich jederzeit mit „Bankenrettung“ und „Sparpolitik“ maskieren kann. Aber gerade dies muss politisch demaskiert werden, um eine eine politische
Position für das Leben von Mensch und Natur auf diesem Planeten beziehen zu können. Hierzu ist vor allem eine gründliche Analyse der Formverwandlung des bürgerlichen Staates nötig, der sich zunehmend wie ein Feudalherr gegen die jeweilige Bevölkerung positionieren wird und die ganze Weltbevölkerung zur Bürgschaft für seine Schutzgelderpressungen nimmt.

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