Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Alles wird offen (Teil 1)

openeverything Panel (Author: kcu, Lizenz: CC-BY-NC-SA)Hier mit etwas Verspätung einige Eindrücke von openeverything Berlin. “Open Everything” ist eine globale Eventreihe, die für Vernetzung und Austauschen zwischen offenen/freien Projekten sorgen will.

Der 6. Dezember war da insofern etwas Besonderes, als drei Events in aller Welt praktisch gleichzeitig stattfanden – genauer gesagt zeitversetzt, entsprechend den verschiedenen Zeitzonen. So ging das Event in Hongkong gerade zu Ende, als wir morgens in Berlin anfingen. Und abends, als sich unsere Veranstaltung dem Ende zuneigte, begann das dritte Event in Madison (Wisconsin) in den USA. Dementsprechend begann und endete der Tag jeweils mit kleinen Videokonferenzen mit den Teilnehmern in Hongkong und den USA – trotz (und zum Teil auch wegen) einiger technischer Probleme eine lustige Sache, die einem ein gewisses Gefühl für die Internationalität der “Bewegung” gab.

Nach dem Video-Auftakt gab es eine Einführungsrunde (siehe Bild) mit Martin Schmidt (newthinking store), Michelle Thorne (Creative Commons), Jürgen Neumann (freifunk.net), Markus Beckedahl (netzpolitik.org) und Volker Grassmuck (HU Berlin, Wizards of OS). Hier fand ich v.a. die Ausführungen von Volker Grassmuck interessant. Er benannte Wissenschaft und Kunst als Quellen der Ideen, die später von Richard Stallman aufgegriffen wurden.

Freiheit und Offenheit sind dem Selbstverständnis von Wissenschaft inhärent: Resultate müssen reproduzierbar sein, was voraussetzt, dass sie inklusive aller relevanten Details veröffentlicht werden werden; Peer-Review, nicht höhere Instanzen, entscheidet darüber, was für vertrauenswürdig und relevant befunden und damit in den Korpus wissenschaftlichen Wissens aufgenommen wird; das Konzept des „Eigentums“ an wissenschaftlichen Ideen ist traditionell auf die „Attribution“, die Nennung der Urheber- bzw. Entdecker/innen beschränkt. Der nordamerikanische Soziologe Robert Merton hat daher Kommunismus als eins der vier Charakteristika der Wissenschaft identifiziert – neben Universalismus, Uneigennützigkeit, und organisiertem Skeptizismus. (Mertons Begriff Kommunismus wurde später in Kommunitarismus abgeschwächt – die Angst vor der falschen Assoziation ist auch hier nicht weit.)

Ähnlich bei Kunst: auch hier ist die Attribution, die Namensnennung, essenziell, während neue Ideen, Stile, Konzepte und Motive Commons werden, die von allen aufgegriffen und weiterentwickelt werden können – die kreative Aneignung und Weiterentwicklung der Ideen anderer ist immer ein selbstverständlicher Bestandteil der Kunst gewesen.

Treffend auch seine Bemerkung, dass die Bewahrung der Commons das Setzen von Grenzen erfordert (“The commons is based on drawing lines”) – dass es dabei aber nicht darum geht, bestimmte Leute auszuschließen, sondern darum, bestimmte Verhaltensweisen zu verhindern – und zwar Verhaltensweisen, die das Commons oder die Community, die es umgibt, schwächen oder gefährden würden. So erfordert die GPL, dass man eigene Modifikationen und Erweiterungen der Community zurückgibt, sofern man sie überhaupt veröffentlicht. Sie fordert ein bestimmtes Verhalten, aber sie schließt niemand aus – auch Microsoft könnte GPL-Code in Windows integrieren, wenn sie bereit wären, ihr Betriebssystem selbst unter GPL zu stellen. Die Entscheidung darüber liegt bei ihnen.

Von Creative Commons gab es eigentlich nur auf Nachfrage Interessantes. So erläuterten Michelle und die CC-Direktorin Catharina Maracke, dass neben den sechs aktuellen keine derzeit neuen Lizenzen geplant sind – in Anbetracht früherer Abenteuer (z.B. Sampling-Lizenz), die nicht mal die unkommerzielle Weitergabe ermöglichten, sicher ganz beruhigend. Seltsam fand ich dagegen, dass CC, obwohl sie kürzlich eine Umfrage zur genauen Bedeutung der non-commercial-Klausel gestartet haben, anscheinend keine Pläne haben, diese wegen ihrer Schwammigkeit häufig für Verwirrung sorgende Klausel klarer zu fassen. Wenn man ein Problem schon erkannt hat, wäre es doch naheliegend, sich auch um Abhilfe zu bemühen!

Soweit der erste Teil meines Reports, Teil 2 folgt in einigen Tagen.

Kategorien: Commons, Soziale Netzwerke, Termine

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18. Dezember 2008, 18:04 Uhr   5 Kommentare

1 Markus (18.12.2008, 18:29 Uhr)

Die Umfrage (und die anschließende Auswertung) dient ja als ersten Schritt dahin, das Problem der schwammigen Definition zu lösen.

2 Michel Bauwens (21.12.2008, 22:41 Uhr)

Please note this comprehensive catalog of all things open at

http://p2pfoundation.net/Category:Open

3 Commons Everything statt Open Access « CommonsBlog (27.12.2008, 01:12 Uhr)

[…] im Newthinking store, das zu einem Open Everything Arbeitstag eingeladen hat. (siehe Christians Beitrag). Die Nachrichten des Tages passen zum Thema: Weltgrößte Universität öffnet fast all ihre […]

4 Alles wird offen (Teil 2) — keimform.de (31.12.2008, 16:02 Uhr)

[…] späten Vormittag ging es bei openeverything Berlin (Ankündigung, Bericht Teil 1) mit den 7 Minute Showcases weiter, wo diverse offenen Projekte sich und ihr Konzept in je sieben […]

5 Bericht: Openeverything in Berlin : www.who-owns-the-world.org (20.01.2009, 18:25 Uhr)

[…] ein Bericht von openeverything Berlin 2008. “Open Everything” ist eine globale Eventreihe, die für Vernetzung und Austauschen […]

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