Schlagwort: kapitalismus

Kommunismen in der Zeit

Wege raus...Die Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« lädt zu einer Veranstaltung über den historischen Wandel der Vorstellungen vom Kommunismus: »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« Auch Karl Marx, mit dessen Name der Begriff des Kommunismus vor allem verbunden ist, hat zu seinen Lebzeiten unterschiedliche Konzepte vertreten. Der Begriff der Kommunismus sagt also mehr über die Zeit aus, in der er formuliert wird, als dass er ein einheitliches Konzept trägt. Dies betrifft auch die aktuellen Keimform-Konzepte, wie sie hier im Blog vertreten werden.

Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin

Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin

[Update: Audio-Dokumentation der Veranstaltung]

Peer-Ökonomie – das Ende von Selektion und Normierung?

Wir leben in einer hochgradig selektiven Gesellschaft. In Schule und Universität, bei Wettbewerben in Kunst, Literatur und Musik, bei der Einwanderung, im Sport, bei Zeitschriften und Kongressen, bei Projektförderungen und in sozialen Netzwerken: Allenthalben wird (aus)sortiert, was das Zeug hält.

Oft werden vor das Erreichen attraktiver Ziele mehrere Auswahlstufen gesetzt. (mehr …)

Studie: Linux-Desktops im Unternehmen

Windows-free Office[Foto: marcn, CC-ByNcSa]

Wenn die Einschätzung richtig ist, dass Freie Software für Unternehmen Kosteneinsparungen bedeutet, wenn die proprietären Äquivalente ersetzt werden, dann ist die Frage, wie weit die Ersetzung bislang gekommen ist. Im Serverbereich ist Freie Software eine feste Größe, aber auf dem Desktop ist es zu einer klassischen Lock-In-Situation gekommen: Die Dominanz von Microsoft und Co ist so groß, weil die Abhängigkeit so groß ist — und umgekehrt. Ein Teufelskreis.

Nun gibt es andere Protagonisten Freier Software, die betreiten das Argument der Kosteneinsparung (übrigens in Übereinstimmung mit Gegnern Freier Software) und würden gerne das Freiheitsargument in den Vordergrund stellen. Die Botschaft ist: »Mit Freier Software vermeidet ihr den Lock-In-Effekt, die Abhängigkeit von einzelnen Anbieter wird verringert«. Das Argument ist sicher nicht falsch. Doch wie sieht die Situation wirklich aus?

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Reopening the Commons: Reversing the Enclosure

Nowadays, almost everybody is forced to sell their labor power in order to survive (or, at least, to avoid hardship and official harassment). This necessity seems so natural to us that we seldom think about why it exists and how it came about.

Yet, historically the situation that (almost) everybody has to sell their labor power is rather new—it only emerged with capitalism. Wage labor and capitalism depend on each other: Without capitalist companies, there would be nobody (by and large) to sell your labor power to, so wage labor could only be an occasional phenomenon (as it was before capitalism). And without wage workers, capital accumulation would be impossible, since their surplus labor is the source of profit (and of its derived forms, interest and rent).

That wage workers are forced to sell their labor power (due to a lack of alternatives) is just one side of the coin. The other side is that they are allowed to do so—in contrast to slaves, who cannot sell their labor power since they themselves have already been sold by others.

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Was ist »Information«?

Streifzüge 46Um die »Information« geht es in der aktuellen Kolumne »Immaterial World« in den Wiener »Streifzügen«. Themenschwerpunkt des aktuelle Heftes sind die »Ressourcen«. Obwohl vorher nicht geplant, passt die Kolumne ganz gut in das Thema rein, handelt es sich bei der Information doch um eine spezielle Ressource.

Die umstrittene Kernthese der Kolumne lautet: Information ist keine Erscheinung der unbelebten Natur, sondern an das Leben gebunden. Damit werden alle »physikalistischen« Ansätze (also die allermeisten) zurückgewiesen. Warum ist das wichtig?

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Kapitalismus abwracken! – aber was kommt dann?

Kapitalismus abwracken!Unter dem Titel Kapitalismus abwracken! das schöne Leben gewinnen veranstalten die Falken, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Bildungswerk Berlin eine Konferenz für junge Leute von etwa 16 bis 26 Jahren.

Jenseits des Kapitalismus: Wie wollen wir leben, arbeiten, vergnügt sein?

Jugendkonferenz zu Kapitalismus und dem ganz Anderen
vom 3. – 5. Juli 2009
in der Bildungsstätte Kurt Löwenstein bei Berlin

Nicht erst seit der momentanen Krise gibt es eine Kritik am Kapitalismus. Schon seit seiner Entstehung werden Alternativen für eine andere Gesellschaft diskutiert. In der Geschichte gab und gibt es einige Versuche anders zu wirtschaften und neue Formen des kooperativen Zusammenlebens auszuprobieren.

Als vor 20 Jahren die Mauer fiel, sprachen viele vom »Ende der Geschichte«. Damit war gemeint, dass das westliche Modell von Marktwirtschaft und Demokratie gesiegt hat und von nun an die beste aller möglichen Welten sein wird. Wir wollen auf unserer Jugendkonferenz diesen Mythos in Frage stellen und mögliche Alternativen diskutieren.

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André Gorz: Auswege aus dem Kapitalismus

André Gorz: Auswege aus dem KapitalismusKurz vor seinem Freitod hat André Gorz ein Buch zusammengestellt, das kürzlich erschienen ist und als eine Botschaft an die Nachwelt gelesen werden kann. Das Buch enthält die beiden Linien, die für André Gorz immer wichtiger wurden: Ökologie und Wissen. In klarer Sprache zeigt er auf, dass sich der Kapitalismus seine eigene Basis — die Verwertung von Arbeit — unterm Hintern wegrationalisiert. Gleichzeitig zerstört der kapitalistische Wachstumszwang seine stofflichen Grundlagen. Als Ausweg sieht André Gorz einen Wissenskommunismus, dessen erste Anzeichen er in der Freien Software beobachtet.

Die taz hat eine lesbare Rezension des neuen Buches veröffentlicht, und in der 3SAT-Sendung »Kulturzeit« ist ein längerer Beitrag gesendet worden (siehe unten). Dort allerdings kommt eine Passage vor, die André Gorz nicht zugeschrieben werden kann: Regionales Geld sei ein Ausweg, weil es den Zins überwinde. Tatsächlich schreibt André Gorz von einer »Ökonomie der Unentgeltlichkeit«, die eigentlich eine »Antiökonomie« sei, und von der Freien Software als deren »Keimform«. Wie hieraus eine Zinskritik nach Gesellscher Manier abgeleitet werden kann, bleibt das Geheimnis der Autor_innen des Beitrags.

Captain Hook 2.0: oder, wie man Nachwuchsjournalisten auf Linie bringt

Die Musikindustrie lobt einen Preis für Schüler aus, die sich „mit den Folgen der Internetpiraterie beschäftigen“. 10.000 Euro Preisgelder stehen dafür zur Verfügung, dass man sagt, was die Musikbranche hören will − und dem ganzen auch noch den Anstrich der Objektivität gibt; Pro und Contra aufarbeitet usw. − alles natürlich im Rahmen der Deutung, die schon in der Wortwahl „Internetpiraterie“ eindeutig vorgegeben ist. Ein klarer Fall von Belohnung für Tendenzjournalismus.

So weit, so altbekannt. (mehr …)

Urheberrecht mit links

Nur: Ist der Kapitalismus eine Schlammpackung?Am 15. Mai fragte sich die Linksfraktion, wem eigentlich das Wissen gehört und holte sich etliche Gäste und rund 60 Besucher_innen zur Hilfe. Auf den Panelen Weltwirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Internet und Abschluss wurde eine breite Palette von Themen angerissen — mehr Zeit war nicht.

Die Veranstaltung war — soweit ich sie mitbekam (bis 16:00) — mäßig interessant. Gut, wie immer, war Volker Grassmuck mit seiner Keynote, der nochmal klar darstellte, dass die alten Zeiten vorbei und alle Rückdrehversuche der digitalen Revolution (Raubkopierer-Propaganda, DRM etc.) zum Scheitern verurteilt sind. Es sprach sich für einen »digitalen Frühjahrsputz im Urheberrecht« aus. Sein Lieblingskind, die Kulturflatrate, durchzog im Folgenden die Veranstaltung.

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ox4 Notes III: Money and Patterns

Franz Nahrada (photo by Phoebe)This post continued my coverage of the ox4 conference (part 1, part 2). The topic of Raoul Victor’s talk was Money and Peer Production. He pointed out that money as a dominant social relation emerged only with capitalism. In pre-capitalist societies, most social relations weren’t based on money and symmetric exchange. That’s an important reminder since people often believe that money and markets are more or less neutral tools which can be used for non-capitalist purposes, since they are far older than capitalism. They forget that money and markets have never been the primary means of organizing production in any non-capitalist society, they only played minor, supporting roles. Money cannot become the dominant social form outside of capitalism, and capitalism cannot exist without money.

Raoul also explained that money is just the incorporation of symmetric exchange; you cannot abolish money without abolishing exchange, and vice versa. Money emerges spontaneously when it is needed, e.g. cigarettes were used as a substitute money in times of war. When markets are forbidden but there is no other adequate way of organizing production and distribution, black markets appear—markets in their worst form. So money can only be abandoned by getting rid of its root cause: exchange.

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