Kategorie: Commons

Howard Rheingold über Keimformen

Howard Rheingold, der alte High-Tech-Hippie, spricht bei TED über Spieltheorie, die Tragik der Allmende, neue Formen der Kooperation und wie daraus eine neue Ökonomie mit neuem Wohlstand jenseits von Markt und Staat entstehen kann. Ein sehr prägnanter, kurzer Vortrag, der viel auf den Punkt bringt auch wenn er mit komischen Biologismen durchsetzt ist:

Peer-Economy: Offene Fragen

Jetzt liegt ja Christians Vorschlag zur Peer-Economy schon eine ganze Weile vor. Ich schätze diesen Ansatz, weil er zumindestens in der Theorie den häufig gehörten Einwand gegen Keimformen, dass diese spätestens an der Grenze zur materiellen Ökonomie verlieren müssten, entkräftet. Darin hat er für mich eine ähnliche Rolle wie die Freie Software, die für mich vor allem ein Argument ist, dass globale Produktion in selbstorganisierter freier Kooperation auf hohem technischen Niveau möglich ist. Nun ist es leider so, dass praktische Argumente wesentlich besser funktionieren als theoretische. „Guckst Du hier“ überzeugt halt einfach mehr als „liest Du hier“.

Ich habe ja schon relativ früh meine Kritik, oder besser meinen Erweiterungsvorschlag zu seinem Konzept dargelegt. Meiner Meinung nach kann es keine dauerhaft funktionierende Peer-Economy geben ohne Grundauskommen. Dazu stehe ich auch weiterhin, auch wenn Christian dazu mal sagte, dass Grundauskommen sei eben genau das Ziel der Peer-Economy und könne deswegen nicht schon als Vorraussetzung gesetzt werden. Scheinbar beißt sich da eine Katze in den Schwanz.

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Historische Bilder durch Tags anreichern

Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (LOC)Die Bibliothek des US-Kongresses (Library of Congress LOC) hat rund eine Million Fotos und Drucke gesammelt, die bereits seit zehn Jahren online öffentlich zugänglich sind. Nun hat die LOC ein Pilotprojekt gestartet, um ausgewählte Fotos via Flickr öffentlich taggen zu lassen. Die Sammlung wird dadurch reicher und besser zugänglich. Crowdsourcing im besten Sinne, denn das Resultat bleibt freies Allgemeingut (Commons) — für alle Bilder gilt: »Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt«. [via]

Foto: Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (src) — vgl. dazu auch den Artikel über die Fotos aus Pie Town

Materielle Peer-Produktion — Teil 0: Merkmale der Peer-Produktion

Buch-Cover[This is the German translation of the original English article.]

Ist es möglich, die Peer-Produktion in die physische Welt auszuweiten und materielle Güter und Dienstleistungen auf die gleiche Weise zu produzieren wie Freie Software und offenes Wissen? Ist es möglich, dass Peer-Produktion zur primären Produktionsweise wird und damit Märkte und den Kapitalismus überflüssig macht? In meinem „Peerconomy„-Buch argumentiere ich, dass dies in der Tat möglich ist und diskutiere wie es umgesetzt werden kann. Dieser Beitrag ist der erste Teil einer kurzen Artikel-Serie, in denen die Kernideen meines Konzepts erklärt werden. Sie wurde ausgelöst durch eine Diskussion auf der englischsprachigen Oekonux-Liste. Dieser Artikel dokumentiert meine erste Mail.

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Material Peer Production — Part 0: Traits of Peer Production

'From Exchange to Contributions' Cover[Update: es gibt jetzt auch eine komplette deutsche Übersetzung dieses Artikels — danke, Stefan!]

Is it possible to generalize peer production into the physical world and to produce material goods and services in the same way as free software and open knowledge? Is it possible for peer production to become the primary mode of production, obsoleting markets and capitalism? In my „Peerconomy“ book, I argue that it is indeed possible and discuss how it can be done. This is the first part of a short series explaining my core ideas. It was triggered by discussion on the English Oekonux list. This article documents my first mail.

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Commons und Open Access

Manche Zusammenhänge liegen auf der Hand. Es muss doch immer mal wieder eine vorbei kommen, und sie formulieren, bevor ich sie sehe. Silke Helfrich vom CommonsBlog hat das für den Zusammenhang von Commons und OpenAccess für mich in einem Kommentar getan: Bei rivalen Gütern führt OpenAccess (also freie Nutzung) von Commons (also Gemeingütern, auch Allmende genannt) unweigerlich zur Übernutzung mit der Folge der Zerstörung der Commons.

Nun kam Garrett Hardin daher und hat das flugs verallgemeinert: Gemeingüter führen immer zur Übernutzung — bekannt geworden unter dem Titel »Tragedy of the Commons«. Der Witz bei lokalen Gemeingütern ist jedoch, dass sie meist kein OpenAccess kennen, sondern bestimmte Nutzungsregeln haben, um genau jene Übernutzung zu verhindern, die Hardin stets automatisch kommen sieht. Hardin ist noch in anderer Hinsicht schräg, aber das sei hier mal ausgeblendet. Mir geht es um was anderes…

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Commons? Commonism!

Im sehr lesenswerten Commonsblog gibt es einen interessanten Grundsatzartikel von Silke Helfrich. Gesucht wird dort die Gemeinsamkeit ganz unterschiedlicher Prozesse von Freier Software über Artenvielfalt bis hin zur Klimadebatte im Begriff der Commons oder Allmende. Viele der Konflikte heutzutage lassen sich so verstehen als Konflikte um die institutionelle Ausgestaltung der Commons. Daran ist viel wahres und wir beackern das Thema ja auch oft. Dennoch habe ich wesentliche Kritik an diesem Vorgehen:

Obwohl der historische Begriff der Allmende nicht nur im Untertitel des Blogs prominent vertreten ist, mutet vieles seltsam unhistorisch an. Ist es nicht so, dass die Verwaltung der Commons genau deswegen zum Problem wird, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der die Produktion unseres Lebens organisiert ist als die Produktion unabhängiger Eigentümer die sich erst über den Markt vermittelt? Wieso haben Allmenden früher lange funktioniert? Wieso waren sie lange so gut wie verschwunden kommen aber jetzt wieder ins Bewusstsein? Sind diese vielfältigen Probleme zu verstehen ohne diese Produktionsweise zu verstehen? Ich meine nein. Ich würde sogar noch weiter gehen: Wenn man diesen Aspekt aussen vor lässt sitzt man dem ganzen tief sitzenden Missverständnis in der Allmendedebatte auf. Diese wurde angestoßen durch einen biologistischen Artikel zum Thema „Tragik der Allmende“ von Garrett Hardin. Seiner Meinung nach ist es ein unausweichliches Schicksal der Allmende überausgebeutet zu werden, weil jeder einzelne Nutzer für sich immer so viel wie irgend möglich rausschlagen wird. Diese von Hardin biologistisch gesetzte Annahme ist richtig allerdings nur in eben der Gesellschaft, in der nicht die Bedürfnisse ausschlaggebend für die Entnahme sind, sondern in der Bedürfnisse als potentiell unendlich gesetzt und gemacht werden. Hardin hat Recht, aber nur im Kapitalismus. Nur der Kapitalismus ist die Universalisierung der Gier, die den Commons notwendig den Garaus machen muss. Wenn man über Commons redet, aber über den Kapitalismus schweigt, wird also immer eine gute Portion Hardin mitschwingen.

Wenn man nun aber nach einer Produktionsweise sucht, die den Commons angemessen wäre, stößt man schnell auf die Peer-Production. Diese wird üblicherweise beschrieben als auf die immaterielle Sphäre beschränkt. Sehr richtig beschreibt Silke Hefrich dagegen die vielfältigen Verschränkungen des Materiellen mit dem Immateriellen:

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Gratisökonomietreffen in Berlin

Mich erreichte eine Mail, die ich einfach mal weitergebe. Ich gehe mal davon aus, dass es sich um das Treffen handelt, von dem schon einmal die Rede war. Es wäre schön, wenn jemand von diesem Treffen berichten könnte.

Treffen von Umsonstläden und anderen Projekten selbstbestimmten Wirtschaftens

== Thema ==
* „Wie können wir aus Umsonstläden und ähnlichen Projekten einen Erfahrungsraum entwickeln für nicht-kommerzielles, waren- und herrschaftskritisch es Wirtschaften und sich selbst befreiendes Leben?“

*Während der letzten drei Jahre hat der Kontakt zwischen den Umsonstläden eher abgenommen..
*Versinken die Einzelnen und die Initiativen im stressigen Alltag einer meist gut besuchten „Dinge-Verteil-Station“ ??
*Was wollt ihr aus eurem Umsonstladen, aus eurem Projekt machen?
*Gibt es Ansätze bei euch, sich gegenseitig den Alltag solidarisch zu erleichtern?
*Was setzt ihr dem (wachsenden?) Druck der Erwerbsarbeit entgegen?
* oder ganz andere Fragen,…

== Einladung zum Treffen 29.11.- So, 2.12. 2007 nach Berlin ==
Jedenfalls laden wir (Aktive aus Hamburg und Berlin) euch recht herzlich zu einem 3. Umsonstläden- Treffen mit anderen ähnlichen Projekten ein:
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Open Library — alle Bücher weltweit erfassen

Open LibraryOpen Library ist ein Projekt des Internet Archive mit dem Ziel, alle Bücher weltweit in einer Datenbank zu erfassen. Der Aufbau und die Pflege der Datenbank soll nach dem Wikipedia-Prinzip erfolgen.

In der Projektbeschreibung heisst es:

»Was wäre, wenn es eine Bibliothek gäbe, die jedes Buch enthält? Nicht bloß jedes verkaufte Buch oder jedes bedeutende Buch oder jedes englische Buch, sondern schlicht jedes Buch — ein Schlüsselbestandteil des kulturellen Erbes unseres Planeten.

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