Autor: Stefan Meretz

grundlegung.de

Ich habe ein neues Projekt gestartet: Es befasst sich mit der Einführung in die »Grundlegung der Psychologie« von Klaus Holzkamp. Die »Grundlegung« ist das Basiswerk der Kritischen Psychologie. Es ist allerdings ziemlich schwer zu lesen. Um den Einstieg ein wenig zu unterstützen, habe ich eine Art »Onlinekurs« gestaltet. Wöchentlich erscheinen Artikel, die Abschnitte des Buches behandeln. Die Artikel kann man abonnieren. Alle Texte und Grafiken sind »gemeinfrei«, können also beliebig weiter verwendet werden.

Gleich in den ersten Ausgaben geht es um das »Fünfschritt-Modell«, in dem der Keimform-Begriff eine wichtige Rolle. Wer also schon immer mal wissen möchte, wo der Keimform-Begriff herkommt (das ist eine Quelle, es gibt weitere ) und was er genau bedeutet, findet dort eine ausführliche Erklärung. Am 30.8.2010 geht’s los, eintragen kann man sich schon jetzt.

Kritische Kategorien

In der neuen Kolumne »Immaterial World« in den Wiener »Streifzügen« geht es um die Rolle einer speziellen Sorte von Begriffen: um kritische Kategorien. Kategorien sind analytische Begriffe, die einem »die Realität aufschließen«, sie sind sozusagen die Brille, durch die wir die Realität wahrnehmen. Von den Kategorien hängt ab, was wir zu Gesicht bekommen.

Versteht man etwa »Subjekt« im Wortsinne ausschließlich als das »Unterworfene«, als Gefangenen der Fetisch-Verhältnisse, dann wird die Seite des »unter vorfindlichen Bedingungen Handelns« verabsolutiert. Dabei gerät die andere Seite aus dem Blick, nämlich die des Schaffens und Veränderns der vorhandenen Bedingungen. Auch diese Seite darf nun wieder nicht vereinseitigt werden — etwa im Sinne eines willkürlichen Wunschschloss-Bauens –, sondern Handlungseinschränkungen wie -Möglichkeiten müssen in ihrer Widersprüchlichkeit sichtbar gemacht werden. Das ist die Aufgabe kritischer Kategorien. Mehr dazu steht in der Kolumne.

Um das komplizierte Verhältnis von an Marx orientierter Gesellschaftstheorie, Kategorien und Einzeltheorien geht es auch in einem Workshop bei der Ferienuni Kritische Psychologie, an dem ich teilnehme. Wer sich für die hier angesprochenen erkenntnistheoretischen Fragen interessiert, ist herzlich eingeladen.

Michel Bauwens on Openness in Design and Manufacturing

The following video is picked out of a big stream of skype-based interviews on open design, especially in architecture — driven by the Berlin based project opensimsim.net. The interview was done by Natalia Fentisova.

Patente enteignen!

Patente sollen einen ökonomischen Anreiz bieten, neue techische Verfahren zu erfinden — zum Beispiel für die Produktion neuer Medikamente. Dass insbesondere im Pharmabereich häufig öffentliche Gelder in der Forschung eingesetzt werden, könnte alleine schon rechtfertigen, keine Patente für Privatproduzenten zuzulassen. Genau dies geschieht jedoch in aller Regel — die private Verwertung der öffentlichen finanzierten Forschungsergebnisse.

Skandalös wird die Sache, wenn die Privatproduzenten nicht willens (z.B. aufgrund zu geringer Gewinnmargen) oder in der Lage (z.B. aufgrund nicht eingehaltener gesetzlicher Hygienevorschriften) sind, das patentierte Medikament auch tatsächlich zu produzieren. Ein solcher Fall wird nun aus den USA berichtet.

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Deutsche Bank — Ankommen im digitalen Zeitalter

Wenn mal was Neues gedacht werden soll, werden die internen Researcher vorgeschickt. So auch bei der Deutschen Bank: Die Deutsche Bank Research schreibt über das Urheberrecht mit einem bemerkenswertem Realismus, wobei der Titel schon die Richtung vorgibt: »Der Pirat in uns. In den Tiefen des Urheberrechts« (PDF).

In einer Mischung aus rechtstreuem Politikergeschwätz (»Das Internet ist keinesfalls ein rechtsfreier Raum«) und harten Fakten (»Schätzungsweise werden lediglich 4% aller geschützten kreativen Werke derzeit kommerziell verwertet«) wirbt das Papier letztlich dafür, die Fakten anzuerkennen: So geht’s nicht weiter. Deutlich wird eine Wahrheit endlich ausgesprochen: »Das klassische Urheberrecht beruht auf künstlicher Verknappung und Kontrolle«, denn: »Digitale Güter sind nicht knapp«.

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Ferienuni Kritische Psychologie

Vom 24. bis 28. August findet an der FU Berlin die 7. Ferienuniversität Kritische Psychologie statt. Warum ist das eine Meldung wert? Weil die Kritische Psychologie die weithin klügste Theorie zum gesellschaftlichen Individuum bereitstellt. Sie nennt sich selbst auch Subjektwissenschaft und streitet strikt für den Standpunkt des jeweils individuellen Menschen. Sie ist also keine »Wissenschaft über Menschen« vom Außenstandpunkt, sondern »Wissenschaft für Menschen« vom Individual-Standpunkt. Oder mit anderen Worten: Sie ist eine Peer-Psychologie. Nicht zuletzt die »Keimform-These« und der Begriff der »Selbstentfaltung« sind Umsetzungen aus der Kritischen Psychologie.

Eine Übersicht über das volle Programm an fünf Thementagen gibt es unter ferienuni.de/programm-alle-tage/.

Männliche Geeks behaupten ihre Maskulinität auf Kosten weiblicher Geeks

[German translation of a post at Restructure! and Geek Feminism Blog]

by Restructure!

Die meisten männlichen Geeks [1] glauben, dass sie die traditionelle Maskulinität [2] untergraben, in dem sie für sich selbst den Begriff »Geek« einfordern und sich mit ihm identifizieren. Für die meisten männlichen Geeks ist die Geek-Identität teilweise als Zurückweisung der »Jock«-Identität [3] definiert. Entsprechend der traditionellen sozialen High-School-Hierarchie sind Jocks Männer mit einem hohen Status und männliche Geeks Männer mit einem niedrigen Status; Jocks sind Alpha-Männer und männliche Geeks sind Beta-Männer; Jocks sind maskulin und männliche Geeks sind »unmännlich« [effeminate]. Wenn sich daher ein Mann als Reaktion selbst als »Geek« bezeichnet, dann redefiniert er, was es heißt ein Mann zu sein, dann redefiniert er die Geek-Identität als maskulin.

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When Copyright Goes Bad

A nice film about some preposterous effects of copyright, however, still in the frame of finding a »balance« between profit making and consumer benefit, of seeking for a »better business«. Eva Galperin from EFF introduces:

»Consumers International has released an excellent short film, When Copyright Goes Bad, which chronicles the rise of copyright as a global consumer rights issue and the ongoing fight for fairer copyright laws. The film features interviews with EFF Senior Staff Attorney Fred von Lohmann, Professor Michael Geist from the University of Ottowa Law School, Sunil Abraham from the Centre for Internet and Society, Hank Schocklee, co-founder of Public Enemy, and more.«

[via]

OSHW — Open Source Hardware

Obwohl Heise einen »Lizenz-Entwurf« meldet, der jetzt für offene Hardware vorläge, ist dem nicht so: freedomdefined.org hat eine Definition von »Open Source Hardware« (OSHW) vorgeschlagen und beschrieben, was eine Lizenz leisten müsse. OSHW ist also ein Kriteriensatz für die Erstellung einer Lizenz für offene Hardware, nicht aber selbst eine Lizenz. Soviel zur Entwirrung. Die OSHW orientiert sich an den Debian-Richtlinien für Freie Software bzw. der Open-Source-Definition.

Dass es mit offener Hardware nicht ganz so einfach ist wie mit Freier Software, hat Christian im Artikel »Copyleft für Hardware – ein kniffliges Problem« bereits beschrieben. Nachfolgend fasse ich die 11 Punkte der OSHW-Definition des englischen Entwurfs zusammen (eine deutschsprachige Fassung gibt es noch nicht). (mehr …)

Stigmergie

Stigmergie ist ein Begriff zur Beschreibung, wie Kommunikation in einem dezentral organisierten System, das eine große Anzahl von Individuen umfasst (etwa einem Schwarm, vgl. Schwarmintelligenz), koordiniert wird: Die Individuen des Systems kommunizieren miteinander, indem sie ihre lokale Umgebung modifizieren. Das gemeinsam Erstellte wird gleichsam zur allgemeinen Anleitung dafür, wie mit dessen Erstellung fortzufahren ist. Produkt und Dokumentation des Produktionsprozesses sowie die Planung der weiteren Ausrichtung der Produktion fallen in eins.

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