Autor: Stefan Meretz

Nichtkommerzielles Leben in Berlin-Brandenburg

NKL, nichtkommerziell leben, so nennt sich ein Blog und eine Gruppe von Menschen, die Möglichkeiten — theoretisch wie praktisch — erforscht, mit wenig oder ganz ohne Geld leben zu können. Die Gruppe schreibt dazu:

Es geht nicht allein ums Geld, es geht um umfassende Alternativen zur zerstörerischen, ungerechten und uneffektiven Wirtschaftsweise.

Geldfreiheit wird also gleichzeitig mit einer Kritik an den kapitalistischen Wirtschaftsstrukturen verbunden. In Berlin und Brandenburg hat sich in den letzten Jahren eine recht breite Vielfalt an interessanten Projekten entwickelt. Genannt seien hier nur die Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit (PaG) mit den beteiligten Gruppen aller_Dings in Strausberg, Wukania Projektehof und Lokomotive Karlshof; die Gruppe Kleider tauschen Leute, die Initiative Transition Town Berlin-Friedrichshain/Kreuzberg, verschiedene Umsonstläden und anderes mehr.

Tipp: Es ist noch möglich, bei der PaG-Commons-Tour 2011 einzusteigen — wörtlich gemeint: Ein Bus fährt zu den PaG-Projekten. Die erste Bus-Tour zum Wukania-Projektehof nach Biesenthal (nordöstlich von Berlin) ist bereits gelaufen. Die nächsten Termine sind der 17. Juli mit einer Fahrt zur Stadtkommune aller_Dings nach Strausberg, und am 10. September geht die Tour zur Lokomotive Karlshof bei Templin. Mehr Infos hier.

Random Hacks of Kindness in Berlin

Am 4. und 5. Juni 2011 findet der 4. Random Hacks of Kindness statt. RHoK ist ein an vielen Orten der Welt gleichzeitig und wiederholt stattfindender Programmierwettbewerb, der ein ganzes Wochenende dauert. Zum zweiten Mal wird es dabei auch im Betahaus in Berlin ein lokales Event geben.

Die RHoK-Anwendungen sollen in Krisensituationen helfen oder der Prävention und dem Schutz dienen. Dies können sowohl plötzliche Ereignisse sein (Erdbeben, Überschwemmungen, Terroristische Angriffe, Buschfeuer) als auch vorhersagbare Ereignisse (Monsunregen, Grippeepidemien…) oder auch längerfristige Krisen wie in Unruheherden, Gebieten mit chronischer Unterernährung, hohen AIDS-Raten, dauernden Dürren oder Auswirkungen des globalen Klimawandels. [via]

Hacking Club-Mate

Club-Mate ist nicht nur hierzulande beliebt, sondern auch in den USA. Dort bekommt man das Getränk jedoch nur schwer, und wenn, dann zu hohen Preisen. Was liegt näher, als sich das Zeug selber zu brauen? Das ist jetzt geschehen, wobei es schon mehrere Hacks gibt.

Der Hackerspace HackPittsburgh hat Open Mate kreiert, das Rezept ist super einfach. Der Interlock-Hackerspace in Rochester hat mit Open Mate Beta 2 eine mehr zitronige Variante vom Pittburgh-Rezept abgeleitet — offene Quellen machen’s möglich. Noisebridge ist ein Hackerspace in San Francisco, ihr Rezept-Remix heißt Sudo Pop und ist ein Ginger-Beer. Glaubt man dem MAKE-Magazine, so ist Dave-Mate geschmacklich am nächsten am Original — hier das Rezept. [via]

Commons, Nachhaltigkeit und Diskurssprung

Eine wiederkehrende Kritik an digitalen Commons (wie Freier Software, Wikipedia, Freier Kultur etc.) lautet, dass sie die Tatsache ignorierten, dass eine physikalische Infrastruktur — die Kabel, Computer, Stromversorgung etc. — die Voraussetzung für das Commoning (die Commons-Praxis) ist. Diese verbrauche ganz konventionell stoffliche Ressourcen, und das nicht zu knapp, so dass es Augenwischerei sei, auf die fast aufwandsfreie Kopierbarkeit der digitalen Güter zu verweisen. Die Praxis der digitalen Commons sei im Gegensatz zu vielen traditionellen Commons nicht nachhaltig.

Stimmt dieser Vorwurf?

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Lena Meyer-Landrut

… wurde zwar beim Eurovision Songcontest dieses Jahr auf Platz 10 durchgereicht, aber dafür hat sie letztes Jahr in einem Interview mit Ö3 was schönes gesagt. Auf die Frage, was sie verändern würde, antwortete sie:

Rezension »Netz-Widerstand«

(Rezension erschienen in: »Das Argument«, Nr. 291/2011)

Winter, Rainer, u. Sonja Kutschera-Groinig, Widerstand im Netz. Zur Herausbildung
einer transnationalen Öffentlichkeit durch netzbasierte Kommunikation, transcript, Bielefeld 2010 (165 S., br., 18,80 €)

Mit dem Forschungsansatz der Cultural Studies wird die soziale Entfaltung von netzbasierten kommunikativen Praktiken jenseits einer globalen »Kontrollgesellschaft« (Deleuze) untersucht. Diese werden durch die Stichworte »Online-Aktivismus« und »Kosmopolitismus« umrissen. Zu den widerständigen Netzwerken zählen Verf. die verschiedenen Alternativ- und Kampagnenmedien von sozialen Bewegungen und Protestgruppen, aber auch solche von Subkulturen, Hobbyisten und Fans. Als Teil der Zivilgesellschaft haben sie ihren medialen Netzraum neben Markt und Staat errungen und leisten »symbolischen Widerstand gegen neoliberale marktwirtschaftliche Ideologien« (74).

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Rezension »Google-Komplex«

(Rezension erschienen in: »Das Argument«, Nr. 291/2011)

Röhle, Theo, Der Google-Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets, transcript,
Bielefeld 2010 (261 S., br., 24,80 €)

Während in bekannten Dystopien wie Orwells 1984 der Staat als allmächtiger Moloch über die isolierten Individuen herrscht, hat sich diese Funktion im neoliberalisierten Kapitalismus eine private Firma gesichert: Google. Doch statt Dämonisierung ist kühle Analyse angebracht, denn »Macht im Zeitalter des Internets« sei nicht mit unidirektionalen Top-Down-Konzepten zu begreifen, sondern als Gouvernementalität statt als Souveränität, mit Foucault statt mit Hobbes, lautet Röhles argumentative Leitlinie. (mehr …)

Kongress-Wochenende: Wachstumskritik und Marx

Gleich zwei Kongresse bzw. Konferenzen locken vom 20. bis 22 Mai 2011 nach Berlin. Zunächst ist da der Attac-Kongress »Jenseits des Wachstums?!« in der Technischen Universität Berlin, und dann die Internationale Konferenz »Re-Thinking Marx« in der Humboldt Universität Berlin. Aus Platzspar-Gründen habe ich mal beide Logos kombiniert. Ergibt das Sinn? Hätte Marx sich einen wachstumsgebremsten Kapitalismus vorstellen können?

[Update] Einen hab ich noch: Wer’s eher traditionell mag — Klassenkampf und Pulverdampf — geht über Himmelfahrt (2.-5- Juni) zum Kongress »Marx Is Muss«.

Open Hardware im Radio

Passend zum letzten Post zum Film »Us Now« lief die Sendung »breitband« im »D-Radio Kultur« zu offener Hardware: Traktoren aus offener Quelle. Einige Bekannte kommen vor: Global Village Construction Set, Arduino, Premium Cola und ein Interview mit Michel Bauwens zur Frage, wie der neue Peer-Kapitalismus aussieht.

[via]