Autor: Christian Siefkes

Das neue Open Source Jahrbuch ist da

Vor ein paar Tagen ist das neue Open Source Jahrbuch erschienen. Das Buch gibt es zum Komplett-Download als PDF; wer den Autor- bzw. Herausgeber/innen oder den eigenen Augen etwas gutes tun will, kann aber auch die gedruckte Version bestellen. Außerdem gibt es eine Übersichtsseite mit Titeln und Abstract der einzelnen Artikel, über die die Artikel jeweils auch separat downloadbar sind. Insgesamt sind es 49 Artikel — wow, eine Menge Stoff 🙂

Zu den Autoren gehört Richard Stallman, der — nach dem Titel zu urteilen –, allerdings nur mit seiner üblichen Litanei aufwartet: „Why ‚Open Source‘ Misses the Point of Free Software“ („Warum ‚Open Source‘ das Wesentliche von ‚Freier Software‘ verdeckt“). Schade, wär interessant gewesen, mal wieder was Neues vom ihm zu lesen…

Aus der keimförmigeren Ecke ist zumindest Franz Nahrada vertreten, mit einem Artikel über „Piazze telematiche, Video Bridges, Open Coops – der mühsame Weg zu den Globalen Dörfern“.

Hab mir das Buch jedenfalls mal runtergeladen und werd demnächst mal anfangen, zu schmökern 🙂

Erziehung und Lernen bei Frithjof Bergmann

Meine Einführung zu Frithjof Bergmanns Buch „Die Freiheit leben“ ist ja schon wieder eine Weile her. Jetzt habe ich endlich wieder etwas mehr Freizeit – eine gute Gelegenheit, noch darauf einzugehen, was Bergmann über Erziehung zu sagen hat. Über die Zusammenhang von Freiheit und Erziehung geht es in Kapital 6, mit mehr als hundert Seiten dem längsten des Buches.

Bergmann weist sowohl klassische „autoritäre“ als auch die seinerzeit (das Buch wurde ursprünglich 1977 veröffentlicht) modischen „anti-autoritären“ Erziehungsstile zurück. Wie alle Menschen brauchen Kinder Feedback, deshalb ist eine konsequent anti-autoritäre Erziehung als „Politik der Nichteinmischung“ nicht nur von den Eltern kaum durchzuhalten, sondern auch schlimm für das Kind, dem dieses Feedback verweigert wird. Schlimm ist es aber auch, das Kind zu verhätscheln oder zu „bemuttern“ – wenn dem Kind jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird, wird ihm die Chance genommen, sich seiner Wünsche selbst klar zu werden, sie zu artikulieren und sich um ihre Umsetzung zu bemühen.

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Vergesst die Kopierbarkeit!

Sabine Nuss betont in ihrem Blog nochmal, warum ihr die in und um die Freie-Software-Szene üblichen Analysen zu kurz greifen:

Üblicherweise heißt es auf Seiten der Verfechter von Freier Software (wenn sie nicht eh schon kapitalismus-kritisch sind), dass diese spezielle Eigentumsform nur möglich ist, weil es sich um ein immaterielles und damit nicht-knappes Gut handelt. Das heißt ja im Umkehrschluss: In der materiellen Welt ist Privateigentum notwendig, weil hier die Güter knapp sind. Deshalb war es mir ja so wichtig, das herrschende Eigentumsverständnis zu untersuchen. Das ergab, dass sowohl die Kritiker des Geistigen Eigentums als auch die Befürworter auf Basis der gleichen theoretischen Vorannahmen argumentieren.

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Wer sich kopieren lässt, gewinnt

Jetzt greift sogar schon Spiegel Online die These auf, dass sich im Streit um den hochauflösenden DVD-Nachfolger (HD-DVD vs. Blu-ray) dasjenige System durchsetzen wird, dessen Kopierschutz sich besser knacken lässt:

Ob eine größere Auswahl an raubkopierten Filmen vielleicht sogar den Formatkrieg entscheiden kann, wird die Zukunft zeigen. Muslix64 ist sich sicher: „Je unsicherer das Format, umso mehr Leute werden es kaufen. Auf lange Sicht scheint Blu-Ray sicherer und teurer zu sein. Aus diesem Grund gewinnt die HD-DVD!“

Auch der im Kapitalismus bestehende Zusammenhang zwischen freien (oder frei zugänglichen) Inhalten und Geldverdienen durch Hardware oder Zugang ist ihnen nicht entgangen:

Die Hersteller von Rohlingen dürfte die Entwicklung zumindest nicht stören. Und wenn es erstmals gelingt, eine Kopie auf einem Standalone-Player abzuspielen, könnten auch die Hardware-Hersteller von der Entwicklung profitieren.

Ob die Player-Hersteller mitlesen und sich diese Tipps zu Herzen nehmen? 😉

Wissenschaft als Begreifen-wollen

In Sabine Nuss‘ Blog gibt es anlässlich eines Marx-Zitats einige Überlegungen zum Ziel und Anspruch von wissenschaftlicher Arbeit:

Zweifel und Zagheit, die beim Eingang in die Wissenschaft zu „ertöten“ sind, beziehen sich auf den Umgang mit den Ergebnissen der Analyse: sind sie Ergebnis ernsthafter Forschung, so müssen sie auch vertreten werden, egal wie viele Vorurteile der „öffentlichen Meinung“ oder der „herrschenden Klassen“ verletzt werden.

Vorurteile existieren aber auch bei der Linken, auch dort geht es nicht selten darum, sich liebgewonnene Beurteilungen der Verhältnisse durch eine Analyse bloß nicht kaputt machen zu lassen. Demgegenüber betont Marx an einer späteren Stelle des „Kapital“, dass es ihm gerade nicht um eine Kritik geht, „welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu begreifen weiß.“ (528, Fn. 324). Ohne ein „Begreifen“, das sich eben nicht vor seinen Resultaten fürchtet, egal wie sie ausfallen mögen, ist eine wirkliche Kritik schlechterdings nicht möglich!

Das ist es wohl, was die Wissenschaft und generell jede Suche nach Erkenntnis ausmacht: es geht darum, die Dinge möglichst gut verstehen zu wollen; sich darum zu bemühen, sie so zu begreifen, wie sie sind (nicht wie man sie gern hätte). Leider scheint das auch bei „Linken“ und „kritischen Geistern“ manchmal in Vergessenheit zu geraten…

Solidarische Ökonomie: Stipendien für Frauen

Die Stiftung Fraueninitiative hat zwei Jahresstipendien ausgeschrieben für Frauen, die sich mit der Freien Gesellschaft beschäftigen wollen. Uups — nein, genauer:

die kreativ über neue Möglichkeiten des Wirtschaftens und Arbeitens im Kontext eines gewünschten Lebens nachdenken wollen. Gemeint sind Formen von solidarischer Ökonomie, die sich an gebrauchsförmigem und nicht-patriarchalem gemeinsamen Wirtschaften und Arbeiten orientieren und dabei unsere Natur sinnvoll nutzen und erhalten.

Klingt doch ganz gut…

Frist für Bewerbungen ist der 15. März 2007, die komplette Ausschreibung ist als PDF auf der Aktuelles-Seite der Stiftung zu finden.

Dort gibt es auch einen Bericht (ebenfalls PDF-Link) zu dem Workshop der Stiftung auf dem Kongress „Wie wollen wir wirtschaften?“, den die Veranstalterinnen für die Zeitschrift contraste geschrieben haben. Erwartungsgemäß enthält der Bericht eher Fragen als Antworten; die eine oder andere Anregung aus dem hauptsächlich von Stefan und mir eingebrachten „Keimform“-Spektrum habe ich dort auch wiedererkannt.

Wikia-Suchmaschine: Hype oder Hoffnungsträger?

War es das „Winterloch“, oder wie kam es, dass Jimmy Wales, einer der Wikipedia-Gründer, mit seiner Geschäftsidee einer Suchmaschine, bei der die Nutzer/innen statt (wie bei Google) Algorithmen die gefundenen Seiten bewerten und damit ihr Ranking bestimmen, in jüngster Zeit so einige Furore machte?

Mit der Wikipedia hat das Projekt jedenfalls nichts zu tun, und wirklich neu ist die Idee auch nicht, wie Kurt Jansson, der Vorsitzende des deutschen Wikipedia-Vereins (und nebenbei Co-Gründer des Freie-Gesellschaft-Wiki) klarstellt:

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Erwerbsarbeit macht krank

Wir haben’s immer schon geahnt, jetzt weiß es auch Spiegel Online: Erwerbsarbeit macht krank, jedenfalls unter den heute üblichen Bedingungen.

Enge Termine, Berge von Arbeit und die Angst um den Job bestimmen den Alltag vieler Arbeitnehmer in Deutschland – und bedrohen ihre Gesundheit: Denn diese Arbeitsatmosphäre nervt nicht nur. Sie ist auch extrem ungesund für Psyche und Körper. […]

Jeder zehnte Fehltag geht auf das Konto von psychischen Erkrankungen. Die Zahl steigt seit Jahren, zeigt der jährliche Gesundheitsbericht der Deutschen Angestelltenkrankenkasse (DAK). Meist handelt es sich um Depressionen und Angsterkrankungen. Für Frühverrentung sind psychische Probleme inzwischen der Hauptgrund. Dauerstress im Job spielt bei dieser Entwicklung eine große Rolle, vermuten Experten, die die DAK im Rahmen einer Sonderanalyse zum Thema „Angst und Depression“ im Jahr 2005 befragte.

Der Spiegel findet dann natürlich heraus, dass dies die Unternehmen teuer zu stehen kommt und Maßnahmen gegen den Stress deshalb (!) sinnvoll sind:

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Bericht vom CCC

Der 23. Chaos Communication Congress ist gestern zu Ende gegangen. Im Bereich Freie Software gab es eher wenig neues:

Zu dem von Stefan vorab analysierten Vortrag „The Rise and Fall of Open Source“ konnte ich nicht, aber (wie ich von anderen gehört habe) scheint der Vortrag auch nicht so doll gewesen zu sein.

Über „The gift of sharing“ gibt es kaum positives zu berichten — leider war der gesamte Vortrag ähnlich inkohärent und seltsam („keep the flow going“) wie der Titel 🙁 . Wer wissen will, wie und warum Freie Software und Freie Kultur wirklich funktionieren, sollte lieber Yochai Benklers Analyse der Peer-Produktion lesen.

Sehr viel interessanter war „Freie Software — Eine Chance für Afrika?“

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Freie Software für die Landwirtschaft

Von einer interessanten Dissertation berichtet Netzpolitik:

Die Landwirtschaft in den Entwicklungsregionen wird oft durch ländliche und abgelegene Situationen, Armut sowie geringes Bildungsniveau einhergehend mit einer hohen Rate von Analphabetismus charakterisiert. Vor diesem Hintergrund werden die theoretischen Rahmenbedingungen für die Anwendung von Free/Libre Open-Source-Software (FLOSS) in den Entwicklungsregionen aufgezeigt sowie die Herausforderungen analysiert.

Es wird aufgezeigt, dass mit Hilfe von FLOSS aktuelle Entwicklungsziele, insbesondere auch für die ländliche Entwicklung, unterstützt werden können. Exemplarische Beispiele dafür sind Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur, Schaffung von zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten und Fernbildungsprogramme.

Die Dissertation wurde von Martin Voß geschrieben und an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin eingereicht.