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Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 5)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4]

Michel Bauwens: Bitte nenne uns einige Details Deiner Einsichten in Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den FLOSS-Stiftungen. Angesichts der gegenwärtigen Entwicklung von Open Hardware: In welchem Ausmaß bewegt sich die Logik der Peer-Produktion von Software in das Feld von Open Hardware? Siehst du die Herausbildung vergleichbarer sozialen Dynamiken und Institutionen oder gibt es Unterschiede? Gibt es auch Open-Hardware-Stiftungen, die eine ähnlichen Rolle spielen?

Die meisten großen FOSS-Projekte haben Stiftungen gebildet, um administrative Aufgaben zu bewältigen, die nicht direkt mir dem Entwicklungsprozess der Produkte verbunden sind. So organisiert zum Beispiel die FreeBSD-Stiftung Konferenzen und Entwickler_innen-Treffen und ist für die finanziellen (z.B. Spenden sammeln) und rechtlichen Aspekte des FreeBSD-Projekts sowie für Firmenkontakte zuständig. Andere FOSS-Stiftungen spielen eine etwas größere Rolle bei der Projekt-Steuerung: Die Apache-Stiftung (ASF) etwa ist eine FOSS-Stiftung, die für die nahezu 100 Projekte, die unter der Schirmherrschaft von Apache laufen, die Meta-Steuerung übernimmt. Das bedeutet nicht, dass die Stiftung versucht, den Entwicklungsprozess der Projekte zu beeinflussen. Vielmehr stellt sie sicher, dass die Projekte in Bezug auf einige grundlegende organisatorische und rechtliche Aspekte des übergreifenden Apache-Projekts gemeinsam vorgehen. Die Aufgaben der Free Software Foundation (FSF) sind noch umfangreicher und umfassen auch die Organisation von aktivistischen Kampagnen für die Rechte der Technik-Nutzer_innen. Ich kenne keine Open-Hardware-Stiftungen mit ähnlichen Funktionen, es ist aber möglich, das es welche gibt.

Obwohl wir die zukünftige organisatorische Form von Open-Hardware-Projekten nicht genau voraussagen können, würde ich erwarten, dass sich ähnliche Institutionen in diesem Bereich herausbilden, da die normativen Prinzipien, die ihrer Entwicklung zugrunde liegen, weitgehend die gleichen sind. Institutionen erwachsen aus Prinzipien und wirken darauf hin, sie fortzuführen. Und bisher unterscheiden sich die Prinzipien, die die Entwicklung von Open Hardware durchziehen, nicht von jenen, die die FOSS-Entwicklung antreiben. Wie FOSS veranschaulicht auch Open Hardware eine Produktionsweise, die weder auf Tausch auf dem Markt ausgerichtet ist, noch von Management-Hierarchien gesteuert wird. Daher wird auch die Open-Hardware-Community ziemlich wahrscheinlich Institutionen hervorbringen, die ihre Unabhängigkeit von Management-Hierarchien bewahrt und sie vor kommerzieller Übernahme schützt.

Die Hauptdifferenz zwischen FOSS und Open Hardware betrifft eher die Einfachheit, mit der digitale Produkte wie Software im Vergleich zu physischen Produkten verändert und weiterverbreitet werden können. Bis auf Weiteres verhindert dieser Faktor die Übernahme des verteilten FOSS-Entwicklungsmodells über das Stadium des Designs hinaus in das der Herstellung, da materielle Produkte nicht komplett digitalisiert werden können. Aber der kombinierte Effekt der Ausbreitung fortgeschrittener Vervielfältigungstechnologien durch FabLabs und der schnellen Entwicklung von Desktop-Fabrikationssystemen wie RepRap, die sich die Ablösung großräumiger teurer industrieller Infrastrukturen zum Ziel gesetzt haben, wird es schließlich genauso einfach und billig machen, ein Rad zu modifizieren wie ein Stück Software.

[Teil 6]

Kategorien: Commons, Freie Hardware, Freie Software, Praxis-Reflexionen

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12. März 2012, 07:38 Uhr   2 Kommentare

1 Daniel (12.03.2012, 15:44 Uhr)

Es scheint, als ob sich rund um den Open Hardware Summit so etwas wie eine Stiftung gründen würde. Stipendien vergeben sie auch schon: http://www.openhardwaresummit.org/scholarship/

Klingt vielversprechend!

2 Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 6) — keimform.de (14.03.2012, 07:49 Uhr)

[...] [Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5] [...]

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