Schlagwort: peer-economy

Hubert Herfurth: Gesellschaftlichkeitsdefizit in der Peer-Ökonomie

Peer-Irrtum?[Auch wenn ich gerade nichts zur Debatte um die Peer-Ökonomie beitragen kann (sorry, kommt später), finde ich sie sehr wichtig. Nach Werner Imhofs Kritik nachfolgend eine weitere grundsätzliche Kritik von Hubert Herfurth. Absätze von mir, Original hier.]

Einleitung

In dieser Linken ist man vor keiner Überraschung gefeit. Selbst die Geschichte des Realsozialismus, also das Desaster der reine weg voluntaristisch umgesetzten Veränderungsansprüche im Gefolge der russischen Oktoberrevolution hat nicht dazu geführt, dass den vermeintlichen Revolutionären heute eine sowohl selbstkritischere als auch gelassenere Sicht auf die eigenen Veränderungsbestrebungen möglich ist. Dabei zeigen die bisherigen sozialistisch/kommunistischen Veränderungsversuche doch glasklar, dass den hehren Wünschen nicht mehr oder weniger automatisch eine ebensolche Realität folgen muss, ja, dass selbst die — den angeblich realisierten Wünschen — anhängende Realität womöglich nichts mehr mit diesen Wünschen gemein haben muss, sich letztlich sogar als das glatte Gegenteil dieser Wünsche herausstellen kann.

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Free the World… or Open Everything

Nein, die Befreiung der Welt ist leider noch nicht angesagt, aber dafür soll immerhin alles offen werden: Im Rahmen der Open Everything-Eventreihe findet am Samstag, dem 6.12.2008, eine eintätige „Konversation“ im newthinking store in Berlin-Mitte statt:

Sa. 6. Dezember 2008 | 10:00 – open end
newthinking store
Tucholskystr. 48 | Berlin-Mitte

openeverything Berlin ist ein Tag im Rahmen eines Diskurses zu offenen Ansätzen in verschiedenen Städten der Welt. Akteure, die in ganz verschiedenen Bereichen mit offenen Ansätzen experimentieren, produzieren und kooperieren, tauschen Erfahrungen aus, berichten von ihren Initiativen und diskutieren was das eigentlich bedeutet – Openness – und wie wir damit Wirtschaft und Gesellschaft verändern wollen und können.

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Werner Imhof: Zur Kritik der Peer-Ökonomie

[Werner Imhof hat an dem Hiddinghausen-Seminar zur Peer-Ökonomie teilgenommen und nun eine Kritik der Peer-Ökonomie verfasst, die nachfolgend dokumentiert ist.]

Christian Siefkes entwirft in seinem Buch „Beitragen statt tauschen“ das Modell einer sog. Peer-Ökonomie, indem er die Prinzipien der Freie-Software-Community – freie Kooperation im Rahmen autonomer Projekte zur Produktion frei nutzbarer Programme – mit gewissen Modifikationen auf die Produktion materieller Güter (und Dienstleistungen) überträgt. Das Ergebnis ist sicher eine Art gedanklicher Negation der kapitalistischen Warenproduktion, und es hebt sich positiv ab von traditionellen Sozialismus-Konzepten, indem es die Überwindung der Warenproduktion als praktisches Problem der Individuen behandelt, statt sie den (lösungsunfähigen) Ersatzsubjekten Partei und Staat zuzuweisen. Nichtsdestotrotz krankt das Modell an grundsätzlicher Praxisuntauglichkeit, weil es nahezu alle Voraussetzungen und Anforderungen mißachtet, die die Menschen bei gemeinschaftlicher Produktion auf der Basis der vom Kapital entwickelten Produktivkräfte, nicht zuletzt der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, zu bewältigen hätten.

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Peericle: Die Post in zehn Jahren

Lenin wollte ja bekanntlich schon den Sozialismus nach dem Vorbild der deutschen Post organisieren. Ob das damals eine so besonders brilliante Idee war, darüber kann man sicherlich streiten, so oder so kann das aufgrund der zentralen staatlichen Leitung kein Modell für eine Peer-Economy sein. Ganz zu schweigen davon, dass das Vorbild aufgrund der Privatisierungsorgien in den letzten Jahren eh ziemlich auf den Hund gekommen ist.

Deswegen skizziere ich jetzt mal im Folgenden ein Modell wie man schon in wenigen Jahren ein Postsystem auf Peer-2-Peer-Basis haben könnte.

Die Grundidee ist, dass Leute einfach Post anderer Leute mitnehmen, wenn sie eh wo hinfahren. Dabei soll so gut wie kein Aufwand für die Postmitnehmer entstehen und die Post trotzdem zuverlässig und schnell am Ziel ankommen und vor allem das Risiko von Diebstahl und Verlust minimiert werden. Es geht dabei vor allem um Paketpost. Briefpost funktioniert ja auch jetzt schon P2P und nennt sich e-mail.

Der Kern des Systems ist das Peericle. Ein Peericle ist ein stabiler widerverwendbarer Kasten mit ein bisschen Elektronik drinnen. Ein Peericle besteht dabei aus folgenden Modulen, die alle austauschbar sind:

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Peer-Kooperation heute: Die workstation Berlin

Ausstellung zum 10-jährigen Jubiläum der workstationBei dem kürzlich in Potsdam stattgefundenen Forum „Krise als Chance“ hatten die Veranstalter/innen sich so viel vorgenommen, dass leider kaum Zeit für Diskussion blieb. Deshalb war die Diskussion über mein Peerconomy-Modell schon wieder vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte (obwohl wir sie hinterher in kleinerer Runde fortgesetzt haben). Das war schade. Schön war aber, dass ich dort ein spannendes Projekt kennengelernt habe, nämlich die workstation Berlin:

Die workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V. beschäftigt sich seit 1998 kritisch und unkonventionell mit den Themen Arbeit, Existenzsicherung und Lebensgestaltung. An der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Sozialem entwickeln Betroffene zusammen mit uns und Entscheidungsträgern individuell und gesellschaftlich tragfähige Lebensentwürfe. Dabei setzen wir uns nicht nur kritisch mit dem bestehenden Erwerbssystem und dem tradierten Arbeitsbegriff auseinander, sondern zeigen Alternativen auf und leben und realisieren diese in diversen Projekten. Nach unserem Motto „Mach doch, was du willst!“ steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie jedeR einzelne sich Arbeit für sich wünscht und wie sich dies umsetzen lässt. Die workstation arbeitet so auf einen langfristigen und nachhaltigen Bewusstseins- und Gesellschaftswandel hin, um der Stigmatisierung und Ausgrenzung Erwerbsloser, den Absurditäten (Überarbeitung, ungleiche Ressourcenverteilung) der Arbeitsgesellschaft, entgegenzuwirken. (Selbstdarstellung)

Auch wenn die workstation sich nicht explizit kapitalismuskritisch gibt, bemüht sie sich um ein Zurückdrängen der Geldlogik und der Abhängigkeit vom Markt:

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Peer-Kunst: Bericht aus Linz

Der Jacuzzi in BetriebDer Luminous-Green-Workshop in Linz war klasse. Stark künstlerisch geprägt, sehr interessant, und nette Leute! Am ersten Vormittag haben die Leute von Time’s Up sowie der befreundeten belgisch/holländischen Künstlergruppe FoAM ihre Aktivitäten vorgestellt – das hab ich leider verpasst, da ich erst gegen Abend ankam. Spannend klingt z.B. das groWorld-Projekt:

The groWorld initiative is FoAM’s interstice between ecology, culture and technology. It brings together three ‘forces’ capable of transforming the world on human and ecological scale: design, permaculture and technology. These three strands of inquiry inform and support each other, aiming to forge new symbiotic relationships between the post-industrial human societies and the rest of the Earth…

Am zweiten Vormittag hat die Berliner Künstlerin Folke Köbberling ihre Arbeiten vorgestellt, für die sie “die Stadt als Ressource” nutzt, indem sie etwa für selbstgebastelte Häuser oder öffentliche Räume übrig gebliebene Baumaterialien von Baumaterialien oder Teile aus Abrisshäusern findet und sich aneignet (ganz legal – die Leute sind meist sogar froh, wenn man ihnen ihren Müll entsorgt).

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ox4 Submission

ox4 conference logoHere’s my submission for the Fourth Oekonux Conference (the official deadline for submissions ended two days ago).

Title: Peer Production Everywhere

Subtitle: How Can We Do It And Where Can We Start?

Abstract:

I’ll talk about how commons-based peer production can be extended to all areas of life. How might a society based on peer production look like and which principles will be typical for such a society? I’ll also talk about which steps are reasonable to encourage the emergence of such a society.

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Forum in Potsdam: Alternativen organisieren!

Am Freitag und Samstag (31.10./1.11.) wird im Projekthaus Potsdam unter dem Titel “Die Krise als Chance – Alternativen organisieren!” ein Internationales Fachforum zu Solidarischer Ökonomie, Grundeinkommen, Eigenarbeit und Subsistenz stattfinden. Ich werde dort mal wieder etwas über die Peer-Ökonomie erzählen. Hier die Ankündigung:

Die Krise als Chance – Alternativen organisieren!

Internationales Fachforum zu Solidarischer Ökonomie, Grundeinkommen, Eigenarbeit und Subsistenz

Am 31. Oktober und 1. November findet im Projekthaus Potsdam ein Internationales Fachforum zu Ideen und Projekten solidarischer Ökonomie, bedingungslosem Grundeinkommen, Eigenarbeit und Subsistenzwirtschaft statt!

Alle reden von der Krise – wir organisieren die Alternativen!

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Leuchtendes Grün: Workshop in Linz

Time's Up LogoHier die Ankündigung für einen Workshop in Linz, Österreich:

Luminous Green – Workshop bei Time’s Up – 23. | 24. | 25. Oktober 2008

Luminous Green startet den Versuch unsere eigenen ökologischen und humanen Verantwortlichkeiten zu sensibilisieren. Innehalten, Entschleunigung und Selbstreflexion sind dabei die kleinsten gemeinsamen Nenner. Hier finden sich detailliertere Informationen zu Luminous Green.

Innerhalb des Workshops in Linz wird auf praktischer Ebene ein weitgehend autarkes Environment geschaffen als auch theoretische Aspekte neuer gesellschaftlicher Modelle zur Diskussion stehen. DenkerInnen, HandwerkerInnen und MacherInnen – wie Du! – stärken kleine kommunale Strukturen, skizzieren ihre Ideen hinsichtlich umweltschonender Nutzung zukünftiger Welten und regen spartenübergreifende Debatten an.

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Community Building in Zeiten der galoppierenden Krise

Stefan hat mich gerade dankenswerterweise durch sein letztes Posting wieder auf eine ältere Diskussion gestoßen. Ich hab dadurch meine alten Hoffnungen wieder entdeckt, die ich eigentlich mit Hiddinghausen verbunden hatte. Diese Diskussion wollte ich da eigentlich weiter führen aber dazu kam es dort nicht so recht. Ich glaube auch, dass das kein Zufall ist. Dort kamen Leute aus ganz Deutschland für ein Wochenende zusammen. Es war schon vorher klar, dass man hinterher im Alltag nicht viel miteinander zu tun haben wird. Deswegen ist es kein Wunder, dass die Schwerpunkte da andere waren. Ich möchte jetzt einen anderen Versuch starten. Worum geht es?

In einem Satz: Aufbau einer lokalen „resilient community“ zur Produktion des Lebens durch „commons based Peer Production“ in einem „Saturday House“.

Ok, jetzt seid ihr nicht viel schlauer als zuvor. Hier also ein paar Erklärungen:

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