Schlagwort: commoning

Post-Kapitalistische Landwirtschaft und Commons

Die WirtschaftsnobelpreiWork16.sizedsträger*In Elinor Ostrom hat in ihren langjährigen Forschungen zu Commons sieben Regeln gefunden, die ein funktionierendes Commoning ausmachen. An dieser Stelle möchte ich an Hand dieser Kriterien unser Projekt einer post-kapitalistischen Landwirtschaft reflektieren. Als Common gelten in diesem Fall der Boden und die darauf produzierten Lebensmittel. Als Commoning die Gemeinschaft aus Gärtner*Innen-Kollektiv und Unterstützer*Innen-Kreis.

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„Post-Kapitalistische“ oder „Nicht-Kommerzielle“ Landwirtschaft?

Nicht-Kommerzielle KartoffelernteIm Umfeld der Projektwerkstatt auf Gegenseitig (PAG) trifft sich regelmäßig ein Kreis von Menschen aus verschiedene Projekte die sich dem nicht ganz klar definierten Konzept der „Nicht-Kommerzialität“ (NK) verbunden fühlen und sich auf diesen Treffen vernetzen und austauschen. Eins der bekanntesten Projekte aus diesem Umfeld ist wohl die „Nicht-Kommerzielle Landwirtschaft“ wie sie auf dem Karlshof bei Berlin von einer Hofgruppe und nach deren Scheitern von einer freien Assoziation von Menschen aus dem Karlshof-Umfeld organisiert wurde. Die Unterschiede diese Praxis zur vielfältig umgesetzten Community Supported Agriculture (CSA) bzw. Solidarischen Landwirtschaft werden dort immer wieder kontrovers diskutiert. Bei mir als Mitglied der CSA Freudenthal, einem solchen post-kapitalistischen Landwirtschafts-Experiment, regen diese kritischen Diskussionen immer wieder die Reflektion über das eigene Projekt an. Einige Aspekte dieser Kritik an unserem Projekt und meine Entgegnungen seien hier skizziert.

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The Structural Communality of the Commons

[Diesen Artikel gibt es auch auf Deutsch. Originally published in The Wealth of the Commons (eds. David Bollier and Silke Helfrich; Levellers Press, Amherst, MA, pp. 28–34). License: CC-by 3.0.]

The commons are as varied as life itself, and yet everyone involved with them shares common convictions. If we wish to understand these convictions, we must realize what commons mean in a practical sense, what their function is and always has been. That in turn includes that we concern ourselves with people. After all, commons or common goods are precisely not merely “goods,” but a social practice that generates, uses and preserves common resources and products. In other words, it is about the practice of commons, or commoning, and therefore also about us. The debate about the commons is also a debate about images of humanity. So let us take a step back and begin with the general question about living conditions.

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Die doppelten Commons

commons-dreieckDie Struktur der Commons illustriere ich gerne mit der nebenstehenden Grafik. In anderen Darstellungen geht es nicht um Commoning und Produkte, sondern das Commoning wird aufgetrennt in seine Aspekte Gemeinschaft und Regeln, während die Produkte sowie der (hier rote) rückbezügliche Pfeil zu den Ressourcen fehlen.

Ich fand die Wiederentdeckung der Fähigkeit von Gemeinschaften, sich jenseits von Markt und Staat eigenständig Regeln zu geben, immer verständlich, meinte aber auch früher schon, dass die notwendige Betonung des sozialen Aspekts nicht zu Lasten der Tatsache gehen dürfe, dass aus all dem Commoning auch immer »was heraus kommt«.

Inzwischen denke ich, dass hinter der unterschiedlichen Weise der Illustration tatsächlich eine inhaltliche Differenz steckt. Diese Differenz bezieht sich jedoch nicht auf divergente Commons-Theorien, sondern auf unterschiedliche Commons und zwar auf den realen Unterschied von alten und neuen Commons. Ausgedrückt in  Formeln sieht das so aus:

  • Alte Commons = Ressourcen + Gemeinschaft + Regeln
  • Neue Commons = Ressourcen + Commoning + Produkte

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Vortrag »Commonismus«

Hier der erste meiner beiden dicht aufeinander folgenden Vorträge, gehalten am 7.11.2012 in Dresden bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen (Folien und Ton). Während des Vortrags habe ich zwei kurze Filmchen gezeigt, die ihr in der Audio-Aufzeichnung nur hören könnt. Hier im Blog sind sowohl der Film zu Katja Kippings Aussage über Commons wie auch der Werbefilm über Open Source Ecology in voller Länge zu sehen.

Marx‘ Plädoyer für die Commons

Heute mal Philosophie. Der Philosoph Karl Marx schrieb 1845 die »Thesen über Feuerbach« in sein Notizbuch. Sein Kumpel und Sponsor Friedrich Engels fand sie dort und brachte sie nach dem Tode von Marx (1883) in veränderter Form 1888 heraus. Können die Thesen uns heute noch was sagen? Vorweg die Antwort: Unbedingt! Marx hat dort wesentliche Elemente beschrieben, die wir heute als Commoning (Praxis der Commons) fassen würden.

Ich folgenden zitiere ich die elf Thesen in gekürzter Form. Dabei lasse ich v.a. zeitbezogene Aussagen weg. Anschließend kommentiere ich jeweils die zitierte These aus der Sicht eines philosophisch interessierten Commoners. Vorab: Wenn von Materialismus die Rede ist, dann ist immer ein philosophischer Begriff gemeint, nicht die heute oft genauso bezeichnete personale Orientierung auf den Besitz »materieller Sachen«.

Kurz zum historischen Hintergrund: (mehr …)

Neue Commons, neue Einhegungen

[Beitrag aus dem Commons-Buch (Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Hg. Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung); Lizenz: CC BY-SA.]

Hervé Le Crosnier

Die Geschichte stottert oder wiederholt sich

Die Geschichte der Commons spiegelt sich in der Expansion der Märkte und in der Zunahme privater Entscheidungen über Dinge, die zuvor gemeinschaftlich geregelt wurden. Die Technologien des späten 20. Jahrhunderts sind in dieser Hinsicht zweischneidig. Sie haben einerseits zu mehr Commons geführt, indem sie neue, marktferne Räume schaffen wie jenen der virtuellen Welt. (mehr …)

How Commons Can Flourish

[deutsch]

Eight Points of Reference for Commoning

Elinor Ostrom and others have formulated eight design principles for the shared use of resources. They distill the lessons of a huge number of case studies from around the world. They are written from a scientific perspective and continue to be of great significance for the commons movement.

We approach the commons from the perspective of active commoners, meaning the people who create and maintain working commons. We are more concerned with creating spaces for community and cooperation than with institutions. As for the resources themselves, we are more interested in how to preserve and use them, than in making distinctions between material and non-material, traditional or new commons. We therefore refer to all types of commons here.

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Wie sich Commons entfalten können

Elinor Ostrom hat vor über 20 Jahren acht Commons-Prinzipien formuliert. Eine Arbeitsgruppe auf der ersten Commons-Sommerschule hat sich entschlossen, sie neu zu formulieren. Hier ist das Ergebnis. Unten folgt ein Kommentar von mir.

[english]

Acht Orientierungspunkte für das Commoning

Elinor Ostrom und andere haben Designprinzipien für die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen formuliert. Sie sind die Essenz unzähliger Feldstudien. Sie wurden aus einer wissenschaftlichen Perspektive verfasst und bleiben für die Commons-Bewegung von großer Bedeutung.

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Ubuntu-Philosophie

[(Teil-)Beitrag zu dem neuen Commons-Buch (Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Hg. Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung); Lizenz: CC BY-SA. Beide Teile gibt’s in einem PDF. There is also an English version.]

Die strukturelle Gemeinschaftlichkeit der Commons

Gemeingüter sind so vielfältig wie das Leben, und dennoch teilen alle Mitwirken­den, alle »Commoners«, gemeinsame Grundüberzeugungen. Um diese verstehen zu können, muss man sich klarmachen, was Gemeingüter praktisch bedeuten, welche Funktion sie haben und schon immer hatten. Das wiederum schließt ein, dass wir uns mit den Menschen befassen, denn Gemeingüter sind eben nicht nur »Güter«, sondern auch eine soziale Praxis, in der gemeinsam Ressourcen und Gü­ter genutzt, erzeugt und bewahrt werden. Es geht also um die Commons-Praxis, das »Commoning« – und damit um uns. Die Debatte um die Commons ist auch eine um Menschenbilder. Treten wir deshalb einen Schritt zurück, um mit der all­gemeinen Frage nach den Lebensbedingungen zu beginnen.

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