Kategorie: Theorie

Marx‘ Plädoyer für die Commons

Heute mal Philosophie. Der Philosoph Karl Marx schrieb 1845 die »Thesen über Feuerbach« in sein Notizbuch. Sein Kumpel und Sponsor Friedrich Engels fand sie dort und brachte sie nach dem Tode von Marx (1883) in veränderter Form 1888 heraus. Können die Thesen uns heute noch was sagen? Vorweg die Antwort: Unbedingt! Marx hat dort wesentliche Elemente beschrieben, die wir heute als Commoning (Praxis der Commons) fassen würden.

Ich folgenden zitiere ich die elf Thesen in gekürzter Form. Dabei lasse ich v.a. zeitbezogene Aussagen weg. Anschließend kommentiere ich jeweils die zitierte These aus der Sicht eines philosophisch interessierten Commoners. Vorab: Wenn von Materialismus die Rede ist, dann ist immer ein philosophischer Begriff gemeint, nicht die heute oft genauso bezeichnete personale Orientierung auf den Besitz »materieller Sachen«.

Kurz zum historischen Hintergrund: (mehr …)

How Commons Can Flourish

[deutsch]

Eight Points of Reference for Commoning

Elinor Ostrom and others have formulated eight design principles for the shared use of resources. They distill the lessons of a huge number of case studies from around the world. They are written from a scientific perspective and continue to be of great significance for the commons movement.

We approach the commons from the perspective of active commoners, meaning the people who create and maintain working commons. We are more concerned with creating spaces for community and cooperation than with institutions. As for the resources themselves, we are more interested in how to preserve and use them, than in making distinctions between material and non-material, traditional or new commons. We therefore refer to all types of commons here.

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Wie sich Commons entfalten können

Elinor Ostrom hat vor über 20 Jahren acht Commons-Prinzipien formuliert. Eine Arbeitsgruppe auf der ersten Commons-Sommerschule hat sich entschlossen, sie neu zu formulieren. Hier ist das Ergebnis. Unten folgt ein Kommentar von mir.

[english]

Acht Orientierungspunkte für das Commoning

Elinor Ostrom und andere haben Designprinzipien für die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen formuliert. Sie sind die Essenz unzähliger Feldstudien. Sie wurden aus einer wissenschaftlichen Perspektive verfasst und bleiben für die Commons-Bewegung von großer Bedeutung.

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Selbstentfaltung (English)

[English version of the original german article, translated by Pauline Schwarze — thanks a lot!]

“Have a lot of fun” is the legendary hacker greeting. Having fun? Isn’t that the epitome of our meaningless and dump “fun culture” of comedy & Co? Not at all. The greeting refers to the motivation of committing oneself to a complex and self-imposed task – such as software development or other nice and useful things. Voluntariness in these things is of the essence. Wanting to commit to a self-imposed goal is the purpose as well as an end in itself.

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Robert Kurz ist tot

Robert Kurz ist gestern, 18.7.2012, an den Folgen einer Nierenoperation gestorben. Mit 68 Jahren, viel zu früh. Er war maßgeblicher Mitbegründer der Wertkritik. Mit der Gruppe Krisis und später der Gruppe Exit! entwickelte er eine vehemente Kritik an den Grundformen der kapitalistischen Gesellschaft: Arbeit, Ware, Wert, Geld. Dem Traditionsmarxismus warf er eine verkürzte Analyse und Kritik vor, die nur auf die Ebene der Verteilung des Reichtums abzielt, aber Form und Zustandekommen dieses Reichtums außen vor lässt.

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Selbstentfaltung

[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

„Have a lot of fun“ lautet der legendäre Hackergruß. Spaß haben? Steht das nicht für die inhaltsentleerte dumpf-blöde „Spaßkultur“ von Comedy & Co? Weit gefehlt. Der Gruß verweist auf die Motivation, sich einer komplexen selbstgestellten Aufgabe hinzugeben – wie die der Entwicklung von Software oder anderen nützlichen und schönen Dingen. Das Entscheidende dabei ist die Freiwilligkeit, ist es, sich lustvoll einem selbstgewählten Ziel zu verschreiben, ist die Identität von Zweck und Selbstzweck.

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Finanzialisierung der Commons

Am 23.6.2012 war ich zur Sommertagung »Kapitalismuskritik reloaded« der Grünen Akademie in der Heinrich-Böll-Stiftung eingeladen und habe dort folgenden Vortrag gehalten (Slides & Audio):

Klassenkampf als immanenter Konflikt

Ein Gespräch zwischen Andreas Exner und Stefan Meretz

Teil 4 und Schluss (Teil 1, Teil 2, Teil 3)

[Erschienen in: Grundrisse 42/2012]

Stefan: Du hast viele interessante Fragen aufgeworfen, auf die ich nur ausschnitthaft eingehen kann. Ich habe verstanden, dass du vom Primat der Herrschaft ausgehst und die Produktionsweise wesentlich dadurch bestimmt siehst. Folglich siehst du den Ansatzpunkt der Transformation bei der Herrschaftsfrage. Bei mir ist es umgekehrt. Nun könnten wir uns auf ein Mittelding einigen, aber das wäre ein fauler Kompromiss und keine theoretische Debatte. Also will ich darauf noch etwas eingehen.

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Fetischismus und Sachzwang

Ein Gespräch zwischen Andreas Exner und Stefan Meretz

Teil 3 (Teil 1, Teil 2)

[Erschienen in: Grundrisse 42/2012]

Stefan: In dem von mir angebrachten Zitat nimmt Marx tatsächlich einen überhistorischen Standpunkt ein, in dem er die genuine Freiheit des Menschen als Kriterium für den geschichtlichen Prozess nimmt. Allerdings muss er da nichts konstruieren, sondern bewertet die ersten beiden Etappen als Verhältnisse, die auf persönlicher bzw. sachlicher Abhängigkeit basieren. Dass Marx die ersten Abhängigkeitsverhältnisse „naturwüchsig“ nennt, finde ich dabei nicht wichtig, den Feudalismus meint er damit ohnehin nicht. Das Wort „persönlich“ darfst du nicht zu eng sehen, heute würden wir vielleicht treffender von „personalen Abhängigkeitsverhältnissen“ sprechen – eine zutreffende Kennzeichnung für die vorkapitalistischen Gesellschaften wie ich finde, ebenso wie die relative individuelle Freiheit bei sachlicher Abhängigkeit im Kapitalismus.

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