Kategorie: Theorie

Stigmergie (von GeorgieBC)

[Deutsche Fassung des Textes Stigmergy von GeorgieBC, Lizenz CC-by-nc-sa, zur Übersetzung vgl. Anmerkung]

Stigmergy ist ein Mechanismus indirekter Koordination zwischen Beteiligten oder Aktivitäten. Das Prinzip basiert darauf, dass eine in einer Umgebung gelegte Spur die Ausführung der nächsten Aktivität anregt — durch die gleiche oder eine andere Beteiligte. Auf diese Weise tendieren die jeweils nachfolgenden Aktivitäten dazu, sich zu verstärken und aufeinander aufzubauen, was zu einer spontanen Emergenz kohärenter und offensichtlich systematischer Aktivitäten führt. Stigmergie ist eine Form der Selbstorganisation. Sie erzeugt komplexe, offensichtlich intelligente Strukturen ohne jeglichen Bedarf nach Planung, Kontrolle oder auch direkter Kommunikation zwischen den Beteiligten. — Wikipedia (en)

Ein personenbasiertes System kann ohne Repräsentation niemals eine massenhafte Zusammenarbeit im globalem Maßstab ermöglichen, wie das bei solchen Organisationen wie den Vereinten Nationen zu sehen ist. Wenn sich die Welt von Repräsentation weg bewegen und es allen Stimmen ermöglicht werden soll, gehört zu werden, dann brauchen wir ideen- und aktionsbasierte Methoden der Zusammenarbeit. Konzentrische Nutzer_innen-Gruppen bestehend aus epistemischen Gemeinschaften und Wissensbrücken könnten für ideenbasierte Systeme funktionieren; für die Aktivitäten ist Stigmergie die beste Option.

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Peercommony Reconsidered

ZNet Debates logo[This is part of an debate regarding parecon and peercommony between Michael Albert and me. It is a repy to Michael Albert’s Considering Peercommony. All articles can be found on the debate overview page – more will follow.]

Michael formulates various concerns and objections, many of whom are not new to me. I can’t address all of them fully, for lack of space and because many seem to ask for a blueprint of a future, non-capitalist society, which is not something I can or want to give. The meta-rule of all peer/commons-based institutions is that “you have to find your own rules.” Any successful peer project has a history of trial and error. Finding solutions that work for you is an essential part of the game.

But while I cannot describe the exact institutional mechanisms Michael asks me to describe, I’ll give my reasons why I think that people will be able to find and implement them. (mehr …)

Stigmergy

[Repost from GeorgieBC under CC-by-nc-sa, translated german version]

Stigmergy is a mechanism of indirect coordination between agents or actions. The principle is that the trace left in the environment by an action stimulates the performance of a next action, by the same or a different agent. In that way, subsequent actions tend to reinforce and build on each other, leading to the spontaneous emergence of coherent, apparently systematic activity. Stigmergy is a form of self-organization. It produces complex, seemingly intelligent structures, without need for any planning, control, or even direct communication between the agents. – Wikipedia

A personality based system can never allow for mass collaboration on a global scale without representation such as that seen in organizations like the United Nations. If the world is to move away from representation and allow all voices to be heard, we need to find methods of collaboration which work with idea and action based systems. Concentric user groups with epistemic communities and knowledge bridges may work for idea based systems; for action, stigmergy may be the best option.

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Die doppelten Commons

commons-dreieckDie Struktur der Commons illustriere ich gerne mit der nebenstehenden Grafik. In anderen Darstellungen geht es nicht um Commoning und Produkte, sondern das Commoning wird aufgetrennt in seine Aspekte Gemeinschaft und Regeln, während die Produkte sowie der (hier rote) rückbezügliche Pfeil zu den Ressourcen fehlen.

Ich fand die Wiederentdeckung der Fähigkeit von Gemeinschaften, sich jenseits von Markt und Staat eigenständig Regeln zu geben, immer verständlich, meinte aber auch früher schon, dass die notwendige Betonung des sozialen Aspekts nicht zu Lasten der Tatsache gehen dürfe, dass aus all dem Commoning auch immer »was heraus kommt«.

Inzwischen denke ich, dass hinter der unterschiedlichen Weise der Illustration tatsächlich eine inhaltliche Differenz steckt. Diese Differenz bezieht sich jedoch nicht auf divergente Commons-Theorien, sondern auf unterschiedliche Commons und zwar auf den realen Unterschied von alten und neuen Commons. Ausgedrückt in  Formeln sieht das so aus:

  • Alte Commons = Ressourcen + Gemeinschaft + Regeln
  • Neue Commons = Ressourcen + Commoning + Produkte

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[C|K]omm[o|u]nistisches

Hegel und MarxWer eine allgemeine Emanzipation, eine Befreiung für alle will und/oder für unabdingbar hält, der kommt am Kommunismus nicht vorbei. Auch wenn er oder sie dieses K-Wort für unbenutzbar hält. So greifen manche zum C-Wort und nennen es »Communismus«, was signalisieren soll: Wir gehen noch mal weit zurück und prüfen genau, ob und ggf. was bei den theoretischen Vordenker_innen angelegt war, das sich später katastrophisch auswuchs. Oder noch andere verwenden das moderne »Commonismus«, um die Nähe zu den weitweiten Commons-Bewegungen anzuzeigen, die bekanntlich mit dem niedergelegten Realsozialismus am wenigsten zu tun hatten.

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My Doubts About Parecon

ZNet Debates logo[This is part of an debate regarding parecon and peercommony between Michael Albert and me. It is a repy to Michael Albert’s Summarizing Participatory Economics. All articles can be found on the debate overview page – more will follow.]

While I like the goals of the Parecon, one thing that confuses me is that Parecon, while intended to overcome capitalism, still resembles it in an essential aspect. Society still revolves about paid labor: everybody is forced to work for money in order to be able to buy the things they need to live. Why is that so? Do we really must forever force people to work because otherwise they wouldn’t?

A typical proponent of capitalism would probably respond: “Yes, humans are just lazy bastards. Without coercion, nobody would work and humanity would perish.” Michael Albert argues a bit smarter, but essentially in the same way:

If we disconnect work and income, … people will typically choose to work too little for the social good to be optimally met, and people will choose to take too much for the system to even work because the available output will fall well short of available demands for income.

So, everybody it still a bit too lazy and a bit too greedy for society to work without coercion, it seems. But is that claim as self-evident as Albert puts it? Moreover, if the mismatch between “available output” and “available demands” was real, could Parecon avoid it? I doubt both points.

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»Was will die Keimform-Theorie?«

Das fragt sich Wolfram Pfreundschuh, Autor von kulturkritik.net. Er hat im Kulturkritischen Lexikon einen Eintrag zum Stichwort Keimformtheorie verfasst. Damit setze ich mich im folgenden auseinander.

Die Theorie von der Keimform will diese als eine gesellschaftliche Alternative innerhalb der bestehenden Gesellschaft setzen, die sie von innen her dadurch überwindet, dass neue Gemeinschaften, Güter, Werkzeuge und Ressourcen entwickelt werden und „heranwachsen“, die durch freiwillige Beiträge quasi urwüchsig aus dem Betreiben einer „authentischen“ Tätigkeit, die für sich schon sinnvoll sein will, entstehen und deren Produkte dann als frei verfügbare Gemeingüter gehalten werden.

Wie dieser erste Satz schon Missverständnisse hinsichtlich der sogenannten Keimform-Theorie formuliert, so geht es in Wolframs Text weiter. Es erscheint mir unmöglich, durch Antwort auf einzelne Argumente die Vorstellung zu befördern, worum es in unserer Suche nach Wegen aus dem Kapitalismus und eben der Diskussion über Keimformen einer neuen Vergesellschaftung überhaupt geht.

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Die Peer-to-Peer-Ökonomie und eine neue commonsbasierte Zivilisation

[Beitrag aus dem Commons-Buch (Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Hg. Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung); Lizenz: CC BY-SA.]

Michel Bauwens und Franco Iacomella

Die Peer-to-Peer-Vision (P2P) für Wirtschaft und Gesellschaft basiert nicht auf einem utopischen Ideal; sie besteht vielmehr in der Verallgemeinerung jener Formen von Peer-Produktion, Peer-Governance und Peer-Besitz, die derzeit schon im Entstehen sind.1 Die Vision einer neuen Zivilisation und eines neuen Wirtschaftssystems beginnt mit der Analyse der grundlegenden Fehler dessen, was ist. (mehr …)

Konkurrenz und Kooperation

[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

„Die biologische Evolution wird keineswegs nur durch Konkurrenz und Egoismus vorangetrieben. Als ebenso wichtig im Kampf ums Dasein erweist sich die Kooperation der Individuen“ – fasst Biologie-Professor Martin Nowak seine Erkenntnisse zwei Jahrzehnte währender Forschung zusammen (Spektrum der Wissenschaft 11/2012, S. 77). Der „Kampf ums Dasein“ wird „keineswegs nur“ konkurrenzförmig, sondern „ebenso“ kooperativ betrieben – kann man die Verhältnisse in der bürgerlichen Konkurrenzgesellschaft besser illustrieren und gleichzeitig ontologisieren? Unglaublich, dieser „Fortschritt“. Geschenkt.

Wie aber kann man das Verhältnis von Konkurrenz und Kooperation angemessener fassen? Und wie verhält es sich beim heutigen Menschen?

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Erinnerung an André Gorz

Vor fünf Jahren starb der Philosoph André Gorz. Der folgende Artikel aus der Berliner Debatte Initial Nr. 3/2012 erinnert an Leben und Werk. Er gliedert sich in zwei Teile. Der erste Abschnitt zeichnet die Entwicklung des philosophischen Werks von André Gorz nach, was im zweiten Abschnitt am Beispiel des Wissenskommunismus vertieft wird.

Fahnder nach „Auswegen aus dem Kapitalismus“ – eine Erinnerung an André Gorz

Von André Häger und Stefan Meretz

André Gorz ist Jahrgang 1923 und erlangte Bekanntheit als Autor zahlreicher sozialphilosophischer Schriften. Seine Geburt ist nun bald neunzig Jahre her, sein Tod fünf. Weshalb an André Gorz erinnern? Als Theoretiker der kapitalistischen Krise und eines ökologischen Jenseits des Kapitalismus ist er aktueller denn je. Viele seiner theoretischen Arbeiten scheinen mit größerem Abstand zu ihrer Entstehungszeit eher an Aktualität zu gewinnen als diese einzubüßen. Das gilt in zweierlei Hinsicht, einer politischen wie theoretischen.

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