Die Besetzung von Hörsälen und Audimaxen, die in Österreich begann, weitet sich auf Unis in Deutschland, Schweiz und anderswo aus. doch welcher Perspektive hat der Protest? Wie geht’s weiter? Mit der Bewegung für eine Solidarische Ökonomie verbinden — ist eine Antwort. Das ist das Thema eines Workshops am Sonntag, der per Live-Stream online verfolgt werden kann. Nachfolgend ein Repost vom Social Innovation Network:
Kategorie: Praxis-Reflexionen
Keimformhafte Perspektiven für Studentenproteste gesucht
In Österreich spielt sich derzeit eine im Umfang und in der Ausdrucksform ungewöhnliche Studentenbewegung ab. Seit einer Woche halten Studenten der Universität Wien den Vorlesungsbetrieb blockiert und ihre Aktionen breiten sich wie ein Lauffeuer durch ganz Österreich aus. Das ganze noch mit der witzigen Pointe versehen, dass der Wissenschaftsminister just in diesem Moment einen Abgang als EU-Komissar nach Brüssel macht.
Hier sind die neuesten Entwicklungen nachzuverfolgen, es gibt auch eine U-Stream Lifeberichterstattung aus dem besetzten audimax: http://unibrennt.at/

Von Abschaffung und Aufhebung
Georg Seeßlen hat im aktuellen »Freitag« einen bitter-realistischen Artikel zur Zukunft der Autorenschaft geschrieben: »Die letzte Avantgarde«. Zunächst erklärt er die Long-Tail-These für gescheitert. Long-Tail bedeutet, dass in der Summe Nischen-Kulturgüter mehr Profit bringen, als die Top-Seller in der Spitze. Seeßlen hält dagegen, dass »in Deutschland nur mit 4 Prozent der publizierten Bücher echtes Geld verdient [wird]. Der Rest besteht aus Spekulation und Imitation, aus Subvention und aus einem System des selbstausbeuterischen Prekariats«.
Die Piratenpartei auf dem Weg vom Schwarm zum Mob
Zur Europawahl hatte ich noch zur Wahl der Piratenpartei aufgerufen. Dazu stehe ich auch weiterhin. Seitdem hat sich diese Partei aber stürmisch entwickelt und ich fürchte nicht zu ihrem Besten. Warum interessiere ich mich überhaupt so sehr für diese Partei, dass ich mir mehrfach die Mühe gemacht habe ihre Entwicklung kritisch zu begleiten? Eigentlich sind wir Keimformer ja ansonsten nicht gerade für unsere Begeisterung für Parteien bekannt. Auch ich halte Parteien im Grunde für eine veraltete Form repräsentative Öffentlichkeiten zu beeinflussen.
Dennoch: Wenn es überhaupt so etwas wie eine antipolitische Partei geben kann, dann haben die Piraten viele Eigenschaften, die sie in diesem Sinne interessant machen:
Krise und Kommunikation
Kann die Wirtschaftskrise der Linken helfen, ihre Analysen und Konzepte zu vermitteln? Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht und in Form von fünf Thesen gefasst, die in Unterpunkten erläutert werden. Hier geht es nicht darum, wie man mit der Krise umgeht (vgl. auch hier) oder sie analysiert (vgl. auch hier), sondern was sich durch die Krise für die ändert, die über Alternativen zum Kapitalismus nachdenken und reden. Die Thesen sind provisorisch und als Denkanstöße gemeint. Über Korrekturen, Ergänzungen, Widerspruch freue ich mich!
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Das Ende des Kapitalismus kann leichter gedacht werden.
Factor E Farm: Beginn einer Klärung
In Anschluss an die Projektkrise wie sie im letzten Post von StefanMz beschrieben wurde hat Marcin begonnen, seine Kommunikationspolitik zu verändern. Besucher auf der Farm – sofern sie nicht einfach sich umsehen wollen, sondern wirklich Projektarbeit machen wollen – müssen einen schriftlichen Proposal liefern der dann begutachtet wird. So denkt er Streitigkeiten von vorneherein vermeiden zu können. Dazu hat er auch dankenswerterweise nochmal seine Prinzipien in einem Mission Statement zusammengefasst, das es leichter macht Stellung zu nehmen.
Ich habe das getan und gebe die Passage aus meiner mail hier wieder:
Projektkrisen — am Beispiel von »Factor E Farm«
[There is an english version of this article]
Shit happens. Immer wieder. Wir machen Fehler, wir schaffen unsere eigenen Krisen in unseren Projekten. Frustration und Lern-Chance liegen dann eng beieinander. Die Frage ist nicht, wie wir Krisen vermeiden können, denn wir können nun mal nicht die Zukunft schauen. Die wichtigere Frage ist, wie wir mit Krisen umgehen, wenn sie denn mal da sind. Denn entweder unterscheidet sich ein commons-basiertes Peer-Projekt von proprietären Projekten gerade auch an dieser Stelle oder es hat eben doch keine andere Qualität.
Das ist deswegen so entscheidend, weil commons-basierte Peer-Projekte davon leben, dass sie möglichst die Beiträge aller beteiligten Menschen in das Projekt zu integrieren verstehen — anstatt per Exklusionskonkurrenz einen beträchtlichen Teil hinauszuselektieren, wie Martin zutreffend herausgearbeitet hat. Doch das »Ende von Selektion und Normierung« kommt nicht einfach nur deswegen, weil wir es so sehr wollen, sondern weil und nur wenn Peer-Projekte strukturell so angelegt sind, dass sie zur Integration und Konfliktlösung fähig sind.
Im Projekt »Factor E Farm« (FeF, auch »Open Source Ecology«, OSE) hat es jetzt geknallt. Öffentlich, das ist schon mal gut.
Projects in crisis — for example »Factor E Farm«
[Es gibt eine deutsche Version dieses Textes]
Shit happens. Again and again. We make faults, we create our own crisis in our projects. Frustrations and chances of learning are close together. The question is not how to avoid crisis, because we can’t look into the future. The more important question is, how to deal with crisis once they are there. Either commons-based peer projects distinguish from proprietary projects especially at this point or there is no other quality.
This is so crucial, because commons-based peer projects live from the contributions of the participating people to be integrated into the project — instead of out-competing an enormous part of the people as Martin has well shown (german). But the »end of selection and normalization« does not only occur, because we wish it so much, but only because peer projekts are structurally designed in a way, that integration and conflict resolution is possible.
The project »Factor E Farm« (FeF, also »Open Source Ecology«, OSE) has crashed now. Publicly, which is good.
Studie: Linux-Desktops im Unternehmen
[Foto: marcn, CC-ByNcSa]
Wenn die Einschätzung richtig ist, dass Freie Software für Unternehmen Kosteneinsparungen bedeutet, wenn die proprietären Äquivalente ersetzt werden, dann ist die Frage, wie weit die Ersetzung bislang gekommen ist. Im Serverbereich ist Freie Software eine feste Größe, aber auf dem Desktop ist es zu einer klassischen Lock-In-Situation gekommen: Die Dominanz von Microsoft und Co ist so groß, weil die Abhängigkeit so groß ist — und umgekehrt. Ein Teufelskreis.
Nun gibt es andere Protagonisten Freier Software, die betreiten das Argument der Kosteneinsparung (übrigens in Übereinstimmung mit Gegnern Freier Software) und würden gerne das Freiheitsargument in den Vordergrund stellen. Die Botschaft ist: »Mit Freier Software vermeidet ihr den Lock-In-Effekt, die Abhängigkeit von einzelnen Anbieter wird verringert«. Das Argument ist sicher nicht falsch. Doch wie sieht die Situation wirklich aus?
Scrum — Software-Toyotismus?
Das, was wir in der Freien Software und anderswo im Freien Feld beobachten können, gibt es tendenziell auch in der proprietären Produktion. Sonst wäre es auch keine Keimform — die historische Tendenz zeigt sich überall. In der proprietären Produktion sind allerdings die Widersprüche anders gelagert. Während im Freien Feld die Frage vordringlich ist, wo die Leute Knete fürs Leben her bekommen können, um all die netten Sachen zu tun, die sie tun, ist im proprietären Feld diese Frage »geklärt«: Die Kohle ist da, gearbeitet werden muss. Entfremdung nennt man das. Aber auch unter entfremdeten Bedingungen können manchmal sinnvolle Dinge geschehen.
