Kategorie: Medientipp

Halbinseln gegen den Strom

Halbinseln gegen den StromFriederike Habermann hat ein vorzügliches Buch geschrieben: »Halbinseln gegen den Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag«. In zehn Hauptkategorien unterteilt werden rund hundert Projekte vorgestellt, die als »gelebte Alternativen zu Kapitalismus, Geld und Tauschlogik« es irgendwie anders machen. Dieses »irgendwie anders« sieht sehr unterschiedlich aus: Von Umsonst-Projekten mit dem expliziten Anspruch, die Verwertungslogik des Kapitalismus auszuhebeln bis zu Projekten, die den Alltag billiger, einfacher und angenehmer gestalten.

Die Auswahl war sicher subjektiv und bewusst begrenzt auf den deutschsprachigen Raum. Ich war mehrfach überrascht, was es da noch so an Projekten gibt, die ich noch nicht kannte. Dafür fielen  mir weitere Projekte vor allem im Online-Bereich ein, die noch gut in das Buch gepasst hätten. Aber keine Angst, die meisten vorgestellten Projekte spielen in der handfesten Offline-Welt.

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Kommunismen in der Zeit

Wege raus...Die Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« lädt zu einer Veranstaltung über den historischen Wandel der Vorstellungen vom Kommunismus: »Philosophische Spekulation – Wissenschaft – konkrete Utopie?« Auch Karl Marx, mit dessen Name der Begriff des Kommunismus vor allem verbunden ist, hat zu seinen Lebzeiten unterschiedliche Konzepte vertreten. Der Begriff der Kommunismus sagt also mehr über die Zeit aus, in der er formuliert wird, als dass er ein einheitliches Konzept trägt. Dies betrifft auch die aktuellen Keimform-Konzepte, wie sie hier im Blog vertreten werden.

Datum: Freitag, 11. September 2009, 19:00 Uhr, und Seminar am Samstag, 12. September 2009, 10:00 Uhr in Berlin

Ort: Helle Panke, Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin

[Update: Audio-Dokumentation der Veranstaltung]

Gender Trouble bei den Piraten

3667539020_fe08418fb2_mSchon länger gibt es eine schwelende Auseinandersetzung in und um die Piratenpartei. Sie wurde oft als Männerpartei bezeichnet und meist war das kritisch gemeint. Jetzt hat eine harmlose Nachfrage die Blogosphäre zum Kochen gebracht. Julia Seeliger (Grüne) wollte bloß wissen, wie hoch denn der Anteil der Frauen bei den Piraten sei. Das kann ihr nun aber leider niemand beantworten, weil dieses Datum bei den Piraten nicht erhoben wird. Nun könnte man das einfach mit Datensparsamkeit begründen, aber das hieße die ideologische Bombe zu unterschätzen, die in diesem an sich harmlosen Fakt lauert. An der daraus sich entwickelnden Auseinandersetzung kann man nämlich viel lernen. Sowohl über die Piraten als auch über den aktuellen Stand des Feminismus hierzulande. Die ganze Auseinandersetzung hat sehr viele Parallelen zu Fragestellungen um den niedrigen Frauenanteil in Freien Sofware Projekten, was ja hier auch schon öfter Thema war. Scheinbar regt das Thema Nerdkultur vs. Feminismus jetzt aber mehr auf, wo es in die politische Sphäre vordringt.

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Gegen Markt, radikal!?

GEGEN MARKT RADIKALAber hallo, das verblüfft mich ja nun doch! Ver.di tritt mit dem Slogan GEGEN MARKT RADIKAL zur Bundestagswahl auf. Eine bewusste Wortspielerei, die im Vorübergehen den Markt komplett in Frage stellt: RADIKAL GEGEN MARKT. Gemeint ist wohl eher gegen einen radikalisierten Markt, also GEGEN RADIKAL-MARKT.

Denn ver.di ist so treu wie alle anderen Gewerkschaften für den Markt. Alles andere ist denkunmöglich. In den Siebzigern hätten die ver.di-Vorläufer etwa texten können MARKT GEGEN RADIKALE. Aber heute? Liegt die naheliegende Lösung der Losung GEGEN MARKT, RADIKAL! so ganz außerhalb des Denkrahmens? Ist der Slogan also nur so raus- und durchgerutscht? Eine Freudsche Fehllosung? Ein unterbewusstes »endlich raus aus dem Scheiss«?

Jedenfalls konnte ich noch nie so fröhlich dazu stehen, dass ich ver.di-Mitglied bin (nicht nur das: ich lohnarbeite sogar dort — das als Disclaimer).

Pat Mooney: Privatization of Chemical Elements

Pat Mooney (Foto: Wikipedia, Lizenz GFDL)This is a reference to an article by Silke Helfrich maintaining the great CommonsBlog. Silke did a transcription of a spontaneous presentation by Pat Mooney given at the international commons meeting in Crottorf in June. Due to having a lot of english-only readers here, I want to point you to the orginal english transcription in Silke’s post starting after some introductory words in german with the headline »New technologies and new enclosures of the commons«.

A very interesting and somewhat disturbing presentation by Pat Mooney (Alternative Nobel Prize in 1985) about the dangers of nanotech and the like.

Michel Bauwens über commons-basierte Peer-Produktion

Michel BauwensSilke Helfrich vom CommonsBlog hat verdienstvoller Weise einen ersten thematischen Teil des internationalen Commons-Treffens transkribiert und übersetzt (Audiomitschnitt). Michel Bauwens von der P2P-Foundation skizziert darin die Grundlzüge der commons-basierten Peer-Produktion — im CommonsBlog lesen!

AntenneTux: OpenPC, Public Domain, Lieblingsfilme

AntenneTux -- Linux im RadioDie zwanzigste Sendung von »AntenneTux — Linux im Radio«, ausgestrahlt bei Radio Z, beschäftigt sich mit Themen, die auch bei keimform.de schon eine Rolle spielten. In einem Interview erläutert KDE-Entwickler Frank Karlitschek die Idee des von ihm gegründeten Open-PC-Projekts und gibt Auskunft über das KDE-Projekt. Der zweite Beitrag befasst sich mit dem neuen Buch von James Boyle »The Public Domain: Enclosing of the Commons of the Mind«, das Boyle mit einem Vortrag in London vorstellte. Zentrale Passagen des Vortrags werden in der Sendung in deutsch eingesprochen — reinhören! Im letzten Beitrag empfiehlt uns Stuart Cappendell »Fünf Lieblingsfilme für Datenreisende«: Ghost in the Shell, Startup, Paycheck, 23, Take Down. Da ich »Take Down« (nur in englisch) nicht kenne, ist »23 – Nichts ist so wie es scheint« mein klarer Favorit!

Was ist »Information«?

Streifzüge 46Um die »Information« geht es in der aktuellen Kolumne »Immaterial World« in den Wiener »Streifzügen«. Themenschwerpunkt des aktuelle Heftes sind die »Ressourcen«. Obwohl vorher nicht geplant, passt die Kolumne ganz gut in das Thema rein, handelt es sich bei der Information doch um eine spezielle Ressource.

Die umstrittene Kernthese der Kolumne lautet: Information ist keine Erscheinung der unbelebten Natur, sondern an das Leben gebunden. Damit werden alle »physikalistischen« Ansätze (also die allermeisten) zurückgewiesen. Warum ist das wichtig?

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»Alles kappes«

Das ist ein Remake einer entsprechenden US-Kampagne — PRO Wahlbeteiligung versteht sich. Irgendwie soll das ironisch sein oder so, und viral. Eine Auflösung kommt bestimmt. Aber eigentlich finde ich das »nicht wählen« ganz überzeugend vorgetragen — bis auf den Typen (muss man die kennen?), der die »Wirtschaft« für das »freie Leben« hält, wo man hin gehen solle — örgs, dann doch lieber wählen gehen. Vielleicht, oder doch nicht?

[Update: Mäßiger Video-Kommentar »Nicht rausgehen« — soll das jetzt um die Ecke die Vergeblichkeit des Nicht-Wählens illustrieren? Oder fehlende Ironie ironisieren? Oder so?]

[Update2: Die Auflösung der »Ironie« ist … schwach]

Ist Commonismus Kommunismus?

PROKLA 155: Sozialismus?Vor einigen Tagen ist die neuste Ausgabe der Prokla erschienen, der wohl renommiertesten marxistischen Zeitschrift im deutschsprachigen Raum. Das Thema der aktuellen Ausgabe 155 ist der »Sozialismus?« (mit Fragezeichen) – es geht darum, ob und welche Vorstellungen von Sozialismus und Kommunismus heute noch möglich und sinnvoll sind. Das Heft enthält einen Artikel von mir: »Ist Commonismus Kommunismus? Commonsbasierte Peer-Produktion und der kommunistische Anspruch« (PDF, 24 Seiten in A5-Format, es gibt auch eine A4-Version mit je 2 Seiten pro Blatt). Update: es gibt jetzt auch eine HTML-Version des Artikels.

In meinem Artikel untersuche ich, wieweit die unter Begriffen wie Peer-Ökonomie und Commonismus diskutierten Gesellschaftsvorstellungen Marx Erwartung an den Kommunismus – »die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt«, d.h. die negativen Eigenschaften des heutigen kapitalistischen Systems überwindet, ohne hinter seine positiven Errungenschaften zurückzufallen – gerecht werden. Meine Antwort soll hier, damit es spannend bleibt, nicht verraten werden 😉 , aber im Editorial schreibt die Redaktion dazu:

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