Schon länger gibt es eine schwelende Auseinandersetzung in und um die Piratenpartei. Sie wurde oft als Männerpartei bezeichnet und meist war das kritisch gemeint. Jetzt hat eine harmlose Nachfrage die Blogosphäre zum Kochen gebracht. Julia Seeliger (Grüne) wollte bloß wissen, wie hoch denn der Anteil der Frauen bei den Piraten sei. Das kann ihr nun aber leider niemand beantworten, weil dieses Datum bei den Piraten nicht erhoben wird. Nun könnte man das einfach mit Datensparsamkeit begründen, aber das hieße die ideologische Bombe zu unterschätzen, die in diesem an sich harmlosen Fakt lauert. An der daraus sich entwickelnden Auseinandersetzung kann man nämlich viel lernen. Sowohl über die Piraten als auch über den aktuellen Stand des Feminismus hierzulande. Die ganze Auseinandersetzung hat sehr viele Parallelen zu Fragestellungen um den niedrigen Frauenanteil in Freien Sofware Projekten, was ja hier auch schon öfter Thema war. Scheinbar regt das Thema Nerdkultur vs. Feminismus jetzt aber mehr auf, wo es in die politische Sphäre vordringt.
Kategorie: Gender
Piratenkritik
Ich verfolge gerade den Bundesparteitag der Piratenpartei nebenher im Livestream. Ich hatte ja zur Europawahl zur Wahl der Piratenpartei aufgerufen. Selbst bin ich zwar wohlwollender Beobachter aber kein Mitglied, weil ich viel zu sehr Antipolitiker bin, um bei einer Partei mizumachen. Mir sind beim Livestreamgucken ein paar Sachen aufgefallen, die mich bezüglich der politischen Kultur in dieser Partei doch etwas iritiert zurück lassen:
- Trotz aller vor sich her getragenen Distanz zum politischen Geschäft gibt es eine geradezu gespenstisch anmutende Begeisterung auch ja alles „richtig zu machen“. Schon immer tummeln sich in der Netzkultur auch die Grammatiktrolle und Regelfetischisten wie sonst nirgendwo (ausser vielleicht in Kleintierzüchtervereinen). Jetzt haben sie eine Partei zum Austoben. So wirkte das Ganze zeitweise mehr wie eine Parodie eines Parteitages oder wie eine Partie Nomic. Die Piraten sollten aufpassen, dass sie nicht von der Legalistenpartei unterwandert werden.
Wer lebt mit wem?
So ist der Titel eines einwöchigen Sommercamps auf Burg Luther. Aus der Ankündigung:
Wer lebt mit wem? Warum? Und wie? Diesen Fragen wollen wir mit euch zusammen auf einem Camp zum Thema Kind und politische Perspektiven im Sommer ’09 nachgehen. Wir wünschen uns spannende Diskussionen, Analysen, Thesen, Austausch über Theorie und Praxis und eine Menge Kontakte.
Uns ist es wichtig, das Thema „Leben mit Kind(ern)“ explizit aus dem privaten Raum auf die politische Bühne zu holen. Sowohl dem Vorurteil, Menschen mit Kindern würden „unpolitisch“ und wollten sich ins private „Glück“ zurückziehen, als auch dem Gefühl von Menschen mit Kindern, aus der Szene herausgedrängt zu werden, soll begegnet werden: Warum läuft es so, wie es läuft, und wie können wir die Situation verbessern? Unter anderem, weil wir hierüber eine konstruktive Diskussion beginnen wollen, möchten wir betonen, wie wichtig wir es finden, dass Menschen ohne Kinder ihre Perspektive einbringen.
Und dort gibt es auch eine Liste von Themen:
Themen, an denen wir besonderes Interesse haben, sind: (un-)doing gender, (Anti-)Pädagogik, wie kann nicht rassistische Erziehung aussehen, Heteronormativität, unterschiedlichste/queere Familien- und Lebensmodelle, das Verhältnis von Szene und Kind, politisch aktiv sein mit Kind, Erfahrungsaustausch…
So wie es zur Zeit aussieht, werde ich ab dem zweiten Tag da sein und würde mich freuen euch dort zu treffen.
Brief an Genevieve Vaughan
I share this letter with the Keimform community because I think it is a part of necessary and fruitful dialogues that we have to start. In a different colour (blue) I also included Genevieves answer which came rather swiftly and hopefully shows that dialogue is not only possible but also might lead to results.

Genevieve,
we met up shortly after your Friday evening speech at the „Matriarchy-Gift Economy – Subsistence“ seminar at the Vienna University of Agriculture and we had the opportunity to have a little chat afterwards at the buffet generously offered by Gerda Schneiders Institute of Landscape Planning. I talked to you about the feelings that I had as a strong advocate of non-monetary economics about your speech. And I announced that I would make them more precise in a letter. I share this letter with some friends that are at the heart of the matter.
Provisorische Gedanken über Commons, Krise, ursprüngliche Akkumulation und Feminismus
Trotz unerträglicher Hitze versuche ich mich mal an einem weiterer Beitrag zur Debatte um Gemeingüter und die ursprüngliche Akkumulation.
Stefan schrieb in seinem Artikel ja nicht ganz unrichtig, dass man nicht alles in einen Topf werfen solle, dass es also signifikante Unterschiede zwischen der „ursprünglichen Akkumulation“ wie sie Marx beschreibt, der „fortgesetzten ursprünglichen Akkumulation“ wie sie Luxemburg beschreibt und der Einhegung der Commons damals und heute gibt. Ich habe dazu ein paar noch ziemlich ungeordnete Gedanken (wie schon der Titel deutlich machen sollte). Und wie es so meine Art ist, mißbrauche ich euch, um sie zu ordnen.
Silke Meyer: Reclaim Linux!
[Repost, Textquelle: sul serio #12 NETZWELTEN, Lizenz: CC by-nc-nd; Bildquelle: „No, this is not“ by LadyPain, Lizenz: CC by-nc-sa]
Seit über 20 Jahren arbeiten Menschen an einer Alternative im hart umkämpften Softwaremarkt: Linux. Hinter Linux steht kein Konzern, sondern eine Community: Sie entwickelt freie Software, damit es welche gibt, Software, die sich dadurch auszeichnet, dass sie mit Quellcode veröffentlicht wird, weiterverteilt werden darf, dass sie also transparent, kostenlos und legal kopierbar ist. Aber Linux entsteht in einem männlich geprägten und teilweise sexistischen Umfeld. Dies verhindert seine erfolgreiche Durchsetzung.

Streifzug-Review 9: »Copyright & Copyriot«
In der neunten Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« geht es um das Buch »Copyright & Copyriot« von Sabine Nuss. Neben viel Löblichem habe ich eine doch ziemlich grundsätzliche Kritik an dem Inhalt formuliert. Eine kurze Rekapitulation und eine weiter gespannte Reflexion über das Denken.
Was soll schlecht sein am Matriarchat?
Diese Frage stellt Hannelore Vonier in ihrem interessanten Blog „Rette-sich-wer-kann“ (The blog formerly known as Matriarchatsblog). Ich hatte damals mit einem spontanen Ausruf reagiert:
„Fortschritt! Aufklärung! Wissenschaft! Technik!“
Das war nicht so wirklich nachvollziehbar. Deshalb jetzt hier die Langversion:
Das Filesharing-Epos
xkcd bringt ein großes Epos des digitalen Zeitalters. Donald Knuth, Richard Stallman und Cory Doctorow kommen vor — aber die eigentlichen Heldinnen sind natürlich zwei Frauen!
(Die erste und die letzte Folge sind verkleinert – auf ein Bild klicken, um es in Originalgröße zu sehen.)
Tier werden, Schwarz werden, Frau werden.
So lautet der Titel eines Buches von Gabriel Kuhn. Der Untertitel lautet „Eine Einführung in die politische Philosophie des Poststrukturalismus“. „Post was?“ Wer so reagiert sollte vielleicht dieses Buch lesen. Ebenso kann man es allen empfehlen, die ihre Vorurteile – oder meinetwegen auch lange gepflegte Urteile – mal hinterfragen wollen. Meiner Meinung nach kann es nämlich keine halbwegs zeitgemäße Theorie geben, die die wesentlichen Erkenntnisse des Poststrukturalismus ignoriert. Man muß sie vielleicht nicht teilen, aber sollte dann zumindestens gut begründen können, warum man diesen Weg der Philosophie nicht teilt. Viele von den landläufig kursierenden Einschätzungen („Beliebigkeit“, „wirr“, …) halten dieser kompakten Einführung jedenfalls nicht stand.

