Kategorie: Feindbeobachtung

Umsonst – ein radikaler Preis

Wie ist eigentlich die Sicht der Vorkämpfer des Marktes auf das alles, was wir hier immer wieder durchkauen? Eine Antwort gibt Chris Anderson, Chefredakteur von Wired in seinem neuen Buch „Free – The past and future of a radikal price“. Auf einer Nokia-Konferenz hielt er einen Vortrag darüber, der auch im Netz steht(45min). Das Buch selbst ist wohl noch garnicht erhältlich, ich konnte es zumindestens nicht finden. Das ist ein sehr erhellendes Werk, weil es zum einen deutlich macht wie radikal die Umwälzungen sind, in denen wir uns mitten drin befinden und weil es zum anderen eines der seltenen Dokumente ist, dass jemand sich Gedanken darüber macht, wie unter den Bedingungen des Überfluss eigentlich Kapitalismus noch funktioniert. Seine Antwort: Jeder (!) Überfluss generiert neue Knappheiten. Jetzt wo Rechenzeit, Speicherplatz und Bandbreite in ihren Kosten gegen Null tendieren, werden diejenigen die Konkurrenz gewinnen, die die neuen Knappheiten zu monetarisieren wissen. Die neuen Knappheiten sind Aufmerksamkeit und Reputation. Da Aufmerksamkeit sich auch auf Reputation zurückführen lässt, ist also Reputation das neue knappe Gut auf das man sich stürzen soll.

Auslaufmodell GEMA

Die GEMA ist die deutsche Verwertungsgesellschaft für Musik und damit einer der wichtigsten Exekutoren des Urheberrechts. Eigentlich verwertet sie selbst nix, sondern leitet nur Geld um: von Musiknutzern zu Musikmachern (auch Inkasso genannt). Minus der Summe, die sie selbst verbraucht (14% der Einnahmen). Von der Verteilungssumme bekommen weniger als ein Zehntel der Mitglieder 70%, der Rest (mehr als 90%) teilt sich den Rest (30%) — eine Art Taschengeld sozusagen.

Im folgenden will ich mir die GEMA ein wenig ansehen, ein paar Probleme benennen sowie bekannte Lösungsvorschläge dazu und einen Ausblick in die Zukunft wagen.

(mehr …)

Dezentralisierung wird Mainstream

Sieben Jahre, nachdem mein einstiger Chef Lucas Gonze die [Decentralization]-Mailingliste gegründet hat, in der Phänomene wie der damalige überwältigende Erfolg des ersten P2P-Filesharingsystems Napster erstmals unter dem Label „Dezentralisierung“ beschrieben und analysiert wurden, scheint dieser Begriff langsam Mainstream zu werden.

Sieht so die Wikipedia aus?Das US-amerikanische Autorenduo Ori Brafman und Rod Beckstrom hat dazu ein Buch „The Starfish and the Spider“ („Der Seestern und die Spinne“) vorgelegt, wo sie den „dezentralisierten“ Seestern der zentralisierten, hierarchischen Spinne entgegenhalten – und im „Seestern“-Modell die Zukunft sehen:

(mehr …)

Wikinomics: Nackt und fit?

»Wikinomics« — das ist der »neue Kapitalismus mit einer Prise sozialistischer Teilhabe«. Das meint jedenfalls Don Tapscott, Autor des gleichnamigen Buches. brandeins hat den Kreator des Begriffs interviewt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Peer-Ökonomie als Kapitalismus gestrickt. Die Widersprüche sind nicht zu überlesen: Der Kaiser ist »nackt«, aber nicht mehr »fit«.

[Dank an Uli für den Hinweis]

Berlin war eine Reise wert

Unsere Jubiläumsfeierlichkeiten in Berlin waren ein voller Erfolg. Zunächst mal musste ich aber bei meinem Zwischenstopp in Hannover ziemlich argen Tobak verkraften. Ich war dort nämlich bei einer Podiumsdiskussion von der Humanistischen Union zum Thema Onlinedurchsuchung. Sie hatten den Chef vom BKA (Zierke) eingeladen und wie ihr euch denken könnt, bin ich auf die Bande gerade nicht besonders gut zu sprechen. So ging ich also zu dieser Veranstaltung hin mit der Erwartung, dass so jemand von einer Bürgerrechtsorganisation wie der HU kräftig Zunder kriegt. Leider wurde ich eines Besseren belehrt. Zierke konnte mehr oder weniger unwidersprochen seine Angstszenarien (Terror! Kinderschänder! „Das sind keine Eierdiebe!“) verbreiten. Die Leute von der HU haben ihm im wesentlichen versucht mit verfassungsrechtlichen Spitzfindigkeiten zu kommen, aber so etwas perlt da natürlich ab. Da wurde lange darüber gestritten, ab wann denn ein Verdacht „konkret“ ist, was dann scheinbar selbst für die HU eine Onlinedurchsuchung rechtfertigen würde, dabei hat das BKA das ja gerade in den Verfahren gegen die kritischen Wissenschaftler bewiesen, was sie für einen „konkreten“ Verdacht halten. Wenn das Handy zu vergessen schon ausreicht, um in den Knast zu kommen, was reicht dann wohl für eine Onlinedurchsuchung?

Ein paar interessante für mich neue Details gab es dann aber doch noch:
(mehr …)

15000 gegen Überwachungsstaat

Wow, das waren schon wirklich sehr viele Menschen, die es gegen den Überwachungswahn auf die Straße zog. Und sehr viele hatten etwas mitgebracht, was den Spaß bei so einem inhaltlichen Spaziergang ausmacht. Auch wir — Schreiberlinge dieses Blogs — waren dabei mit einem viel fotografierten Transparent und einem Flugblatt. Witzigerweise fand ich unser Transparent zuerst auf Winfuture (das siebente Bild) 😀

Weniger Freude bereitete die Berliner Polizei, die wohl meinte, ihren schlechten Ruf verteidigen zu müssen. Nervige Kontrolle aggressiver Beamter, unsinnige Verbote entgegen anders lautender Absprachen (Schäuble-Masken) und Rausgreifen von einzelnen Personen aus dem Antikapitalistischen Block heizten die Stimmung an und brachte die Demo öfter zum Stillstand. Schließlich deeskalierte der schon umzingelte A-Block aktiv und verließ die Demo — sprich: diffundierte in die Abschlusskundgebung (vgl. auch heise online).

Berichte und Bilder gibt es inzwischen so einige.

[Update]

Hier ein schönes Bild von unserem Transparent (Danke an Matti):

Mit Tux auf der Demo gegen Überwachungsstaat

Vergrößern: Auf das Bild klicken.

Präventiver Überwachungsstaat

Hier ein nettes, aus freien Quellen kompiliertes Video zur Vorratsdatenspeicherung:

Demo gegen Überwachungsstaat am Samstag, 22.9., 14:30 Uhr, Pariser Platz, Berlin — wir sind da.

[src|via]

Web 2.0 — Marx verführt weiter

Die Rechten in den USA sind wohl so deppert. Nein, ich meine jetzt nicht Bush (gähn), sondern Andrew Keen. Der schreibt für Weekly Standard (Kopie mit neuer Überschrift bei CBS-News):

»So wie Marx eine Generation europäischer Idealisten mit seiner Fantasie der Selbstverwirklichung in einem kommunistischen Utopia verführte, so hat der Web-2.0-Kult kreativer Selbstverwirklichung alle in Silicon Valley verführt.« (eigene Übersetzungen)

In so einer Perspektive wird dann wiki(Lawrence Lessig) glatt zum »intellectual property communist« (etwa »Kommunist geistigen Eigentums«), was zwar ein Widerspruch in sich ist, aber wen stört’s. Die User-Beteiligung im Web 2.0 hält Keen für bloßen Narzismus, mit dem ein gefährlicher Amateurismus Einzug hält:

»Anstatt Mozart, Van Gogh oder Hitchcock ist alles, was wir mit der Web-2.0-Revolution bekommen, mehr von uns selbst.«

Alles versinke im »flachen Geräusch der Meinungen« und ende mit dem »Verschwinden des individuellen Recht auf Selbstausdruck« — wie in Orwells 1984. Der Griff zum Schreibstift (diese analogen Teile ohne Tastatur dran) wird zum Widerstandsakt. Fazit:

»Ohne eine Mainstream-Medienelite werden wir unser Gedächtnis für jene Dinge verlieren, die wir lernten, lasen, erfuhren oder hörten.«

Bizarr! Aber lustig;-)

Bald: Ein Jahr Keimform.de!

Gib STASI keine ChanceAm 22. September vor einem Jahr ist der erste Beitrag in diesem Blog eingeschlagen. Wir haben beschlossen dieses denkwürdige Jubiläum zu nutzen um uns mal wieder zu treffen. Wie es sich so ergibt ist am selben Tag in Berlin eine Demo gegen Überwachungswahn, also noch ein Grund mehr.

Was genau wir wo und wann machen, ist noch nicht so ganz klar. Vielleicht machen wir einen kleinen wiki(Open Space) oder ein wiki(BarCamp) an dem Wochenende entweder in Potsdam oder in Berlin. Wenn ihr Interesse habt teilzunehmen, meldet euch mal, damit wir abschätzen können mit wievielen Leuten wir rechnen müssen.

(mehr …)

Fundi-Liberale gegen geistiges Eigentum

Es gibt eine Strömung im Liberalismus, die sich gegen das »geistige Eigentum« ausspricht. In den USA heißen sie »Libertarians«, in D-Land verwahren sich viele Anarchisten davor, den Begriff »Libertäre« für diese Strömung des fundamentalen Liberalismus bzw. Anarchokapitalismus zu verwenden. Interessant an dieser Strömung ist, dass sie im Gegensatz zum Neoliberalismus gegen Konzept und Praxis des »geistigen Eigentums« als Monopolrecht ist und folglich Patente, Copyright, Markenschutz etc. ablehnt.

(mehr …)