Kategorie: Feindbeobachtung

Copyriot am 1. Mai

Die wirkliche Randale fand diesmal nicht auf der Straße, sondern im Web statt: Digg-User ringen Digg nieder. Die Botschaft: Zensur, nicht mit uns! Mit einem Digg-Teaser plus Link zu einem Code, der das Aushebeln von AACS-Sperren bei HD-DVDs möglich macht, begann es. Die Story wurde schnell hoch bewertet, dann zog Digg die Reissleine und schmiss den Beitrag raus. Schwerer Fehler! In kurzer Zeit entbrannte ein Rennen um das Einstellen und Wiederrausschmeissen des Codes aus Digg — der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Zeitweise war Digg offline.

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Webanwendungen und GPL

Es wurde schon viel geredet vom Trend zu immer mehr Webanwendungen, langsam – mit zunehmenden Breitbandanschlüssen – zeigt sich aber, dass etwas draus werden könnte. Ich möchte eine selten thematisierte Folge dieses Trends thematisieren: Die GPL wird ausgehebelt.

Der Sinn der GPL liegt darin, dass Software, die einmal frei war auch weiterhin frei bleibt, dass unterscheidet sie und andere copyleft-Lizenzen von anderer Freier Software. Die Regel ist ganz einfach: Die GPL erlaubt ausdrücklich das Modifizieren der Software, unter der Bedingung, dass bei einem Vertrieb der Sourcecode der modifizierten Software mit weitergegeben werden muss, so dass auch andere von den Modifikationen profitieren können.

Im Fall einer Anwendung, die blos übers Web im Browser abgewandelt wird, funktioniert das leider nicht mehr, weil gar kein Vertrieb mehr stattfindet. Ich kann also eine Serversoftware, die unter GPL steht verändern und auch im Zweifel Millionen von Leuten sie übers Web benutzen lassen, ohne den veränderten Sourcecode freigeben zu müssen. Je mehr nun aber Webanwendungen zunehmen umso drängender wird dieses Problem der GPL.

Zur Zeit wird in einem umfassenden Communityprozeß (selber eine Webanwendung) eine neue Version der GPL erarbeitet. Leider bietet auch diese neue Version keinen Schutz vor einem solchen Mißbrauch, es ist auch fraglich ob sich dass rechtlich überhaupt machen lässt. Was also tun?

Proprietäre Schwarmhardware und andere Biester

CrowdSpirit ist eine Webseite die versucht den Prosumergedanken für das Feld elektronischer Hardware konsequent umzusetzen. Leider ist da scheinbar nix frei , sondern den Mitspielern wird Geld versprochen, das scheint ja sowieso der neueste Web-2.0-Trend zu sein.  Der Schwarm wird bezahlt.

Für uns stellt sich da die Frage,  ob es gegen diese Strategie der Microverwertung noch der kleinsten Lebensregungen ein adäquates Gegenmittel geben könnte.  Freie Software funktioniert ja auch zu einem großen Teil deswegen, weil es sich für viele Beteiligte nicht lohnt ihren Einsatz zu verwerten.  Was, wenn jetzt jemand auf die Idee kommt einfach jeden Codeschnippsel und jeden Bugreport zu bezahlen? Ich hoffe mal, der Feind liest nicht mit 😉

Ein auf den ersten Blick (ist schon spät, ich muss ins Bett) interessanter Blog, der sich mit diesen Fragen beschäftigt ist Crowdwisdom.

Kritische Psychologie an der FU Berlin vor dem Aus

Morus Markard ist der letzte Professor, der an der Freien Universität (FU) Berlin Lehrveranstaltungen zur Kritischen Psychologie anbietet — und auch das nur per Lehrauftrag, der jedes Semester neu vergeben werden muss. Damit sollte nun nach dem Willen der FU Schluss sein. Begründung: Die FU müsse sich auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge vorbereiten. Durch eine Protestaktion konnten die Studierenden dafür sorgen, dass Markard den Lehrauftrag noch mal bekam.

Doch die Studierenden machen sich keine Illusionen. Nora Kiefer schreibt in der jungen Welt:

Den Erfolg der Proteste an der FU Berlin und die Bewilligung von Markards Lehrauftrag als einen Sieg zu bezeichnen, wäre weit gefehlt. Aber die Studierenden haben ein kleines Zeichen gesetzt, daß sich Betroffene wehren können, daß es noch Alternativen gibt und daß sie genutzt werden können.

Keimformdenken braucht die Kritische Psychologie. Man muss nicht völlig mit ihr übereinstimmen, aber die theoretischen Grundlegungen zur Handlungsfähigkeit und Selbstentfaltung sind unverzichtbar.

Die kritische Potenz kann sich jedoch nur unzureichend entfalten, wenn Kritische Psychologie nur als akademische Lehre und Forschung verstanden wird, die auf ein normales Berufsleben vorbereiten soll. Spätestens jetzt ist klar, dass die Kritische Psychologie nur außerhalb der Universitäten überleben kann. Dafür müsste jedoch auch aus der Universität heraus etwas getan werden.

Steve Jobs gegen DRM

Steve Jobs (Chef bei Apple) meint, die Europäer sollten mal ihre Musikkonzerne dazu bringen, DRM zu kicken:

Much of the concern over DRM systems has arisen in European countries. Perhaps those unhappy with the current situation should redirect their energies towards persuading the music companies to sell their music DRM-free. For Europeans, two and a half of the big four music companies are located right in their backyard. The largest, Universal, is 100% owned by Vivendi, a French company. EMI is a British company, and Sony BMG is 50% owned by Bertelsmann, a German company. Convincing them to license their music to Apple and others DRM-free will create a truly interoperable music marketplace. Apple will embrace this wholeheartedly.

via Apfelküche

Selbstentfaltende Reservearmee

Die Zeit berichtet unter dem Titel „Tausche Geist gegen Geld“ wie das Kapital sich das Innovationspotential von Freizeitforschern zunutze macht. Auch wenn die Aneignung der Ideen ärgert und die Düsentriebe anonym gegeneinander um den Preis für die beste Lösung streiten ist dies ein Beispiel für mögliche Peer-Produktion.

BadVista Blog

Die Free Software Foundation hat eine Kampagne namens BadVista mit dazugehörigem Blog gestartet, die auf die Gefahren der neuen Windows-Version namens Vista sowie die Vorteile von Freier Software aufmerksam machen soll. Es geht darum Kontrolle über den eigenen Computer zu behalten.

Interview mit Jaron Lanier im Spiegel

Der Spiegel hat (für zwei Wochen kostenlos) ein Interview mit Jaron_Lanier im Netz, mit kritischen Bemerkungen zur „Weisheit der Massen“:

Lanier: Die schlimmste ist der Glaube an die sogenannte Weisheit der Massen, die im Internet ihre Vollendung finde.

… Mir bereitet die Vision Sorgen, nur das große Ganze, das Kollektiv sei real und wichtig – nicht aber der einzelne Mensch. Das war der Fehler in allen totalitären Ideologien, vom Nazi-Regime über Pol Pot bis zu den Islamisten.
… Schnell wird der Einzelne Opfer des Mobs; die Gefahr von Wiki-Lynchjustiz halte ich für sehr real. In der Wikipedia-Welt bestimmen jene die Wahrheit, die am stärksten besessen sind. Dahinter steckt der Narzissmus all dieser kleinen Jungs, die der Welt ihren Stempel aufdrücken wollen, ihre Initialen an die Mauer sprayen, aber gleichzeitig zu feige sind, ihr Gesicht zu zeigen.

Bemerkenswert finde ich Laniers Idee von „Digitaler Eingeschlossenheit:“ :

Leider durchlaufen digitale Strukturen, im Gegensatz zur menschlichen Kultur, keine Evolution. Sie werden gleichsam eingeschlossen.

Nehmen Sie die Geschichte von Midi. Das ist ein technischer Standard, wie der Computer Musik beschreibt. Den hat vor 25 Jahren mein Freund Dave Smith entwickelt, als Wochenendprojekt, gedacht dafür, zwei Synthesizer miteinander zu verbinden. Aber wie es so geht, wurde es der universale Standard für musikalische Klänge. Der steckt auch in Ihren Handys und lässt sie klingeln. Praktisch jeder Musiker findet Midi unangemessen, es gab endlose Kongresse, die es überarbeiten wollten. Aber das geht nun nicht mehr.

Midi ist einer der Gründe dafür, dass sich unsere Musik heute so mechanisch anhört: Club-Music, HipHop und so weiter – das ist genau das, was Midi gut kann. Viele meiner Kollegen in der Computerwelt wollen die antievolutionären Eigenschaften digitaler Techniken nicht wahrhaben. Sie erliegen dem Trugschluss, Computersysteme entwickelten sich und Software würde besser und besser.

Seine Ideen das ganze besser zu machen scheinen mir allerdings kaum Richtungsweisend:

Ich würde eine Technik erfinden, wie man im Internet unmittelbar mit Inhalten Geld einnehmen kann. Das wäre für viele Menschen der Anreiz, anspruchsvolle Dinge im Internet zu veranstalten und zu veröffentlichen. Sofort gäbe es eine Fülle unterschiedlichster ernstzunehmender Stimmen – und dem Kollektivismus wäre die Grundlage entzogen.

Einen weiterer Kommentar dazu findet sich auch bei commonspage.