[Beitrag in der Dokumentation zum Kongress über die Ideen von André Gorz, 15./16.2.2013 in Saarbrücken.]
In seiner letzten Lebensetappe setzte sich André Gorz intensiv mit der Wissensökonomie als Kern des „kognitiven Kapitalismus“ auseinander. Wissen sei einerseits zur wichtigsten Produktivkraft geworden, andererseits stelle die Entfaltung der Wissensgesellschaft zentrale Kategorien des Kapitalismus infrage. Er forschte den Ursachen dieses Widerspruchs nach und konnte dabei an frühere Überlegungen einer kategorialen Kritik des Kapitalismus anschließen. Die Begegnung mit der theoretischen Strömung der „Wertkritik“ ermöglichte ihm eine Zuspitzung seiner Untersuchungen. Dies zeigt sich zum Beispiel deutlich in den Unterschieden zwischen der französischen Ausgabe von „L’Immatériel“ (2003) und der ein Jahr später unter dem Titel „Wissen, Wert und Kapital“ (2004) publizierten deutschen Ausgabe[1]. In diese Zeit fällt eine von 2003 bis zu seinem Tod 2007 andauernde briefliche Konversation mit dem Autor dieses Essays. In seiner emphatischen Art bekannte Gorz: „Das Vorwort schrieb ich 2 Jahre nach der ursprünglichen franz. Fassung. Im Laufe dieser 2 Jahre kam ich mit dir in Verbindung, las ich Postone, die Streifzüge u. ein paar Bücher von R. Kurz u. ‚bekehrte‘ mich zum wertkritischen Denken“ (Briefe 2005). Die wertkritische Analyse wurde für Gorz (wie für mich) immer wichtiger, er bedauerte, sie erst so spät entdeckt zu haben.



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