Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Die Geldlogik kritisieren und überwinden

react!ORAm 4. und 5. April gibt im selbstverwalteten Jugendzentrum react!OR in Kempten (Allgäu), Frühlingstr. 17, einen Doppelvortrag:

Hier die Einladungstexte:

Uli Frank, Einführung in die Kritik der Geldlogik:

Über Geld wird zwar auch in der VWL und Politik unentwegt geredet, aber ohne sein merkwürdiges Wesen wirklich zu begreifen. In meiner Präsentation versuche ich, Geld und seine Kritik aus verschiedenen Perspektiven möglichst anschaulich zu betrachten. Dabei möchte ich zeigen, dass eine grundsätzliche Kritik das Geld und die von ihm verkörperte Logik als gesellschaftliches Betriebssystem ins Visier nehmen muss. In der nachfolgenden Veranstaltung wollen Stefan und ich Perspektiven jenseits der Geldlogik aufzeigen.

Stefan Meretz, Commonismus:

Der Kapitalismus mit seiner alle Sphären durchdringenden Geldlogik gibt sich als hermetisches, geschlossenes System. Wie kann sich jemals etwas anderes als Kapitalismus durchsetzen, wo wir doch alle in und von ihm leben und ihn täglich reproduzieren? Gleichzeitig entwickeln sich praktisch immer mehr und immer wichtigere Bereiche, die sich nur noch auf »nichtkapitalistische Weise« herstellen lassen, die der Kapitalismus braucht, aber selbst nicht mehr in seiner Logik produzieren kann. Mit der commonsbasierte Peer-Produktion entsteht eine qualitativ neue Produktionsweise inmitten der alten Logik. Lässt sich Commonismus machen, ganz so wie es Marx und Engels dachten, nicht als »ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten« habe, sondern als »wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt«?

Neben mehr theoretischen Überlegungen, wie eine commonistische Gesellschaft auf ihrer eigenen Grundlage funktionieren kann und wie wir möglicherweise dorthin kommen, gibt’s viele anschauliche Beispiele, wo wir die Keimformen heute schon finden können. Genug Stoff für eine anregende Diskussion!

 

Kategorien: Commons, Termine, Theorie

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18. März 2013, 07:11 Uhr   2 Kommentare

1 Hans-Hermann Hirschelmann (18.03.2013, 12:36 Uhr)

Der Kapitalismus mit seiner alle Sphären durchdringenden Geldlogik gibt sich als hermetisches, geschlossenes System.

Sich “Kapitalismus” als ein über den Wassern schwebendes Subjekt vorzustellen, das sich zur Täuschung seiner Zielgruppe als etwas ausgibt, das es nicht ist, halte ich für ebenso wenig erkenntnisträchtig wie die Vorstellung, dass dieses vermeintlich betrügerische Subjekt eine separate “Geldlogik” hat. Als ob die Menschheit ihr kapitalistisch formiertes Füreinander dadurch in ein weltweites Miteinander verwandeln könnte, (das nach mitmenschlich bestimmten Maßstäben gestaltet werden muss und kann), indem die Menschen ihre Freizeit dazu nutzen, sich per bargeldlos vermitteltes Produzieren und Konsumieren von diesem falschen Geist (= dieser falschen Logik) zu befreien. 

Wie kann sich jemals etwas anderes als Kapitalismus durchsetzen, wo wir doch alle in und von ihm leben und ihn täglich reproduzieren?

Das ist eine berechtigte Frage. Sie sollte dazu anhalten, nach ganz unterschiedlichen Ansätzen zu schauen, die sich – unter Umständen – in Richtung einer Befähigung zur (welt-) gemeinschaftlichen  Bestimmung der wesentlichen Produktionsziele und den dafür zu akzeptierenden sozialen bzw. ökologischen Kosten bewegen (lassen).Open Source, Peer to Peer Production, Freizeitgärtnern usw. all diese Dinge bei denen das Geldverdienen nicht der alles andere antreibende Zweck ist, sind mit Sicherheit solche Ansätze. Aber auch Bemühungen das Produktionsmittel Geld unter eine stärkere gesellschaftliche Kontrolle zu bringen bzw. es – etwa mittels Ökosteuern oder -zöllen (letzteres perspektivisch) zu einer sozialeren (am Ende weltgemeinschaftlichen) Bestimmung der Produktionsziele einzusetzen.

Wenns gut geht, könnte sich Geld als Aneignungs- und Veräußerungsmittel, Maß für gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit usw. am Ende vielleicht erledigen bzw. durch bessere Produktionsverkehrsmittel ersetzt werden. Ob ein vorgestellter Kampf gegen “die” Geldlogik weiter hilft, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Gruß hh 

2 Stefan Meretz (18.03.2013, 15:06 Uhr)

Nun ja, als »bargeldlos vermitteltes Produzieren und Konsumieren« könnte man durchaus den Kapitalismus fassen, da die Bargeldvermittlung vermutlich minoritär ist. Insofern scheint dich der Geldgeist in die Irre geführt zu haben. Alles weitere steht im Fetischkapitel-ff vom »Kapital« ;-)

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