Schlagwort: karl marx

Widersprüche und Spannungsfelder in der Praxis aktueller Commons-Netzwerke – am Beispiel Freier Software

Titelbild des Hefts 124 der Widersprüche[Diese per E-Mail geführte Diskussion zwischen Annette Schlemm und mir erschien in der Widersprüche, Heft 124 (Juni 2012), S. 25–31.]

Widersprüche-Redaktion (W.R.): Mit dieser E-Mail-Diskussion würden wir gerne einen Beitrag für das nächste Widersprüche-Heft herstellen, der den Leser_innen einen Eindruck von den widersprüchlichen Entwicklungen alternativer Produktionsweisen – am Beispiel der freien Software – ermöglicht. Könnt Ihr eingangs ein paar Hinweise formulieren, wo Eures Erachtens gegenwärtig die entscheidenden Entwicklungstendenzen in dem Bereich der Commons-Netzwerke liegen.

Annette Schlemm (A.S.): In den letzten 10 Jahren hat sich die Erfahrung des Teilens im Gebrauch von Gütern und der selbstorganisierten Arbeitsteilung in vielen Bereichen verbreitet. Das erste Beispiel dafür war die Freie Software. Das Wichtige daran war nicht der technische Code, sondern die sich entwickelnde Praxis vieler Menschen, sich selbstbestimmt zu koordinieren. Bis dahin war häufig angenommen worden, dass eine von Menschen selbst organisierte Arbeitsteilung, die nicht über die „sachliche Vermittlung“ des Geldes bzw. des Kapitals oder planwirtschaftlich organisiert ist, nur als landwirtschaftlich-handwerklich orientiertes Kommune- bzw. Ökodorfnetzwerk möglich sein könnte, aber nicht global und auch nicht auf der Grundlage hochproduktiver moderner Produktionsmittel. (mehr …)

Beyond Digital Plenty (2)

Journal of Peer Production[First part]

Building Blocks for Generalized Peer Production

If we consider at contemporary forms of peer production, we find that the used resources and means of production tend to be commons or distributed widely. For digital peer production, knowledge and information are the most important resources. They are generally treated as commons that everybody can use, share and improve. This philosophy is nicely expressed by the Wikimedia Foundation (2011), the organization running the Wikipedia and related wikis:

Imagine a world in which every single human being can freely share in the sum of all knowledge. That’s our commitment.

Open design (also called open hardware) is the kind of knowledge most important for producing physical things. (mehr …)

Commonismus in Dresden, Bamberg, Hamburg

Hier die beiden nächsten drei Veranstaltungen mit meiner Beteiligung:

Kommunismus oder Commonismus, 7.11.2012, 19:00 Uhr, WIR-AG, Martin-Luther-Straße 21, 01099 Dresden (Veranstalter: RLS Sachsen):

Sind Commons die zeitgemäße Form, die Eigentumsfrage zu stellen und im 21. Jahrhundert zu beantworten? Was ist unter Commons zu verstehen? Ist es nur eine neue Form alte Fragen zu stellen oder geht es mit den Commons tatsächlich auch um einen neuen Inhalt? Müssen sich die Linken auf etwas Neues einlassen oder wissen sie es wie eh und je schon besser? Ist das Commons-Konzept als emanzipatorische Perspektive denkbar, ist es gesellschaftlich verallgemeinerbar? Geht es um Commonismus oder um Kommunismus?

Peer-Produktion – Bastelvergnügen oder Revolution? 8.11.2012, 20:00 Uhr, Balthasar, Bathasargässchen 1, 96049 Bamberg (Veranstalter: Freie Uni Bamberg): (mehr …)

Die Commoners als Klasse?

Der Keimformtheorie fehlt das historische Subjekt. Es gibt durchaus grobe Skizzen davon, was sich ändern muss (Besitz statt Eigentum, keine getrennte Privatproduktion, Demonetarisierung, …) und sogar wie das von statten gehen soll (Commons Based Peer Production) und wie nicht (ohne Markt und Staat), und in diesem Blog kann man sie sehr materialreich nachverfolgen.

Gegenüber der klassischen Transformationsvorstellung des Marxismus-Leninismus bleibt aber eine entscheidende Leerstelle: Es fehlt die Antwort auf die Frage wer der Träger der gesellschaftlichen Transformation vom Kapitalismus in eine freiere Gesellschaft („Kommunismus“, „Commonismus“, whatever …) sein sollte. Das nennt man gemeinhin die Frage nach dem „historischen Subjekt“.

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Marx‘ Plädoyer für die Commons

Heute mal Philosophie. Der Philosoph Karl Marx schrieb 1845 die »Thesen über Feuerbach« in sein Notizbuch. Sein Kumpel und Sponsor Friedrich Engels fand sie dort und brachte sie nach dem Tode von Marx (1883) in veränderter Form 1888 heraus. Können die Thesen uns heute noch was sagen? Vorweg die Antwort: Unbedingt! Marx hat dort wesentliche Elemente beschrieben, die wir heute als Commoning (Praxis der Commons) fassen würden.

Ich folgenden zitiere ich die elf Thesen in gekürzter Form. Dabei lasse ich v.a. zeitbezogene Aussagen weg. Anschließend kommentiere ich jeweils die zitierte These aus der Sicht eines philosophisch interessierten Commoners. Vorab: Wenn von Materialismus die Rede ist, dann ist immer ein philosophischer Begriff gemeint, nicht die heute oft genauso bezeichnete personale Orientierung auf den Besitz »materieller Sachen«.

Kurz zum historischen Hintergrund: (mehr …)

Einführung in die »Grundlegung der Psychologie«

Auf der Ferienuni Kritische Psychologie werde ich einen vierteiligen Einführungsvortrag (mit anschließendem Tutorium) zur »Grundlegung der Psychologie« geben. Die GdP, wie das Buch gerne abgekürzt wird, ist das Hauptwerk von Klaus Holzkamp, mit dem er wesentliche Theoriegrundlagen der Kritischen Psychologie formulierte.

Die Einführung stützt sich auf eine Online-Artikelserie, die ich nun in überarbeiteter Form auch als Buch herausgebracht habe. Artikelserie und Buch habe ich geschrieben, weil nach meiner Erfahrung die GdP für Einsteiger*innen schwer zu lesen ist. Gleichzeitig kann sich das Werk von der Bedeutung her mit dem Kapital von Karl Marx messen — nur auf dem Gebiet der Subjekttheorie. Aber auch das Kapital ist ja nicht so einfach zu erschließen.

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Vortrag »Kapitalismus aufheben« in Kassel

Nachfolgend könnt ihr im Slideshare (Folien+Audio) meinen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Querfeldein – Auf der Suche nach anderen Wegen zu einem schönen Leben« des AK Spunk anschauen und anhören. Länge ist etwas mehr als eine Stunde (hier Folien und Audio).

Den Betrieb übernehmen. Einstieg in Transformation?

So lautete die selbstgestellte Frage einer Konferenz der Rosa-Luxemburg-Stiftung vom November 2011 (hier die Playlist, die meine Quelle war). Um es vorwegzunehmen: Sie wurde nur von einem Referenten mit »nein« beantwortet. Alle anderen drückten sich mehr oder weniger um die Frage herum oder endeten mit einem mehr oder minder deutlichem Wünschen: Schön wär’s schon…

Ich beginne also mit dem klarsten Beitrag, dem »nein« von Bernd Röttger. Ja, genau, das ist der Kollege, der auch auf dem Podium beim Elevate-Festival der commons-basierten Peer-Produktion, wie sie Christian vorgestellt hat, widerprochen hat. Das Argumentationsschema ist das gleiche, weshalb sich eine Befassung damit lohnt.

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Peer-Produktion und gesellschaftliche Transformation

Das Journal Critical Studies in Peer Production (CSPP) (inzwischen umgewandelt in Journal of Peer Production) lud mich ein, ein Diskussionspapier für die Ausgabe über Freie Software einzureichen. In diesen Papier versuche ich analytische Diskurs-Figuren herauszuarbeiten, wie sie in zehn Jahren der Forschung über Freie Software und commons-basierter Peer-Produktion im Oekonux-Projekt entwickelt wurden. Wie schon bei der englischen Version erscheint der Text in einer Serie von wöchentlichen Blogposts. Die einzelnen Diskurs-Figuren sind untereinander quer verlinkt. Anfangs werden die meisten Links »nach vorne« nicht funktionieren, was aber immer besser wird, je mehr Diskursfiguren erscheinen — also bitte etwas Geduld. Nun geht’s los mit dem Abstract, der Einführung, den Danksagungen und der verwendeten Literatur.

Zehn Diskursfiguren aus dem Oekonux-Projekt

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Grundkurs »Marktwirtschaft«

Lothar Galow-Bergemann hat am passenden Ort (im Karl-Marx-Haus in Trier) einen Vortrag gehalten, der den Titel trägt »Warum kann die Politik die Misere der Wirtschaft nicht stoppen?« Zwar geht der Referent auch auf »die Politik« ein, aber das eigentlich nur am Rande. Der größte Teil des Vortrag ist eine sehr verständliche Einführung in die Marktwirtschaft (aka Kapitalismus).

Hier anhören (54:36 Minuten):

[audio:http://freie-radios.net/mp3/20111029-warumkannd-43934.mp3]

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