Fundamentalistischer Heimunterricht

Bei Telepolis ein bisschen Gegengift für alle, die glauben, dass es eine gute Idee wäre, ausgerechnet den Eltern zu überlassen, was und wie ihre Kinder lernen (und nicht der Gesellschaft – heutzutage zugegebenermaßen mehr schlecht als recht durch den Staat repräsentiert – und/oder den Kindern selbst):

Für den Hausunterricht entscheiden sich Eltern vor allem, um ihre Kinder fern von den Schulen zu halten, in denen sie um ihre Sicherheit fürchten und Sorge haben, dass sie an Drogen kommen oder unter den Druck von Mitschülern geraten. Fast ebenso oft werden religiöse oder moralische Gründe genannt. 72% der Eltern gaben an, ihre Entscheidung für den Hausunterricht sei aufgrund des Wunsches entstanden, religiöse und moralische Lehren zu vermitteln. Sexualität oder Keuschheit spielt bei den Fundamentalisten natürlich auch eine große Rolle. Man sorgt sich nicht nur, dass die Jugendlichen von ihren Altersgenossen verführt, sondern womöglich auch noch homosexuell werden könnten. […]

Nachdem die Fundamentalisten es mitunter nicht erreichen, im Unterricht etwa die Evolutionstheorie durch den Kreationismus bzw. Intelligent Design zu ergänzen oder gar zu ersetzen, könnte der Drang zum Ausstieg aus der Schule noch stärker werden. Lehrbücher für Biologie, die beispielsweise vom Beka Verlag für den Heimunterricht angeboten werden, sind denn auch ideologisch auf Bibeltreue getrimmt.

Tja, dagegen ist die Schule dann wirklich das kleinere Übel…

„…dass die Idee, Software zu verkaufen, immer uninteressanter wird…“

Sun gibt Java unter GPL frei (siehe Heise-Ticker), dazu gibt es in Technoligy Review ein Interview mit Timothy William Bray (Director of Web Technologies bei Sun Microsystems):

Von einem ökonomischen Standpunkt aus gesehen geht es uns am besten, wenn die Leute unsere Technologien verwenden. Also sollten wir Alles beseitigen, was sie daran hindert, dies zu tun. Closed Source hat sich als ein solches Hindernis erwiesen, das wir nun beseitigt haben.

Eine weitere Ticker-Meldung führt das noch weiter aus:

Ein erklärtes Ziel der Freigabe von Java unter der GPL ist es, der Sun-Software den Weg in die Linux-Distributionen zu ebnen. Immer mehr Distributionen enthalten nur noch Software, die unter der GPL oder einer kompatiblen Lizenz steht. Suns JDK und JRE blieben damit bislang außen vor; teilweise kamen andere Java-Implementierungen wie der Java-Compiler Jikes und die Java-Klassenbibliothek Classpath zum Zuge. Sun möchte jetzt alle Kräfte in seinem OpenJDK-Projekt bündeln – und, auch wenn man nicht so direkt darüber spricht, wohl der eigenen IDE NetBeans Vorteile gegenüber Eclipse verschaffen.

Kongress: Wie wollen wir wirtschaften?

In zwei Wochen (24.-26.11.) findet in Berlin der Kongress „Wie wollen wir wirtschaften? Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus“ statt. Ein Großteil der Veranstaltungen dürfte für unsere Fragestellung zwar nicht besonders ergiebig sein – zumeist handelt es sich wohl um Attac-artige Träume von einem „netten” Kapitalismus oder um dröge „Alternativen” wie Tauschringe und Subsistenzwirtschaft. Es gibt aber einen Workshop der Stiftung Fraueninitiative, der die Warenform wenigstens vom Titel hinter sich lässt: „Wie weiter? Gedankenaustausch zu zukünftigen theoretischen und praktischen Handlungsfeldern für waren- und herrschaftskritisches Wirtschaften, Arbeiten, Leben“. Als weitere Veranstaltungen, die interessant sein könnten, sind mir aufgefallen:

Am Sonntag morgen gibt es u.a. Veranstaltungen zu Umsonstläden und zur „Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim”. Die Kulturflatrate-Verfechter sind ebenfalls vertreten (auch hier und hier und hier).

Kollektive Intelligenz

Telepolis bringt einen interessanten Artkel zum Themenfeld Science-Fiction, Entscheidungsfindung, Schwarmintelligenz. Da steckt einiges drinn, z.B. folgende Erkenntnis über die Unmöglichkeit der Entscheidungsfindung mittels des besseren Arguments:

„Jeweils vor und nach der Diskussion gaben die Teilnehmer ihre Meinungen einzeln und anonym zu Protokoll. Das Resultat: In fast jeder Gruppe vertraten die Diskutanten am Ende radikalere Positionen als zuvor.“

Streifzug-Review 3: »DRM«

Antipolitk! Keine Politik?Im dritten Teil meiner Kolumne »Immaterial World« der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« ging es um ein Thema, das auch hier im Blog immer wieder vorkommt: »Digital Restrictions Management«. BTW: Interessanterweise hat Microsoft darauf verzichtet, im neuen grafischen Aufsatz »Vista« voll auf DRM zu setzen, obwohl doch viele Rechner inzwischen über entsprechende Hardware verfügen. Kennt jemand eine offzielle Begründung? – Anyway, zurück zum Review: Was wurde seinerzeit, Anfang 2005, diskutiert?

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Unerzogen!

Es gibt eine neue Website mit zugehöriger Mailingliste die sich den Themen Unschooling, Antipädagogik und Nicht-Erziehung verschrieben hat. Sie ist entstanden in dem Experiment einer Familie, die beschlossen hat nicht mehr zu erziehen. Gerade die Mailingliste finde ich sehr spannend, weil da lauter Leute mit ähnlichen Gedanken aus ihrer Praxis mit ihren Kindern erzählen (aber Vorsicht: zur Zeit Extremtraffic).

»Trusted Computing« am Ende?

Nachdem Microsoft in letzter Zeit DRM (»Digital Rights Management« AKA »Digital Restrictions Management«) nur noch sehr defensiv betreibt, ist nun Apple gleich ganz abgesprungen. Nutzte Apple auch schon bislang die eingebauten TPMs (»Trusted Platform Module«) nicht, so werden die Chips nun gar nicht mehr in die Rechner der Linie »MacPro« eingebaut. Der Anfang vom Ende von »Trusted Computing«? Microsoft setzt auf Gewöhnung und Apple sagt, das Zeug bringt es einfach nicht. Ende offen. [Source]

Schon wieder neues vom Fabber

Technology Review hat einen Artikel über Low-Cost und Open-Source Fabber. Das Fazit:

Während Lipson vor allem vom „Metaproblem der Ingenieurwissenschaften“ motiviert wurde, nämlich „eine Maschine zu bauen, die andere Maschinen bauen kann“, nennt Bowyer auch politische Gründe. Marx und Engels hätten im Kommunistischen Manifest die richtige Diagnose getroffen, dass das Problem der Arbeiterklasse gewesen sei, nicht über eigene Produktionsmittel außer ihrer Arbeitskraft zu verfügen. Die Lösungen seien aber nicht politische Revolutionen, sondern Produktionsmittel, die sich selbst reproduzieren können. „Eine Replicating-Rapid-Prototyping-Maschine wird ein revolutionäres Eigentum an den Produktionsmitteln durch das Proletariat ermöglichen – ohne den chaotischen und gefährlichen Revolutionskram“, schreibt Bowyer auf der RepRap-Seite. Woher das Proletariat die Materialien für die Fabber bezieht, sagt er allerdings nicht.

Solche radikalen Überlegungen gab es auch in der Computertechnik-Szene der siebziger Jahre. Es kam anders: IBM stieg 1981 ins PC-Geschäft ein, das damit doch wieder zum Big Business wurde. Bei den Fabbern dürfte es genauso kommen, ahnt auch Bowyer. Dass die RM-Hersteller noch keinen billigen 3D-Drucker auf den Markt gebracht hätten, läge an den Investitionen, die in die Entwicklung der Technologie gegangen seien. Technisch wären sie schon jetzt dazu in der Lage, sagt er. „Doch viele Patente laufen bald aus. Dann steigt ein dicker Fisch wie Hewlett-Packard ein und verkauft Fabber für 1500 Euro.“

»Open Source« im HKWM

Ich habe die Ehre, für das Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus (HKWM) einen Artikel zum Stichwort »Open Source« zu schreiben, vielleicht. Zunächst muss jedoch das Exposé akzeptiert werden. Ausnahmensweise steht der Text zum Stichwort von vorneherein öffentlich zur Diskussion. Im Juni 2007 soll der Artikel auf einer Tagung diskutiert werden, vielleicht.

Forschungsprojekt »Keimform« gestartet

Kann man »Keimformen« erforschen? Ja, aber dann müssen wir zunächst mit dem Begriff »Keimform« anfangen – meinen Annette Schlemm, Uli Weiß und Stefan Meretz (yes, that’s me!). Das Forschungsprojekt wird bei open theory gehostet, drei Texte sind bislang erschienen: