Der Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg hat ein neues Projekt gestartet: Die Freie Uni Hamburg. Die Ankündigung spricht für sich, deswegen sei sie hier im Folgenden komplett wiedergegeben.
Weltretter gesucht!
Es gibt ein neues Web-2.0-Portal zur Vernetzung von „gut gemeinten“ Projekten: weltretter.org. Ich habe davon erfahren auf den Perspektiventagen in Berlin. Eigentlich ist das sehr interessant und etwas, was manche von uns hier schon lange suchen, nämlich nach einem Portal zur Vernetzung von Projektgründern um Fähigkeiten und Bedürfnisse zusammenzubringen. Leider gibt es bisher ein paar Probleme:
- Die Software ist (bisher) nicht frei. Ob sie es wird, ist unklar.
- Die Abgrenzung zu reinen Business-Portalen ala Xing wurde nicht ganz klar. Es gibt zwar eine andere Zielsetzung aber die Abgrenzung zur kapitalistischen Ökonomie bleibt diffus. Irgendwie soll der kleine Bioladen um die Ecke schon dürfen, aber Basic nicht oder so.
- Es scheint ein mehr oder weniger kommerzielles Projekt zu sein. Momentan wird nach einer Finanzierung über „Business-Acounts“ gesucht.
In dem Workshop wurde vor allem letzteres sehr kontrovers diskutiert. Die Initiatorin zeigte dabei durchaus Einsicht, dass es auch andere Finanzierungswege geben könnte, will aber auf jeden Fall ihren Lebensunterhalt mit diesem Projekt bestreiten. Verständlich, wenn sie dafür ihren Job gekündigt hat. Ich wünsche ihr da ja durchaus viel Glück, bin aber skeptisch ob es sehr vielversprechend ist, ein solches Projekt mit einem so frappierenden Widerspruch zwischen Weltrettung und Geld-verdienen-müssen von Anfang an zu belasten. Wir sollten das auf jeden Fall weiter beobachten.
update: Ich hab mir nochmal die AGBs angeguckt und da steht dann sowas in §7:
1. Der Nutzer räumt der Betreiberin mit dem Einstellen von Inhalten ein unbeschränktes, unwiderrufliches und übertragbares Nutzungsrecht an dem jeweiligen Inhalt ein, welches die Betreiberin zu jeglicher Art der Verwertung, sowohl auf ihren Seiten als auch auf den Webseiten ihrer Kooperationspartner sowie zur sonstigen Vermarktung, berechtigt
2. Die Betreiberin hat damit das Nutzungsrecht an allen Inhalten. Eine Vervielfältigung oder Verwendung der Inhalte in anderen elektronischen oder gedruckten Publikationen ist ohne ausdrückliche schriftliche Einwilligung der Betreiberin nicht gestattet.
Also so gehts dann aber garnich 🙁
Thesen zum Informationskapitalismus
Ich arbeite gerade an einem längeren Text zum Informationskapitalismus. Auf Open Theory hab ich mal eine erste Version online gestellt, die sehr vorraussetzungsreich ist und wenig erklärt und zitiert. Es ist also eher eine Diskussionsgrundlage, bei der Kenntnis der Quellen vorausgesetzt wird. Das soll aber niemanden von der Diskussion ausschliessen. Wenn irgendetwas unklar ist, also bitte einfach nachfragen.
Nomadisches Gedankenreisen
Das Verknüpfen des bisher unge- und erkannt nebeneinander Stehenden ist eine große Stärke des Web. Sozialen Netzwerke entstehen genau dadurch. Hier entstehen Keimformen einer neuen Weise gesellschaftlicher Vermittlung. Wie dumpf und eindimensional ist dagegen die entfremdete Herstellung des gesellschaftlichen Zusammenhangs über das Geld. Allerdings muss man diesen Gegensatz auch kapieren, um ein gutes Projekt im Sinne eines sozialen Netzwerkes aufzuziehen, mindestens intuitiv. Oder übertreibe ich mal wieder?
Ein schönes Beispiel der Verknüpfung ist handlungsreisen.de, eigentlich. Also mindestens der Möglichkeit nach. Es geht um die virtuelle Reise an die Orte von Handlungen in der Literatur. Die soziale Verknüpfung ist in dem potenziellen Weltatlas der Literatur allerdings unterbelichtet. Zwar liest jede/r ein Buch für sich, aber doch deswegen nicht allein, oder? Doch jede Leserin schreibt nur für sich über das gelesene Buch. Noch nicht mal Kommentare von anderen Lesern gibt’s dazu. Und auch der Blog ist kommentarlos. Dicke Minuspunkte. Durchgefallen?
Dabei hört sich das sehr interessant an, was der Initiator Jens Nommel im Gespräch mit dem Elektrischen Reporter über die Grundidee berichtet:
Buch: »Internet and Society«
Christian Fuchs hat ein englischsprachiges Buch veröffentlicht. Der Titel »Internet und Gesellschaft« wird begleitet von einem ebenso unspektakulären Untertitel: »Social Theory in the Information Age« — das Inhaltsverzeichnis verspricht dennoch Interessantes. Auf der Webseite zum Buch bietet Christian eine Einführung in Thema und Buch in zwei Videos an — in englisch mit netter Österreichfärbung [via].
Facelifting
Wie der eine oder die andere vielleicht schon gemerkt hat, haben wir heute etwas an einem neuen Layout gewerkelt. Wir wollten vor allem endlich eine dritte Spalte haben, um dort mehr Zusatzinfos unterbringen zu können ohne dass man bis zum Erdmittelpunkt scrollen muss. Also: Wie gefällts? Das Bild bleibt so wohl nicht. Entweder kommt ein anderes hin (Vorschläge sind willkommen) oder wir machens sogar ganz weg.
Michael Heinrich ist ein Sozialdemokrat!
Das behauptet zumindestens Holger Wendt in einem lesenswerten Text, den ich in den Kommentaren eines Textes von Emanzipation oder Barbarei entdeckt habe. Bei mir hatte sich ja beim Lesen von „Die Wissenschaft vom Wert“ auch schon der Eindruck eingeprägt, es handele sich da mehr um eine gelungene Dekonstruktion der Kritik der politischen Ökonomie als um deren Darstellung – entgegen Heinrichs eigener Intention. Schon seit einiger Zeit findet ja auch im Laboratorium anhand von Stefans Konspekt von Heinrichs Einführungsbuch eine interessante Diskussion statt.
Meine Rückfrage an Wendt wäre ja vor allem ob es nicht gute Gründe geben könnte Traditionsmarxisten wie Lenin gegenüber misstrauisch zu sein. Man muß ja nicht gleich zum Sozialdemokrat werden. Wenn man etwas aus der Uralt-Diskussion zwischen reformerischen Sozialdemokraten und Revolutionären lernen könnte, dann doch vor allem, dass beide Ansätze gescheitert sind. Ich verstehe zumindestens meine Suche nach Keimformen vor allem auch als Versuch diesen unproduktiven Widerspruch in eine produktive Dialektik zu verwandeln.
Copyfarleft — a Critique
[Update 2008-06-04: A revision of the draft paper below was published in Mute-Online Magazine]
This is a translation of the corresponding german blog post »Copyfarleft — eine Kritik«.
The following critique of Dmytri Kleiners paper »Copyfarleft und Copyjustright« (published in Mute-Magazine) has got three parts. First I discuss the general theoretical principles, then the transformation of these principles to the field of information goods, and finally the concept of copyfarleft. A concluding critique closes this article.
Commons und Open Access
Manche Zusammenhänge liegen auf der Hand. Es muss doch immer mal wieder eine vorbei kommen, und sie formulieren, bevor ich sie sehe. Silke Helfrich vom CommonsBlog hat das für den Zusammenhang von Commons und OpenAccess für mich in einem Kommentar getan: Bei rivalen Gütern führt OpenAccess (also freie Nutzung) von Commons (also Gemeingütern, auch Allmende genannt) unweigerlich zur Übernutzung mit der Folge der Zerstörung der Commons.
Nun kam Garrett Hardin daher und hat das flugs verallgemeinert: Gemeingüter führen immer zur Übernutzung — bekannt geworden unter dem Titel »Tragedy of the Commons«. Der Witz bei lokalen Gemeingütern ist jedoch, dass sie meist kein OpenAccess kennen, sondern bestimmte Nutzungsregeln haben, um genau jene Übernutzung zu verhindern, die Hardin stets automatisch kommen sieht. Hardin ist noch in anderer Hinsicht schräg, aber das sei hier mal ausgeblendet. Mir geht es um was anderes…
Klau den Film, Teil zwo
Der zweite Teil des Klaufilms — »Steal this Film« — ist erschienen, in englisch und (vorerst?) ohne Untertitel. Er erinnert mich stark an »Good Copy Bad Copy«. Aber wieso eigentlich »klauen«? Der Film erklärt, warum es kein Klauen ist, sondern eine neue Form des Kommunizierens. Dazu gehört Kopieren, Nutzen, Remixen, Produzieren. Neue mediale Formen erzeugen neue soziale Formen. Felix Stadler: »The war on piracy fail on social reasons«.
Der Film besteht aus einer Reihe von Interviews und arbeitet sich von der Frühgeschichte des Kopierens als »Privileg« im Mittelalter über die Frühgeschichte der Raubkopie, über das Internet als »massive copying machine without a master« und dem Teilen und Kopieren als kommunikativem Lebensprinzip hin zum Übergang zur Umwandlung von bloßen Konsumenten zu Produzenten vor. Und das habe dann gewaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Art wie wir leben — aber welche, wird dann nicht weiter gedacht. Oder dem bereits angekündigten nächsten Teil des Films vorbehalten, mal sehn.
Aber nochmal: Warum »klauen«? Weil wir eben Piraten sind, wenn sie uns Piraten nennen. Na und. Subversion durch Überaffirmation, die ganz selbstverständlich, ganz »normal« wird. Aber das Neue liegt ohnehin nicht im Bewusstsein, sondern in der Praxis. Darüber bewusst zu reflektieren, ist dann aber ganz nett. Da könnte so’n Film allerdings ein Tick subversiver sein. [via]